Die Unschärfe menschlicher Erkenntnis nach Michael(C)

 

Wenn sich selbstgerechte Religionen dem in den Weg stellen,

 

Geburt-Tod-Wiedergeburt unterworfen ist.
Das, bis die geistige Reife des irdischen Monotheismus erfolgt ist.

 

Keine Religion ist selbstständig.

 

Weder Mose gebot anderen Völkern das Gesetz.
Noch Mohammed gebot anderen Völkern das Gesetz.
Wer aber im Kreise Moses oder Mohammeds leben wollte,
hatte sich daran zu halten.

 

Da sich einmal eingesetzte Macht sich immer wieder neu legitimieren muß,
ist darin der Kern des Abfall,

 

So ist nur der Monotheismus bei Gott unveränderlich - denn er ist ja Gott.
Menschen aber verfallen immer wieder in religiösen Wahn
mit selbstgerechter Legitimation und den Machtspielen.

 

Nur Gott ist unveränderlich.

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Hermann Barth betrachtet das ökumenische Problem unter folgenden Gesichtspunkten:

„Welches Maß an Einheit tut der Kirche not?

Welches Maß an Vielfalt tut der Kirche gut und bleibt verträglich mit ihrer Einheit?

Was hilft der Kirche, als Einheit in der Vielheit und als Vielheit in der Einheit zu leben?“

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Fridolin:

Wenn Du Deine Erkenntnis oder Vorstellung von „einem“ Gott mit Gott gleichsetzt, so wie Deine Vorstellung oder Erkenntnis von der Zahl  Eins = I ist, so wie ein Strich oder ein Zaunpfahl oder ein Stock, dann wäre das sicher eine Vereinfachung.

Selbst bei Deiner Erkenntnis oder Vorstellung von „einem“ Baum mit seinen tausendfach verzweigten Wurzeln unter der Erde und den tausendfach verzweigten  Ästen über der Erde wäre dies nicht so einfach und klar, wie z.B. bei einer Zahl.

Für einen Vogel wäre ein Baum sicher etwas anderes, z.B. als Brutplatz, als für einen Menschen

  1. der Feuerholz sucht oder
  2. B. der Bretter sägen will oder
  3. C. der Obst ernten will, oder
  4. für den Biologen, der den Wasserhaushalt des Baumes verstehen will oder
  5. den Chemiker,
  6. Physiker,
  7. Mediziner,
  8. Köhler usw. usw.

 

20 Künstler, die sich rund um den Baum aufgestellt haben und den Baum malen wollen, malen mehr oder weniger gut ihre jeweilige eigene Ansicht, die natürlich auch ein Stück Wahrheit enthält.

Lächerlich wäre es, wenn jeder seine eigene Sicht für die einzig wahre hält und anfängt, die anderen zu beschimpfen und zu bekämpfen.

Selbst wenn ein Künstler total besoffen ist und statt einen Baum zwei Bäume malt, liegt in dem Bild dann ebenso ein Stück Wahrheit wie in allen anderen Bildern, die allesamt eben nicht nur Wahrheiten über den Baum sondern auch über den jeweiligen Künstler enthalten, - nie aber die ganze und alleinige Wahrheit.

Ein Künstler könnte jetzt trotzdem hingehen und das eigene Bild für das einzig wahre erklären. Mit Gewalt verbietet er alle anderen Bilder und Betrachtungsweisen und macht eine Schule, in der jeder nur lernt, das „wahre“ Bild zu kopieren; dann hätten wir zumindest Einigkeit, allerdings auf dogmatischer Grundlage, - keiner darf sich für kompetent erklären, den Baum in seiner persönlichen Sicht und nach seinem persönlichen Standpunkt darzustellen, - und wir könnten, ja wir müßten eigentlich den Baum absägen. Denn er stört nur unsere Einigkeit.

Wollte sagen, so wie verschiedene Künstler den Baum so oder so erleben und darstellen, so erleben und zeichnen verschiedene Menschen und Theologen Jesus, Gott und den Heiligen Geist immer mit ihren menschlichen Worten jeweils anders.
Und der Physiker kann und darf in einer freien und undogmatischen Gesellschaft beweisen, daß es Gott physikalisch überhaupt nicht gibt. Dies sagt allerdings mehr über die Physik aus als über Gott. Trotzdem sollte man deswegen die Physik nicht verbieten, und man sollte den Physiker nicht bestrafen oder verdammen.

 

Diese Analogie, d.h. dieser einfache Vergleich der vielen undogmatischen oder undogmatisierten Darstellungsmöglichkeiten eines einfachen Baumes mit den vielen Darstellungsmöglichkeiten unseres christlichen Glaubens, könnte uns allerdings zu der Annahme verleiten, als gäbe es die wahre christliche, Lehre überhaupt nicht, so wenig wie die islamische, jüdische, buddhistische, hinduistische oder taoistische. Als hätten sich alle Religionen und Kirchen durch ihre Dogmatik und mit ihrer jeweiligen dogmatischen Lehre von Gott getrennt und sich zwischen Gott und Mensch gestellt, oder gar den wahren Gott abgeschafft, - wie Michael(C) behauptet.

In der Tat kann man den christlichen Glauben der Kirchen als eine synkretistische und künstliche und dogmatisierte Konstruktion sehen, z.B.:

  1. als Theokrasie, als die Vereinigung oder Vermischung verschiedener Götter oder göttlicher Attribute in einer zusammengesetzten Gottesvorstellung. (Vater, Sohn, Heiliger Geist)

2.      als Theogonie, einer mythischen Lehre von der Entstehung und Abstammung von Göttern (Vater und Sohn)

3.      Theophanie, einer  Manifestation oder Erscheinung eines Gottes oder einer Gottheit vor den Menschen, (Offenbarung)

4.      Pantheismus, der die Natur und Gott als identisch ansieht,

usw.

Man kommt der Problematik vielleicht näher, wenn man sich mit dem großen Kirchenlehrer Tertullian der frühesten Christenheit befaßt, der dann später aber Anhänger der Montanisten wurde, einer Sekte – etwa wie die Zeugen Jehovas heute.

Dabei interessiert heute vielleicht weniger die recht dogmatische Lehre Tertullians (http://antiqua.pusc.it/btt.html ) oder der Montanisten, sondern, warum Tertullian von der eigenen Dogmatik in eine andere geriet. Hatte er durch das Dogmatische der eigenen Lehre Gott selbst verloren und wurde er dadurch an seiner eigenen Lehre irre und unsicher und suchte diesen sicheren Glauben nun in einer anderen Dogmatik?

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  1. Juni 07

Durch die konsequente Abgrenzung der christlichen Lehre gegen Gnostik, Arianismus?, Paganismus und vor allem Marcion war eine gewisse apodiktische Dogmatik, Dogmatisierung  der wahren Lehre unvermeidlich. Tertullian hatte weltweite Bedeutung (bis heute übrigens!). Daß er dabei  seinen Gott „verlor“, ist ohne Zweifel ein psychischer Aspekt von Zweifel an sich selbst und vielleicht weniger ein theologischer Aspekt. Vielleicht ein Nebeneffekt von Dogmatisierung überhaupt, der dann zur Fanatisierung und zum Fundamentalismus führen kann.

Jedenfalls war Tertullian ehrlich gegen sich selbst, - darauf kommt es mir hier an! - wenn er nun Gott nicht mehr in seiner eigenen Lehre fand, spürte und suchte, sondern bei einem Christen, Montanus, der ihm glaubwürdig war. Er suchte Gott bei einem glaubwürdigen Menschen, der selbst keinen Zweifel zu haben schien.

Im Normalfall sollte die Kirche als Gemeinde die Funktion einer Befestigung des Glaubens haben, wobei immer auch die Gefahr besteht, wenn man Gott in der Kirche sucht, daß man sie auch selbst als Gott nimmt, womit sie eine Religion wird, und daß man dann für sie statt für Gott Partei ergreift, - wenn auch im Namen Gottes.

 

Ich erinnere hier noch mal an den Superkünstler oben (als Beispiel), der seine eigene Sicht anhand seines eigenen Bildes dogmatisiert, alle anderen „Ansichten“, nämlich alle anderen Bilder kritisiert und verneint und verbietet, so daß alle anderen Künstler nur noch sein Bild kopieren. Vielleicht war sein eigenes Bild ja tatsächlich maltechnisch am besten gemalt; vielleicht wollte er ja auch nicht die anderen Standpunkte diskreditieren, sondern nur deren mindere Technik, was dann aber dazu führte oder führen kann, daß die Maltechnik (verbale Formulierung), d.h. die Ansicht und dann auch mit dem indivisuellen Standpunkt leicht gleichgesetzt werden kann und damit zur „wahren Religion“ wird.

 

An diesem Beispiel der vielen Künstler, die sich rund um einen realen Baum plaziert haben, wobei jeder seine eigene Ansicht von jenem gemeinsamen Baum malt, sollte eigentlich ein noch viel schwierigeres Problem der Christenheit verdeutlichen, nämlich das Problem und die Gefahr der Relativierung und damit die Diskreditierung jeder einzelnen Ansicht. Aber im christlichen Glauben kommt es genau auf den individuellen – und eben nicht – gleichgeschalteten Glauben an.

Man soll natürlich so ein Beispiel nicht überstrapazieren. So hat Paul Cézanne tatsächlich den gleichen Berg sehr oft immer vom gleichen Standpunkt (ganz wörtlich genommen) aus gemalt, allerdings zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten und in verschiedenen Stimmungen. Und es sind trotzdem verschiedene Bilder geworden.

Ist es tatsächlich so, daß sich verschiedene individuelle Standpunkte gegenseitig relativieren?

Wenn ich das kirchliche Gesangbuch durchblättere, finde ich viele auch individuell verschiedene Zeugnisse, die sich eben ergänzen und nicht gegenseitig ausschließen. Allerdings haben sich nur die „schönsten“ Lieder über die Jahrhunderte erhalten.

Und so ist es auch, wenn ich die Bibel lese: Sind es immer verschiedene Ansichten und auch verschiedene Standpunkte, die sich gegenseitig relativieren, so daß ich mir immer was passendes aussuchen kann?

Eine Gefahr besteht nun tatsächlich darin, daß nicht Gott sondern die Bibel als Sola fide = sola scripta zum Wahrheitskriterium wird, bzw. die Kirchenlehre, und nicht mehr Gott selbst, der praktisch überflüssig würde.

Welche Vielfalt verträgt die Kirche?

Tatsächlich ist es doch so, daß jeden Sonntag in jeder christlichen Kirche eine andere Predigt gehalten wird. Manche mögen langweilig, schlecht, falsch, nervig, künstlich aufgesetzt charismatisch oder betont theologisch-sachlich sein, wie die berühmte Papstrede in Augsburg, oder eben erbaulich, tröstlich oder missionarisch und dennoch gut und den Kern des Glaubens treffend.

Ich bin jedenfalls immer erleichtert, wenn der Pfarrer auch theologisch geschult ist. Bedeutet dies nun, daß er damit nur dogmatisch linientreu nur eine Kirchenlehre verkündet und nicht die Botschaft des Evangeliums?