Aus dem Buch von  Christa Meves (nur zur Diskussion für kurz) , Resch-Verlag

 

 

Verführt,

 

Manipuliert,

 

Pervertiert

 

 

 

 

Make love, not war.............................................................................. 101

Die Triebtäterfalle................................................. 101

Der Pornoboom und seine Folgen........................... 111

Homosexualisierung.............................................. 123

Schule in der Sackgasse.................................................. 141

Lehrerdilemma..................................................... 141

Eine neue Einheitsschule?  .................................... 146

Ganztagsschulen - flächendeckend?   ..................... 150

Studentenmisere................................................... 153

Grundlagen einer konstruktiven Veränderung........................... 156

Erziehung mit Gott   ............................................ 156

Heilen auf christlicher Basis................................... 166

Voraussetzungen zu Sozialisation und

Leistungsfähigkeit................................................. 180

Vom Wert des Musizierens.................................... 194

Anmerkungen................................................................ 201

  Vorwort

Die Bevölkerung in Deutschland ist in den vergangenen Mo­naten erschreckt aus dem Schlaf getäuschter Sicherheit er­wacht. Es ist den Menschen hierzulande bewusst geworden: Es geht in rasantem Tempo abwärts - es geht an ihr Porte­monnaie. Aber kaum einmal wird dieses Faktum durch eine tiefer greifende Analyse hinterfragt. Mit erschreckender Ober­flächlichkeit werden in den Talkshows der Medien Wirt­schaftswissenschaftler und Politiker in ermüdender Einförmig­keit befragt, wo und wie denn das Geld anders verteilt werden könne und solle, damit der Kuchen weiterhin für alle aus­reicht, obgleich er dafür zu klein geworden ist. Die Wurzeln des Übels aufzuspüren und von dort her eine Änderung ein­zuläuten - das wird mit einer beispiellosen allseitigen Ver­drängung in der Öffentlichkeit vermieden. Viele der jungen Meinungsmacher unserer Mediendiktatur fehlt offenbar jeg­licher Ansatz dazu, die tieferen Zusammenhänge zu durch­schauen. Die Älteren, die ihren Aufstieg in die Machtpositio­nen ihrem Einsatz für die Verwirklichung der linken Ideologie verdanken, machen verständlicherweise fest die Augen zu; denn die Situation klar zu erfassen käme einem Eingestehen ihrer Mitwirkung am Niedergang unserer Republik gleich.

Das ist eine fatale Situation. Wollen wir, von Erblindeten angeführt, blind weiter dem Untergang entgegengehen? Kön­nen wir überhaupt noch etwas tun? Oder befinden wir uns bereits am „point of no return"? Die Geschichte lehrt, dass ei­ne Wende zum Konstruktiven in jenen Gesellschaften mög­lich gewesen ist, in denen vom Volk und dann auch von der Regierung eine entschiedene Umkehr eingesetzt hat, weg von dem letztlich immer gleichen Fehlweg, einem den Menschen und seine Machtmöglichkeiten überschätzenden Hochmut,

 

 

  o___________________________________________________                                                         Vorwort

hin zu einer Umkehr nüchterner Erkenntnis seiner Realität, dass er ein Geschöpf ist - und zwar „in Schlechthinniger Ab­hängigkeit" von seinem Schöpfer.

Es darf deshalb in später Stunde weiterhin nichts unver­sucht bleiben, dem abwärts rollenden Rad des Schicksals in die Speichen zu greifen. Das darf umso weniger eine Autorin zulassen, die von dem Zeitpunkt der Weichenstellung an, also seit 35 Jahren, gewarnt und die jetzige Situation damals be­reits in allen Einzelheiten für heute vorausgesagt hat - nicht etwa auf dem Boden einer prophetischen Intuition, sondern durch nüchterne, fachspezifische Diagnose. Man konnte das alles rechtzeitig wissen: den Geburtenschwund, den Abtrei­bungsboom, die Entsittlichung, die Zerrüttung der Familie und infolgedessen Scheidungselend, Kriminalitätssteigerung, Süchte und Depressionen als Volksseuche.

Einige Aussagen der frühen Jahre sollen hier noch einmal zitiert werden. 1969 schrieb ich: „Das Problem unserer Jugend heute ist ein Problem der Erwachsenen, ist ein Niederschlag eines bestimmten Zeitgeistes - und dieser Zeitgeist ist inso­fern krank, als er eines der lebensnotwendigsten Bedürfnisse des Menschen, das in einem religiösen Bezug erlebte Gefühl von Sinnhaftigkeit seines Lebens, nicht mehr befriedigt."1

„Bereits jetzt werden die für diese Krankheit typischen illu­sionären Riesenerwartungen zu Ideologien aufgeheizt, denen wir - schreitet die Entwicklung so fort - in wenigen Jahren nicht mehr werden Herr werden können, denn die Eigenge­setzlichkeit anarchistischer Mechanismen ist von einem gewis­sen Quantitätsgrad ab nicht mehr durchbrechbar. Wenn der Homo Faber dem Rausch des Sieges über die Natur verfällt, statt von ihr zu lernen, wird sie ihn mit Krankheit und Ver­wahrlosung seiner Nachkommen schlagen. Und dann werden gesündere oder klügere Völker sein Erbe anzutreten haben."2

„Wir stehen in einem Verfall geistigen Wertstrebens und sittlicher Norm. Denn wo nicht verantwortet zu werden

  Vorwort                                                                                                        9

braucht, fällt auch die Verpflichtung mehr und mehr zu ei­nem hohlen Begriff zusammen. Denn selbst die Freiheit ist ja dem Chaos der totalen Unordnung nahe, wenn sie Bindungs-losigkeit auf ihr Banner hebt - auch der Begriff der Freiheit wird erst zu einem ethischen Wert, wenn er auf ein Ziel deu­tet, das von einem religiösen Verantwortungsbewusstsein ge­tragen wird."3

„Wenn man diese Zusammenhänge erfasst, wird klar: Mit der zunehmenden Berufstätigkeit vieler Säuglingsmütter, mit den kollektiv praktizierten fragwürdigen Umgangsweisen mit klei­nen Kindern, mit der Technisierung auch der Kindheit, die statt Liebe und Opferbereitschaft vorgekaute Materie anbietet und eine maßlose Verwöhnung provoziert, muss die psychi­sche Erkrankung ,neurotische Verwahrlosung' geradezu eine seuchenähnliche Gefahr in der westlichen Welt werden."4

„Nur Eltern, die es wagen, ihren kleinen Kindern mit fester Hand einen beschützenden Raum zu bieten, in dem es Licht-und Schattenseiten gibt, nur solche Eltern werden es in der Pubertätszeit ihrer Kinder erleben, dass diese ihr Frei-gelassen-Werden im Erwachsenenalter ertragen, ohne in einer Weise über die Stränge zu schlagen, die sie selbst und die Gemein­schaft schädigt."5

„Die wilde Wucherung ,sexuelle Revolte' kann eventuell ein Anstoß sein, aber nicht mehr. Ihr Programm zu verwirk­lichen hieße, das Kind mit dem Bade auszuschütten, wobei es gewiss in Teufels Küche geriete. Kinder, die in einer sexua-lisierten Elternhaus- oder Kindergartenatmosphäre aufwach­sen müssen, gelingt eine Harmonisierung der Sexualität spä­ter schwerer. Manche werden mit negativen Valenzen gegen Sexuelles überflutet - andere zu suchtartigen Abartigkeiten stimuliert, die ein ganzes Leben färben und vergiften kön­nen."6

„Nimmt man den Frauen eine ihrer letzten Bastionen der Pflege ihres Gefühls in der ungestörten Mutterschaft, so wer-

  10

  Vorwort

  Vorwort

  11

  

  den Schillers Hyänen, die mit Entsetzen Scherz treiben, bald nicht mehr legendär sein."7

„Geschehen kollektiv solche Fehlentwicklungen, schießt das Böse pilzartig hervor. Das macht es nötig, in unvermeid­licher Einseitigkeit zum Kampf gegen das Überhandnehmen der zerstörerischen Kräfte anzutreten". „Es lässt sich die wohl­begründete Prognose stellen, dass unter diesem Trend die Ho­mosexualität unter Männern weiter enorm ansteigen wird -in einem Maß, wie es durch plötzliche explosive Ausbreitung einer abartigen genetischen Mutation auf dem Sektor Homo­sexualität gar nicht erklärbar sein könnte."8

„Je weniger unsere Kinder muttersatt werden, desto mehr wird in ihnen der Schrei nach der totalen Versorgung ohne Gegenleistung zum irrealen Fanal werden. Übertreibungen mit dem sozialistischen Gedanken in liberal-demokratischen Staaten bedeuten Selbstmord dieses Systems. Es muss durch die Eskalation der sozialen Maßnahmen, durch die steuerli­che Überlastung der Fleißigen, die man dadurch entmutigt und einschränkt, in wirtschaftliche Krisen geraten. Je mehr Menschen eine Haltung dieser Art erwerben, je mehr Wähler es gibt, die durch Versprechungen ohne Gegenleistung in ih­rer Wahlentscheidung bestimmt werden, desto weniger kann eine sozialliberale Regierung sinnvolle Korrekturen vollzie­hen. Das friedliche Täubchen, der liberale Sozialismus, klebt so lange auf diesem Leim, bis die Katz, der imperialistische und diktatorische Sozialismus, es holt."9

Das ist eine Blütenlese meiner auf Vorträgen und in Bü­chern gemachten Aussagen zwischen 1965 und 1975. Heute können wir erkennen: Die Stunde des Erwachens der Verführ­ten war - bedingt auch durch den hohen Wohlstandsstatus -über 30 Jahre hinweg immer noch nicht gekommen. Ja ge-wiss, es gab allmählich eine Zunahme der durch ihr persönli­ches Leid Aufgewachten, es gab das Standhalten klarsichtiger Christen. Aber es war nicht möglich, jenen Ruck in der Be-

  völkerung zu erwirken, der so rüttelt und schüttelt, dass es nicht länger möglich ist, weiter die Augen zuzumachen.

Diese Stunde ist jetzt da. Die Notwendigkeit, sich gegen den destruktiven Trend zu stellen und die falsche Einstellung zu revidieren, tritt bei immer mehr Menschen gegen die ein­lullenden Sirenenklänge der Medien, gegen die erschreckend falschen Maßnahmen der Regierung ins Visier der Bevölke­rung. Dieser Erhellung soll mein neues Buch dienen. Es strebt durch nachhaltige Analysen eine Bewusstseinssteigerung von der Tiefe her an; denn es lässt sich mit Argumenten von der psychotherapeutischen Erfahrungswissenschaft her die Wahr­heit orten. Sie steht darüber hinaus in Übereinstimmung mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, mit der Einsicht in die genetische Verschiedenartigkeit der Menschen, in die Unterschiedlichkeit der Struktur von Mann und Frau, in die Hirnprozesse, die die Entfaltungsbedingungen der Spezies Mensch sichtbar werden lassen. Hier versuche ich in einzel­nen Kapiteln auf den verschiedensten Sektoren eine Abkehr vom ideologischen Menschenbild - hin zur Wahrheit zu er­reichen; denn die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Prämissen des Christentums stimmen in einer überra­schenden Weise miteinander überein.

Der Mensch hat seinen immensen Fortschritt durch die Jahr­tausende hindurch mit Hilfe seiner Klugheit, seiner Lernfähig­keit und seiner Möglichkeit zu lieben erreicht. Diese vor allem läßt den Impuls zu überpersönlicher Verantwortung entstehen.

Machen wir uns also in später Stunde endlich klug, um die Wahrheit zu erkennen. Liebe zu Gott und den Mitmenschen sowie die daraus erwachsende Vernunft und Einsicht können es schaffen, das Schicksal zu wenden. Jeder ist dazu aufgeru­fen. Packen wir es an!

Christa Meves,

Uelzen im Sommer 2003

  Christa Meves

Verführt. Manipuliert. Pervertiert.

Seite   100

  Jugend

  101

  

  chen nachhaltig und irreparabel auch seelisch schaden, und zwar einmal dadurch, dass sie, wenn sie von ihrem ersten Liebhaber, an den sie sich liebend banden, enttäuscht und verlassen werden, zur Promiskuität neigen (nach dem Motto: Jetzt ist sowieso alles egal) - eine Verhaltensform, die sie im­mer mehr davon abbringt, Ehe auf Lebenszeit und Familien­gründung für erstrebenswert zu halten.

Darüber hinaus machen Erkrankungen der Geschlechtsor­gane, Angst vor Schwangerschaft, Schuldgefühle wegen Ab­treibung, Unwertgefühle wegen durchgemachter Geschlechts­krankheiten ihre Seele unruhig, elend, oft hart und stumpf -Eigenschaften, die kein verantwortungsbewusstes Elternpaar sich für seine Tochter und auch nicht für sich selbst wünschen kann.

Die Sofortbefriedigung von Triebwünschen hat sich eben doch als eine sehr zweifelhafte Methode zur Gewinnung von mehr Lebensglück herausgestellt. Sie macht oberflächlich, an­spruchsvoll-gierig im Hinblick auf mehr Sexualität, sie vertieft nicht die seelische Bindung, weil man ihr nicht Zeit zum Wachsen und Sichfestigen zubilligt. Sexuelle Sofortbefriedi­gung unterbindet die allgemeine Befähigung zur Disziplinie­rung, sie mindert den Antrieb zu geistigen Anstrengungen. Sie vergeudet statt dessen Kraft und Zeit, die für andere Auf­gaben dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Resümee: Anerkennung der natürlichen Sehnsucht nach Liebe der Jugendlichen durch ihre Eltern einerseits und Erzie­hung zum Warten und nachdenklichen Auswählen des richti­gen Partners andererseits haben sich als das bessere Rezept zu dauerhaftem Lebensglück erwiesen. „Liebe ist Geduld", sagt Paul Segal, „Sex ist Ungeduld." Das gilt auch in Bezug auf die Homosexualität. Auch auf diesem Sektor herrscht eine er­schreckende Desinformation und Sorglosigkeit vor. Deshalb soll diesem Thema später ein gesondertes Kapitel gewidmet werden.

  Make love, not war

Die Triebtäterfalle

Die sogenannte „Befreiung zur Sexualität" - vor 35 Jahren in unserer Gesellschaft proklamiert1 - hat eine Reihe weiterer de­struktiver Beeinträchtigungen zur Folge gehabt, die heute be­denkliche Ausweglosigkeit heraufbeschworen haben, so z.B. durch das Boomen rückfälliger Sexualstraftäter.

Zum sechsten Mal z.B. ist der Täter Schmökel ausgebro­chen und rückfällig geworden. Hoch brandet der Zorn in der Bevölkerung. Verzweiflung und Ratlosigkeit beherrschen die Akteure: die behandelnden Psychotherapeuten, die Richter, die Psychiater, die Bewacher, die staatlichen Instanzen.

„Können wir nicht endlich lernen", sagte ein Vertreter der Opferorganisation Weißer Ring im Fernsehen, „dass der Schutz der Bevölkerung in solchen Fällen vorrangig sein muss? Warum macht man so unverbesserlich immer die glei­chen Fehler beim Umgang mit Triebtätern?"

Das ist allerdings eine mittlerweile brennend notwendige Frage geworden, die dringend der Erörterung bedarf.

Als langjährige Gutachterin bei norddeutschen Jugendge­richten möchte ich Folgendes in Erwägung ziehen: So unum­gänglich es ist, den liberalisierten Strafvollzug zu hinterfragen, so billig ist es andererseits, den Psychotherapeuten im Straf­vollzug allein den schwarzen Peter der Schuld zuzuschieben. In der Mehrzahl sind gerade Triebtäter umgängliche Men­schen. Sie setzen den therapeutischen Bemühungen selten Widerstand entgegen (wie andere Delinquenten!). Oft verlie­ren sie während des therapeutischen Prozesses ihre verschlosse­ne Schüchternheit. Je mehr sie angenommen werden, um so mehr sind sie bereit mitzuarbeiten, sich in ihr So-Geworden-

  102

  Make lovc, not war

  Make love, not war

  103

  

  sein zu vertiefen und mit nach den Ursachen der psychischen Störung auf die Suche zu gehen. Das vermittelt dem Thera-peuten die Vorstellung, erfolgreich zu sein. Es entsteht darüber hinaus (besonders bei den weiblichen Heilern) eine Bindung, ein Wohlwollen im wahrsten Sinne dieses Wortes, eine Bereit­schaft, sich für den Delinquenten einzusetzen, im Glauben an ihr eigenes Können und an das Gute in ihrem Patienten.

Daraus erwächst der Impuls, ihm seine Rückkehr in die Freiheit zu ermöglichen. Ja, gäbe es Röntgenapparate der See­le - es wäre einfacher, hier den schönen Schein von objekti­ven Tatbeständen zu unterscheiden. Aber ähnlich treffsichere Apparate wie in der Medizin für die Unterscheidung zwischen Krankheit und Gesundheit gibt es in der Psychologie nicht. Manchmal täuschen sich die Triebtäter selbst über den Grad ihrer neu gewonnenen Festigkeit durch das neu gewonnene Verständnis für die Entstehung ihrer schrecklichen Taten. Viele andere täuschen allerdings auch sehr bewusst die Therapeu-ten, indem sie ihnen die allzu häufig immer noch vorhande­nen bösen Phantasien (vor allem während der Selbstbefriedi­gung) verschweigen, um sich ihre Chancen auf Freigang und Freilassung nicht zu verbauen. Echten Erfolg von Scheiner­folg zu unterscheiden, bleibt deshalb für die Psychotherapeu­ten im Strafvollzug meist heikel.

Dass hier ein humanitärer Wunsch des Therapeuten die Er­fahrung mit den so häufig zu Wiederholungstätern werden­den Sexualdelinquenten übertönt, hat darüber hinaus aber noch eine andere Ursache, die unbedingt auf den Tisch muss, wenn wir zu einer Verbesserung der makaberen Situation kommen wollen.

Die Generation der heute 30- bis 50-jährigen, die im Ge­sundheitswesen ausgebildet wurden, hat in der Regel ihre so­zialen Berufe auf dem Boden eines fundamental veränderten Menschenbildes erlernen müssen. Nirgendwo hat die Ideolo­gie der sogenannten Kulturrevolution so tief eingreifen kön-

  nen wie beim Umgang mit Straftätern und Geisteskranken. Denn seit 1968 muss der - so scheint es nun - eigentlich gute gesunde Mensch lediglich von den seelischen Verletzungen befreit werden, die ihm die Gesellschaft durch ihre schäd­lichen Strukturen aufnötigte und ihn allein dadurch krank werden, d.h., ihn eigentlich doch gerade gesund reagieren ließ. Ist dem Triebtäter erst einmal klar gemacht worden, dass sein Handeln eigentlich berechtigte Rache an einer Gesellschaft war, die mit Recht zu bekämpfen ist, kann er - so meint man seitdem - von den Aggressionen gegen einzelne Objekte las­sen und sich stattdessen direkt mit dafür einsetzen, dieses fal­sche System abzuschaffen. Diese Fehlvorstellung über die Ur­sachen seelischer Erkrankungen und damit eine neue Zielgerichtetheit in der Psychotherapie schwächte sich zwar im Laufe der Jahrzehnte etwas ab, stand und steht aber in den Ausbildungen immer noch Pate, wenn es um die Umgehens-weise mit dem Rechtsbruch und mit delinquenten Menschen geht. Sowohl das Prinzip der Verbesserung durch Einsicht in Schuld und Lernen aus der Strafe als auch der Schutzgedanke für die sich an die Gesetze haltenden Mitglieder der Gesell­schaft gingen dabei mehr und mehr verloren.2

Gegen eine Ideologie, die sich an der Erfahrung als kon­struktiv erweist, wäre im Grunde wenig einzuwenden; aber dieses Menschenbild erwies sich rasch als unzureichend, weil das anarchistische Auswirkungen hatte. Ja, sie begannen dar­aufhin geradezu zu wuchern; denn auch die Tabuierungen auf dem Sektor Sexualität, so behauptete man (im Gegensatz zu den Erfahrungen der Menschheit mit dieser Großmacht) seien lediglich Repressionen der in der Gesellschaft Mächti­gen zum Zwecke der Machtausübung und bedürften infolge­dessen der Enttabuierung und befreiender Einübungen am besten bereits von Kindesbeinen an.

Auf dem Boden dieser Vorstellung wurde der sexuelle Kindsmissbrauch zur weitgehend tolerierten Mode. Nach der

  104

  Make love, not war

  Make love, not war

  105

  

  großen Strafrechtsreform von 1976 diente auch die Jurispru­denz in diesen Bereichen eher einem Delinquentenschutz, als dass ein echter Rechtsschutz für die Bevölkerung erhalten blieb. Toleranz durch Identifikation mit dem Rechtsbrecher setzte sich tendenziell immer mehr durch. Auf diese Weise wurden sowohl das Rechtsbewusstsein generell eingeschränkt wie auch das Strafrecht auf diesem Sektor zunehmend ent­machtet. Die Delinquenz boomte infolgedessen in den fol­genden beiden Jahrzehnten.

Diese ideologischen Hintergründe, die dem einzelnen Ak­teur heute selten überhaupt noch bewusst sind, dürfen nicht übersehen werden, wenn zurzeit immer häufiger ebenso skan­dalöse wie ausweglose Situationen entstehen.

Mit Recht werden infolgedessen die psychiatrischen Gut­achter für Wiederholungstäter knapp. Zu häufig und spekta­kulär erwiesen sich die Stempel, mit denen die Fachleute ih­nen eine erfolgreich abgeschlossene Therapie bescheinigten, als unangemessen: Sie vergewaltigten doch wieder, sie ent­führten doch wieder ein Kind, sie missbrauchten und töteten es häufig sogar. Sie erwiesen sich als typische Serienkiller und als typische Kinderschänder. Mit Recht spricht die Polizei von einer typischen „Handschrift" des einzelnen Verbrechers. Und ein Großteil der kriminologischen Fahndungserfolge beruht darauf, dass bereits vorausgegangene Taten aktenkundig ge­worden sind.

„Wegsperren für immer", ruft deshalb Bundeskanzler Schröder und bildet so - bewusst populistiscfi - ein Echo der berechtigten Empörung in der Bevölkerung über eine neu ruchbar gewordene Triebtat eines rückfällig gewordenen De­linquenten.

Aber warum tun Justiz und Psychiatrie und erst recht die Psychotherapie sich so schwer, der Rückfallgefahr entspre­chend Rechnung zu tragen? Warum lassen sie die sich schließ­lich als unverbesserlich erweisenden Täter immer wieder lau-

  fen, wird damit doch immer neu eine erhebliche Gefahr, oft sogar für Kinder, heraufbeschworen?

Das liegt zunächst einmal daran, dass nicht alle Rückfalltä­ter später bei den Gerichten wieder in Erscheinung treten. Bei 20 bis 40 % der lediglich Inhaftierten ist das der Fall (60 bis 80 °/o werden also wieder rückfällig!). Aber nur 30 % der im Strafregelprozess Therapierten treten erneut strafrechtlich in Erscheinung. muss man nicht annehmen, dass die Therapie ihnen geholfen hat? Und rechtfertigt das nicht alle nur er­denkliche Bemühung? Jedenfalls stützen die Zahlen der an­scheinend nicht wieder rückfälligen Täter den oft jahrelangen Aufwand der Therapeuten. Was hätte dieser kostspielige jahre­lange Aufwand für einen Sinn, wenn die Kranken gar nicht heilbar wären? Aber haben Psychiatrie und Psychologie dafür sichere Kriterien? Die Fehlurteile der letzten Jahre lassen dar­an zumindest bei den 70 % der anscheinend Geheilten Zwei­fel anmelden. Sind nicht zumindest einige von ihnen in ei­nen „Untergrund" verschwunden, in dem sie angesichts neu aufzuklärender Straftaten, die ihre „Handschrift" tragen, nicht mehr auffindbar sind?

Hier wird eine Aporie sichtbar, die die psychologischen Gutachter und die Psychiater im Strafregelprozess vor solchen Aufgaben zurückschrecken lässt. Es ist bei der Arbeit mit dem Inhaftierten schwer, nüchtern misstrauische Objektivität im Hinblick auf eine eventuelle, ja wahrscheinlich weiter beste­hende Gefahr im Auge zu behalten: Viele Triebtäter sind ge­wissermaßen reuige Sünder. Hat erst einmal ein Kontakt mit dem Behandler aufgebaut werden können, scheint sich die Arbeit konstruktiv zu gestalten. Jetzt kommen meistens Erleb­nisse aus der Vorgeschichte des Delinquenten zur Sprache: Nestlosigkeit, Vernachlässigung, Scheidungswaisenschicksal, Misshandlungen, sexueller Missbrauch, frühe Panikattacken -Fakten, die geeignet sind, eine Erklärung für die Untat durch den Aufbau einer negativen Entwicklung abzugeben. Die Wil-

  106

  Make love, not war

  Make love, not'

  107

  

  ligkeit des Therapierten und seine wiederholte Bekundung „Ich will es nun auch ganz und ganz und ganz gewiss nicht wieder tun" können den schrecklichen Tatbestand verklären. Der Wunsch nach Freilassung ist allemal der Vater der Aus­führungen des Gefangenen. Der bereits psychologisch gewief­te Täter legt es verständlicherweise oft geradezu auf die Täu­schung des Behandlers an. Andere Triebtäter neigen darüber hinaus zum Selbstbetrug über die Reversibilität ihrer patholo­gischen Neigung. Das wird nur allzu oft verkannt. In diese Falle geriet vor einiger Zeit eine Hamburger Therapeutin, in­dem sie sich während der Behandlung eines Wiederholungstä­ters in diesen verliebte und ihm zur Freilassung verhalf, was dieser ihr mit einer neuen Gräueltat übel vergalt.

Auch das Strafverfahren gegen den aus seinem Freigang ent­flohenen Schmökel konfrontierte die Öffentlichkeit mit Fehl­einschätzungen der ihn einst betreuenden Instanzen.

Wer wohl mag da noch begutachten, wer unter den erfahre­nen Psychotherapeuten noch zur Behandlung von Straftätern zur Verfügung stehen? Denn auch die Frage nach einem Mör­dergen ist wieder aus der Versenkung aufgetaucht.

Immerhin ist die neue Maßnahme der Bundesregierung, die Freilassung therapierter Triebtäter von getrennt untersu­chenden Gutachtern abhängig zu machen, ein Schritt in die richtige Richtung; denn eine Praxiserfahrung weiß allemal: Die Fehlnutzung der Sexualität führt nur allzu häufig in die Sucht - schon ganz und gar, wenn diese sich auf dem Boden einer seelischen Verletzung, eines Traumas, aufgebaut hat.3

Jenseits der Pubertät eingebahnte Süchte zu heilen, ist grundsätzlich Sisyphusarbeit mit unsicherem Ausgang. In die­se Kategorie gehören gewiss viele rückfällige Triebtäter, schon ganz und gar, wenn sie durch traumatisierende Eingriffe Er­wachsener im Kindesalter entstanden sind. Dann kann das Opfer, erwachsen geworden, unter Umständen selbst zum Tä­ter werden. Der verabsolutierte Trieb verselbständigt sich: Der

  Betroffene verliert seine innere Freiheit. Er wird durch seine Fantasien an die ausgemalte Tat so lange gefesselt, bis er eine Gelegenheit findet, sie auch auszuführen. Die vornehmlich männlichen Triebtäter sind oft unentwegt auf der Jagd nach ih­rer speziellen Beute: Nicht selten wird ein Kind gesucht, das so hilflos ist, wie der Täter als missbrauchtes oder misshandel-tes Kind selbst war. Bei den Vergewaltigern von Frauen war manchmal ein weibliches Wesen mit verursachend an der zum Verbrechen entartenden seelischen Verletzung. Das heißt: Der Triebtäter ist ein Abhängiger. Deshalb ist seine Therapierbar-keit grundsätzlich eine heikle Angelegenheit.

Wenn hier nicht weiter von Eklat zu Eklat gestolpert wer­den soll (wie z.B. im Fall Schmökel), wenn der Volkszorn über diese Lernunfähigkeit der Instanzen nicht eskalieren und sich nicht irrational entladen soll, bedarf es einer Einstel­lungsänderung von Grund auf, bedarf es eines Lernens an der Erfahrung auf dem Boden eines realistischen Menschenbil­des.

Dazu gehört die Einsicht, dass sich bei der Vorstellung des von Natur sündlos guten Menschen ein Wunschtraum einge­schlichen hat. Aber die Wirklichkeit hat von der Schwachheit des Menschen auszugehen, von seiner Versuchbarkeit, seiner Fehlbarkeit, seiner Verführbarkeit, von seiner Verstörtheit, ja von der Zerstörbarkeit, besonders von Kinderseelen. Der Mensch ist nun einmal in geschöpfhche Vorgaben eingebun­den, die er nicht ungestraft vernachlässigen darf. Er muss ler­nen, dass er mit seinen Urtrieben. Nahrung, Selbstbehaup­tung und Sexualität sorgsam und diszipliniert umzugehen hat, wenn ein kultivierter statt ein barbarischer und anarchisti­scher Status erreichen werden soll.

Diese Prämissen - erwachsen aus realistischer Erfahrung und auf dem Boden des Christentums - müssen neu instal­liert werden, wenn der Wucherung zur Verwahrlosung Einhalt geboten werden soll.

  108

  Make love, not war

  Make love, not war

  109

  

  In Bezug auf den Umgang mit Triebtätern bedeutet das zu er­kennen, dass verabsolutierte Umgangsweisen mit der Groß­macht Sexualität - besonders an Kindern praktiziert - irrever­sibles Fehlverhalten auf diesem Sektor produzieren können. Das sexualisierte Kind wird zum Opfer, weil der zu früh ge­weckte und von der Fortpflanzung abgekoppelte Geschlechts­trieb das Kind hierauf festnagelt. Partiell bleibt der Heran­wachsende infantil. Die Möglichkeit, im Erwachsenenalter Zugang zum anderen Geschlecht zu finden, wird ihm durch seine seelischen Verletzungen auf diese Weise verwehrt. Seine sexuellen Bedürfnisse werden stattdessen pervertiert, und zwar in einer gleichen Weise, wie er als Kind beschädigt wur­de. Es kommt zu einer Fixierung. So entsteht das Kinderschän-dertum mit Suchtcharakter. Es ist von dem Zwang zu immer ähnlicher Tat gekennzeichnet. Das Opfer Kind wird zum Wiederholungstäter Mann.

Ist das erst einmal als Gefahr erkannt, müsste der Hauptak­zent der Gegenmaßnahmen auf der Prävention beruhen. Und das heißt, die Kinder sollten mit Hilfe der intensivierten An­wendung der Regeln pädagogischer Kunst, die es immerhin schon einmal gab, vor solchen Beschädigungen bewahrt wer­den, um eine solche Häufung von Sexualstraftaten zu verhin­dern; denn sonst werden immer neu Sozialminister in Er­scheinung treten, die die Resozialisierungsversuche an einem mehrmals rückfälligen Triebtäter zu beschönigen suchen.

Aber selbst wenn das ein Beamter wäre, der sich keinen ideo­logischen Selbsttäuschungen mehr hingäbe, der sich ernüch­tert für Strafverschärfung einsetzen würde, würde er sich ange­sichts der bald überfüllten Gefängnisse in einer Situation befinden, die der Humorist Wilhelm Busch sarkastisch folgen­dermaßen gekennzeichnet hat: „Der Gedanke macht ihn blass, wenn er fragt, was kostet das." Schon ganz und gar das lebens­längliche Einsperren so vieler durch falsche Trends hervorgeru­fener unheilbarer Triebtäter kann nur unbezahlbar werden.

  Es muss auf diesem Gebiet also dringend mit einem neuen Ver-antwortungsbewusstsein versucht werden, die Zahl der Triebtä­ter zu verringern. Vorbeugen ist Not. Das ist wesentlich besser, als unheilbar gewordene Delinquenten heilen zu wollen.

Aber ehe ein solcher Selbstheilungsprozess von Grund auf greifen kann, muss man sich mit der großen Zahl von irrever­siblen Triebtätern als einem hausgemachten Missstand ausein­ander setzen. Das hieße, dass kein Mensch, der auf dem Bo­den seines krank gewordenen Triebes Menschen gefoltert und getötet hat, je wieder frei herumlaufen dürfte. Stattdessen soll­ten diese Erkrankten in gut eingerichteten Institutionen hin­ter Schloss und Riegel gehalten werden, und zwar so, dass sie vor allem mit Hilfe des Computers konstruktive Dienste lei­sten würden. Jedenfalls ist das eine Hoffnung, dass mit Hilfe des Computers gewissermaßen durch Heimarbeit die hohen Kosten dieser Einrichtungen erschwinglich gemacht werden könnten.

Echte Humanität heißt allerdings auch, dass niemand das Recht hat, die in dieser Weise gestörten Menschen unmensch­lich zu behandeln. Aber das darf nicht mit einer realistischen Einschätzung der grundsätzlichen Wiederholungsgefahr bei solchen Straftaten in einen Topf geworfen werden. Sie sollten deshalb bereits nach einer ersten mörderischen Untat dieser Art als rückfallgefährdet eingestuft werden. Nur auf diese Weise könnten Teufelskreise unmenschlicher Beschädigungen in der Bevölkerung verhindert werden.

Dazu ist aber auch noch eine weitere Einsicht nötig, näm­lich dass die Freiheit des Willens im Verhaltensrepertoire des Menschen keine selbstverständliche Mitgift ist. Als Möglich­keit steht sie lediglich zur Verfügung, wenn sich die Seele ge­sund hat ausformen können. Freiheit des Willens und damit die strafrechtliche Verantwortlichkeit ist bei vielen Sexual­süchtigen gar nicht gegeben. Auch das gehört zur (meist über­spielten) Ausweglosigkeit des Gerichts und seiner Gutachter.

  110

  Make love, not war

  Make love, not war

  111

  

  De facto dürften diese Menschen deshalb gar nicht bestraft werden. Zu einer wirklich humanen Gesellschaft gehört das Eingeständnis, dass der Mensch der Moderne die Freiheit sei­nes Willens hochmütig überschätzt hat und sie infolgedessen Menschen abfordert, die sie aufgrund ihrer tiefgründigen Ge-störtheit nicht haben können.

Auf einer solchen demütigen neuen Nüchternheit nur ließe sich ein Umgang mit kranken Triebtätern aufbauen, der ihnen trotz der Abscheulichkeit ihrer Taten gerecht wird und sie vor sich selbst schützt, statt ihnen Freigang zu gewähren, der sie nur neuen Versuchungen aussetzt. Nur so kann der darauf wartenden Bevölkerung der Schutz zuteil werden, auf den sie in einem Rechtsstaat Anspruch haben sollte.

Diese Einsicht sollte den Impuls zur Folge haben, alles nur Erdenkliche zu tun, um die mittlerweile epidemisch geworde­nen Sexualsüchte einzudämmen. Wer die abscheuliche Ver­brechensart, die sich immer häufiger darauf aufbaut, wirksam bekämpfen will, muss beim Vorbeugen anfangen. Wir brau­chen Besinnung darauf, was Kindern seelischen Schaden zu­fügt. Wir brauchen eine umfängliche Erziehung der Erzieher - besonders der künftigen Eltern mit Hilfe von Information über die Voraussetzungen zu seelischer Gesundheit im Er­wachsenenalter. Das bedeutet aber auch: Der verabsolutierte Sex bedürfte einer neuen Disziplinierung. Die Liberalisierung der Pornographie, die Aufweichung der entsprechenden Para­graphen müssten wieder rückgängig gemacht werden. Porno­ringe im Internet müssten mit allen Mitteln verfolgt werden. Fernsehen und Videos müssten von entsprechenden Bildse­rien gereinigt werden. Der Mensch besitzt einen Nachah­mungstrieb, der sich zu schädlichen, zu Seelen zerstörenden Verhaltensweisen missbrauchen lässt. Mit der sensationsgieri­gen Fehlnutzung der Triebtaten in den Medien, mit reißeri­schen Schlagzeilen ist es gewiss nicht getan, schon ganz und gar nicht, wenn auf der gleichen Seite, auf der eine Untat prä-

  sentiert wird, ein nacktes Girl in entsprechender Pose zum Sex anregt. Das ist eine besonders makabre Schizophrenie un­serer Medienwelt. Hier muss der Rotstift der echten Beschüt­zer von Frauen und Kindern ansetzen, wenn wir Hoffnung haben wollen zu gesunden.

Der Pornoboom und seine Folgen

Wie sehr die Pornographie in unserer Zeit zu einem Problem geworden ist, geht bereits aus den Definitionen hervor, die der Große Brockhaus von 1956 und der neue Brockhaus von 2002 verzeichnen. Das alte Lexikon formuliert lapidar: Porno­graphie seien „unzüchtige Darstellungen in Wort und Bild".4 Der neue Brockhaus von 2002 hingegen befleißigt sich eines ausführlichen mehrseitigen Textes. Er definiert Pornographie jetzt als „eine Darstellung sexueller Akte schlechthin" und fügt hinzu, dass „bei der ,modernen' Pornographie die sexuel­le Reizwirkung im Vordergrund steht".5

Die Veränderung in der Einschätzung der Bedeutung der Pornographie im Lexikonvergleich kennzeichnet bereits, was in diesem Bereich geschehen ist:

Die Pornographie in Deutschland ist seit dem Ende der 60er Jahre enttabuiert worden, und zwar vor allem, seit sie -jedenfalls die sogenannte „einfache Pornogaphie" - 1975 aus dem Strafregister gestrichen worden ist. Seitdem hat sich nämlich in der Bundesrepublik eine umfängliche Pornogra­phie-Industrie entwickeln können. Heute werden nach einer Recherche von Professor Thomas Schirrmacher in zirka 5500 Videotheken zirka 13,2 Millionen Pornovideofilme bereitge­halten. Es gibt danach etwa 80 Produktionsfirmen mit einem geschätzten Jahresumsatz von zirka 75 Millionen Euro und 2500 Beschäftigten. Der Bedarf ist steigend, besonders seit die auch in dieser Hinsicht befreiten Bürger der ehemaligen DDR

  112

  Makc love, not wa

  Make love, not'

  113

  

  hier einen rasanten Nachholbedarf bekundeten. Aber selbst die noch verbotene Gewalt- und Kinderpornographie blüht ebenso im nur unzureichend kontrollierbaren Internet wie ebenso - kaum verhüllt - unter dem Ladentisch. Die Zahl der Videos mit Kinderpornographie wird mit 40.000 Konsumen­ten pro Jahr eingeschätzt. Es ist nötig, solche Zahlen nach­drücklich zur Kenntnis zu nehmen,*1 um der in unserer Öf­fentlichkeit üblichen Tendenz entgegenzutreten, negative Nachrichten aus diesem Bereich herunterzuspielen bzw. zu leugnen. Die Zunahme des Konsums ist so offensichtlich, dass Beschönigungen auf dem Boden einst falscher Einschät­zungen gewiss wenig hilfreich sein können. Die dreißigjährige Liberalisierung der Sexualität, die Entnormung sexuellen Ver­haltens, hat - besonders seit 1975, da die einfache Pornogra­phie erlaubt wurde - die Intimräume vor allem mit Hilfe des Fernsehens, und zwar keineswegs nur durch Sendungen nach Mitternacht, aufgesprengt und Pornographisches so nachdrük-klich zur Schau gestellt, dass jeder, der nur ein wenig Kennt­nis über die männliche Triebstruktur hat, mit einem Boomen von pornographischem Konsum rechnen musste.

Wer aber weiterhin mit Unschuldsmiene fragen möchte: „Ja, warum denn auch nicht?", übersieht die oft verheerend negativen, ja verbrecherischen Folgen, die anhand einer Fülle von Prozessen mit Triebtätern in den letzten Jahren sichtbar geworden sind. Vom Fach der Kinder- und Jugendpsychothe­rapie her konnte man diese Folgen bereits am Beginn des Sturms auf die Bastille der bis dahin durch bewährte Eingren­zungen behüteten Sexualität voraussagen, und ich habe sie deshalb ab 1969 unaufhörlich - von den maßgeblichen Ins­tanzen ungehört - publizistisch benannt, weil die Gewissheit über die massiven negativen Auswirkungen mich für die Kin­der in die Verantwortung rief.

Denn schließlich starteten wir auf diesem Feld nicht am Nullpunkt. Fast ein Jahrhundert neuer, gezielter Forschung auf

  dem Sektor Sexualität und ihren Erkrankungsformen lag - von Freud und der mächtig aufblühenden Psychoanalyse angesto­ßen - 1970 in umfänglichster Zahl in den Universitäten für je­den Studierenden einsehbar bereit. Was eben gerade auf dem Boden einer irregeleiteten Sexualität an Fehlentwicklungen zu entstehen vermag - gerade diesem Feld hatten die Nachfahren Freuds durch ihre neue nachdenkliche Beachtung der Patien­tenberichte auf der Couch so viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass daraus Bibliotheken an Erkenntnis gewachsen waren.7 Gewiss gab es hier auch einige absurde Schlussfolgerungen und Übertreibungen, wie z.B. in der Orgasmus-Ideologie von Wilhelm Reich, aber besonders gerade die Theorien über die Ursachen von Perversionen hatten sich zu erheblichen Teilen an der Praxis nachprüfen und verifizieren lassen.

Umso erstaunlicher war es, dass die Protagonisten der Kul­turrevolution, wie z.B. Daniel Cohn-Bendit und Helmut Kentler, gerade auf dieses Forschungsgut ihre Appelle zur se­xuellen Enthemmung vom Säuglingsalter ab glaubten stützen und gleichzeitig die pädagogischen Konsequenzen aus dem psychoanalytischen Erfahrungsmaterial unwiderlegt als veral­tet auf den Müll kippen zu dürfen.8

Heute aber ist es mehr als dringend notwendig geworden, die schädlichen Folgen der „reizwirkenden Pornographie" ins Auge zu fassen, um daraus konstruktive Konsequenzen zu entwickeln; denn eins ist gewiss: Mit oberflächlichen Eingren­zungen allein werden wir bestimmt keine gravierenden Verän­derungen zum Positiven einleiten können.

Das soll zunächst mit einer Fallschilderung aus der Zeit meiner Gutachtertätigkeit bei norddeutschen Jugendgerichten geschehen.

Ein 16-Jähriger wird dadurch auffällig, dass er sich auf den Radwegen, die aus der Stadt in die Dörfer führen, aufhält und allein radelnden Mädchen seine besondere Aufmerksamkeit schenkt. Oft fährt er ihnen nach, überholt sie, zwingt sie zum

  114

  Make love, not war

  Make love, not war

  115

  

  Verlangsamen, um in einem Seitenweg zu verschwinden, wenn sie zu schimpfen beginnen. Dieses monatelange Treiben kommt allerdings erst durch Zeugenaussagen zur Sprache, nachdem der Junge ein Mädchen am Gepäckträger festgehal­ten, zum Absteigen genötigt und seine Bluse von hinten ein-zureißen versucht hatte. Das Mädchen war geflohen und hat­te den Jungen angezeigt. Und da er weiterhin auf der Pirsch war, wurde er rasch ausfindig gemacht. Ich wurde als Gutach­terin bestellt. Nach der Verhandlung wurde ihm die psycho­therapeutische Behandlung bei mir zur Auflage gemacht.

Der Junge war als Einzelkind aufgewachsen. Seine Eltern waren beide erwerbstätig. Er war viel allein. Einen Freund hat­te er nicht. Im Laufe der Therapie gestand er mir, dass er vor zwei Jahren bei der Suche nach einem Ball unter dem Bett seiner Eltern Pornohefte gefunden habe. Es sei ihm zur Ge­wohnheit geworden, sie sich ins Bett zu holen, wenn die El­tern nicht daheim gewesen seien. Die Fotos hätten ihn sexuell erregt. Er sei durch sie voll in die Masturbation abgefahren. Allmählich habe er immer öfter dabei daran gedacht, ein Mädchen „umzulegen". Diese Idee habe sich immer mehr in ihm festgesetzt. Schließlich habe er die Hefte auch gar nicht mehr als Anregung gebraucht, sondern sich die Bilder nur vorgestellt und dann während der Masturbation darüber fan-tasiert. Schließlich habe sich bei ihm eine allgemeine, immer größer werdende Unruhe eingestellt, sodass sich daraus seine Radtouren entwickelt hätten. Er sei dann auch in Videothe-

*

ken gegangen. Da sei er dann auch an Vergewaltigungsszenen rangekommen. Eigentlich sei er auch jetzt nicht davon ab, das mal so zu machen, wie es auf dem Porno dargestellt gewe­sen sei, obgleich er doch nun wisse, dass das nicht erlaubt sei. Aber dadurch werde die ganze Sache eigentlich nur noch schlimmer.

Eine ganze Reihe ähnlicher Fälle haben mich Folgendes lehren können:

  1. Prävention muss heute vor allem neu in den Mittelpunkt von Gegenmaßnahmen gegen Strafdelikte dieser Art treten; denn sie ist von höchster Bedeutung. Jahrzehntelang wurden bisher pubertäre Übergriffe ähnlicher Art - besonders von norddeutschen Jugendgerichten - gar nicht erst verhandelt, sondern als Kavaliersdelikte abgetan und ad acta gelegt. Die rechtzeitige Möglichkeit zum Eingreifen hat diesen Jungen ge­rade noch vor einer selbstzerstörerischen Gefängniskarriere bewahren können. Die Therapie eines solchen Jugendlichen muss seine Selbstannahme, Kontaktfindung und angemessene sexuelle Aufklärung zum Ziel haben. Dazu gehört auch die ausdrückliche Anweisung - wie beim Alkoholabhängigen den Alkohol -, den Umgang mit Pornographie radikal zu meiden.

2.      Pornographie, keineswegs nur die verbotene Hardcore-
pornographie allein, ist besonders für viele geschlechtsreife
Männer, seltener für Frauen, ein Auslöser zu sexueller Erre­
gung.

3.      Der Konsum von Pornographie in Form von Fotos und
Videoaufnahmen regt zur Nachahmung des Dargestellten an.
Zwar bedarf es dazu der Überwindung einer Hemmschwelle,
sodass ein Großteil der Konsumenten darauf verzichtet. Aber
selbst dann kann der Pornokonsum im stillen Kämmerlein
negative Auswirkungen auf die seelische Befindlichkeit des
Konsumenten haben. Die Verabsolutierung des Sex mindert
die Fähigkeit zu liebevoller Kommunikation mit einem Men­
schen vom anderen Geschlecht. Der Mensch erniedrigt sich
so zu einer Dominanz grober Triebhaftigkeit.

Aber darüber hinaus ist die häufige Verwendung pornogra­phischen Materials eine Möglichkeit, die Hemmschwelle zur Nachahmung des Gesehenen abzusenken. Dennoch wird ge-wiss nicht einfach jedermann genötigt, zu einem Nachahmer des Gesehenen zu werden. Innere, seelische Voraussetzungen -hier z.B. die Einsamkeit dieses Jugendlichen - müssen vorbe­reitend vorhanden sein. Dennoch darf die offensichtliche

  116

  Make love, not war

  Make love, not war

  117

  

  „Reizwirkung" der modernen Pornographie, schon ganz und gar nicht angesichts der eskalierenden Situation bei den Sexu­alstraftaten, nicht heruntergespielt werden; denn viele Triebtä­ter geben in der Therapie ihren Umgang mit pornographi­schem Material als Auslöser ihrer Straftaten sogar zu, oder es wird durch beschlagnahmte Videos das verbrecherische Ge­schehen mehr als offensichtlich.

Die durch Pornographie entstehende Nachahmungsbereit­schaft des Gesehenen ist in den USA viel emotionsloser, viel sachlicher bereits erforscht und zugestanden worden. Sie wird besonders von Jerry R. Kirk betont, der maßgeblich am Final Report der Ahorney General's Commission on Pornography" von 1986 mitgearbeitet hat, wie überhaupt die Wissenschaftler in den USA auf diesem Sektor wesentlich weiter sind, weil sie im Gegensatz zu uns Deutschen keine Tabuierung der Folgen enttabuierter Sexualität vorgenommen haben. Sie haben es auf diese Weise nicht vermieden, aus den negativen Ergebnis­sen zu lernen und vernünftige, konstruktive Einstellungen da­gegen zu entwickeln. Kürzlich las ich den Bericht des ameri­kanischen Autors David Wilkerson. Er beschreibt z.B. Folgendes über die Gepflogenheiten der New Yorker Teen­ager-Banden: „Das Teenager-Bandenleben wurde durch eine Flut von Pornographie genährt. Viele der Jungen zeigten mir Zeichnungen und Fotografien von unnatürlichen Handlun­gen. Sie erzählten mir, dass sie in ihren Kellerclubhäusern die Nachmittage manchmal damit zubrächten, diese Bilder als Anleitung (für ihren Sex miteinander) zu gebrauchen."10

Wilkerson, ein Pfarrer, nahm sein Wissen über diese Cli­quen zum Anlass, ein umfängliches Hilfsprogramm für diese in die Verwahrlosung abdriftenden „Messerhelden" zu instal­lieren.

Wie sich jüngst gezeigt hat, gibt es nicht nur in den USA solche Gruppen von Jugendlichen, die sich gemeinsam mit Hilfe von Pornographie sexuell aufheizen, sondern auch in un-

  serer norddeutschen Heidestadt Uelzen. So hat hier ein Lehrer - sehr anerkannt als leitender Mitarbeiter des Kunstvereins -jahrelang einen von ihm dafür abgezweigten Raum dazu be­nutzt, meist vom Elternhaus vernachlässigte Jugendliche zu veranlassen, sich ihrer Hosen zu entledigen und - von den vorgeführten Pornovideos stimuliert - mutuelle Onanie und homosexuelle Praktiken miteinander zu betreiben, während ei­ne verdeckte Kamera diese Szenen zwecks Erstellung neuer Vi­deos filmte. Es hat Jahre gedauert, bis vor kurzem ein 14-jähri­ger die Kamera entdeckte und zur Polizei ging. Der Päderast -auch in seiner Privatwohnung hatte er einen Raum, der allein solchen Umtrieben diente - nahm sich nach seiner Bloßstel­lung und der Beschlagnahme seines umfänglichen Video-Mate­rials das Leben, und Uelzen steht unter Schock. Es ist nämlich nicht abzusehen, wie viele Opferschicksale in dieser erheb­lichen Schar von Jugendlichen, die jahrgangsmäßig immer neu angeheuert worden waren, sich bereits daraus ergeben haben."

In der Presse wurden kürzlich ähnliche Fälle aus Darmstadt und Halle berichtet. Auch hier waren die Verführer männ­licher Kinder und Jugendlicher homosexuelle Jugendbetreuer.

Die Erfahrung lehrt, dass in solchen Fällen häufig schon im Stadium des Ausfantasierens von nachzuahmenden Praktiken, besonders unter Zuhilfenahme von Porno-Videos, der Vor­gang Suchtcharakter zu entwickeln beginnt. Und das bedeu­tet: Die Interessen, die Gedankenwelt werden auf die einge­bahnten Praktiken fixiert. Der Spielraum verengt sich. Es kommt zu einer Einschränkung der Gedankenfreiheit. Es ent­steht stattdessen ein Impuls nach Wiederholung der anfangs erlebten Lust. Diese aber pflegt sich durch die Gewöhnung abzuschwächen, sodass ein Drang nach stärkerer Dosierung erwacht. Unruhe keimt auf und lässt gezielt auf die Suche nach sexueller Befriedigung in ähnlichem Terrain gehen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die in dieser Weise Fixierten nun - wie unser Jugendlicher im ersten Fall auch -

  118

  Make love, not war

  Make love, not war

  119

  

  in den Sexshops, den Videotheken fündig. In jüngster Zeit hat sich darüber hinaus mit Hilfe des Internets eine breite neue Möglichkeit zu pornographischer Stimulation und zu perversen Kontakten ergeben, wie sich in der Vorgeschichte des Kannibalen von Fulda einmal mehr gezeigt hat. Aber nicht nur bei solchen spektakulären Fällen ist der Ablauf ähnlich, denn schließlich tritt der mittlerweile voll pervertier­te, süchtig entartete Antrieb in das Stadium einer eskalieren­den Unersättlichkeit ein, der Durchbrüche auch zu kriminel­len Taten immer mehr in den Bereich des Möglichen treten lässt.

Thomas Schirrmacher kennzeichnet diesen Verlauf in seiner Untersuchung der Pornographie in Anlehnung an eine Unter­suchung von Victor R. Cline von 1994 folgendermaßen:

„1. Stadium: Man kommt von der Pornographie nicht mehr los.

2.     Stadium: Der Pornokonsum wird häufiger und umfang­
reicher.

3.     Stadium: Es tritt ein Eskalationseffekt ein, indem auch
mit sehr großen Mengen konsumierter Pornographie der
gewünschte Erfolg nicht mehr erreicht werden kann.

4.     Stadium: Es erfolgt eine zunehmende Abstumpfung und
Desensibilisierung gegenüber außergewöhnlichen Dar­
stellungen und Handlungen.

5.     Stadium: Es entsteht ein Zwang, das Gesehene zu prakti­
zieren, wobei jedes Mittel recht ist."12

Wenn wir Lebenstragödien von in dieser Weise süchtig ge­wordenen Menschen ins Auge fassen wollen, um durch prä­ventive Maßnahmen solche immer häufiger werdende Fehl­entwicklungen zu verhindern, müssen wir die tiefgreifende negative Charakterveränderung sehen lernen, die durch den Eskalationseffekt bei der durch Ponographie losgetretenen Se­xualsucht entsteht. Ein so Getriebener ist in der Tat zwar in der Lage, seine perversen Wünsche als ungut, ja gegebenen-

  falls als Verbrechen zu erkennen; aber er hat bereits die Mög­lichkeit eingebüßt, sein Handeln zu steuern. Später in den Strafprozessen wird das, wie bereits im vorigen Kapitel ange­deutet, dann für den Richter zu einer Aporie, weil diese Gege­benheit den Sexualtäter mit seiner oft verabscheuungswürdi-gen Tat als krank kennzeichnet. Dadurch wird es dem Richter schwer, überhaupt noch die Möglichkeit zur Bestrafung des Delinquenten zu haben, ein Umstand, der die psychiatri­schen Kliniken mit Patienten im Strafregelvollzug jetzt bereits aus allen Nähten platzen lässt.

Es darf nicht übersehen werden, dass die Abstumpfung, be­sonders beim langzeitigen Umgang mit harter Pornographie, durch den Eskalationseffekt stufenweise zur Minderung der Hemmschwelle führt, sodass moralische Aspekte bis zum Ver­schwinden in den Hintergrund gedrängt werden, bis schließ­lich sogar Abartigstes ausführbar wird: Sodomie, sadistische Tötungsorgien, Nekrophilie, ja neuerdings Kannibalismus m Verbindung mit Satanismus. Es bedarf des Verlustes einer be­sonders hohen Hemmschwelle, wenn die Möglichkeit zu se­xuellen Grausamkeiten an Kindern bis zu ihrer „Entsorgung" ä la Dutroux ins Blickfeld gerät.

Gewiss hat die Nachahmung von Pornographie mit Kin­dern darüber hinaus auch hier beim einzelnen Täter eine Vor­geschichte. Am Anfang steht oft das Erleben von sexueller Verführung von ihm selbst, von Missbrauch oder Misshand­lung in der eigenen Kindheit. Ja, off zeigt sich hier bereits ei­ne Fehlentwicklung in der zweiten Generation: Der sich unter dem Einfluss von Pornographie an seine eigenen Kinder her­anmachende Familienvater, der sexuell frustrierte, einsame Onkel aus der Nachbarschaft, der den Nachbarbuben zum Videogenuss einlädt und ihn unter vielerlei Zuwendung und Zärtlichkeit missbraucht, kann bei diesem Kind das Tor zu pornographischen Praktiken aufmachen, deren es sich eben­falls zu bedienen sucht, nachdem es erwachsen geworden ist,

  120

  Make love, not war

  Make love, not war

  121

  

  sodass die böse Saat, die „der gute Onkel" legte, als Sexual­sucht des einstigen Opfers aufgeht.

Für sexuell missbrauchte Kinder schließt sich in deren Er­wachsenenalter oft der Teufelskreis. Soweit es sich um Mäd­chen handelt, und das ist bei den Opfern die Mehrzahl, ha­ben sie selten andere als nur zwei Möglichkeiten: Sexualität -oft auch nur berührender Kontakt mit anderen Menschen -wird blockiert, kann nicht mehr gelebt werden. Das als grau­enhaft erlebte Geschehen wird verdrängt und führt unbehan-delt zu meist chronischen, psychosomatischen (psychoanaly-tisch ausgedrückt: zu hysterischen) Leiden, manchmal bis zum Ausweichen ins Lesbiertum.

Vor kurzem berichtete mir ein junges Mädchen in einem Brief zum Beispiel Folgendes: „Im Alter von ca. acht Jahren fanden meine Schwester und ich ein Pornoheft auf der Straße. Wir hatten keine blasse Ahnung von diesen Dingen. Wir emp­fanden diese Darstellung einfach als ekelhaft. (Es waren Bilder, auf denen eine Frau mit zwei Männern Geschlechtsverkehr hat­te.) Später ist mir bewusst geworden, dass dieser Fund mich ver­letzend geprägt hat. Mir ekelt vor dem Gedanken des Ge­schlechtsverkehrs. Weiterhin ekelt es mich auch schon bei dem Gedanken, dass mich jemand nackt sehen könnte (besonders natürlich ein männliches Wesen). Es ekelt mich ebenfalls vor meinem Intimbereich. Später fanden meine Eltern dieses Heft, sie haben mit uns gesprochen, sie waren nicht aufgebracht; aber das hat meine hier eingebahnten negativen Vorstellungen nicht löschen können." Schon auf diese Weise können also tief greifende seelische Verwundungen entstehen - und wie viel mehr erst bei direkten Eingriffen in den Körper des Kindes!

Allerdings kann auch aufgrund von seelischen Verletzungen durch Pornographie das entgegengesetzte Extrem eintreten: Es kann auch bei Frauen eine süchtige Enthemmung der Se­xualität mit Promiskuität, Nyphomanie, Prostitution oder an­deren Formen weiblicher Sexualsucht die Folge sein.13

  Ihr Elend mit Hilfe von Pornographie zu verstärken bezie­hungsweise in der Manier der Verführer fortzuführen, ist aller­dings nicht die Domäne weiblicher Fehlentwicklung. Porno­graphie als sexuelles Stimulans zu verwenden, ist zu 70 % bisher eine Domäne der Männer geblieben und begünstigt erst recht jene Verbrechen, die sich, meist in Verbindung mit Gewalt, aus dem Umgang mit der sie demoralisierenden Por­nographie ergeben.

Ein Letztes muss als Frucht meiner Praxiserfahrung erwähnt werden: Pornographie ist nicht selten der Anlass bei der Stö­rung ehelicher oder partnerschaftlicher Beziehungen. Mit Recht haben die Feministinnen gebranndmarkt, dass Frauen sich meistens missbraucht fühlen, wenn Sexualität mit ihnen nach Pornovorschrift praktiziert wird. Solche Ehen scheitern, weil sich die Frauen mit Recht in ihrer Menschenwürde ver­letzt fühlen. Paartherapeuten müssen hier oft erfolglos blei­ben, wenn sich herausstellt, dass es dem Mann nicht mehr ge­lingt, von seinen eingewohnten perversen Praktiken zu lassen, während die Frau keine Möglichkeit findet, ihren emotiona­len Widerstand gegen diese Art von Eheleben aufzugeben.

Dies alles sollte Anlass dazu sein, die liberalisierte und ver­absolutierte Sexualität auf dem Boden der 30-jährigen Erfah­rung endlich auf den Prüfstand zu stellen und zu bedenken; denn wer die Sexualität ganz aus ihrem geschöpflichen Zu­sammenhang reißt und sie zu einer Sache an sich macht, ge­rät eben nur allzu leicht in Teufels Küche, weil sie zur Sucht zu werden vermag - zu einer besonders hartnäckigen, dann kaum noch wieder reversiblen Abhängigkeit. Das Dilemma mit den oft jahrelang erfolglos therapierten Wiederholungs-sexualstraftätern hat uns das einsichtig gemacht. Dieses Mene­tekel haben uns die Rückfalltäter unter den Sexualdelinquen­ten nachhaltig an die Wand unseres Zeitgeistes geschrieben: Therapiert, therapiert - aber kaum in die Freiheit entlassen, wird eine Straftat in gleicher Manier begangen, obgleich gera-

  122

  Make love, not wa

  Make love, not war

  123

  

  de das doch besonders verräterisch ist. Aber eben gerade dadurch erweist sich der Täter als psychisch krank, als ein in typischer Weise Sexualsüchtiger. Und wie grauenhaft erst sind die Schicksale der Opfer und ihrer Angehörigen!

Müsste nicht ein Aufschrei angesichts der Häufung.der Fälle durch unsere Bevölkerung gehen? Brauchen wir nicht ein Auf­wachen der Menschen über diese Eskalation an Grausamkeit und Schändlichkeit? muss daraus nicht Einsicht erwachsen? Denn diese Entwicklung macht einsichtig, dass „der mündige Bürger" auf dem Sektor Sexualität (und nicht nur auf diesem) offenbar seine Macht und seine Willenskraft überschätzt hat. Das Fazit ist erbarmungswürdig: Ihrer optimalen Entfaltungs­möglichkeit beraubt, werden Tausende und Abertausende von Menschen heute besonders mit Hilfe der Pornographie in die Falle ihrer Selbstentwürdigung gelockt, die sie nicht mehr ent-lässt. Sie bedeutet Einschränkung der Willensfreiheit, Selbst­wertverlust und Selbsterniedrigung. Vereinsamtes, elendes nicht selten sogar Leben hinter Mauern oder, wie jetzt in Uel-zen, Selbstmord können die Folgen sein.

Was wir brauchen, sind also keine Flickenteppiche, sondern nüchternes Lernen an der Erfahrung. Wir brauchen einen wirksamen Kinderschutz, der ein waches, wissendes Verant­wortungsgefühl voraussetzt. Wir brauchen eine neue, nüchter­ne, realistische, sorgfältige Einstellung im Umgang mit dem großmächtigen Lebenstrieb Sexualität. Schon der große Philo­soph C. S. Lewis hat uns ins Stammbuch geschrieben: „Die Methoden, den Geschlechtstrieb des Mannes zu neuem Ver­derben zu verwenden, sind nicht nur sehr erfolgreich (für den Teufel!), sondern (für ihn) auch höchst amüsant, und das da­durch bewirkte Elend ist von sehr dauerhafter und auserlese­ner Art."14

Alle Zeit, alle Bemühung, alles Geld wird vergebens inve­stiert sein, wenn wir nicht endlich den Mut haben, den 30-jährigen Irrweg als Selbstüberschätzung des Menschen zu

  kennzeichnen und diese Überheblichkeit aus unserem Pelz zu filzen. Wir müssen endlich erneut eine sorgfältige, behutsame Erziehung der Kinder mit einem wirksamen Schutz vor Fehl­entwicklungen durch eine sich verantwortungsbewusst diszi­plinierende Gesellschaft anstreben. Es bedarf dazu der Äch­tung von Pornographie auf allen Kanälen, in allen Bereichen unseres öffentlichen Lebens.

Homosexualisierung

Es ist in den vorausgegangenen Kapiteln schon mehrfach an­geklungen: In Bezug auf ihre Einstellung zur Homosexualität ist unsere Gesellschaft in eine große Verwirrung geraten.

In diesem Abschnitt sollen deshalb meine Erfahrungen in der Praxis zum Thema Homosexualität und mit der Homose­xualisierung in Deutschland von 1966 bis heute in einem chronologischen Bericht dargestellt werden.

In der Zeit zwischen 1960 und 1970 bekam ich viel Gele­genheit, das auf der Universität und während der Zusatzaus­bildung auf diesem Sektor Gelernte auf seinen Wahrheitsge­halt hin zu prüfen. Die sehr zutreffenden Beschreibungen der Perversionen - besonders durch psychiatrische Wissenschaft­ler von Bürger-Prinz über J. H. Schultz bis Gebsattel und Zutt, durch Neoanalytiker wie Schwidder und Dührssen -vermittelten mir ein sich in der Praxis bewährendes Rüstzeug. Einhellig wurde die Homosexualität in der Wissenschaft als eine Perversion mit vielfältiger Genese eingeschätzt. Ja, der re­nommierte Berliner Psychiater]. H. Schultz, der Erfinder des autogenen Trainings, schreibt sogar nachdrücklich bereits 1959: „Es besteht kein Grund, die Homosexualität in irgend­einer Form aus dem Bereich der Perversionen des Liebesle­bens herauszustellen, bedeutet sie doch weniger lediglich se­xuelle Betätigung am gleichen Geschlecht, sondern wegen der

  124

  Mdke love, not war

  Make love, not war

  125

  

  Unerreichbarkeit des anderen Geschlechts eine Grundstörung menschlichen Liebeslebens, die im Widerspruch zur sinnhaf­ten Gestaltung organismischen Daseins steht."15

Und Annemarie Dührssen, die große Protagonistin der Kin­derpsychotherapie, fügte damals hinzu: „Vieles spricht dafür, dass bei der überwiegenden Zahl der Homosexuellen die Fak­toren, die eine erworbene neurotische Fehlentwicklung provo­zieren, eine sehr gewichtige Rolle spielen."16 Und sie betont: „Hemmung und Verdrängung der allgemeinen Gefühlsbezo-genheit zum anderen Geschlecht ist immer der erste vorberei­tende Schritt für das Auftreten einer neurotischen Perversion. Hemmung und Verdrängung der gegengeschlechtlich gerichte­ten Sexualimpulse der nächste." Sie lässt aber auch nicht aus, auf eine eventuell „angeborene Weichheit" als Disposition zur Homosexualität hinzuweisen, und sie fährt einschränkend fort: „... dass die bisher vorliegenden Erfahrungen mit ausrei­chender Sicherheit keinen Entscheid in der einen oder ande­ren Richtung erlauben."

Immerhin erwirkte die Einschätzung dieser für meine Ar­beit maßgeblichen Fachleute bei mir viel fachliche Neugier während des ersten Jahrzehnts meiner Praxistätigkeit. Dabei fand ich bestätigt, dass Kinder, die aus oft nur allzu berechtig­tem Grund keine positive Identifikation mit dem Erzieher vom gleichen Geschlecht erreichen konnten, offenbar als Fol­ge davon bereits im Grundschulalter eine eindeutige Identifi­kation mit ihrem eigenen Geschlecht vermissen ließen. Das unzureichende Vorbild des Vaters für die Buben, der Mutter für die Mädchen ließ die Kinder davor zurückschrecken, so werden zu wollen wie sie. War in solchen Fällen der Erzieher vom Gegengeschlecht sehr viel vorbildlicher, kam es nicht sel­ten zur hartnäckigen Verweigerung der Geschlechtsidentität: „Nein, ich will kein Bub sein, viel lieber ein Mädchen" (und umgekehrt), wobei die Verweigerung der weiblichen Identität bei den Mädchen offenbar auch dadurch angestoßen werden

  konnte, dass besonders der Vater häufig zum Ausdruck brach­te, dass er sich kein Mädchen, sondern einen Jungen ge­wünscht habe. Eine solche Genese der Fehlidentifikation war und ist bei den Mädchen besonders häufig. Jungen zeigen ih­re unzureichende Identität nicht selten dadurch, dass sie sich mit Requisiten der Frauen in der Familie umgeben, z.B. sich parfümieren, heimlich Schmuck der Mutter anlegen oder heimlich mit ihrer Unterwäsche hantieren.

Fehlidentifikationen können aber auch dadurch entstehen, dass die Hauptbezugspersonen des Gegengeschlechts in der Umgebung des Kindes negative Gefühle auslösten, sodass Kindern die Zuneigung zu ihnen oft auf traumatische Weise abhanden kommt, am häufigsten durch die sich dem Jungen unangemessen, oft auch erotisch aufdrängende Mutter, durch den für das Mädchen abstoßenden, sich ihm sexuell nähern­den Vater bzw. die männliche Person, die die Vaterrolle ver­tritt. Bei diesen negativen Akzentsetzungen im Kindesalter lässt sich bilanzieren: In all den eben anvisierten Fällen findet eine normalerweise positive Valenz, die ein gesundes Liebesle­ben im Erwachsenenalter vorbereitet, nicht oder nur unzurei­chend statt. Bei einer gesunden Entwicklung festigt sich die Geschlechtsidentität etwa ab dem fünften Lebensjahr nach dem Motto „Wenn ich groß bin, werde ich ein Mann wie Va­ter und heirate eine Frau wie Mutter" beim Jungen: „Wenn ich groß bin, werde ich eine Frau wie Mutter und heirate ei­nen Mann wie Vater" beim Mädchen. Das hat zur Folge: Ist einem Jungen die Identifikation mit dem Vater nicht gelun­gen, ist er stattdessen mit der Mutter identifiziert, so beginnt er mit der Geschlechtsreife sich nicht für Mädchen zu interes­sieren, sondern starke Typen des männlichen Geschlechts zu bewundern. Das ist oft dann bereits mit erotischen Empfin­dungen verknüpft. Ist der Vater nicht nur als schwach und un­männlich erlebt worden, sondern ganz ausgefallen und hat die Mutter sich dem Heranwachsenden erotisch aufgedrängt,

  126

  Make love, not war

  Make love, not war

  127

  

  so entsteht in dem Jungen aufgrund der sogenannten Inzest­schranke eine unüberwindbare Abwehr gegen alles Weibliche. In diesen Fällen wird der unbekannt gebliebene Mann eher mit einem Stück Neugier zum Ersatzobjekt sexueller Triebbe-friedigung.

Einige unserer projektiven Tests, z.B. der Rorschach-Test, der Satzergänzungs-Test, der Familie-in-Tieren- und der Sceno-Test, geben nicht selten Aufschluss über Fehlidentifikationen oder negative Valenzen gegen die Bezugspersonen, und so konnte ich feststellen, wie häufig bei meinen kleinen Patien­ten negative Erfahrungen mit den erwachsenen Bezugsperso­nen die Ursache ihrer diffusen Symptome waren. Das ließ mich ebenso zu der Erkenntnis kommen, dass - wenn die Schwierigkeit erkannt und durch Beratung bzw. Therapie vor­sorglich direkt angegangen worden war - diese Kinder sich zu Erwachsenen mit einem normalen Sexualleben entwickelten. Das bestärkte mich in der Vorstellung, dass die Dührssen-schen Thesen von der Dominanz neurotischer oder traumati­scher Vorgänge in der Kindheit als Voraussetzung bei der Ent­stehung von Perversionen und Sexualsüchten im Erwachse­nenalter berechtigt seien.

Gleichzeitig machte ich in der Praxis und beim Austausch mit Kollegen aber auch die Erfahrung, dass bei Männern, die Homosexualität bereits kontinuierlich praktizierten, eine Re­vision durch Psychotherapie nur selten erreicht wurde. Wenn die Homosexualität erst einmal zur eingebahnten Haltung ge­worden ist - so meine Erfahrung -, ist sie anscheinend ebenso schwer therapierbar wie die Heilung von eingebahnter Trieb­täterschaft, ebenso selten wie bei chronischem Alkoholismus, bei chronischer Rauschgift- und Nikotinsucht. Aber auch die­se Leiden sind schließlich nicht angeboren! Die verringerte Reversibilität ist, so lautete meine Erfahrung, eine grundsätzli­che Schwierigkeit bei allen triebbedingten seelischen Erkran­kungen, wenn sie erst einmal eingewöhnt sind. Es scheint hier

  eine Übereinstimmung zu geben mit anderen Süchten, die auf einem Missbrauch der Lebenstriebe beruhen. Die zwang­hafte Getriebenheit in einer immer gleichen Form samt der Therapieresistenz scheint ein Merkmal von Triebstörungen, welcher Art auch immer, zu sein, sodass dadurch ihr Charak­ter als eine seelische Erkrankung sichtbar wird. Die hochgradi­ge Promiskuität der männlichen Homosexuellen kennzeich­net gerade, was sie vehement verleugnen: dass viele von ihnen an einer seelischen Fehlentwicklung leiden.

Die hartnäckige, wenn auch nicht grundsätzliche Therapie­resistenz war nun allerdings dafür wegbereitend, dass sich be­reits in den 70er Jahren in der Öffentlichkeit Deutschlands der Irrtum einbahnen konnte, dass, da Homosexualität nur so selten reparabel sei, der Schluss zulässig sei, sie sei angeboren (obgleich es doch auch im körperlichen Bereich jede Menge chronischer Erkrankungen gibt, die kaum oder nicht repara­bel sind, ohne dass daraus der Schluß gezogen werden kann, dies sei ein Beweis für ihr Angeborensein).

Ungeachtet der differenzierenden Erfahrungen begann sich auf dem Gebiet der Homosexualität ab den 60er Jahren nun eine Tendenz abzuzeichnen, die von einer angeborenen Ver­anlagung der Homosexualität ausging, eine Annahme, deren Beweis trotz vielfältiger Bemühungen darum bis heute ohne Beweis blieb.

Die sogenannte „Neue Linke" machte daraufhin die Erzie­hung zu einer „polymorph-perversen Sexualität"17 geradezu zu einem Vehikel der mit dem „Marsch durch die Institutio­nen" angestrebten Gesellschaftsveränderung18. Ihr Protagonist, der aus der DDR zugereiste Pädagoge Helmut Rentier, unter­mauerte mit seinem Buch „Sexualerziehung" 1970 mit schein­wissenschaftlicher Argumentation diese ideologische Tendenz und trat in den folgenden 20 Jahren häufigst in den elektroni­schen Medien auf, um die „angeborenen" Homosexuellen von ihrer „Repression durch die bourgeoise Gesellschaft" zu

  128

  Make love, not war

  Make love, not war

  129

  

  befreien und ihnen zu den ihnen zustehenden Rechten zu verhelfen.

Das lief z.B. folgendermaßen ab: In einer Nachmittagssen­dung im Fernsehen antwortete Kentler auf die Frage einer Ge­sprächsteilnehmerin „Woran erkenne ich, dass mein Junge ein echter Homosexueller ist?": „Ich meine, es fängt doch so an: Der Junge ist jetzt 13 Jahre alt. Er hat noch immer keine Freundin mit nach Hause gebracht. Er ist 16, noch immer kei­ne Freundin kommt nach Hause. Er ist 18, und nun wird er 19 ... und nun, meine ich, sollten die Eltern den Mut haben, mit ihrem Sohn darüber zu sprechen ... Denn selbstverständ­lich ist das ja auch ein Problem für diesen Jungen, dass er noch kein Mädchen hat, denn alle anderen machen es ja mit Mädchen!"

Damals schrieb ich in einem Kommentar dazu: „Ein Päda­goge, der das in die Augen und Ohren von Tausenden fernse­henden Jugendlichen zu sagen wagt, versteht gewiss nichts von den üblichen schwankenden Zweifeln der Jungen in die­sem Alter, kennt nicht die alterstypische Not der Frage „Wer bin ich? Bin ich überhaupt ein Mann?", kennt nicht das ta­stende Ringen um Selbstfindung, das zur Pubertätszeit dazu­gehört. Wieviel Erschrecken, wieviel Vertiefung der Unsicher­heit wurde wohl durch diese Fehlinformation bei den zuhörenden Jugendlichen ausgelöst?"19 Denn schließlich machte ich in der Praxis nur allzu oft die Erfahrung, dass in der Pubertät völlig normale Jugendliche gelegentlich unter gleichgeschlechtlichen Personen einen „Schwärm" haben, in den sie eine Zeitlang verliebt sind. Es handelt sich meist um die „homoerotische Durchgangsphase" auf dem Weg des jun­gen Menschen zum heterosexuellen Erwachsenendasein.

In der praktischen psychotherapeutischen Arbeit mit Ju­gendlichen lässt sich überhaupt die Erfahrung machen, dass das sexuelle Schicksal eines Menschen keineswegs von den Umgangsformen der Eltern mit den Kindern allein, sondern

  auch sehr von Beeinflussungen abhängig ist, denen die Ju­gendlichen von außen ausgesetzt sind. Ja, kaum ein anderer Antriebsbereich unterliegt in dieser Phase nun noch einmal einer so komplizierten Skala von Störungsmöglichkeiten wie die Sexualität. Gerade die Heranwachsenden, die in der Prä­gungsphase der Kindheit keine klare Zuordnung ihrer Stre­bungen auf gegengeschlechtliche Partner erfahren haben, ge­hen nur allzu oft in Bezug auf die sexuelle Objektprägung indifferent in die Pubertät. Besonders diejenigen unter ihnen, die keine Anerkennung durch Gleichaltrige erfahren, z.B. weil sie schüchtern, kontaktschwach, kleinwüchsig oder anderwei­tig körperlich benachteiligt und deswegen in den Gruppen er­folglos sind, neigen zu Verunsicherungen, die in ihnen den Verdacht nähren, sie könnten homosexuell sein. Der erfahre­ne Spezialist Prof. Gerard van den Aardweg hat in seinen Schriften auf diese Entwicklungen hier einen besonderen Ak­zent gelegt. Werden solche Jugendlichen jetzt zu perversen Primärerlebnissen verführt, so können sie u.U. unwiderruflich an eine bestimmte ersatzbefriedigende Praktik fixiert bleiben, sodass ihr Schicksal eine lebenserschwerende Wendung er­fährt. Das kommt als Neigung zur Homosexualität heute um-so häufiger vor, als im Trend der Zeit und der vielfältigen The­matisierung der Homosexualität in der Öffentlichkeit diese als etwas ganz Besonderes, Rühmenswertes, Originelles darge­stellt wird. Eigentlich ganz normale, nur ein wenig spät ent­wickelte Jugendliche können dadurch unversehens in die Ho­mosexualität geraten, denn der Tenor der Ideologisierung, ja, der Indoktrination wurde in der deutschen Öffentlichkeit vom Beginn der 70er Jahre ab eben von der umfänglichst ver­breiteten einhelligen Vorstellung geprägt, dass - da sie ange­boren sei - Homosexualität genauso normal sei wie Heterose-xualität und dass ein humanes Zeitalter die Pflicht und Schuldigkeit habe, diese Art zu leben vom Makel des Unnor­malen, der Benachteiligung und Diffamierung zu befreien.

  130

  Make love, not war

  Make love, not war

  131

  

  Diese Bemühungen wurden in den folgenden Jahren in der internationalen Öffentlichkeit nachhaltig unisono verstärkt und ausgebaut: 1976 strich die Weltgesundheitsorganisation die Homosexualität aus dem Katalog der seelischen Erkran­kungen. Ohne irgendeine wissenschaftliche Erklärung galt die Homosexualität von nun ab als eine „angeborene, normale Spielart menschlicher Sexualität". Seit der Strafrechtsreform der Bundesrepublik Deutschland von 1976 begann eine erste Aufweichung des § 175: Praktizierte Homosexualität war seit­dem nur noch von Erwachsenen mit Jugendlichen und ab 1993 - nach einer erneuten Gesetzesänderung - nur noch mit Kindern strafbar.

Wie befremdlich: Sowohl die umfängliche Universitäts-Bi-bliothek an wissenschaftlichen Arbeiten zur Homosexualität wie die juristischen Kommentare zum § 175 blieben plötzlich - ohne dass wissenschaftliche Gegenbeweise angetreten wor­den waren - von jetzt an unberücksichtigt.

Eine ebenso nachhaltig wie geschickt zementierte ideologi­sche Basis kam in Deutschland von der Mitte der 80er Jahre ab zum Zuge und bewirkte einen weiteren Boom der Homo-sexualisierung. Den Anlaß dazu gab das Auftauchen der töd­lichen Geschlechtskrankheit Aids, an der zu 85 °/o vor allem homosexuelle Männer starben. Zwar erkranken mittlerweile auch Frauen, die sich beim Verkehr mit Bisexuellen oder beim Spritzen von Rauschgift infiziert haben, an Aids; aber den­noch ist laut Statistik des Robert-Koch-Instituts Aids bis heu-

*

te in Deutschland mehrheitlich eine tödliche Erkrankung der Homosexuellen geblieben. 2001 waren unter den 2000 HIV-Neuinfektionen 40 % homosexuelle Männer.

Aber als das Virus in der Mitte der 80er Jahre entdeckt wur­de, antwortete das Bundesgesundheitsministerium darauf nicht etwa mit einer Einbeziehung der neuen tödlichen Epi­demie in die in Deutschland vorzüglich ausgebildete Seu­chenmedizin, mit der bereits Typhus, Tuberkulose, Pocken

  und Kinderlähmung besiegt worden waren, sondern es wurde eher mit einer Art Propagierung durch einen unsäglichen Kondomfeldzug, von der damaligen Ministerin Rita Süss-muth (CDU) initiiert, begonnen.

Eine situationsgerechte Aufklärung über die Gefahr, durch homosexuellen Analverkehr an Aids zu erkranken, erfolgte hingegen nicht in dem Maße, wie es nötig gewesen wäre. Stattdessen entstand mit Hilfe von Aufklärungsheften für die Jugend eine intensive Beschönigung der Homosexualität. „Es gibt keine gefährlichen Freunde", heißt es in einer von der Gesundheitsbehörde der Regierung herausgegebenen Schrift, „auch wer Sexualität mit mehreren Menschen gelebt hat, ob männlich oder weiblich, ist kein ,Gefahrenherd'. Auch Infizierte können sexuell unbeeinträchtigt leben." Unter der Parole „Safer Sex" wurde den jungen Menschen der Bär auf­gebunden, es gäbe so etwas wie einen ungefährlichen Anal­verkehr.

Das ist ein leichtfertiges Versäumnis der entsprechenden Behörden und der Verantwortlichen in Deutschland! Es lässt sich nur durch die Furcht der maßgeblichen Instanzen erklä­ren, dass durch das Auftauchen von Aids der Homosexualisie-rung Einhalt geboten werden könnte. Das allerdings war be­reits seit 1969 nicht erst allein die Intention der Frau Ministerin Süssmuth: Die Homosexualisierung in der Bevölke­rung der Industrienationen ist seit 1969 ein Programmpunkt der IPPF (International Planned Parenthood Federation). Sie ist international flächendeckend und in Deutschland mit der Unterorganisation „Pro familia" bestens installiert. Interessan­terweise sind diese Verflechtungen kaum jemandem bekannt. Sie werden in den Medien systematisch verschwiegen. Die Vermehrung der Homosexualität gehört - wie der Vizepräsi­dent dieser Vereinigung, Frederik Jaffe, 1969 verlautbarte -mit zu dem Ziel dieser Initiative: der Bekämpfung der Über­bevölkerung.21

  132

  Make love, not war

  Make love, not war

  133

  

  Die Schwulenbewegung begann deshalb ab 1970 in den USA ihren international erfolgreichen Siegeszug.22 In den Veröffent­lichungen und in den nun neu erstellten Aufklärungsheften über Aids für Jugendliche herrscht seitdem paradoxerweise die Tendenz vor, die Homosexualität als der Heterosexualität gleichwertig hervorzuheben und sie geradezu zu umschmei­cheln.2-' Es darf nicht übersehen werden, dass an diesen Auf­klärungsaktionen die staatlichen Gesundheitsbehörden der BRD (!) mit den millionenfach ausgestreuten Broschüren der Zentralstelle für gesundheitliche Aufklärung zu Köln maßgeb­lichen Anteil haben und dass, gewiss ohne Wissen über das Ausmaß der Desinformation, sich oft sogar schulische wie auch kirchliche Institutionen mit den Steuergeldern der Be­völkerung daran beteiligen.

Man versucht also trotz Aids an der vor 30 Jahren infiltrier­ten Ideologie, die sich doch bereits als Irrweg erwiesen hat, weiter festzuhalten. Im Mittelpunkt steht seitdem der intensi­vierte Versuch, die Jugend an Lebensformen heranzuführen, die zur Verbreitung der tödlichen Seuche beitragen, die sich darüber hinaus, aber auch unabhängig davon bereits als schäd--lieh erwiesen hatten. Es ist eine schmerzliche Erfahrung, dass praktizierte Homosexualität fast immer Suchtcharakter be­kommt. Das international bekannte Kinsey-Sexualforschungs-institut in den USA befragte 574 homosexuelle Männer zu ih­ren Beziehungen: Nur 3 °/o der befragten Männer hatten bis dahin in ihrem Leben weniger als zehn Partner gehabt. 75 °/o der Befragten hatten mindestens 100 Partner gehabt, 43 °/o mindestens 500 Partner, und 28 % hatten Sexualkontakte zu 1000 und mehr Partnern gehabt.24

Durch die massive Beschönigung, ja Hofierung der Homo­sexualität ist im vergangenen Jahrzehnt in Deutschland eine erhebliche Zunahme der Homosexualität erfolgt; denn der Wahnsinn hat Methode: Homosexualität zu praktizieren, sei ebenso originell wie oppositionell, wird den Jugendlichen ver-

  heißen. Man könne diese „Spielart normaler Sexualität" trotz Aids weiterhin gern leben. Man möge sich dann aber auch tapfer outen ohne Rücksicht auf die kleinbürgerliche Gesell­schaft und um ihr auf diese Weise Paroli zu bieten; denn da Homosexualität eine Veranlagung sei, gebe es auf diesem Sek­tor keinerlei Verführung.

Diese Behauptung ist eine ebenso platte wie wirksame Tak­tik der Augenwischerei; sie bedeutet geschickte Manipulation der Jugend! Sie hat mit wissenschaftlicher Wahrheit nichts ge­mein; denn, wie gesagt, in vielen Fällen ist die Verliebtheit in eine Person des gleichen Geschlechts bei Jugendlichen noch keineswegs ein Zeichen von Homosexualität, sondern eine Übergangserscheinung: die sogenannte „homoerotische Pha­se". Durch die Verleugnung der Verführung wird den Jugend­lichen die Möglichkeit zu einer vorsichtig-kritischen Distan­zierung genommen. Deshalb fallen sie viel leichter auf das Anpreisen der Homosexualität herein. Durch diese Desinfor­mation kann besonders erfolgreich Verführung zur Homose­xualität geschehen, nicht nur bei den Jungen, sondern immer häufiger auch bei den Mädchen.

Auf diese Weise ist es in den 90er Jahren auch zu einer er­staunlichen Verbreitung des Lesbiertums gekommen. Das hat einerseits etwas damit zu tun, dass Frauen im Allgemeinen ei­ne größere Neugier und damit eine größere Bereitschaft, Neu­es auszuprobieren, besitzen. Dadurch spielt Modisches bei den Frauen eine große Rolle, und sie sind infolgedessen für geschickte Indoktrination anfälliger als die Männer - eine psychologische Wahrheit, die bereits in der Genesis mit Evas Anfälligkeit für die Schlange dokumentiert ist.

Vorangetrieben aber wurde - außer aus diesen Gründen -das Lesbiertum auch durch den militanten Feminismus, durch das jahrzehntelange Schüren von Feindseligkeit gegen die Männer, durch das oft blinde Kämpfen um die Vormacht der Frauen unter Verteufelung von Mann-Wesenheit schlecht-

  134

  Make love, not war

  Make love, not war

  135

  

  hin. Viele Enttäuschungen von Frauen an Männern wurden so künstlich aufgebauscht und in einer gefährlichen Weise verallgemeinert. Die Kennzeichnung des Mannes als „Chauvi", als „Frauen-Unterdrücker und -Bemächtiger" vergällte in der jüngsten Zeit immer mehr Frauen den Traum von beglücken­der Partnerschaft und lässt mit Hilfe der hochgelobten Homo­sexualität nicht wenige junge Frauen - manchmal sogar erst nach ihrer Ehescheidung - den Weg in gleichgeschlechtliche Beziehungen einschlagen.

Die starke allgemeine Akzentsetzung des Schwerpunkts auf Anfreundung mit der Homosexualität ist im Tenor der Öf­fentlichkeit mittlerweile gang und gäbe geworden und gefähr­det viele junge Menschen beiderlei Geschlechts, sich für ho­mosexuell zu halten, ohne es wirklich zu sein, und es dann auch damit zu probieren. Künstlich einseitig und falsch infor­miert, scheint ihnen Homosexualität eine durchaus erstre­benswerte, auf jeden Fall gleichwertige Lebensform wie die Ehe zu sein.

Dazu ein neuerdings nicht mehr seltener Fall aus der Praxis: Ein Elternpaar stellt mir seinen 17-jährigen Sohn vor. Er habe ihm vor kurzem erklärt, dass er schwul sei. Befragt, wie er die­sen Eindruck gewonnen habe, erklärt er, dass ihn Mädchen bisher wenig interessiert hätten. Er sei mit vier älteren Schwe­stern an Weiblichkeit bisher ohnehin reichlich eingedeckt ge­wesen. Nicht, dass er sich stattdessen in einen Jungen verliebt habe, aber er sei in seiner Freizeit lieber mit Jungen zusam­men.

Durch eine Aufklärungsschrift sei er auf die Idee gekom­men, dann vielleicht doch „andersrum" zu sein. So habe er bei einer Schwulen-Selbsthilfegruppe angerufen, die in der Zei­tung annonciert habe. Man habe ihn eingeladen, und dort ha­be man ihm seinen Verdacht bestätigt, und er habe dort auch gleich intimen Kontakt mit einem Schwulen gehabt. Diese Gruppe habe ihm gesagt, nun müsse er sich auch „outen". So

  habe er es zunächst einmal seinen Eltern erzählt. Die seien aus allen Wolken gefallen und hätten ihm nicht geglaubt.

Die psychologische Untersuchung ergab: Es handelte sich um einen völlig normalen, heterosexuell veranlagten Jugend­lichen, der lediglich durch allzu viel ihn gängelnde Weiblich­keit noch ein wenig zurückhaltend war mit Annäherungen an das weibliche Geschlecht. Aus solchen gar nicht homosexuel­len jungen Männern entsteht später häufig die Gruppe der so­genannten Bisexuellen, die sich abwechselnd homo- und he­terosexuellen Kontakten zuwenden, eine Gruppe, die auf diese Weise besonders geeignet ist, die HIV-Infektion in die allgemeine Bevölkerung hineinzutragen und darüber hinaus sexualsüchtig zu werden.

Diese Situation zeigt, wie ganze Institutionen einmal mehr in diesem Jahrhundert einer Manipulation zum Opfer gefal­len sind. Durch ein Verbreiten von falschen Vorstellungen wird zurzeit also die Wahrheit bis zum Verschwinden unter­drückt. Denn die Beauftragten der sogenannten „Aids-Hilfe" melden sich in Deutschland auch in Schulen an und verbrei­ten hier die ihnen selbst infiltrierten Desinformationen.

Anhand der aus der Praxis vorgestellten Fälle lässt sich kons­tatieren:

1. Ein erheblicher Teil der heutigen jungen Homosexuellen
beiderlei Geschlechts ist zu dieser Lebensform durch eine
Großkampagne voller Fehlinformationen verleitet worden,
die meisten aufgrund nur vorübergehender Pubertäts­
schwierigkeiten und/oder -enttäuschungen mit dem ande­
ren Geschlecht.

2.    Bei einem weiteren Teil liegt eine in der Kindheit fehlge­
prägte oder durch exzentrische Gewohnheiten in der Fami­
lie unsicher gebliebene Geschlechtsidentität vor. Auch die­
ses scheint heute zunehmend häufiger vorzukommen. Das
hat seinen Grund darin, dass zu den üblichen fehlprägenden
Eltern-Kind-Konstellationen nun noch in den vergangenen

  136

  Make love, not war

  Make love, not war

  137

  

  20 Jahren Irritationen der Kinder durch die Gleichheitsideo­logie hinzugetreten sind. Die ideologische Unterbindung der Unterschiedlichkeit in der geschlechtsspezifischen Ei­genart von Jungen und Mädchen, durch schulische Koedu­kation festgeschrieben, hat dazu vermutlich ebenfalls beige­tragen. Auch immer mehr in ihrer eigenen geschlechtlichen Identität verunsicherte Eltern lassen die Möglichkeit zu ei­ner klaren Ausrichtung ihrer Kinder verschwimmen; gleich­geschaltete Funktionen von Vätern und Müttern im Fami­lienalltag sowie vermännlichte Mütter und verweiblichte Väter sind unzureichende Vorbilder, um eine eindeutige Ge­schlechtsidentität bei Söhnen und Töchtern hervorzurufen. Darüber hinaus wirkte auch der Scheidungsboom in diese Richtung mit. Lebensgefährten von geschiedenen Müttern können den Söhnen oft den Vater nicht ersetzen, weil sie den „Neuen" als Eindringling ablehnen. Chaotische familiäre Zu­stände in der Kindheit bringen heute außerdem wesentlich häufiger fundamentale Verunsicherungen zustande. Auch der sexuelle Missbrauch an Kindern kann Blockaden in der späte­ren Zuwendung zum anderen Geschlecht hervorrufen und den Weg in die Homosexualität nahelegen. Die Sirenenklänge der Aufklärer über die so erstrebenswerte Homosexualität ent­wickeln für so vorgeprägte junge Menschen dann geradezu sog­artige Wirkung. In Deutschland werden pro Jahr 160.000 un­mündige Kinder zu Scheidungswaisen.

In dieser die Homosexualisierung fördernden Situation ist es nicht verwunderlich, dass nun auch ein Vorstoß vorgenom­men wurde, die Homosexualität rechtlich festzuschreiben. In Deutschland wurde deshalb im Jahr 2001 „um der Gerechtig­keit willen" eine gesetzliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaft mit der Ehe, das sogenannte „Lebenspartnerge­setz", eingeführt. Dazu muss gesagt werden:

Erstens: Es darf nicht übersehen werden, dass es sich hier um einen Durchbruch durch einen durch die deutsche Verfas-

  sung festgelegten Rahmen handelt. Alle Gesetze dieser Art standen bisher unter dem Hauptziel, dem allgemeinen Volks­wohl zu dienen. Davon aber kann bei der Gleichstellung von Homosexualität mit der Ehe keine Rede sein. Ehe und Familie stehen im deutschen Grundgesetz deshalb unter dem besonde­ren Schutz des Staates, weil sie durch das Hervorbringen und Erziehen von Kindern einen lebensnotwendigen Dienst für den Fortbestand des Staates erbringen können. Schon allein deshalb sticht das Gerechtigkeitsargument nicht: Hetero- und homosexuelle Ehen können nicht den gleichen Status haben, weil sie in der Gewichtung für die Zukunft des entsprechenden Staates nicht gleich, sondern fundamental verschieden sind. Es wird hier also widerrechtlich etwas gleich behandelt, was in sei­ner grundsätzlichen Zielsetzung nicht gleich ist.

Zweitens: Die rechtliche Gleichstellung zwischen den bei­den Lebensformen verstärkt die ohnehin im Trend liegende Scheu vor der Familienbildung und ihrer Voraussetzung, einer bindenden Eheschließung. Schlechte Kindheitserfahrungen, Bindungsscheu und Mangel an überpersönlichem Verantwor­tungsgefühl sind häufige Gründe. Dieses Verhalten hat in Deutschland bereits zu einer drastischen Verringerung der Ehe­schließungen und zu einem existenzbedrohenden Geburten­schwund geführt. Die legalisierte Partnerschaft leistet diesem existentiell bedrohlichen Trend weiter Vorschub. Um die Ge­fahr abzuwenden, bedürften wir gerade umgekehrt einer aus­drücklichen Unterstützung von normaler Ehe und Familie.

Drittens: Die eheliche Gleichstellung Homosexueller ver­stärkt die durchgängig verbreitete falsche Vorstellung, dass ho­mosexuelle Partnerschaft eine alternative Lebensform zur Ehe sein könne. Das wird bei jungen Menschen mit einer noch nicht voll ausgereiften Identifikation mit dem eigenen Ge­schlecht oder auf dem Boden von Misserfolgen im Hinblick auf das andere Geschlecht die Erwägung homosexueller Le­bensformen weiter vermehren.

  138

  Make love, not war

  Make love, not war

  139

  

  Viertens: Weil die Homosexualität der natürlichen Bestim­mung des Menschen nicht entspricht, scheitern die Versuche zu einem ehelichen Zusammenleben in überwiegender Mehr­zahl. Homosexuell lebende Menschen (gleich, ob sie auf­grund von Fehlvorstellungen, Verführung oder Fehlprägung in der Kindheit dazu gebracht worden sind) bleiben unruhig Suchende und neigen, weil sie die eigentliche Ursache nicht erkennen, zur Aufnahme immer neuer, meist rasch wechseln­der Beziehungen. Das hat die so weit verbreitete Promiskuität vieler Homosexueller zur Folge. Deshalb gibt es so viel Un­glück, so viel Mord und Selbstmord bei den Homosexuellen.

Dazu noch das schriftliche Bekenntnis eines jungen Man­nes aus der Praxis, der mit Tapferkeit auf dem Weg zur Wahr­heit ist: „Seit meiner Kindheit empfinde ich eine homosexuelle Nei­gung, die bis heute anhält. Es ist interessant, dass ich mich damit nie wohl gefühlt habe bzw. wohl fühle. Dieses Unwohlsein oder schlechte Gewissen allein dem gesellschaftlichen Druck in Rechnung zu stellen, ist meiner Meinung nach ein Weglaufen vor der eigenen Verantwor­tung. Es bringt mich beim besten Willen nicht weiter. Die innere Zu­friedenheit einer gottgewollten Lebensqualität bleibt am. Das Einzige, was bleibt, ist eine innere Zerrissenheit und Leere. Wir bleiben auf der Suche und werden immer wieder enttäuscht. Meine Meinung ist: Erst wenn homosexuell Empfindende ihre wahre (von Gott gegebene) Identität finden und sich nach dieser Identität ausstrecken, können sie Befreiung und Heilung ihrer Sexualität von den Fehlprägungen ihrer Kindheit erfahren. Was wir brauchen, ist echte Hilfe und Verände­rung unserer krank gewordenen Persönlichkeit statt ewige Toleranz und Outing!"

Fünftens: Diese Lebensform verbreitet darüber hinaus Ge­schlechtskrankheiten, vor allem die immer noch irreparable Hepatitis C und die immerhin noch tödliche Viruserkran­kung Aids. An Aids sind weltweit bereits 30 Millionen Men­schen gestorben, und die Zahl der Angesteckten und damit weitgehend unwissend Ansteckenden ist Legion.

  Sechstens: Das berechtigte Postulat nach wohlwollender Tole­ranz gegenüber homosexuellen Menschen ist in unserer Ge­sellschaft schon seit langem verwirklicht. Niemand in der BRD kommt heute noch auf die Idee, Homosexuelle zu be­nachteiligen - eher geschieht das der vollerziehenden Fami­lienmutter! Argumentation dieser Art rennt also offene Türen ein.

Das Mitlaufen der evangelischen Kirche in diesem Strom unter der Scheinmotivation, dieser ach so benachteiligten Minderheit zur Gerechtigkeit zu verhelfen, verstärkt das Un­glück. Es bedeutet eine fadenscheinige Anbiederung an den Mainstream und eine Minderung des Privilegs und der Schutz­würdigkeit von Ehe und Familie, wenn sich besonders die nordelbische Kirche mit der Bischöfin Jebsen an der Spitze nun auch noch in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem Staat für die Segnung der homosexuellen Lebenspartnerschaft einsetzt.

Wir dürfen uns nicht darüber täuschen lassen: Die rechtli­che Absicherung durch das neue Lebenspartnergesetz ist ein weiterer Brückenkopf, mit dem das natürliche, das gottgewoll­te Gefüge unserer Gesellschaft zersetzt und damit dem Unter­gang preisgegeben werden soll.

Die Frage nach Hilfe lässt sich gewiss nicht an dem Streit der Fachleute über die Therapierbarkeit der Homosexualität aufzäumen. Die Therapieresistenz ist erheblich, wenn die süchtigen Gewohnheiten erst einmal voll eingebahnt sind. Therapeutische Erfolge haben erfahrungsgemäß die Vorausset­zung, dass - wie in der eben beschriebenen Aussage des jun­gen Mannes - der Ruf nach Hilfe und Veränderung in dem einzelnen Homosexuellen dominant geworden ist. Ohne eine solche Motivation besteht keine Aussicht auf eine Umorien­tierung.25

Aber dabei allein können verantwortungsbewusste Pädago­gen nicht stehen bleiben. Erfolgversprechend ist die Akzent-

  140

  Make love, not war

  141

  

  Setzung auf der Prophylaxe, auf der sorgfältigen Beachtung praktizierender Kinderpsychotherapeuten, wenn sie Fehliden­tifikationen feststellen. Um diese zu verringern, ist allerdings eine sehr viel stärkere Betonung der Ehe- und Erziehungsbera­tung nötig - und überhaupt eine Erziehung zur Ehe und Fa­milie mit Hilfe sachgerechter Information. Auch die heute gängigen Vorstellungen über Homosexualität beruhen schließ­lich auf einem falschen, auf einem ideologischen Menschen­bild. Das sexualisierende Klima in den Familien hat hier in den vergangenen Jahrzehnten ebenso viel Schaden angerichtet wie der Verlust des Wissens darum, dass die Kinder auf dem Weg zu einer sicheren Geschlechtsidentität eindeutiger Vorbil­der unter den erziehenden Erwachsenen bedürfen. Eltern, die unter dem Anhauch eines ideologischen Menschenbildes ihre Funktionen als Vater und Mutter lediglich als „Rollen" verste­hen, die sie nach Belieben miteinander vertauschen, haben weniger Chancen, ihren Kindern eine sichere Geschlechtsiden­tität zu vermitteln.

Hilfe aus der Homosexualisierung heraus bedarf also zweier Veränderungen: 1. einer unermüdlichen Aufklärung über das Falsche und Verhängnisvolle der gängigen Vorstellungen über die Homosexualität und 2. einer Neukonstituierung der ge­sunden Familie am besten auf dem Boden eines christlichen Welt- und Menschenbildes; denn es lässt sich an der homose-xualisierenden Entwicklung erkennen, dass die Anweisungen der Bibel im Hinblick auf die Homosexualität auf dem Boden realistischer Wahrheit entstanden sind. Sie könnten also auch noch den Menschen heute Orientierung vermitteln. Deshalb empfiehlt die katholiche Kirche zu Recht in einem vom Papst unterzeichneten Lehrschreiben von Kardinal Ratzinger von 1985 Zurückhaltung im Hinblick auf die Ausübung homo­sexueller Neigungen. Unerschrockene Aufdeckung der Wahr­heit ist deshalb in dieser Situation eine Herausforderung be­sonders auch für die Kirchen.26

  Schule in der Sackgasse

Lehrerdilemma

Die Universität Potsdam hat es durch Recherchen dingfest ge­macht: 90 °/o der Lehrer scheiden bereits vor ihrer Pensionie­rung aus dem Schuldienst aus. Sie nehmen Einbußen ihres Ruhegeldes in Kauf, weil sie einfach fertig sind; sie fühlen sich überfordert, „burnt out", gestehen sie resigniert.

Ausgerechnet dieser so schöne Beruf, den mancher wählte, weil ihn die langen Ferien und die freien Nachmittage dazu motivierten, präsentiert eine solche bedenkliche Bilanz. Wie frustriert, wie unglücklich muss ein Pädagoge sein, ehe er durch Frühpensionierung das Handtuch wirft! Was macht die Lehrer psychisch und oft auch physisch so bedenklich krank? Die Begründung dafür ist in der neuen Untersuchung aufge­führt: Unzufriedenheit dominiert. „Man gibt viel und be­kommt nichts", heißt es da. Das besagt: Klar, an den Kindern liegt's, am Lärmpegel in zu großen Klassen. Eine allgemeine resignative Stimmung der Erfolglosigkeit hat sich breit ge­macht, deren Berechtigung sich mit weiteren Zahlen unter­mauern lässt: 10 % der Hauptschüler sind für eine Ausbildung gar nicht erst vermittelbar, wenn sie die Schule verlassen; und im internationalen Notendurchschnitt liegen die Deutschen schon seit geraumer Zeit nicht mehr (wie einst!) im oberen Drittel.1

Was also ist geschehen, und was müsste geändert werden?

Als Erstes: Pädagogische Bemühung wird zur Sisyphusar­beit, wenn es nicht gelingt, lernbereite Stille in der Klasse zu erreichen. Und diese Voraussetzung ist häufig bereits in der Grundschule und erst recht bei den älteren Jahrgängen der Hauptschule nicht mehr zu erreichen. Der Lehrer heute steht