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Mit einfachen Worten: Wie es große Philosophen gedacht haben, wandert unsere Lebenswirklichkeit im Moment jeder Gegenwart derart, daß aus der Zukunft alles Neue kommt und über den Punkt des Augenblicks in die Vergangenheit verschwindet.  Dieses geschieht nun aber nicht derart, als wenn dort irgendwo in der Vergangenheit die Welt eines jeden Augenblicks wie in einem Lagerhaus gespeichert und aufbewahrt wird, - jedenfalls nicht für uns sichtbar oder vorstellbar. Denn dann müßte dort auch jeder Mensch eines jeden Augenblicks seines Lebens als leb- und bewegungsloses Exemplar millionenfach vorhanden sein.
Die Absurdität liegt auf der Hand.  Und selbst dann, wenn ich dort in dieses Lager der Vergangenheit gelangen könnte, würde ich ein jedes dieser erstarrten Exemplare nur mit den Augen und mit dem Verstand meines jeweiligen gegenwärtigen Augenblicks sehen und es damit verdoppeln.
In welcher Richtung fließt die Zeit?
     Aber auch die gegenteilige Vorstellung, als wäre die Gegenwart die Öffnung einer Tube von Vergangenem, aus deren Öffnung die Zukunft quasi herausgepreßt wird, also in entgegengesetzter Richtung von der Vergangenheit zur Zukunft hin fließt, ist nicht weniger absurd und widersprüchlich. Denn wo bleibt dann die vergangene Gegenwart?
Dennoch finden wir in den biblischen Aussage, aber auch in den parallelen oder anderen Aussagen anderer Religionen beide Vorstellungen miteinander vermischt. Ob der auferstandene Jesus nun in der Zukunft die Ankunft der Jünger erwartet, oder ob diese Zukunft bereits in aller Vergangenheit vorbereitet wurde und Jesus somit bereits beim Schöpfungsakt anwesend war.
Eine völlig unbrauchbare Zeitvorstellung, wie es Gerold Prauss nachweist, was heute als Einsicht das grundsätzlich neue Verhältnis Jesu zur Welt, das seiner Jünger, der ersten Christenheit wie auch das eines gegenwärtigen Christseins auch rationell verständlich machen könnte, wie es als Beginn von Christsein von Beginn der Christenheit bis heute erlebt wird und mit den Begriffen Erlösung, Befreiung und Vergöttlichung verbunden wird und das eigentliche Leben der Kirche innerhalb und außerhalb aller offiziellen kirchlichen Ämter und Lehrmeinungen bedeutet. Obwohl logisch und sozial wie kontextual innerhalb bestehender Konventionen und Sprach- wie Vorstellungsgewohnheiten, die zur Zeit Jesu und der ersten Christenheit andere waren als heute, können wir Jesus und die erste Christenheit als das Erlebnis seiner und der damit neuen jeweils eigenen Gegenwart, der Vergegenwärtigung und Wirklichkeit Gottes als der neuen Wirklichkeit verstehen: Ein Aufwachen oder ein Neu-Geborensein.
Dieser Darstellungsversuch des Pfingsterlebnisses über den Rückgriff auf die damals wie heute ganz allgemein in solcher Undeutlichkeit und Widersprüchlichkeit benutzen Zeitvorstellung mag etwas künstlich und konstruiert wirken und soll auch nicht eine Erklärung des Wunders sein, sondern soll im Gegenteil nur als Beispiel die grundsätzliche Unabhängigkeit und damit die ja auch erlebte grundsätzlich mögliche Unabhängigkeit von allen Konventionen und Begrifflichkeiten - das heißt, auch von allen anderen Konventionen und Begrifflichkeiten verdeutlichen. Ich will damit Pfingsten und das religiöse Erlebnis auch nicht auf den hermeneutischen Aspekt reduzieren, den es natürlich gibt, oder den Glauben gar als mögliche Methode propagieren. Es geht mir nahezu im Gegenteil um ein Verständnis und um ein besseres Verständnis für den anschließenden Vorgang, wie solches Erlebnis dann im normalen Alltag und im Verhältnis zur bestehenden Begrifflichkeit und in der formulierten Erinnerung Formgesetzen der Sprache und Mythologisierungstendenzen ausgesetzt ist, die in allen menschlichen Gemeinschaften ähnlicher Struktur sind.
Wie es der Galaterbrief eingangs eindrücklich demonstriert, entstand und entsteht immer aufgrund unumgehbarer Regeln der Sprache und und als Sozialisation ein Netz von mehr oder weniger neuen Sprach-, Gültigkeits- und Verhaltensregelungen, die sehr bald auch noch das Eigengewicht von Tradition erhalten, mit denen der Glaube von einer religiösen Struktur umgeben wird und damit eine Religion neben anderen Religionen wurde und ist, (dem sich auch die Sekten, die anderen Kirchen, Konfessionen und Religionen, aber auch Parteien und Ideologien nicht entziehen konnten und können).

Aber es ergab und ergibt sich mit dem Auferstandenen als neue Dimension von Wirklichkeit als Verwirklichung die Mündigkeit bzw. Kompetenz, Gott und damit sich selbst unmittelbar in der persönlichen und zwar in der jeweils gegenwärtigen Erfahrung zu suchen und durch ihn zu finden. Die Fokussierung auf die Person Jesus bedeutete und bedeutet eben nicht die Fokussierung seiner Identität als geschichtlichen Körper oder geschichtliche Lehrmeinung, sondern die Fokussierung sowohl seiner und damit auch der eigenen Transzendenz, die quasi außerzeitlich immer und überall gegenwärtig ist - und zwar eben auch als eigene Wirklichkeit.
Im Verhältnis zu Allgemeingültigkeiten, Konventionen, Traditionen, Trends und Dezisionismen bedeutet dieses das Neue des Neuen Testamentes als die immer notwendige und in neuer Freiheit mögliche neue Auslotung jener jeweiligen psychischen, soziologischen, politischen und auch religiösen und konfessionellen Allgemeingültigkeiten, Konventionen, Traditionen, Trends und Dezisionismen, was als neues Verhältnis zur jüdischen Tradition von Paulus formuliert wurde, wozu auch die logische oder sprachliche Regelung mit den bestehenden quasi empirischen Zeit- und Weltvorstellungen gehört, ohne die kein Mensch und keine Gemeinschaft leben kann.

Der Glaube ist damit keineswegs trivialisiert als ein psychischer, sozialer, zivilisatorischer und soziologischer und vielleicht politischer Vorgang, für den wir weiter zuständig und auch verantwortlich bleiben, sondern geht als Erlebnis über jedes Verstehenkönnen hinaus.

Der Einmaligkeit und Unreproduzierbarkeit Jesu entspricht die Einmaligkeit und Unreproduzierbarkeit des Glaubens, eines jeden Augenblicks, eines jeden Menschen und einer jeden Situation und kann eben nicht systematisiert werden. Es wäre ein Anachronismus, z.B. das Kerygma reproduzieren und systematisieren zu wollen. Dies gilt natürlich auch für einen Menschen, der quasi systematisch im Reagenzglas gezeugt wurde.
Aber es ist nicht nur der Hang zur Systematisierung und Rationalisierung des Unfaßbaren, was wir als reine Systematik als Magie und Okkultismus bezeichnen würden, was als Hang jedoch jede Religion ausmacht und wobei bereits jede Formulierung eine Systematisierung quasi impliziert und einer solchen verdächtig macht, wie es z.B. der Name „Pfingstbewegung" einer solchen unterstellt und zwar bei Außenseitern voreingenommen kritisch und bei Insidern voreingenommen eben unreflektiert. Hieraus ergibt sich der unvermeidliche Widerspruch von Sprache und Unaussprechlichem, wobei Letzteres sowohl als Gott wie als einzelner Mensch bereits rein grammatisch und damit auch in der Vorstellung zum Gattungsbegriff und das Individuum als Gott oder Mensch einer Gattungsordnung unterstellt wird, wie es jede gemeinsame Sprache einer Gemeinschaft aber erfordert.
So ist es gerade die Konsolidierung, die der jeweiligen Auslotung als Reform oder Erneuerung folgt, die sich einer neuen Auslotung widersetzt.

Seit Beginn jeder Religion und auch der jüdischen und christlichen ist über jenes begriffliche und vorstellungsmäßige Problem hinaus dann ebenfalls unvermeidbar - aber nicht nur als unvermeidliche Folge - das Problem der Legitimität und der Legitimierung vor Außenseitern wie vor Insidern.
Es ist immer zugleich oder wohl hauptsächlich das Problem des Menschen mit sich und Seinesgleichen schlechthin, das nur mit seinem Problem mit Gott bewältigt werden kann. Und die eigentliche Legitimierung kann nur die Bewältigung und Lösung dieses Problems sein, bei Christen als Erlösung in Jesus, in seinem Namen, seinem Vater, seinem Heiligen Geist und in seinem Reich bezeichnet.
So gilt das Himmelreich quasi als die ideale Gesellschaftsordnung, wobei auf Erden ganz praktisch die begriffliche Gültigkeit z.B. des Glaubensbekenntnisses und sonstiger Sprachregelungen bei Christen durch die Institutionalisierung der Kirche oder Kirchen erreicht bzw geregelt wurde und deren Gültigkeit ursprünglich auch mit staatlicher und d.h. militärischer Gewalt durchgesetzt und gesichert wurde, im Islam durch die Verschriftlichung der Suren und deren Gültigkeit dann nicht anders mit direkter und indirekter Staatsgewalt.
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Die heute notwendige und auch unvermeidlich kritische Reflexion auf diese Legitimierung (von Lehre, Begriff, Institutionen und Sozialisationsstrukturen) durch Gewalt als Legitimierung von Gewalt z.B. im Nahen Osten und in Europa noch bis in unser Jahrhundert z.B. Nordirland und Jugoslawien und zwar als die gegenwärtig notwendige und stattfindende Auslotung der menschlichen Situation in dem sozialen Kontext einer globalisierten Welt mit einer globalisierten Begrifflichkeit von Demokratie und entsprechender Selbstverantwortung stellt den Christen und Andersgläubigen als Mitglied einer Konfession, Kirche oder Weltreligion wie nicht anders auch den nichtreligiösen oder religiös ungebundenen Menschen in die Möglichkeit, ja Unvermeidlichkeit eines privaten Urteils mit dem Bekenntnis der Urteilskriterien, wie ich es mit der Augsteinkritik und dem veränderten Glaubensbekenntnis seitens Pfarrer Metz als Beispiel nehme.
Dies bedarf einer etwas genaueren Analyse.
Denn dies impliziert zugleich den notwendigen Versuch eines Verständnisses der Geschichte bis zur Person Abrahams, Jesu, Mohammeds oder Buddhas.
Legitimierung bedeutet dabei im Ursprung menschlicher Situation überhaupt und in der späteren Intention auch der Kirchenzucht und der staatlichen Gewalt (im Buddhismus wohl weniger) zuerst die defensive Rechtfertigung und Einordnung zu Bestehendem jeweiliger Gegenwart, jeweiliger Sprache, Begrifflichkeit, Kultur und Religion. Man muß sich verständlich und erkennbar machen.
Was mit der Legitimierung von Beginn an als lehrende, verkündende oder informierende Handlung geschieht und mit der eigenen oder neuen Botschaft gewissermaßen als aggressive Haltung auftritt, ist nach heutigem Verständnis bereits auch eine politische Aktion oder beinhaltet eine politische Dimension, - und zwar nicht nur im metaphorischen Sinne, wie die Frage des Pilatus „Bist du der Juden König?".
Dennoch muß man von einer zweiten Stufe solcher Legitimierung sprechen, mit der sich dann eine Glaubensgemeinschaft definiert, und zwar in einer korrelativen Wechselbeziehung, nämlich der Mitglieder voreinander und untereinander und zugleich gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, Parteien, oder allgemeinen und indifferenten Strukturen.
Eine neue oder andere Lehre erscheint somit als eigene interne Allgemeingültigkeit gegenüber anderen (internen) Allgemeingültigkeiten durchaus aggressiv als Bedrohung und gewissermaßen als Okkupationsversuch und damit auch politisch.

Man muß hier dann die Botschaft als Erkenntnis und Mitteilung also unterscheiden von der Form, nämlich von dem begrifflichen, sozialen, gesellschaftlichen, politischen und später nationalen und militärischen Mechanismus und Automatismus als jeweils reale Lebenswirklichkeit, ohne ersteres aus dem Auge zu verlieren. Denn als gemeinsamer Glaube erhält die Erkenntnis oder Botschaft gewissermaßen die Struktur einer Satzung oder eines Gesetzes mit starrer Begrifflichkeit.
Gewissermaßen kann und muß man heute bereits den nationalen, gesellschaftlichen und begrifflichen - also vormilitärischen oder vorpolizeilichen Automatismus als Gewalt verstehen, soweit er - ja seit je - bewußt und strategisch benutzt wird.
Gesellschaftlicher und begrifflicher Automatismus bedeutet im Sinn einer Aussage dabei wohl hauptsächlich und ganz grundsätzlich die Identifizierung als Zugehöriger und Zugehörige einer Gemeinschaft, was zugleich die Verneinung anderer Zugehörigkeit oder die Abgrenzung zu solchen bedeutet, wobei und wodurch die Botschaft, Lehre, Erkenntnis und Bedeutung zur Sprach- und Gemeinschaftsstruktur wird, und als solche notwendig zur Funktion als Form, Konvention und Tradition.
Dennoch hat solcher Automatismus als Gewalt oder als Machtinstrument Einfluß auf das Verständnis der ursprünglichen Botschaft, wie umgekehrt diese Botschaft, ob jüdisch, christlich, islamisch oder buddhistisch natürlich auch diesen Automatismus beeinflußt, z.B. müssen sich politische Führer und Inhaber von Ämtern weltanschaulich legitimieren und rechtfertigen. In der anderen Richtung wird die Lehre zur Staatsräson.

Die dritte Stufe würden wir heute unter den Begriff Internalisationprozess zusammenfassen, wie er sich mit der Ausbreitung von politischen Machtbereichen durch politische Bündnisse und militärische Okkupation vollzieht, also nicht mehr als Botschaft, Lehre und Erkenntnis von Mensch zu Mensch formuliert, sondern regional  „eingeführt", befohlen oder oktroyiert und dann übernommen wird. Auch diese Prozess ist immer ein correlativer zwischen alter und neuer Sprach- und Gemeinschaftsstruktur, insofern als bestehende Begrifflichkeiten, Konvention, Traditionen und Gültigkeiten nur eine neue und oft eine nur zusätzliche Bedeutung bekommen.

Dieses gilt es bei dem Versuch eines gegenseitigen Verständnisses der verschiedenen Weltreligionen als gemeinsame Geschichte und Eigenschaft zu berücksichtigen.

Wir dürfen nicht vergessen, daß in relativ wenigen Jahrhunderten wahrscheinlich Hunderte Religionen, die sich seit Menschengedenken quasi im Wildwuchs des oben beschriebenen Prozesses, nämlich von Erkenntnis und Sozialisation entwickelt und gegenseitig durchdrungen hatten, zusammenstürzten, während dieser Prozess im Zuge der Christianisierung in der Kirche oder in den Kirchen quasi institutionalisiert waren und gewissermaßen gesteuert und auch dokumentiert wurde.

Dennoch ist die christlich-theologische Forschung der Gegenwart noch längst nicht soweit, um z.B. den Zusammenhang ursprünglicher Lehre, frühester Gemeinde- oder Gemeinschaftsstrukturen und späterer Lehre der Religionen schon verstehen zu können, die sich als reine Form in und durch Kirchen, Orden, Lehrzentren usw. und Bibel, Koran, Pali, Veda dann verfestigt haben und weitgehend bis heute gelten, und heute nicht nur der jeweils eigenen individuellen Erkenntnis, Erfahrung und dem eigenen Urteil sowohl zugrunde liegen wie zunehmend auch gegenüberstehen, sondern zugleich auch individueller politischer Bestandteil der sog. nationalen und kulturellen Identität sind.

Unberücksichtigt blieb bei dieser Analyse auch das, was wir als Entwicklung bezeichnen, was wir sowohl als ständigen Prozeß zunehmend weltweiter Mobilität und technischer Erneuerung und Infrastruktur, sowie als Prozess weltweiter Sozialisation, politischer Integration, Kommunikation und Information sehen müssen mit den entsprechenden Möglichkeiten und Zwängen, sondern was wir auch als ständig zunehmende geistige, intellektuelle und begriffliche Konditionierung des Individuums durch Bildung und Medien wie Buch, Zeitung und Fernsehen wie auch durch die Lebensumstände zu reflektieren haben.

Wie zu allen Zeiten schließt sich im Christentum der Kreis von Inhalt Formen zu Inhalt als individuelles Erlebnis in der persönlichen Begegnung mit Gott und Jesus im Leben oder nach diesem.

In den Briefen an Pfarrer Metz, dem Christen und Herrn Augstein, dem Atheisten, versuche ich solche Auslotung quasi in zwei verschiedenen Sprachen.

9. Juni 2001, Friedhelm Schulz

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Prolog
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Kapitel 1, Die jeweils eigene Religion
Kapitel 2, Die Entstehung der Religionen und Religionsgebiete
Kapitel 3, Definieren, streiten, tolerieren, abgrenzen,
Kapitel 4, Andere Religionen verstehen
Kapitel 5, Die Religionen und Konfessionen in friedlicher Gemeinschaft