Die Genesis,

Peinlich für Theologie und Wissenschaft ???

Stand Juni 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ende  Arbeitsende +++

Jan Philipp Reemtsma aus seiner Laudation an Habermas

 

Urknall als Spiegelbild

 

Filme zum Thema

 

 

Ähnliche Themen im Netz:

http://www.fs-rewi.uni-bonn.de/ss/ss2a9.htm

 

zurück zum Anfang

 

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Psalm 104,24

http://www.urweltmuseum.de/museum/Geologie/Uhr/geo.swf

 

Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen. Offenbarung 4,11

http://www.planet-wissen.de/pw/realpopup_dsl,,,,,,,,,,,,,,,,,,,intro_erdleben_h.rm,,,.html ??????????

 

Prolog

Die eigentlich gigantische und mutige Theorie von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace im 19 Jahrhundert, daß Himmel und Erde wie auch die Entstehung von Leben und seine Vielfalt bis zum heutigen Menschen mit einer rein physisch erklärbaren Entwicklung zu verstehen und als solche auch zu beweisen sei, ist nach heutigem Verständnis sicher eine Projektion des menschlichen Verstandes und als Glaube und blinde Verbissenheit ohne Zweifel naiv und falsch und sowenig hinreichend wie der Physikalismus von Newton 200 Jahre vor ihm, was deswegen aber kein Beweis ist für oder gegen die Existenz Gottes als dem Schöpfer.

Nicht minder naiv und falsch ist also auch der Atheismus, der sich mit dem Darwinismus begründet.

Ich denke, daß dem heute kein ernstzunehmender Philosoph oder Wissenschaftler mehr widersprechen würde, was leider nicht von weniger ausgebildeten Pädagogen, Publizisten und leider auch Theologen behauptet werden könnte.

 

Wer die ganze Wahrheit über Gott, über den Menschen oder die Welt mit dem Zollstock, mit der Uhr oder mit der Waage „wissenschaftlich“ beweisen will, also „objektiv“ nach den Kriterien von Raum, Zeit und Kraft (mit ihrer Kausalwirkung), - und dies geschieht im bekannten naiven Empirismus der sog. aufgeklärten Wissenschaftlichkeit – , der wird dann eben auch nur entsprechende Ergebnisse in Zentimeter, Stunden und Gramm erhalten und vorweisen können und macht sich mit solchem Reduktionismus bereits an dieser Klippe dieser drei Aporien menschlicher Erkenntnis lächerlich, die die Grenzen menschlichen Erkennenkönnens darstellen, wenn er dennoch paradoxer Weise darauf dann Wahrheitsansprüche begründet. Einen solchen Gott gibt es nicht. Einen solchen Gott wird man dann auch nicht finden.

Ich sehe auch nicht, daß jemand diese Grenzen menschlichen Erkennenkönnens, denen wir uns hier im ersten Teil zuwenden müssen, im Zusammenhang sieht mit der Ermöglichung von menschlicher Erkenntnis überhaupt, das sicher ein ständiger Balanceakt ist und dennoch ein Wunder darstellt.

 

Weder blinde oder gar fanatische Wissenschaftsgläubigkeit im Sinne von Scientismus noch eine grundsätzliche Skepsis gegen wissenschaftliche Konzeptionen und deren jeweilige Kriterien können hier zu einer brauchbaren Haltung bzw. Position führen. Wir müssen hier dagegen durch knappe Andeutungen deutlich zu machen versuchen, daß die operationale wissenschaftliche Konzeption, - was immer das jeweils bedeutet - eben nur einen kleinen Teil unserer realen Erfahrungs- und Lebenswirklichkeit abdeckt und erfassen kann.

 

Im zweiten Teil können wir dann versuchen, analog zur Erkennbarkeit, Freiheit und Grenze einer menschlichen Handlung und Absicht auch auf die uralte Erfahrung des Menschen mit Gottes Segen, Handeln, Absicht und Fügen zu schließen versuchen, auch wenn sie jenseits beweisbarer Fakten liegt.

 

1. Von den Grenzen menschlicher Erkenntnis überhaupt weiß man spätestens seit dem nachkantianischen Skeptizismus, scheinbar jedoch ohne kontingente Kommunikations- oder Rückkehrmöglichkeit zu dem, was Aufklärung von Konventionen, Dogmen und Glaubensakten (Habermas) der christlichen Theologen trennt. Aber es spricht für die Redlichkeit dieser radikalen Kinder der Aufklärung, daß sie die unvermeidlich drohende Sackgasse oder den Abgrund des blind nominalistischen Szientismus, Reduktionismus, Physikalismus, Empirismus und Materialismus selbst aufgezeigt haben, neben Kant seien hier Hume, John Lockes, Berkley, Descartes, Goethe, bis hin zu Nietzsche in seiner Art (Gott ist tot und der Mensch ist am Ende), und in der Neuzeit Peirce,  Gadamer und sein Gegner Jacques Derrida, Leonard Nelson, Putnam, Bergson, Boyd, Carnap, Chalmers, Chomsky, Davidson, Rorty, Habermas, und eigentlich hin zu jedem, der sich ernsthaft mit Philosophie befaßt, - usw. ich zitiere dazu den steinreichen Zigarettenproduzenten Jan Philipp Reemtsma aus seiner Laudation an Habermas: (Leider sind in dieser Elementarkritik kaum Theologen beteiligt).

 

Dies heißt dennoch nicht, als ob aufgeklärte Philosophie und empirische Wissenschaft mit solcher Vorbehaltlichkeit die Wahrheitskompetenz aufgegeben hätten, nämlich die Wahrheit des Agnostikers.

Was in anderer Weise als der christliche Glaube die Wissenschaft also als Credo oder Vermutung jeder Forschung und wissenschaftlichen Aussage stillschweigend voranstellt, um jene Begrenzung zu ignorieren oder zu überschreiten, umschreibt Jürgen Habermas in vier Punkten (Kommunikatives Handeln und detranszendentalisierte Vernunft, Reclam, Seite 13):

Einen genealogischen Zusammenhang darf man vermuten:

·        zwischen der »kosmologischen Idee« der Einheit der Welt (oder der Totalität der Bedingungen in der Sinnenwelt) und der pragmatischen Unterstellung einer gemeinsamen objektiven Welt (1);

·        zwischen der »Idee der Freiheit« als einem Postulat der praktischen Vernunft und der pragmatischen Unterstellung der Rationalität zurechnungsfähiger Aktoren (2);

·        zwischen der totalisierenden Bewegung der Vernunft, die als »Vermögen der Ideen« alles Bedingte auf ein Unbedingtes hin transzendiert, und der Unbedingtheit der im kommunikativen Handeln erhobenen Geltungsansprüche (3);

·        schließlich zwischen der Vernunft als dem »Vermögen der Prinzipien«, welche die Rolle eines »obersten Gerichtshofes aller Rechte und Ansprüche« übernimmt, und dem rationalen Diskurs als dem nicht hintergehbaren Forum möglicher Rechtfertigung  (4).

Mit einfachen Worten heißt dies in etwa:

o       Wir tun einfach so, als ob unsere Sinneswahrnehmung der Wirklichkeit entspricht,

o       Als ob dies dann auch für Begründungen und Kausalität gilt, (wenn, oder solange es funktioniert)

o       das Wahrheitskriterium ergibt sich aus der Übereinstimmung aller Wahrnehmenden,

o       wir haben die Möglichkeit, zwischen Falsch und Richtig, Gut und Böse, Liebe und Hass, usw. zu wählen, - unabhängig davon, ob sich die Annahme eines freien Willens des Menschen halten oder beweisen läßt.

o       Die Fragen nach Gott, Gerechtigkeit, Wahrheit, Ganzheit der Welt, Zahlen, Leben und Tod, usw. beantwortet man nach Bedarf, Verabredung und familiärer Einigung und sprachlicher Festlegung.

 

Diese eigentlich lächerliche nachkantianische Pragmatik, lächerlich insofern, indem man Grenzen und Probleme menschlicher Erkenntnismöglichkeit einfach wegsperrt, wie es scheint, beschreibt der Amerikaner, Richard Rorty, - eigentlich kein Philosoph sondern Sprachwissenschaftler, - als logisch-konsequentes reales und realistisches Verhalten. Soll z.B. ein Pferdehändler beim Berechnen des Kaufpreises sich Kopfschmerzen darüber machen, ob es überhaupt Zahlen oder Pferde gibt?

Rorty beginnt, indem er zuerst die kantianische und nachkantianische Position vor der eigentlichen Moderne in folgender Zeichnung darstellt:

Richard Rorty, Eine Kultur ohne Zentrum, Reclam, Seite 57-63 : „Das erste Modell der Beziehung zwischen Ich und Welt, das ich hier betrachten möchte, ist ziemlich unkompliziert. Es soll den kleinsten gemeinsamen Nenner von Platonismus und Christentum wiedergeben. Abbildung l zeigt zwei einander schneidende Kugeln, die einerseits das Falsche Ich und andererseits die Welt der Erscheinungen darstellen. Der beiden Kugeln gemeinsame Teil bildet den menschlichen Leib: alles das, was uns und den Tieren gemeinsam ist.“

Von hier aus ausgehend führte die weitere kritische Aufklärung und Wissenschaft zu folgender Situation des Denkens mit den eben unlösbaren Aporien und Widersprüchen:

2. Modell

 

Rorty: „Jetzt wird das Ich als dreischichtig aufgefaßt: Die äußerste Schicht besteht aus empirischen, kontingenten Überzeugungen und Wünschen; die“ mittlere Schicht umfaßt notwendige, apriorische Überzeugungen und Wünsche und sie »strukturiert« oder »konstituiert« die äußere Schicht; überdies gibt es einen unbeschreibbaren inneren Kern, der in etwa dem Wahren Ich des platonisch-christlichen Modells entspricht. Diese letztere Schicht ist das Reich der noumenalen Handlungsinstanz Fichtes, des Schopenhauerschen Willens, der Erlebnisse Diltheys, der Intuition Bergsons, der Stimme des Gebens, der Andeutungen möglicher Unsterblichkeit und so weiter. Dieser unbeschreibbare Kern - das Innere Ich - ist das, was die Überzeugungen und Wünsche »hat« welche das Mittlere und das Äußere Ich ausmachen. Es ist nicht identisch mit diesem System von Überzeugungen und Wünschen, und sein Wesen läßt sich durch Bezugnahme auf Überzeugungen und Wünsche nicht erfassen.

Dieses Modell werde ich das »nachkantianische« nennen, um damit anzudeuten, daß dieses Modell in der einen oder anderen Fassung während der letzten beiden Jahrhunderte von den meisten abendländischen Philosophen wie selbstverständlich vorausgesetzt worden ist. Nachdem die Welt der Physik überantwortet wurde, blieb der Philosophie nur das Reservat des Ichs. Daher besteht die Philosophie dieser Periode zumeist in Versuchen, die Beziehung zwischen den drei Teilen dieses Ichs sowie die Beziehung jedes Teils zur physikalischen Realität anzugeben.“

 

 

Die Umwandlung dieses zweiten, des nachkantianischen Modells in das dritte, also das Modell des »nichtreduktionistischen Physikalismus«, gelingt dadurch, daß alle diese Linien außer der als »Kausalwirkung« bezeichneten ausradiert werden. Diesen Vorgang des Ausradierens kann man sich so ausmalen, daß er die folgenden Schritte umfaßt:

(a)        Die Linie mit dem Namen »Vorstellung« radieren wir aus, indem   wir  die  Überzeugung  ebenso   interpretieren  wie Peirce, nämlich nicht als ein aus Bewußtseinsstoff gefertigtes Bild, sondern als Handlungsregel. Das heißt, wir deuten Überzeugungen nicht als Abbilder der Realität, sondern als
Werkzeuge zum Umgang mit der Wirklichkeit,
als Bestimmungen, die angeben, wie in Reaktion auf bestimmte Eventualitäten zu handeln ist. Nach dieser Auffassung brauchen wir uns zum Beispiel nicht mehr um die Frage zu kümmern, ob die Physik mit der Struktur der Welt in ihrem Ansichsein
oder nur mit der Struktur der Welt als Erscheinung überein
stimmt, denn wir haben den Gedanken fallengelassen, wonach die Physik mit etwas übereinstimmt. Die Frage, ob das Firmament eine Gestalt hat, bei der sich die Sonne in der Mitte befindet, wird gleichbedeutend mit der Frage, ob Ptolemäus  oder Kopernikus  derjenige ist,  der uns  besseres Werkzeug zur Meisterung der Welt an die Hand gibt.

(b)       Die Linie mit der Bezeichnung »Konstitution« radieren wir aus, nachdem wir zunächst die Grenze zwischen dem Äußeren Ich und dem Mittleren Ich getilgt haben. Diese letztere Tilgung ergibt sich daraus, daß wir dem Vorbild Quines folgen und die Unterscheidung zwischen notwendigen und kontingenten Wahrheiten verschwimmen lassen. Dafür, daß diese Unterscheidung verschwimmt, wird gesorgt, indem man sich hinsichtlich der Äußerungen anderer Sprecher einen »externalistischen« anstelle eines »internalistischen« Ansatzes zu eigen macht. Anstatt den Betreffenden aufzufordern, einen Unterschied zu machen zwischen den (sogenannten  »apriorischen«) Überzeugungen und Wünschen, deren Preisgabe er sich nicht einmal in der Phantasie vorstellen kann, und den sonstigen Überzeugungen, gibt man das Verfahren der Introspektion auf. An seiner Stelle wirft man die Frage auf, ob ein Beobachter des Sprachverhaltens des Betreffenden imstande wäre, einen Unterschied zu machen zwischen der Äußerung eines »kontingenten« empirischen Gemeinplatzes (Quines eigenes Beispiel ist »Es hat einige schwarze Hunde gegeben«) und der einer »notwendigen Wahrheit« (zum Beispiel »2 plus 2 ist 4«). Wird die Frage so gestellt, scheint keine Antwort außer der von Quine selbst gegebenen möglich zu sein: Durch Verhaltensbeobachtung wird man nicht mehr bekommen als ein Maß des Grades der Hartnäckigkeit, die der Betreffende im Hinblick auf die Preisgabe seiner Überzeugung an den Tag legt. Sobald diese Abschwächung eines qualitativen Unterschieds zu einem graduellen Unterschied verinnerlicht ist, kann die Introspektion nichts weiter leisten als eine Schätzung des Grades der »Zentralität«, der einer Überzeugung im System der Überzeugungen des Betreffenden zukommt. Der Introspizierende kann keine absolute Eigenschaft namens »Unvorstellbarkeit des Gegenteils« mehr ausmachen, sondern nur noch eine Eigenschaft namens »Grad der Schwierigkeit der Vorstellung, wie man das Gegenteil mit seinen übrigen Überzeugungen in Einklang bringen könnte«. Das bedeutet, daß es keine Unterscheidung mehr gibt zwischen konstituierender »Struktur« und konstituierter »empirischer Wahrheit« oder zwischen transzendentalen »Kategorien« und bloßen »empirischen Begriffen«. Davidson generalisiert diese Einsicht, indem er die These aufstellt, wir sollten die Unterscheidung zwischen Schema und Inhalt fallenlassen.2

(c) So, wie Peirce die Linie mit der Bezeichnung »Vorstellung« und Quine die mit der Bezeichnung »Konstitution« ausradiert hat, so tilgt Davidson die mit der Bezeichnung »wahr machen«. Dieser Akt der Tilgung läuft auf folgende

 

 

2 Siehe Donald Davidson, »Was ist eigentlich ein Begriffsschema«, in: D. D-, Wahrheit und Interpretation, übers, von Joachim Schulte, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1986.

 

 

Behauptung hinaus: Wenn wir zwischen der Welt und dem Ich bestehende kausale Beziehungen kennen (wie etwa die zwischen dem Öffnen der Tür und dem Erwerb einer Überzeugung) und darüber hinaus Rechtfertigungsbeziehungen (wie »ist ein Grund für«), die im Inneren des Überzeugungs- und Wunschnetzes des Ichs eine Rolle spielen, benötigen wir keine weiteren Beziehungen, um zu erklären, wie das Ich mit der Welt und die Welt mit dem Ich in Berührung kommt. Wir sind imstande, eine angemessene Geschichte zu erzählen über den Fortschritt der menschlichen Forschung (und zwar in allen Bereichen: in Logik und Ethik ebenso wie in der Physik), indem wir das ständige Umweben von Überzeugungs- und Wunschsystemen schildern. Nötig wird dieses Umweben durch die Aneignung neuer Überzeugungen und Wünsche jenes Typs, dessen Vorkommen bei den Menschen zum Beispiel durch solche Ereignisse des Weltgeschehens wie das Offnen einer Tür bewirkt wird. (Und außerdem durch das Erfinden »erfolgreicher« Metaphern, wie ich es im folgenden erklären werde.) Die für Michael Dummetts Gegensatz zwischen »Realismus« und »Antirealismus« ausschlaggebende Frage, ob es in der Welt Dinge gibt, durch die algebraische und moralische Wahrheiten oder ästhetische Urteile wahr gemacht werden, brauchen wir gar nicht zu stellen. Denn es gibt zwar Ursachen der Aneignung von Überzeugungen und Gründe der Beibehaltung oder Änderung von Überzeugungen, aber Ursachen der Wahrheit von Überzeugungen gibt es nicht. Das Resultat dieser sukzessiven Tilgungsakte ist, daß wir zum Schluß das Modell des nichtreduktionistischen Materialismus übrigbehalten, wie es durch das Diagramm in Abbildung 3 dargestellt werden kann.

 

Bei diesem Modell ist die Unterscheidung zwischen Ich und Welt ersetzt worden durch die Unterscheidung zwischen einem (in Bewußtseinsterminologie wie in physikalischer Terminologie beschreibbaren) Einzelmenschen und dem übrigen Universum.“

 

Tja, da beißt sich die Katze in den Schwanz, bzw. frißt und erschafft sich der solipzistische  Oroborus, nämlich der Mensch ständig selbst.

 

 Denn diese Außenwelt mit Leere und Atomen gehört schließlich ebenfalls mit zu den Überzeugungen, Wünschen und Wunschsystemen und Wahrheiten des materiellen Menschen, wie es Hirn und Hormonen hervorbringen, wie es die genannten Philosophen als sog. nichtreduktionistischen Materialismus haben möchten. Und dies gilt natürlich auch für die „detranszendentalisierte Vernunft“ bei Jürgen Habermas, was ebenfalls noch detailierter hergeleitet werden muß.

Und wer wollte es auch bestreiten, daß dieses Kartenhaus derart menschgemacht ist. Und dennoch ist es sowohl für den Pferdehändler wie für den Wissenschaftler eine realistische quasi operationale Position für Sachlichkeit, sowohl für den Handel wie auch für die wissenschaftliche Rechnung, was aber niemand hindern kann, Gott um seinen Segen zu bitten.

Tja, nur gelten diese Grenzen von Wissenschaft, Philosophie und Alltagshandel und Händel eben auch für die Theologie und deren Fundamentalisten.

 

Hier zuerst jedoch noch einige Filme mit Argumenten zur Evolutionsdiskussion

 

 

http://video.google.com/videoplay?docid=-1352460818485937567&hl=de

http://video.google.com/videoplay?docid=-1352460818485937567&hl=de

Inference – Erkennen von Intelligenz

 

Gegen Antievolution

http://www.youtube.com/watch?v=8f9j4uSZK5Q&feature=related

gott gegen Darwin Teil 1

http://www.youtube.com/watch?v=8f9j4uSZK5Q

gott gegen Darwin Teil 2

http://www.youtube.com/watch?v=lWx9Euidc6E&feature=related

gott gegen Darwin Teil 3

http://www.youtube.com/watch?v=7CqjZicNr_Y&NR=1

gott gegen Darwin Teil 4

http://www.youtube.com/watch?v=yjZedgmhaGQ&NR=1

nicht reduzierbare Komplexität

gott gegen Darwin Teil 5 Ende

http://www.youtube.com/watch?v=1g9aVGQ0MS4&NR=1

Niedergang der Evolutionstheorie Darwin 2 / 10

06:10 From: Islamisch extras20

http://www.youtube.com/watch?v=cNb5z7n7x4g&feature=related

 

Die Wahrheit über die Evolutionstheorie - Dokumentation( 3/3)

http://www.youtube.com/watch?v=k5O2bYsiJHQ&feature=related

 

Denn nicht weniger peinlich ist es für einen Christen, wenn er nicht anders die Wahrheit der biblischen Aussagen als eben wissenschaftlich zu begründen und auch noch derart zu beweisen versucht, also ebenfalls mit Zollstock, Uhr und Waage und den genannten Präsuppositionen, und sie so beweisen will und zudem den Unterschied nicht kennt, ob etwas wahr sein soll, weil es in der Bibel steht, oder ob etwas in der Bibel steht, weil es wahr ist.

Denn ersteres führte zu dem Stigma, daß es nicht lohnt, mit einem Bibelchristen zu argumentieren, man würde damit die Wissenschaften zum Wertmaßstab des Heiligen machen und das Heilige den Wissenschaften unterordnen.

 

Trotz allem bin ich verwundert und stolz auf die amerikanischen Christen und Wissenschaftler, die sich dennoch dieser hochkomplizierten Problematik der weltanschaulichen Grundfrage stellen, ob Schöpfung oder Absicht, ob Kreation bzw. Intelligenz einerseits, oder aber ob die Welt ein blind-vernunftsloser, natürlich-physo-chemischer Mechanismus und Kausalismus ist, der die Welt und uns Menschen – eben nur als „Biomasse“ - hervorbrachte und bestehen läßt, und die sich damit dem weltanschaulichen Trend und Absturz in den Abgrund von blöder Problemflucht und agnostizistischer Resignation entgegenstellen.

Denn im Grunde geht es um die Frage, ob die Welt in Sein, Herkunft und Wohin entweder Leben oder Tod bedeutet, ob Jesus lebt, als Schöpfer und Erlöser auferstanden ist und uns erlöst hat, oder ob wir einem Selbstbetrug aufsitzen, - und womöglich animistisch aus reiner Denkfaulheit, aus Konventionen und Glaubensakten glauben, einer reinen menschgemachte Tradition durch Autosuggestion oder aber dem agnostizistischen Gefälle und Gerede aufsitzen. Dann gälte auch für uns Christen wie es Paulus formuliert:(1. Korinther 15,32,) So die Toten nicht auferstehen, "laßt uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!"

 

Die Schwierigkeit

 

Natürlich wird es mir im Folgenden auch nicht gelingen, um die göttliche Handlung analog mit dem menschlichen Handlungsverständnis vergleichen zu können, auch nur die Möglichkeit einer alltäglichen menschlichen, geschweige denn, die einer göttlichen Handlung und Kreativität nachzuweisen oder zu beweisen und nicht einmal die rein logische Schwierigkeit voll zu entfalten, vor der wir stehen, wenn wir ein rein natürliches physikalisches Geschehen unterscheiden wollen von dem einer menschlichen Handlung in ihrer Absicht und Vorsätzlichkeit.

Siehe auch: http://www.jesus-und-kirche.de/Gebet.htm.

 

Denn sehr, sehr viel komplizierter noch als die für uns unlösbare Frage nach dem eher statischen „Wie - “ oder „Was ist der Mensch oder die Welt“ als Schöpfung im oberen Text, ist die eigentliche Frage unseres Themas, nämlich die nach dem Geschehen mit und durch den Menschen, nach dem Warum, Woher, Wohin und Wodurch, wo immer es begrifflich notwendig wird, das Subjekt mit seinem Tun nach seiner freien Absicht und einen Körper in seiner Abhängigkeit von dem Geschehen der Welt nach den quasi blinden Naturgesetzen als Außenwelt zu unterscheiden, nämlich nicht nur die Schöpfung als Geschehen, sondern eben auch die Schöpfung des Geschehens selbst.

Um sich dies etwas zu veranschaulichen, können wir uns hilfsweise vergegenwärtigen, daß es bereits ohne Bewegung nach den physischen Gesetzen auch keine Objekte und Dinge auf der Welt geben könnte. Alles würde zu einem Punkt zusammenschmelzen. Ich denke hier nicht nur an den absoluten Nullpunkt der Temperatur. Ohne die kaum vorstellbare Geschwindigkeit, mit der der Mensch samt der Erde z.B. um die Sonne fliegt, mit der unser Sonnensystem um den Mittelpunkt unserer Galaxis fliegt, die ja nur eine unter Milliarden anderen Galaxien ist, die also alle voneinander wegfliegen.

http://www.astro.uni-bonn.de/~deboer/hubble/hubble.html

Und wie sollten wir Menschen überhaupt die Sonne und den Sternenhimmel wahrnehmen können, - ganz zu schweigen von den alltäglichen Gegenständen wie Brot, Kirchturm und Apfelblüte oder das Lächeln eines Menschen, ohne die hohe Geschwindigkeit der Lichtwellen  oder Photonen? Und wie könnte unser Gehirn und unser Nervensystem funktionieren ohne die blitzschnellen Reaktionen, die von Zelle zu Zelle chemoelektrisch funktionieren?

Selbst unsere Ruhe und jede Stille kann sich nur als unglaubliche Geschwindigkeit und Aktivität ereignen. Dies gehört zur Schöpfung nach Gottes Willen; nichts geschieht dabei ohne Ursache einerseits und Wirkung und Auswirkung andererseits. Wie ist in diesem globalen Mikro- und Makrokosmus die freie menschliche Handlung auch gegen oder ohne Gottes Willen überhaupt möglich?

Hier müssen wir uns klarmachen oder zumindest einigen, was wir überhaupt unter einer Handlung Gottes oder des Menschen verstehen wollen. Ein Teil der Theologie neigte schon immer etwas zu der aristotelischen rein logischen Gottvorstellung eines Urbewegers, der mit den sechs Schöpfungstagen alles beginnen ließ, der das erste Menschenpaar, Adam und Eva samt allen Nachkommen wegen Ungehorsamkeit sterblich machte und aus dem Reich Gottes (Paradies) verbannte und mit Kain wegen dessen Brudermord die Menschheit verfluchte, und, wie es Nietzsche behauptet, die Welt sich dann selbst überließ. Der die gottverlassene verirrte d.h. böse Menschheit mit der Sintflut wieder vernichtete und mit Ausnahme Noa und seiner Familie, dem er eine zweite Chance gab, Gott, der sich dann erst mit Abraham entgültig erbarmte und eine neue Zeit d.h. mit Israel eine Heilung und Rettung der Menschheit einleitete, die dann Jesus vollendete, Jesus also als eine Handlung und als das Reich Gottes.

 

Eines der schwierigen Probleme unserer Zeit dürfte es sein, - für Christen ebenso, wie für Nichtchristen –  die Vereinbarkeit derart unterschiedlicher Argumentationsweisen zu verstehen, nämlich dieser oben für Juden und Christen seit dreitausend Jahren eingängiger Beschreibung göttlicher Schöpfungs- und Heilshandlung, wie in der hier verkürzten Stephanusrede (Apg 7, 2-53) einerseits mit der aufgeklärten wissenschaftlichen Argumentation z.B. der Evolutionstheorie zu vereinbaren, wie sie heute ebenfalls „normal“ ist.

http://www.bertramkoehler.de/Evolution%20als%20Weltanschauung.htm

Wie läßt sich heute eine einfache Predigt halten, die sich auf unsere Bibel stützt?

 

Auf keinen Fall erscheint dabei so etwas wie eine konkrete Definition der Handlung Gottes oder des Menschen oder eine Gebrauchsanweisung für Selbsterlösung, die jeder nun selbst leisten könnte oder nicht, - etwa in Form der 10 Gebote, oder für eine ideale Gesellschaftsordnung.

Wir erleben ja in Ersterer Gottes geduldige Handlung in sehr sehr langen Zeiträumen, und in Letzterer die logische Beschreibung eines Automatismus.

 

Heute wissen wir, daß es ohne dies ständig unglaublich rasende Geschehen im Mikro- und Makrokosmos keine festen Gegenstände, wie einen Tisch oder Stein oder ein Lebewesen geben könnte, an deren nur virtuelle Wirklichkeit und Wirkung Rorty verzweifelte, ohne das es aber auch keine Planetensysteme, keine menschliche Handlung geben könnte, die sowohl im Tun wie im Unterlassen von etwas bestehen kann, als was wir uns dann, z.B. auch in der christlichen Theologie, ebenso die göttliche Handlung vorstellen; besteht doch die Hand der Handbewegung aus Milliarden herumflitzender Elektronen und vibrierender Kerne und Elementarteilchen, also aus der milliardenfachen Summe von den Naturkräften bewegter Bewegungen.

Zu den menschlichen Vorstellungen von den Naturgesetzen, nach denen all diese milliardenfach wirksamen Kräfte im Mikro- und Makrokosmos hinter allem Geschehen – und selbst der einfachsten menschlichen Handlung -  quasi selbstständig und willenlos nur funktionieren und reagieren müssen, - jedenfalls niemals falsch oder sündhaft reagieren könnten, gehören dann auch die individuellen Eigenschaften der jeweiligen Formen, Materialien, Dinge – wie Autos, Tische und auch Lebewesen, wie Mikroben, Pflanzen, Tiere und auch Menschen.

Also auch der Mensch als Körper unterliegt den ehernen physischen Kräften des Mikro- und Makrokosmos, z.B. der Schwerkraft, und als besonderes physisches Ding das lebt, noch zusätzlich den besonderen physochemischen Eigenschaften seiner hochkomplexen Konstruktion oder Mechanik, die sich, wie unsere Wissenschaften glauben, zugrundelegen oder zumindest verkünden, wiederum allesamt auf jene Urkräfte (Gravitation, Elektromagnetismus, schwache Kernkraft und starke Kernkraft) zurückführen lassen, wie man die besondere Bewegung einer Uhr und deren Räderwerk auf die Gewichte oder die Uhrfeder zurückführt.

Darüber, ob es in diesem menschlichen Uhrwerk als menschliche Eigenschaft noch zusätzlich so etwas wie einen menschlichen Geist oder sogar teuflische und göttliche Geister gibt, streiten sich die größten Geister der Philosophie und Theologie aller Kulturen auf dieser Welt. Denn nur durch solche ganz anderen Einflüsse und Kräfte, die – wie auch immer - in dieses eherne Weltgefüge eingreifen können, könnte es so etwas wie Falsch und Richtig, Gut und Böse, Sündiges und Gott wohlgefälliges, gehorsames oder ungehorsames Verhalten, - ja überhaupt menschliche Handlungen geben, die etwas anderes sind als willenlose Reaktion durch und auf jene ehernen physischen Kräfte des Mikro- und Makrokosmos, und für deren Verhalten und Folgen der einzelne Mensch ja auch nicht verantwortlich sein könnte.

 

Daraus ergeben sich nun vier verschiedene Denkbarkeiten.

1.     Die zuletzt genannte an den Anfang gestellt nennt sich in etwa Determinismus bzw. Prädestination, nach der der Mensch gezwungen durch jene physikalischen Naturkräfte, die auch Galaxien und Sterne entstehen und kreisen lassen, das tun muß, was er tut, und gar nicht anders kann, also jenseits von Gut und Böse, jenseits von Falsch und Richtig lebt.

2.     Eine etwas anders gedachte Determiniertheit und Prädestination ergäbe sich, ebenfalls jenaseits von Gut und Böse, aus den besonderen menschlichen eigenschaften, die ihn als menschliches Ding vor allen anderen Dingen auszeichnet, ohne die er kein Mensch wäre – und bestenfalls ein Tier.

3.     Dann hatten wir erwogen, ob jenes hochkomplexe Uhrwerk, Mensch, besessen oder beseelt sein könnte von einem übernatürlichen guten oder bösen Geist – oder beides -, der damit unabhängig von jenen Urkräften des Mikro- und Makrokosmos, und also auch gegen sie den Menschen zum Guten oder Bösen, d.h. zum unnatürlichen Verhalten zwingen oder veranlassen könnte.

4.     Und schließlich gelangten wir zu der uns Christen selbstverständlichen Annahme, daß der Mensch selbst sowohl Geist wie Entscheidungsfreiheit, also auch Freiheit gegenüber jenen Urkräften besitzt und damit selbst verantwortlich ist für sein Tun und Lassen.

Zwischen diesen vier Denkbarkeiten oder Schubladen finden nun die Diskussionen der großen und kleinen Geister der Gegenwart statt; niemals aber derart konsequent auf jene vier Präsuppositionen festgelegt; so halten z.B. recht verbreitet die Deterministen der 1. und 2. Denkbarkeit einen Christen, der nach Gottes Gebot und Willen lebt, für regelrecht besessen von einem unnatürlichen Geist, dessen theoretische Möglichkeiten sie einerseits bestreiten, wobei sie andererseits den Christen verantwortlich machen, obwohl sie zugleich seine freie Entscheidungsmöglichkeit bestreiten.

Wir haben hier also nur rein theoretisch mit den verschiedenen Denkbarkeiten vier Schubladen, auf die wir nicht stolz sein können, weil sich niemand daran hält und halten kann – also auch niemand hineinpaßt. So gerät derart grundlegende Argumentation, leider meist nicht minder widersprüchlich auch von biologischer wie von christlicher Seite zu einem rhetorischen Gerede; denn auch solche christliche Anthropologie macht derart den Geist, die Seele und selbst den Gott des Menschen zu einer Eigenschaft des Gegenstandes Mensch als Ursache und Wirkung als Eigenart seines Verhaltens und verdeckt damit genau das, was eine menschliche Handlung ausmacht, um die es hier geht, - wenn z.B. manche Christen die Geschichtlichkeit bestimmter Wundererzählungen als Handlungen Jesu oder Gottes dogmatisieren, weil sie glauben, damit den empirischen Beweis für Göttlichkeit sichern zu können oder zu müssen, sei es, die Göttlichkeit als Eigenschaft Jesu als Person, oder - noch unhaltbarer – die Göttlichkeit eines Geschehens als Handlung Gottes. Das Evangelium und die Argumentation des Kerygmas fand nun mal nicht als die empirische Beschreibung eines physikalischen Geschehens statt, - so etwa wie man in einer Sendung mit dem Löffelverdreher eines Uri Gellert Wissenschaftler wissenschaftlich bezeugen läßt, daß es sich nicht um Täuschungen oder Tricks handelt. Der heutige Empirismus als operale Disposition z.B. eines wissenschaftlichen Versuchs, - mehr oder weniger eben mit Zollstock, Waage und Stoppuhr könnte doch niemals so etwas wie eine Absicht hinter einer menschlichen, geschweige denn, einer göttlichen Handlung erfassen, wie wir noch deutlicher machen werden.

 

Zumindest will ich deswegen versuchen, ein bewußtes menschliches Handeln analog zum göttlichen beides!! als uns Christen im Alltag zwar erkennbar und vertraut darzustellen, obwohl sich dennoch beides unserem Verstand und jedem Messen- wie Verstehenkönnen und auch der Wissenschaft entzieht.

Nun meint man im Sprachgebrauch in der Tat mit einer Denkbarkeit keinen empirischer Gegenstand oder sog. Sachverhalt, - auch wenn ich für die Aussage zusätzlich die Metapher „Schublade“ benutzen konnte - und ist auch nicht das Gegenteil einer Undenkbarkeit. Letzteres ist durchaus denkbar. Alles was wir uns denken können, ist denkbar, womit wir zu einem heute fast inflationären Begriff kommen, nämlich der Kontingenz in unserer Welt. Bei beidem handelt es sich um eine Zwitterbildung von Begriff und Gedanke, womit ich nicht den Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung meine, wie ihn Gottlob Frege herausstellte,

http://www.gavagai.de/HHP31.htm,

der in jedem Fall bei beiden Aussagen noch zusätzlich besteht. In beiden Fällen kommt sogar noch ein Drittes hinzu, nämlich das jeweils subjektive, freiwillig und gewollte oder ungewollte Bekenntnis wie in einem Rorschachtest: Bei der Kontingenz, ob ich die Entstehung so wie das Sosein der Welt kontingent aus der Freiheit und Gnade des Schöpfers oder ohne Gott vom denkbaren Zufall her entstanden verstehe. Beides ist durchaus denkbar, - obwohl Letzteres wohl unwahrscheinlich und unwahr sein dürfte. Wie es denkbar ist, daß unser Herr Jesus als geschichtliche Person rein zufällig der rechte Mann zur rechten Zeit am rechten Ort war, - auch wenn dies keine Wahrheit ist.

+++

Die aktuelle Hauptschwierigkeit scheint mir aber zu sein, Wissenschaft einerseits und den Glauben noch hinter der jeweils menschlichen Absicht und Absichtlichkeit in einem rechten Verhältnis zusehen. Es geht mir ja nicht darum, die Wissenschaften mit ihren verläßlichen und ehernen Aussagen abzulehnen. Dies wäre reine Unvernunft.

 

 

Und es brächte ja auch nichts, den Glauben durch eine Degradierung von Wissenschaft und Philosophie aufwerten zu wollen, wie es auch nichts bringen kann, umgekehrt den Glauben durch Wissenschaft oder durch das Gehabe von Wissenschaftlichkeit zu legitimieren. Derartige Versuche können nur ins Esoterische abgleiten.

Und die Dogmatisierung von Bibeltexten z.B. gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, wäre Fundamentalismus, und die Unterwerfung unter solche Dogmatik wäre Dezisionismus.

 

 

Wird fortgesetzt (12. Juni 2008)

+++

+++

Undenkbarkeit Richtung Unwahrscheinlich

Denkbarkeit Richtung Möglich

 

Dennoch ist es gerade unser Glaube, der uns auch darin weiter bringt zu einer Erkenntnis durch Erfahrung, wie es Paulus aus eigener Erfahrung in Phil. 1,9 bittet: „Und darum bete ich, daß eure Liebe je mehr und mehr reich werde in allerlei Erkenntnis und Erfahrung.“ Und im Römerbrief 11, 33 „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind sein Gerichte und unerforschlich seine Wege!“ Jes 45,15; 55,8.9  und Vers 34 „Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ Jer. 23,18; 1.Kor 2,16

Oder wie es der gute Anselm von Canterbury formuliert: „Credo ut agam, ago ut intellegam.“ Das heißt: „Ich handle und verstehe durch den Glauben.“ Und nicht etwa umgekehrt: „Ich glaube, weil oder wenn ich verstehe.“ – wobei Letzteres wohl das „Credo“ von naiver Wissenschaftlichkeit oder Wissenschaftsgläubigkeit sein dürfte.

 

Wer die epistemologische Welt der Erkenntnistheorie und Philosophie nicht kennt und damit das Wunder menschlicher und auch tierischer Wahrnehmungsfähigkeit noch nie hinterfragt hat, sollte selbst mal versuchen, sich die merkwürdige Zusammensetzung eines empirischen Geschehen und der jeweiligen - eben nichtempirischen - gedanklichen Absicht, woraus ja nun jede Handlung besteht, wissenschaftlich zu erklären. Wie hängt beides zusammen?

Und darum geht es doch, wenn wir Schöpfung mit Absicht und Evolution ohne Absicht einander gegenüber gestellt sehen.

 

 

Bei diesem Versuch gilt es, vorsichtig zwei Klippen zu umgehen, bzw. zwei Denkfehler oder Fallgruben zu kennzeichnen und zu vermeiden, die sich mit der Definition unserer Wahrheits- und Wirklichkeitsvorstellung ergeben können. Beide Fehlerquellen lassen sich mit etwas Mühe auf ein Phänomen beziehen, das Talcott Parsons (*1902 Colorado -†1979 in München) und Niklas Luhmann (* 1927 Lüneburg - †1998 Bielefeld) als doppelte Kontingenz bezeichneten. Dieser uralte, aber mit Parsons und Luhmann neu in die Soziologie eingeführte Begriff „Kontingenz“, den auch Gerold Prauss seit den 80er Jahren benutzt, wurde wohl seit einem Theologenkongreß im IHR Zürich nun auch in der Theologie wieder eine diskutierte Vorstellung, und ist eben selbst eine solche Fallgrube in mehrfacher Hinsicht.

Fallgrube Nr. 1

1.               Positiv verstanden bedeutet oder verspricht die Kontingenz als Denkbarkeit und zwar aller notwendigen wie auch aller möglichen und auch zufälligen Attribute und Aspekte einer Situation als Folge des menschlichen wie göttlichen Verhaltens und Bewirkens – aber auch allen Naturgeschehens, einerseits wohl gefährliche „Erlösung“ von theologischen Bauchschmerzen, - die seit dem Buch „Entstehen der Arten“ 1860 von Charles Darwin das Verhältnis zur biblischen Genesis und spätestens seit Bruno Baur und David Friedrich Strauss das Verhältnis zur Bibel und insbesondere zum Neuen Testament bedeuten konnte, und das Verhältnis der Theologie zu den bibeltreuen Evangelikalen bedrückte und trübte, - wie dies dann auch oft zu ein Mißverhältnis des einfachen Christen zu den Wissenschaften ergab.+++

Dieser neue Begriff „Kontingenz“ aber geschah und geschieht einseitig akademisch, während der normale Christ die neue Kontingenzdezision weder wahrnimmt und noch versteht und akzeptiert, einmal natürlich, weil er diese neuen theologischen Bücher nicht liest. Er liest die Bibel und nicht Luhmann. Zum anderen, +++???weil der Begriff, Kontingenz, eine einfache logische Erklärung zu versprechen scheint, was z.B. das Geschehen „Schöpfung“ mit dem Naturgeschehen „Evolution“ vereinbar zu machen scheint. Denn die Erklärung „Kontingenz“ in der Folge einer Handlung kann das merkwürdige eben teils mentale, teils physische Korrelat jeder Handlung von physischem Geschehen einerseits und freier, willkürlicher oder zufälliger bis strategischer, aber++++ eben nicht meßbarer, beweisbarer, also nichtempirischer Absicht

Der weitere Pferdefuß dieser Patentlösung „Kontingenz“ versteckt sich hinter dem stillschweigenden Empirismus des Begriffs wie der dazugehörigen Vorstellung einer sogar ontologischen Evidenz, Glaubwürdigkeit und jedenfalls Diskursfähigkeit und macht – sicher  ungewollt die Genesis zu einer Karikatur naiver Gläubigkeit.

Vielleicht kann ein Bild, das ich zu genau diesem Thema etwa 2000 malte, dies verdeutlichen:

 

Ein Engel – nicht der Demiurg - trompetet in das Nichts hinein und beobachtet, was wohl daraus wird.

 

Im Theologischen deutete der theologisch-moderne Begriff „Sitz im Leben“ bereits in genau diese Richtung.

Man kann sich darüber selbst über das Unverstandene, Unverstehbare, Unvorstellbare und alle „Ungereimtheiten“ des Glaubens verständigen

Anders aber, als wenn jemand ganz profan z.B. über seine Kontakte mit Außerirdischen berichtet, womit für uns die Denkbarkeit verweigert wird und wir eher an Männer mit weißen Kitteln denken oder neurotheologisch an zerebrale Erscheinungen

(www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/NeurotheologieSchilling.pdf) ,

ist die Rede vom auferstandenen Jesus und einem christlichen Gebet eben derart kontingent gestützt durch kontingente Tradition, Konvention, durch Kirchen und sichtbare Kirchengebäude, durch Amtsträger, Talare, Bibeltexte und unendlich viele Kirchenlieder, Redewendungen, - und nicht zuletzt durch das bestehende Judentum und Israel.

Für die aufgezählten Verankerungen unseres Glaubens in der allgemeinen Kontingenz unserer Welt, eben Tradition, Konvention, Kirchen und sichtbare Kirchengebäude, für individuelle Deutungen von Erlebnissen, den sonntäglichen Gottesdienst, für Amtsträger, Talare, Bibeltexte und unendlich viele Kirchenlieder und Redewendungen usw., - und nicht zuletzt für das bestehende Judentum und Israel, bin ich einerseits meinem Gott jeden Tag dankbar, denn es sind sichtbare Vergegenwärtigungen und Realitäten meines Glaubens, andererseits aber drohen gerade sie zu einer quasi parasitäre Abhängigkeit zu verführen, zu einem Eigenleben neben der eigentlichen kontingenten Wirklichkeit. Denn in meinem Glauben ist da plötzlich von einem anderen Himmel und einer anderen Erde und von anderen Menschen die Rede, von einem anderen sündigen Menschen, den es zu erlösen gilt, von einer anderen Wahrheit als in der Kontingenz dieser Welt.

Die Kontingenz meines Glaubens ist eine andere als die Kontingenz der Welt. Eine Parallelwelt. Wenn ich von meinem Glauben spreche, rede ich plötzlich eine andere Sprache in frommen Sprüchen. Ich muß umschalten und rede ins Leere.

Mein christlicher Glaube droht sich zunehmend zu entlarven als etwas, das ich habe und bin, nur weil ich in einem christlichen Land und Elternhaus geboren und erzogen wurde, nämlich als die Eigenart oder Marotte nur einer geographischen Gegend, die ich als Identität oder Erbgut besitze, wie meine Hautfarbe und Sprache.

Ich zitiere Ebergard Jüngel, („Von der Rechtfertigung des Gottlosen“, Mohr Siebeck, Seite 68, 5. Auflage) der sich dieser Problematik sehr wohl bewußt ist:

In diesem Zusammenhang ist auf den Wahrheitssanspruch des Evangeliums zurückzukommen. Denn als Unterbrechung um einer aus ihr hervorgehenden Entsprechung willen ist die Rechtfertigung die Wahrheit des Lebens. Wahrheit ist im Zusammenhang unserer Wirklichkeit und unseres Lebens zunächst immer Krisis, Unterbrechung, Gericht. Denn Wahrheit, wenn sie sich ereignet, ereignet sich in einem verlogenen Zusammenhang, in einem durch Lebenslügen bestimmten Zusammenhang. Im Ereignis der Rechtfertigung geht es um die Wahrheit, die Gott als wahr,11 jeden Menschen hingegen als Lügner erweist: »Es erweist sich: Gott ist wahrhaftig, alle Menschen aber sind Lügner«. Es besteht aber die Rechtfertigung eben darin, daß »die Wahrheit Gottes in meine Lüge überfließt zu seiner Herrlichkeit« (Rom 3,4.7). Und das kann nur geschehen, indem die Lebenslüge, indem der verlogene Lebenszusammenhang unterbrochen und eben dadurch zum Vergehen gebracht wird. Wahrheit ist im Kontext der Rechtfertigungslehre und der sie tragenden Christologie eine eschatologische Unterbrechung, wie sie radikaler nicht gedacht werden kann.“

 

Hält Jüngel nun tatsächlich sich selbst, seine Frau, seine Kinder und Kollegen seine Nachbarn und Freunde, für korrupte Lügner? Oder meint er ebenfalls nur eine andere, nur religiös und theologisch zu verstehende Lüge und Korruption? Ist die Gerechtigkeit Gottes dann nicht geradezu weltfremd? Ich zitiere aus gleicher Stelle:

Die Aufgabe einer Bestimmung des Bösen und der Sünde ist allerdings ungemein schwierig. Schon die Frage, in welcher Weise wir das Böse und die Sünde erkennen können, hat es in sich. Denn nicht alles, was als böse, schlecht und übel erfahren, beurteilt und verurteilt wird, ist deshalb auch Sünde, ist das im theologischen Sinne Böse. Und doch hat die Sünde, hat der theologische Begriff des Bösen mit allem, was in Wahrheit böse, schlecht und übel ist, zu tun. Aber was ist in Wahrheit böse, schlecht und übel? Für die rechte Unter­scheidung und Beziehung zwischen den Negativerfahrungeii des Menschen und der Sünde ist die richtige Bestimmung der Zugangsweise und des Erkenntnisgrundes (ratio cognoscendi) der Sünde ausschlaggebend. Was also ist die Zugangsweise zu den mit dem Begriff des Bösen und mit dem Begriff der Sünde intendierten Phänomenen? Wo und wie zeigt sich das Böse als Böses, wo und wie zeigt sich die Sünde als Sünde? Was ist das Sündige an der Sünde? Was macht das Böse zum Bösen? Wo und wie werden die Sünde und das Böse identifizierhar und erkennbar?

+++ Arbeitsende,

Jüngel meint natürlich auch  nicht den Hiat zwischen Form und Inhalt unseres Glaubens, wenn die Form zum Inhalt wird, der Kirchturm, die Glaubensformel und die Institution zum Glaubensgegenstand, bzw. die Rhetorik oder eben Öffentlichkeit zum Wahrheitskriterium, wie ich es in dem anderen Denkansatz bereits ausführte. All dies ist „kontingent“?

Wer könnte dies einem Konfirmanden verständlich machen.

Ist nicht im Gegenteil unser Glaube der Felsengrund, das Salz der Erde, das Licht der Welt, über den sich die Welt verändert? - und ist eben die eigentliche wahre Realität menschlicher Existenz und nicht nur ein theologisch kunstvolles Accessoire und kulturelles Beiwerk!

Das Licht der Welt ist eben nicht eine Einladung in ein kommunikatives Netzwerk der frommen Sprüche, deren Kontingenz sich jeder Christ spontan nach eigenem Gusto zurechtfummelt.

Ich bewundere hier die amerikanischen Evangelikalen, die ganz unverfroren den Hiat, die tiefe Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit, Glaube und Glaubwürdigkeit, Glaube, Dezisionismus und Loyalität, zwischen Wissenschaft und Weisheit, Welt und Weltlichkeit auch in der ganz weltlichen Kontingenz zur Sprache bringen:

http://video.google.de/videosearch?q=Sch%C3%B6pfung+vs.+Evolution+&hl=de&sitesearch=video.google.com

http://www.borisogleb.de/krisis1.html,

aber eben mit der Gefahr, blind zu werden und blind zu machen für die Heiligkeit der Gotteskindschaft.

Ich selbst erlebe es als ein Wunder, daß mit der unumgehbaren Problematik, die mit der Aufklärung, mit Kant, Darwin, Frege, Wittgenstein bis Rorty zugleich eine Wolke von Zeugen aufsteht, wie in der Gegenwart Eberhard Jüngel, Wolfhard Pannenberg, Ralf Stolina, Ulrich Wilkens, Karl Lehmann, Alois Ratzinger, WALTER BRUGGER, Hans Küng? und viele andere – ganz ungebrochen von der „Kontingenz des Evangeliums“ die ja als Denkbarkeit nun mal nicht mehr wegzudenken ist.

http://www.unilu.ch/files/fudahvmunzglilit.pdf

„Kann denn Gnade Zufall sein?“ Dr. Regine Munz

http://www.unilu.ch/files/fudahvmunzglilit.pdf

Kurz alles zusammenfassend wollte ich diese Fallgrube, Fehlerquelle oder Irritationsgefahr jetzt eigentlich mit dem alten und trivialen dafür aber einleuchtenden, wohl ursprünglich chinesischen Weisheitsspruch zusammenfassen, daß nur als Absurdität nicht der Hund mit dem Schwanz wedelt, sondern umgekehrt der Schwanz mit dem Hund, und zwar als gedachtes Mißverhältnis des Teils zur jeweils mundalen Ganzheit, als wenn z.B. die Schiffstaue die Kaimauer befestigen und nicht umgekehrt, als wenn der Kirchturm und die Kirche meinen Glauben in mir oder gar Gott selbst in unserer Welt erhält, als wenn das Gehirn und die Vernunft mit mir denkt und nicht umgekehrt ich mit meinem Hirn und Verstand, usw..

Ein paar Stunden Surfen im Internet unter dem Suchbegriff „Kontingenz“ zeigten mir jedoch die Irritationen und rhetorischen Purzelbäume auch im Theologischen, wenn es um das Verhältnis des kontingenten individuellen Glaubens als Verhalten und dem gemeinsamen (scheinbar statisch-dogmatischen) Bekenntnis geht, wie wir es Schwarz auf Weiß besitzen und auswendig lernen.

Natürlich gibt es rein logisch eine abhängige Wechselbeziehung zwischen dem Teil und dem Ganzen wie einerseits zwischen jenem Schwanz und dem Hund, aber andererseits in grundsätzlich anderer Weise zwischen dem Korrelat als Ganzes und den Korrelaten wie zwischen Substanz und Eigenschaften.

Dies sind zwar zwei gleichermaßen asymetrische Verhältnisse, wie der Hund zwar einen Schwanz hat, der Schwanz jedoch keinen Hund, wie die Substanz zwar eine Eigenschaft die Eigenschaft jedoch keine Substanz hat, wobei jedoch beim Letzteren ganz symetrisch das eine ohne das andere keine empirische Wirklichkeit hätte, also zwei grundsätzlich verschiedene Arten Korrelationen.

Mit Welcher Korrelation also vergleiche ich das Verhältnis zwischen dem Schiff und der Kaimauer durch das Schiffstau, zwischen mir und meinem Hirn und Körper, zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Christ und Gemeinde, wobei sich das Absurde durchaus als diese oder jene Wirklichkeit denken läßt, wobei denkbare Kontingenz oder Kontingenz als Denkbarkeit determinierende Gesetzlichkeit, Zufall, Beliebigkeit, Wollen, Sollen und Freiheit einander sowohl bedingen wie einander ausschließen können, was sich als unterschiedliche Deutungsmöglichkeit bereits in der Zusage, daß ich mich auf Gottes Gnade verlassen kann, offenlegt und eigentlich offenbart, welchen Gott ich jeweils anbete.

 

Hierzu hat Gerold Prauss, ein Nichttheologe aus Freiburg, unendlich viel Geröll und Gerümpel d.h. Gedankenunsinn beiseite schaffen müssen, um einen Einblick auf die Grundstruktur menschlicher wie auch tierischer Erkenntnis zu ermöglichen.

Gerade als philosophischer und theologischer Laie wüßte ich nicht, wie ich ohne die an Sorgfalt und Scharfsinn gigantische Arbeit von Prauss „Die Welt und wir“ (Metzler), z.B. Römer 3 bis 5 im gegenwärtigen weltweiten Religionsdiskurs noch lesen könnte, und selbst im Glauben bestehen könnte, - es sei denn im unbefangenen Kind-Vater-Verhältnis als zu unserem Schöpfer.

 

Trägt der Kirchtum meinen Glauben und kann er mit den Gläubigen drohen, oder die Moschee den Islam bzw. mit dem Islam, wie es konkret ja auch gedacht und empfunden wird? So deutlich ist jedenfalls die Absurdität nicht, als daß sie nicht auch als Versuchung real wäre.

Paulus sah jedenfalls die Gefahr einer kontingenten Wahrheit ebenso, wie heute Eberhard Jüngel versucht sie wieder deutlich zu machen.

 

Seite 44

 

. Es sind – als kontingente eben geschichtliche – mehr oder weniger irrelevante Einzelfälle, - wie der konkrete Mensch ein kontingenter eben dann auch irrelevanter Einzelfall ist, Zufall +++Verstecke

(Das Korrelat: Geschehen und Absicht, Wahrnehmung und Unterstellung, Vorurteil usw.)

+++++

 

 

2.               Die zweite Gefahr oder Fallgrube will ich „Die Kontingenzfalle“ nennen und liegt nahe bei der vorigen, die zudem noch deutlicher dem entspricht, was Talcott Parsons eine Doppelkontingenz nennt.

Dies läßt sich sehr gut mit der optischen Täuschung eines sog. Kippbildes verdeutlichen, auf dem man zuerst vielleicht eine junge und dann plötzlich eine alte, zahnlose Frau erkennt, oder etwas anderes. Alle Linien und Schattierungen mögen die Kontingenz sein, die mal zu der einen und mal zu der anderen Bedeutung führen kann.

                                 

In die Kontingenzfalle gerät man, wenn man plötzlich auf nur einer Deutungsmöglichkeit festklebt und die andere Möglichkeit nicht mehr findet, an der ein anderer Diskursteilnehmer festklebt. Man wird quasi auf einem Auge blind.

Man stelle sich nur statt Linien oder Schattierungen Argumente vor.

 

Als Putin zu seinem großen deutschland- und Europabesuch ansetzte, wurde der Russische Ex-Spion, Litvinenko, in London mit Thalium vergiftet, nachdem er zum Islam konvertiert war, wobei eine unübersehbare Spur hinterlassen wurde, die eindeutig in den Kremel führte, bzw. führen sollte.

++++

http://video.google.de/videosearch?q=Evolution&sitesearch=video.google.com&start=10

http://video.google.de/videosearch?q=Sch%C3%B6pfung+vs.+Evolution+&hl=de&sitesearch=video.google.com

Arbeitsende, oben,

 

 

+++ Arbeitsende, oben

 

++++

Wie der Philosoph, Gerold Prauss, nachwies (Die Welt und wir, Bd. 1/2, ab S. 885 ff.), beginnt eine Handlung bereits mit der Absicht und unterscheidet sich durch die Absicht und Absichtlichkeit von jedem anderen natürlichen Geschehen, ohne daß dadurch jedoch – etwa wie durch ein Wunder – die ganz natürlichen physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt würden oder werden müßten, wenn sie nicht nach der natürlichen Gesetzmäßigkeit, sondern nach einem menschlichen Willen geschieht.

D.h.: nach wissenschaftlichem Verständnis hat jedes Geschehen eine Ursache und bildet vom Anfang der Welt an eine Kausalkette, die nach feststehenden Gesetzen von aller Vergangenheit her wie es auch in alle Zukunft abläuft. Hätte der Mensch nun einen freien Willen und würde er ganz bewußt und absichtlich nach seinem Belieben, nach seinem eigenen freien Willen auch nur seinen Arm heben, müßte er den normalen Ablauf der Welt unterbrechen und verändern. Es entstünde eine neue Kausalkette, die bis ins Unendliche weitere Folgen nach sich zieht.

Da nach streng wissenschaftlichem Verständnis derartiges nicht denkbar ist, es wäre ein Wunder, ein Verstoß gegen das Dogma, daß eben auch diese Handbewegung eine natürliche Ursache haben muß, verführt dieses empiristische Gefälle solcher Dogmatik eben dahin, dem Menschen seinen freien Willen abzusprechen und zunehmend als Epiphänomen, als reine Einbildung zu bezeichnen, wie eben auch unser Gott und sein täglich Handeln im Leben eines Christen wie eben auch die Schöpfungsgeschichte, die Entstehung des Menschen bestenfalls Zufall als Schöpfungsglaube aber reine Einbildung und Phantasie sein soll.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/113/74039/

 

 

Eine solche reine Absicht geschieht z.B. als eine Handlung überall da, wo wir absichtlich eben etwas unterlassen.

Mit solcher Feststellung der Wahrnehmbarkeit einer Absicht unterscheiden wir jedoch bereits mindestens zwei Positionen, 1. diejenige, die mit Absicht etwas tut oder nicht tut, und 2. die andere, die dieses wahrnimmt.

In einer Kunstausstellung z.B. könnten zwei Bilder nebeneinander hängen, so daß auf dem einen Bild ganz absichtlich Farbe in einer bestimmt gewollten Weise aufgetragen wurde, und auf dem anderen Bild ebenso absichtlich eben nicht.

In beiden Fällen wurde gegen kein Naturgesetz verstoßen, im Gegenteil, in beiden Fällen bediente sich der Künstler ganz natürlicher Möglichkeiten, und trotzdem wurde sowohl durch das erste wie auch durch das zweite Bild der Weltenlauf verändert.

Nun müssen wir noch eine 3. und 4. Position annehmen, um eine Analogie zu unserem Thema „Kreationismus oder Evolutiontheorie“ herstellen zu können; mit 3. und 4. meine ich diejenigen, die sich unterhalten oder streiten können, wer der Künstler dieser Bilder ist und was seine jeweilige Absicht dabei sei, oder gewesen sei.

 

 

 

Eine Attribution könnte also problemlos lauten, „Jesus ist das Rote“ wenn wir z.B. eine Luftaufnahme von den Oberammergauer Passionsspielen interpretieren, womit über Jesus eigentlich nicht gesagt ist und er eben kontingent bezeichnet ist.

 

Matthäus 10, 29

Wird fortgesetzt,

 zurück zum Anfang

1. Zitat:

Ende

Jan Philipp Reemtsma aus seiner Laudation an Habermas

 

Urknall als Spiegelbild

 

Filme zum Thema

 

 

Ähnliche Themen im Netz:

http://www.fs-rewi.uni-bonn.de/ss/ss2a9.htm

 

zurück zum Anfang

Aus „Glauben und Wissen“, Jürgen Habermas, Surkamp, Seite 50 – 53

. Wir können aus dem Prozess der Modernisierung und Rationalisierung nicht einfach aussteigen. Auch intellektuell nicht, weil wir die Argumente zur Kritik der Moderne aus den ihr eigenen Rationalitätsstandards gewinnen, denn anders als andere historische Formationen, die sich vollständig über Konventionen und Glaubensakte erhalten können, gehört es unabdingbar zu ihr, sich selbst nie selbstverständlich geworden zu sein und sein zu können. Der Modus der kritischen Distanz zu sich selbst - als permanente Problembewältigung und -generierung - ist ihre historische Signatur, und insofern kann sie sich selbst nicht kritisch überwinden.

Allerdings kann sie, und damit die Chancen einer Kultur der selbstkritischen Reflexion, zerstört werden. Es sind nach Habermas im Wesentlichen drei Wege der Destruktion denkbar.

1.      Denkbar ist eine Zerstörung moderner Rationalität, die den Preis gesellschaftlicher Entdifferenzierung zu zahlen bereit ist. Träger solcher Zerstörung könnte das Militant-und Mörderischwerden der Globalisierungskritik sein (ich brauche die Stichworte nicht zu nennen) -oder eine Reaktion darauf, die sich emotionell wie machtpragmatisch in diesen Strudel der Entdifferenzierung ziehen lässt.

  1. 2.Denkbar ist zweitens eine Selbstdestruktion durch beschleunigt fortschreitende Differenzierung: die Aufzehrung lebensweltlicher kommunikativer Rationalität durch die Imperative formal organisierter Handlungssysteme. Dieser Prozess ist, nach Luhmann, bereits weitgehend abgeschlossen. Allerdings ist das, wenn ich richtig sehe, für Luhmann eine Frage der Theorie, für Habermas eine der Empirie.
  2. 3. Schließlich - und dieser Möglichkeit galten Habermas' jüngste Beiträge zur Diskussion um die Chancen und Risiken der Gentechnologie - wäre denkbar, dass es dem Menschen so an die anthropologische Substanz geht, und zwar durch die Auswirkungen seiner Fähigkeiten zur Selbstmanipulation auf Selbstbild und -bewusstsein, dass ihm sowohl das Gefühl für die Kontingenz der eigenen Existenz als Voraussetzung der Fähigkeit zur kritischen Aneignung seines eigenen Lebens als auch sein Potential der Lebensführung in Eigenregie abhanden kommt. Ob sich hier tatsächlich eine neue Gefahr der Destruktion moderner Rationalität auftut, ob dem post-post-modernen Menschen vielleicht wirklich die Existentiale abhanden kommen, ist zwar auch eine empirische Frage, und Habermas formuliert hier eine Hypothese mit Fragezeichen - aber die ist natürlich normativ aufgeladen: auf die Ungewisse Möglichkeit ihrer Falsifikation dürfe man es nicht ankommen lassen.

Zwar betont Habermas, dass es ihm nicht um das gehe, was traditionellerweise »Kulturkritik« heiße, vielleicht aus Sorge, etwa mit jenen Passagen der Dialektik der Aufklärung in Zusammenhang gebracht zu werden, die bei der Re-Lektüre etwas altbacken wirken, aber m einem natürlich relevant bleiben: dass die lebensweltliche Rationalität natürlich auch durch schlichte Verblödung vor die Hunde gehen kann - und was heißt da schon »nur«. Dass eine Bedrohung unserer Freiheit nicht als Zerstörung des Rechts, nach eigener Facon selig zu werden, auftritt, sondern als Demontage der Fähigkeit, sich eine eigene Facon zu geben, ist die nicht aus der Luft gegriffene Besorgnis, in der sich traditionelle Kulturkritik und Habermas' Warnung vor den Möglichkeiten der Selbstmanipulation der Gattung treffen. Auf der anderen Seite könnte man fragen, ob nicht auch ein Gattungsselbstverständnis zu gewinnen sein könnte, das der Abwehr der Zumutungen des Möglichen durch die beiden von Habermas kritisierten Haltungen der Selbstsakralisierung und der ebenso narzisstischen Grandiositätsoption ä la »What a piece of work is man« gleich fern wäre, aber dennoch seine Sorge um den Bestand der anthropologischen Substanz des modernen Menschen zwar ernst nähme, aber (jedenfalls diesbezüglich) nicht umstandslos teilte; ein Selbstverständnis, das vielleicht in der neuesten Selbstkränkung des Menschen, seiner Deklarierung zur Biomasse, eine ethische Chance sehen und ihr vielleicht (etwa mit Schopenhauer nachdenkend) Gestalt geben könnte - nun, wie dem auch sei, Habermas hat angemeldet, welcher Art der Diskussionsbedarf ist, und ein genaueres Fragen nach dem Konnex von rationaler und biologischer Lebensgestaltung (in beiderlei Sinn) könnte die oft doch sehr sterile Aufgeregtheit der blätterübergreifenden Diskussion überstehen, von der sich erst herausstellen wird, ob, um das angemessene Gleichnis aus Jurassic Park zu bemühen, die Wellenbewegungen im Wasserglas der sprichwörtliche negligeable Sturm waren oder der Indikator dafür sind, daß draußen tatsächlich ein Monstrum herumtrabt.

 

Ende

Jan Philipp Reemtsma aus seiner Laudation an Habermas

 

Urknall als Spiegelbild

 

Filme zum Thema

 

 

Ähnliche Themen im Netz:

http://www.fs-rewi.uni-bonn.de/ss/ss2a9.htm

 

zurück zum Anfang

Gerold Prauss, Die Welt und Wir, Bd.2/2, Seite 665-667

Grundlagen unseres Handelns

Unser Verhältnis zu den Körpern, die wir als Subjekte haben.

 

 

Der Urknall als Spiegelbild des Menschen

„Ich bin die Wahrheit,“ sagte Jesus. Und könnte der Mensch ein Irrtum sein, geschweige denn der Menschensohn? Dies sicher so wenig, wie ein Stein unwahr sein könnte; er wäre sonst eben kein Stein. Und Jesus war ein Mensch, als er dies sagte.

 

Prauss:

„Doch selbst Kant sieht nicht, daß mit dem Unterschied dieses Verhältnisses als eines analytischen und als eines synthetischen ein weiterer Unterschied einhergeht. Muß es danach doch als jenes analytische ein asymmetrisches Verhältnis sein, dagegen kann es als dieses synthetische nur ein symmetrisches Verhältnis sein. Daß Kant das übersieht, dürfte damit zusammenhängen, daß er diese Herleitung nicht mehr gegeben hat. Denn in der Tat muß innerhalb dieses synthetischen Verhältnisses der »Relation« zwischen »Substanz und Akzidens« als nichtempirisch-apriorischer »Kategorie« ein »Akzidens« eine »Substanz« genauso »haben« wie eine »Substanz« ein »Akzidens«; wogegen innerhalb von jenem analyti-

 

20 Wie seit Aristoteles, was Kant dann auch gesehen hat, vgl. z.B. Bd. 4, S. 310f.

 

21        Vgl. z.B. B130 mit Bd. 8, S. 216.

22   Zur weiteren Herleitung dafür vgl. unten § 22.

schen Verhältnis zwischen etwas Physischem oder Empirischem und seiner Eigenschaft nur gelten kann, daß dieses Physische oder Empirische die Eigenschaft hat, aber nicht genauso auch noch umgekehrt. Gewinnt ein Subjekt nämlich etwas Physisches oder Empirisches als etwas Wirklich-Anderes zu seinem Objekt, so muß letzteres von diesem Subjekt her dann auch symmetrisch-gleichursprünglich die Gesamtgestalt einer »Substanz« und eines »Akzidens« gewinnen: die von etwas Rotem oder Rundem oder einem Baum bzw. Ast. Umgekehrt dagegen kann von diesem Objekt her dann eine Eigenschaft erst immer asymmetrisch-abgeleitet sich gewinnen lassen: durch den ersten Schritt der Reflexion als Übergang von etwas Rotem als dem, das rot sei, zu ihm als dem, das Röte habe, usw.

Unsere Herleitung von all dem2' zeigt denn auch noch: Jene »Relation« dieser Relate von »Substanz und Akzidens« tritt als die hergeleitete »Kategorie« erst im Objekt als diesem Physischen oder Empirischen auf, wo sie auch erst durch den zweiten Schritt der Reflexion als etwas Herzuleitendes ermittelt wird. Nicht etwa tritt sie auf schon irgendwo im Subjekt, auch nicht als gedanklich oder anschaulich erzeugte, sondern eben erst als eines Objekts inneres Verhältnis zwischen beidem, das im ganzen eine nihtempirische Struktur desselben ist. Die bloße Symmetrie und Gleichursprüng-lichkeit des Auftretens von beidem ist nach dessen Herleitung denn letztlich auch kein Grund mehr, beides eigens anzusetzen als »Kategorie« im Subjekt. Vielmehr ist das danach eher noch ein Anzeichen dafür, daß mangels dieser Herleitung auch Kant das Subjekt als möbliertes Zimmer24 noch nicht gänzlich überwunden hat. Im Subjekt nämlich treten nur die immer wieder asymmetrischen Verhältnisse der Selbstverwirklichung als Selbstausdehnung jenes Punktes auf. Infolgedessen steht auch das Objekt als das Ergebnis davon, das sich nur als etwas Physisches oder Empirisches ergibt, zu seinen Eigenschaften dann auch nur in jenem asymmetrischen Verhältnis. Denn entsprechend kommt es dabei auch zu dessen »Synthesis« nicht etwa in dem Sinn einer »Zusammensetzung«, sondern nur durch solche Selbstausdehnung jenes Punktes selbst.

Dies aber heißt: Es bilden sich aus diesem Grund - sprich: aus

23   Vgl. dazu schon G. Prauss 1999, §§ 10-12.

24   Vgl. dazu jetzt auch nochj. Scarle 1993, z.B. S. 117, S. 189, S. 193.

 

diesem Subjekt heraus - bis einschließlich von diesem wirklichanderen Objekt als Physischem oder Empirischem dann auch nur immer wieder asymmetrische Verhältnisse. Denn eben dadurch ist dann auch noch das Objekt zuletzt nur gleichsam Spiegelbild des Subjekts und nicht etwa umgekehrt. Des weiteren liegt es nur daran, daß bis einschließlich von jedem wirklich-anderen Objekt sich immer wieder auch nur jene ganz besonderen Differenzen bilden, die bloß Differenzen innerhalb von einer einzigen Identität sind. Sie entspringen nämlich aus dem Grund und in dem Sinn der Selbstausdehnung jenes Punktes, wodurch er auch immer wieder nur ein Anderes zu sich oder ein zu sich Anderes wird. Und das heißt: Er wird dadurch gerade nicht etwa zu einem Anderen im Sinn von einer anderen Identität, und das gilt aus dem Grund und in dem Sinn der Selbstausdehnung dieses Punktes als Subjektes eben auch noch für ein jedes wirklich-andere Objekt als Physisches oder Empirisches. Nur daher nämlich bildet es zu seinen Eigenschaften dieses asymmetrische Verhältnis, das ja jeweils innerhalb von jedem wirklich-anderen physischen oder empirischen Objekt besteht als einem jeweils in sich einheitlichen Ganzen.

 

 

 

 

Zurück