Denn wenn es auch durchaus nicht so ist, als ob die Ersteren nun ausschließlich
den Weg oder die Denkrichtung a. und die Theologen von einer aufgeklärten
empirischen Position b. aus nicht mehr von einem wirklichen Gott und einer
tatsächlichen Erlösung durch Jesus und nur von einer unverbindlichen,
mehr kulturellen Frömmigkeit ausgehen, so wird dennoch ein Theologiestudent
(Fußnote 12,) der sich aus persönlicher
Berufung zum Pfarrerberuf entschied, im Laufe des Studiums oft das verständliche
Gefühl haben, die Fronten oder die Seite zu wechseln.
Sicher ist ein Streit und das dadurch erschwerte Verständnis durch
beide Seiten verschuldet durch das verletzte 2. Gebot und das der Nächstenliebe,
das im nüchternen, selbstgerechten und institutionalisierten Kirchenbetrieb
und im sachlich wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsbetrieb auf der
einen Seite und in der Selbstgerechtigkeit im Glauben an die beweisbare
Wahrheit einer Bibelstelle der anderen Seite blind macht für den gleichen
Denkfehler, den man dem anderen vorwirft und doch auch selbst begeht. Denn
Entheiligung, Verunsicherung im Glauben und Blindheit findet in der Konkretisierung
und Versachlichung Gottes zuerst ja gerade da statt, wo man „beweisbar"
Recht hat, und findet dadurch statt, daß man sich mit der jeweiligen
Elle selbst zum Richter über den anderen macht.
Und es ist das Beweisbare dem also unsere kritische Aufmerksamkeit
gelten soll:
Die scheinbare Unvereinbarkeit zwischen den verschiedenen Betrachtungsweisen
a. und b. wird in der amerikanischen Sprachphilosophie von verschiedenen
Positionen aus und mit verschiedenen Tendenzen durchaus als allgemeines
Welt- und Existenzproblem diskutiert, und ich weiß nicht, ob dort
neue theologisch relevante Einsichten bestehen. Ich glaube, der Philosoph
Quine beschrieb die allgemeine Problematik am dem Beispiel, das Öffnen
eines Fensters zu beschreiben, wobei einmal nur in der streng deduktiven,
ätiologischen Weise gezeigt werden könnte, wie die Bewegung der
Nervenimpulse, der Sehnen und Muskeln kausal nach physikalischen Gesetzen
dann zu der öffnenden Bewegung des Fensters führt, was Max Black
den ätiologischen Hintergrund nennt, während die andere Beschreibung
mit ebenfalls kausaler Richtigkeit auf der 2. Stufe etwa lauten würde,
daß Frank ein Ereignis auf der Straße beobachten wollte und
deswegen das Fenster geöffnet wurde. Da nun Franks Absicht weder beweisbar
noch empirisch feststellbar ist und deswegen auch keine physikalische Eigenschaft
besitzt, die einen Gegenstand bewegen könnte, müßte oder
könnte ich jetzt die zweite Beschreibung zugunsten der ersten als
spekulativ und falsch ablehnen.
Der bekannte Laplacesche Dämon, der alles Geschehen der Welt und
alle kausalen Zusammenhänge der Welt in dem Augenblick vor dem Öffnen
des Fensters kennt und damit auch das Öffnen des Fensters als Folge
des vorigen Zustandes physikalisch kausal und ätiologisch vorhersehen
und erklären kann, würde ein Eingreifen Franks in das Weltgeschehen
durch seinen freien Entschluß natürlich bestreiten und als reine
Theorie und Einbildung ignorieren und sogar als Möglichkeit ausschließen
können. Nach solcher naiv mechanistischer oder empiristischer Dogmatik
könnte es überhaupt keine menschliche Handlung aufgrund einer
freien Entscheidung auf jener 2. Stufe geben und damit keinen freien Willen
und keine Verantwortung. Und dies gilt in gleicher Weise, wenn man ganz
einfach und gehorsam eine Allwissenheit Gottes annimmt, wobei nicht anders
dann ebenfalls alles zukünftige Geschehen determiniert bereits feststünde,
- was immer ich auch frei zu tun glaube - eine Antinomie, die Kant schon
vor 200 Jahren als Scheinantinomie entlarfte und als Denkfehler entschlüsselte,
was heute jeder Schulabgänger und Konfirmand kennen sollte. Und in
gleicher Weise wird man auf der 2. Stufe jedes Einwirken Gottes von der
3. Stufe her zumindest auch anders erklären können. Man kann
den Auszug aus Ägypten statt als eine Handlung Gottes auch als Werk
Moses erklären oder als Vertreibung oder als eine erste Judenverfolgung.
Der Denkfehler in den Antinomien ist nach Kant im Prinzip immer das Mißverständnis,
als hätte ich auf der einen Seite die faktische Wahrheit wie dann
z.B. in Form einer Bibelstelle oder im Glaubensbekenntnis als Beweis vor
mir und auf der anderen Seite die richtige oder falsche Erkenntnis dieser
Wahrheit, letzteres dann meistens beim anderen.
Der gewöhnliche Einwand, daß ich es ja nun sei, der Verunsicherung
und Verwirrung stiftet, wenn ich bestreite, daß wir mit der Heiligen
Schrift doch Gottes Wort und damit beweisbar Wahrheit in den Händen
hätten, womit dann auch kein anderer schriftlicher Vertrag, kein Testament
und auch nicht die Vorladung zu einem Amt eine eindeutige, beweisbare und
verbindliche Tatsache wäre. Und wenn dem so wäre, würde
dieses an der Tatsache nichts ändern, wenn ich diesen übrigens
allgemein bekannten Umstand nicht äußern würde, daß
wir mit einem Schreiben gleich welcher Art trotzdem keine Gedanken in den
Händen hätten weder von Gott noch von einem anderen Menschen,
sondern nur immer unsere eigene Erkenntnis, was auch für jeden Gegenstand
gilt. Wer will, kann dieses als Ausrede oder Begründung für seinen
Agnostizismus und Unglauben verwenden. In welcher Weise unsere zwischenmenschliche
Kommunikation, unsere Verträge und auch die Bibel trotzdem verbindlich
sind, ist eine schwierige Frage, die die Sprache und unsere allgemeine
Menschenkenntnis betrifft. Tatsache ist aber doch, daß die Verunsicherung
im Glauben gerade nicht von solcher Reflexion ausgeht, sondern eben im
Gegenteil von der unreflektiert-fundamentalistischen, unwahren, blind-naiven,
empiristischen, platonisch didaskalischen Position, als hätte man
den objektiven, praktisch außermenschlichen Beweis und nicht nur
eine menschliche Erkenntnis.
In diesem einfachen oberen Beispiel, wie sich Franks Fenster öffnet,
wird mich nämlich meine normale Menschenkenntnis vor einer didaskalisch-empiristischen
Borniertheit bewahren, die mögliche Wirksamkeit von Franks Absicht
bei diesem Öffnen des Fensters zu bestreiten, auch wenn der Entschluß
eines Menschen unsichtbar und so wenig zu beweisen ist, wie eine Handlung
Gottes auf der 3. Stufe.
Deutlich werden kann bei diesem Beispiel, daß man von drei sich
überlagernden Wirklichkeiten bzw. Geschichten sprechen könnte,
die dann auch drei verschiedene Gottvorstellungen beinhalten können,
wie auf der 1. Stufe z.B. nach Aristoteles Gott als Urbeweger, als Anstoß
allen Geschehens, auf der 2. Stufe vielleicht ein anthropomorphisierter
Gott und auf der 3. Stufe ein transzendenter, unerkennbarer und unbeschreibbarer
Gott.
Und winken sie nicht ab, als begegne Ihnen hier nur die bereits vieldurchkaute,
graue und nutzlose Theorie ohne Antwort! Behalten sie im Auge, daß
auch der Mensch und auch Sie selbst auf diesen Stufen in solcher Dreigestaltigkeit
real, möglich und damit bereits Antwort sind. Es gilt doch, die Denkfehler
gerade in diesen gängigen Gedankengängen als falsch gedachtes,
wie vor allem auch Denkfehler als fehlende Gedanken aufzuzeigen
Daß aber solche rein ätiologische Begründung unhaltbar
ist, ergibt sich plausibel weiter aus der folgenden Überlegung:
Vielleicht gab es für Frank ja noch mehr bewußte und auch
noch unbewußte Gründe, das Fenster zu öffnen, die ein Psychologe
und ein Soziologe durch direkte oder indireckte Befragung herausfinden
könnte, und man könnte noch viele weitere kausale Gründe
für das Öffnen des Fensters anführen, bei denen Frank sogar
keine oder nur eine zufällig-statistische Rolle spielt, so daß
man in der Tat von weiteren Wirklichkeiten oder Geschichten sprechen müßte,
wie unser normales Leben eben nicht monokausal und auch nicht nur selbstbestimmt
abläuft, schon weil wir in nahezu allen Handlungen viele Gründe
miteinander verbinden, wenn wir z.B. ein Bild sowohl zur Dekoration wie
auch zur Erinnerung und Repräsentation wie aber auch zugleich auf
Grund z.B. einer Bitte des Ehepartners u.s.w. auswählen und aufhängen,
und womöglich zu allem auch noch deswegen, weil es als Konvention
zur Kultur und Tradition gehört, weil alle es machen und man nicht
eine merkwürdige Ausnahme machen will. Das heißt: neben der
Freiheit meines Entschlusses zu einer Handlung gibt zugleich sicher tausend
weitere Gründe, die mich zu dieser Handlung veranlaßten, ohne
daß wir darin einen Widerspruch sehen, und wir würden zu unterschiedlichen
Fragen nach dem Grund vielleicht ganz unterschiedliche Antworten geben,
ohne dabei zu schwindeln.
Eine empirisch-kausale Verbindung all dieser Kausalketten dürfte
auch theoretisch nicht herzustellen sein, und es ist entsprechend schwierig,
von einem gesicherten geschichtlichen Verlauf eines Ereignisses zu sprechen,
der im Falle Franks ja erst recht nicht in der deduktiven, wissenschaftlichen
Beschreibung aller Nerven-, Blut-, Sehnen- und Muskelreaktionen in Franks
Arm verständlich würde.
Dies heiß aber eben nicht, daß es nun nicht mehr darauf
richtig oder falsch ankommt. Denn wir können trotzdem z.B. bei einer
Zeugenvernehmung mit einiger Mühe aber letztlich aufgrund gesunder
Menschenkenntnis in dem meisten Fällen Wahrheit, Irrtum und Lüge
sehr wohl unterscheiden und eine falsche Aussage u.U. bestrafen.
Ehe wir uns diesem Kriterium Menschenkenntnis zuwenden müssen,
die einmal bei allen Menschen und zu allen Zeiten und in allen Regionen
der Welt unterschiedlich und doch auch höchst fehlbar als gesundes
Volksempfinden in den Kriegen und Katastrophen unseres Jahrhunderts gänzlich
versagt hat und wohl auch deswegen einen üblen Leumund hat und die
andererseits offensichtlich sowohl den Glauben wie auch die Wissenschaften
nicht nur zu ertragen sondern zu tragen, zu beurteilen und überhaupt
erst brauchbar zu gestalten hat, stellt sich einleitend die alte Frage
nach Glauben und Wissen in diesem Zusammenhang eines Glaubensbekenntnis
als eine Frage nach unserem Verhältnis zur Wissenschaft. Ist Wissenshaft
also der Feind des Glaubens? Ich glaube eher das Gegenteil. Die größte
und vielleicht einzige Versuchung ist man selbst. Unser altes Glaubensbekenntnis
gehört seit 1500 Jahren wie ein Felsendom ganz selbstverständlich
wenn heute auch mehr unbewußt zu unserem Denken und Handeln, obwohl
kaum eine einzige Aussage wissenschaftlich haltbar noch beweisbar ist.
„Wie war und ist das möglich?" ist eine vorschnelle und unreflektierte
Frage.
Allgemeinheit als Allgemeinheit der Objekte + Allgemeinheit der Subjekte.
Vor 2500 Jahren formulierte Aristoteles die Grundlagen unserer Wissenschaft
folgendermaßen:
Die wohl wichtigste Aussage in dieser Definition, und zwar als und in unvermeidlicher Anwendung von Menschenkenntnis, hat Aristoteles besonders zu reflektieren übersehen, - vielleicht weil er die gigantische Arbeit seiner Philosophie als Einzelner zu leisten hatte, - wie dies dann auch seine Schüler 2500 Jahre lang fleißig und folgsam übersahen, und zwar diejenige Aussage, die mit dem Wort „man" die gesamte Bedeutung und auch den Begriff „allgemein" erst sinnvoll macht. Die Bedeutung von "man" (tiV) wird "einem" im Deutschen als "eines" bewußter und mehr passiver Bezug, der "einen" zur Allgemeinheit und zwar der Menschen und nicht der Objekte einbezieht, mehr im Genitiv, Dativ und Akkusativ deutlich, wobei mit dieser sozialen Allgemeinheit, in der eine Sache allgemein so und so gesehen wird, erst so etwas wie ein Begriff, Sprache und dann auch Objektivität entsteht, entweder in der Art, als seien die anderen Menschen alle Zeugen, wie mehr noch, als daß sie alle dieses Notwendige in gleicher Weise zu sehen verurteilt sind. Wogegen der Entschluß eines Menschen immer persönlich und undarstellbar und wie die Handlung Gottes nicht objektivierbar ist, weil beides, wie es Aristoteles ja fordert, eben nicht auf eine Notwendigkeit zurückführbar ist, also könnte nach Aristoteles der Entschluß Franks, das Fenster zu öffnen, wie auch Psychologie, Soziologie, Politik, Wirtschaft und Theologie niemals Wissenschaft sein.„Da dasjenige, wovon man ein Wissen schlechthin hat, sich unmöglich anders verhalten kann, so wird das, was man mit apodiktischem Wissen weiß, notwendig sein. Apodiktisch ist aber ein Wissen dann, wenn wir es dadurch haben, daß wir einen Beweis haben. Mithin ist der Beweis ein Schluß aus Notwendigem. Wir müssen also ermitteln, aus was für Notwendigem der Beweis erwächst. Zuerst wollen wir bestimmen, was wir mit dem Ausdruck meinen : »von allem«, »an sich« und »allgemein«." 13
1. 7ô Daß der Mensch einsehen mußte, mit seiner Erde nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern abgelegen am Rande eher eine zufällige Erscheinung zu sein.Wobei aber die Behauptung, daß unser christlicher Glaube nur ein Wunsch- Irrglaube sei, wohl die schlimmste Beleidigung wäre.
2. 7ô Daß die menschliche Erkenntnis und selbst die der Wissenschaft keine Wahrheit ist.
3. 7ô Daß der Mensch niemals unser Sonnensystem verlassen und ein anderes Sternensystem erreichen wird, so daß die Menschheit mit der Sonne auch vergehen wird.
Dennoch gilt es gerade heute, das Verhältnis des Normalsprachigen
oder der normalen Menschenkenntnis zu den übermächtig werdenden
Fachsprachen und zum Professionellen wie zu den Wissenschaften zu klären.
Natürlich könnte andererseits nun die normale Menschenkenntnis
nicht noch objektiver als Wissenschaft über Wissenschaft und Theologie
oder über den eigenen oder einen anderen fremden Glauben stehen. Und
genau dies ist der Punkt. Denn auch andersherum kann keine Wissenschaft
und keine Theologie doch auch über die Richtigkeit meines Glaubens
urteilen. Selbst angenommen, die Wissenschaft hätte Arme, Beine und
einen Kopf und könnte selbst sprechen, wäre sie nicht Gott, sondern
vielmehr ein Nichts, wie wir noch sehen werden, dessen Urteil ich mich
im Glauben eben gar nicht unterwerfen dürfte und würde. Da Wissenschaft
oder Theologie aber kein Lebewesen ist, sondern mir nur als Argument meiner
eigenen Überlegungen oder als Argument anderer Menschen begegnet,
dürfte ich doch ebensowenig einen wissenschaftlichen Gedanken oder
ein wissenschaftliches Kriterium in mir zum Gott machen, vor dem ich mein
eigenes Urteilsvermögen aufgäbe, was ja gewissermaßen eine
pathologische Selbstaufgabe und ein Irrsinn wäre, wie mein Komputer
bei bestimmten Operationen in Word7 dann aufhört zu arbeiten, und
natürlich dürfte ich mich erst recht keinem Menschen der Welt,
der mir wissenschaftliche oder theologische oder sonstige Argumente vorträgt
derart urteilslos unterwerfen, daß ich mein eigenes Urteilsvermögen
aufgäbe, was nur ein Dämon oder Dämagoge niemals aber Gott
selbst von mir verlangt, - wenn auch mancher Physiklehrer oder Relgionsprediger
bei seinen Schülern solches manchmal gerne sähe, was ihm die
schwierige Aufgabe, mich erst überzeugen zu müssen, scheinbar
abnehmen aber nur scheinbar erleichtern würde, - weil dies statt Einsicht
oder Glauben dann doch nur ein gleichgültiges Ja-sagen erreichen würde.
Meine Haupt-, Hinter- und Nebengedanken und Nebenbedeutungen einer
Aussage als Enuntiation.
Wie eine Handlung viele auffindbare kausale Erklärungen und Begründung
hat, so ist auch eine Aussage neben der Information als Enuntiation eine
Handlung in ihrer ganzen komplexen Vielschichtigkeit.
Mit Enuntiation bezeichne ich hier also eine Gesamtheit einer menschlichen
Äußerung, in der Denken, Haltung, Hinwendung oder Abgrenzung,
sprachliche Äußerung als explizites oder indirekt Gesagtes,
Verschwiegenes, Bejahtes, Verneintes, Allegorisches, Angedeutetes, u.s.w.
aber eben als Erkennbares, oder eigentlich als bereits Erkanntes enthalten
ist.
In dem Entwurf für ein Theaterstück habe ich in den beiden
Wörtern „Mir schmeckt’s." in einem ersten mühevollen Anlauf etwa
500 Mitteilungen und später dann weit mehr als 1500 Informationen
herausgefunden, die wir bewußt und unbewußt sowohl äußern
wie aber eben mehr noch registrieren, wie: „Dort ist jemand; er kann sprechen;
er spricht Deutsch; er spricht keinen ausländischen Akzent; er ißt;
es ist ein Mann; er hat eine hohe Stimme; sie klingt, als wolle er sein
Essen rechtfertigen; sie klingt verunsichert; er spricht meinetwegen; u.s.w.
- bis mir dann klar wurde, daß ein gänzlich fremdes intelligentes
Wesen aus dem Weltall, wenn es denn die explizite Bedeutung der beiden
Wörter verstehen würde, von der Sprechweise und Bedeutung auf
die Struktur des Kehlkopfes wie auf das ganze Wesen des Menschen samt seiner
Herkunft, Geschichte und Kultur und letztlich auf die Art der Milliarden
Gene schließen könnte, die für ein bewußtes Sprechen
die Voraussetzung sind, so daß man in jeder Handlung und erst recht
in der einer bewußten Enuntiation viele Milliarden Informationen
und damit einen Abdruck unserer ganzen Welt und unserer menschlichen Existenz
vor sich hat. Jede bewußte Äußerung eines Menschen ist
eine Spur der Menschheit und meist als unnatürlich von einem natürlichen
Ereignis zu unterscheiden. Ich erinnere, wie nachvollziehbar das Erschrecken
Daniel Defoes Robinson beschrieben wird, als er auf seiner Insel den frischen
Fußabdruck eines Menschen entdeckte.
Während von solcher komplexen Vielfalt her betrachtet die Sprache
unserer normalen Menschenkenntnis im Unterschied zu der angestrebten Aussage
der Wissenschaft überhaupt mehr als ein Erkennen und Folgen der Spur
einer bewußten Existenz verstanden, entsprechend mehr, - nämlich
im wesentlichen nur - vom Verstehen einer Sprache her gesehen wird, statt
von einem Verständlichmachen, - was wir als Eigenart und Tendenz der
Mondialisierung noch gesondert zu verstehen haben, - gehören zum Erkennen-
oder Verstehenkönnen all dessen, was verstanden werden kann, dennoch
auch weiter die bewußten wie unbewußten mehr oder weniger deutlich
gemachten Anliegen, - wie dies überschneidend auch die direkten, expliziten
wie indirekten und impliziten Beweggründe und Umstände. Die „Kommunikation"
der Natur durch Farben, Laute, Zeichen, Leuchtsignale zerstreute Duftstoffe
und Bewegungen in Flora und Fauna sind in gleicher Weise deutlich als Spur
einer Handlung nur von der Erkennbarkeit oder der Funktion her des Erkennens
als Reaktion zu verstehen, dessen Grundproblematik von möglichem Mißverständnis
Schwering in der Szenensprache als Trick der Gleichsetzung von Symbol und
Bedeutung andeutet, - wobei ja eine Blume, die mit Duft und Farbe nach
solcher verfänglichen Sprachweise ja ein bestimmtes Insekt „anspricht"
oder „anlockt", von der Vorliebe eines bestimmten Insekts und nicht einmal
von der Existenz eines Insekts etwas weiß, dem es sich in einer bestimmten
Weise und Technik verständlich zu machen gälte. Und dies auch
nicht als Instinkt im berühmten Unterbewußtsein, was an der
Situation ja nichts ändern würde, daß letztlich auch die
Grammatik des Erkannten, wie es Prauss entwickelt, eben nicht eine didaskalisch
objektive Aussage des Erkannten, sondern die subjektive Struktur des Erkennens
wiedergibt.
Mit der Erkennbarkeit als Spur der Menschheit in der Enuntiation des
Individuums tritt dann auch eine ethische Dimension ans Licht, mit der
eben auch das Private und Privateste auch gegen den eigenen Willen ja erkennbar
ist, was im Rahmen und mit der jeweiligen - allerdings unterschiedlichen
- Qualität der allgemeinen Menschenkenntnis zugleich als allgemein
erkennbar auch entsprechend öffentlich und entsprechend wirksam und
gültig dann auch zu verantworten ist, wie jede öffentliche Aussage
oder Handlung; - und soweit dies nicht ethisch verpflichtend empfunden
wird, ist es doch in den absehbaren Folgen zu berücksichtigen.
Man kann sich diese Komplexität einer Enuntiation anders auch derart
verdeutlichen: Wenn die an sich empirisch unbeweisbare Absicht einer Aussage
wie eine unsichtbare Hand einer Handlung ein großes Tuch berührt,
so verändert und gestaltet sich damit durch die entstehenden Falten
und Erhebungen das gesamte Tuch, was man dann analog zur Sprache als die
Gesamtheit der erkennbaren Bedeutung eines Begriffs mit allen seinen Bezügen
und Verknüpfungen bezeichnen würde, in der die Handlung der Hand
erkennbar wird. Die Hand selbst, also die Absicht, bleibt jedoch weiter
unsichtbar und empirisch unbeweisbar. Dieses aus tausend und Millionen
Fäden gewebte Tuch dürfte man ebenfalls nicht als unsere empirische
Welt im Sinne aller Gegenstände oder sog. Sachverhalte verstehen,
sondern als das gemeinsame, bzw. bei allen zunehmend übereinstimmende
Bild der jeweilig subjektiven, individuellen Erkenntnis unserer Welt, in
der durch einen Druck auf eine bestimmte Stelle des Gewebes praktisch immer
die ganze Welt unserer Erkenntnis in den jeweiligen Bezug gesetzt wird,
wobei dieser Bezug oder die entsprechende Verzerrung ungefähr dem
entspräche, was Frege als den Sinn eines Begriffes bezeichnet. Und
solche Komplexität über die Sprache kann als derartige Betonung,
neben oder mit dem Verstehen als Akzentuierung oder Thematisierung oder
Verzerrung das ganze Denken eines Menschen ergreifen und als alles gewissermaßen
überlagernde Modulation der Selbsterkenntnis hervorheben und in gleicher
Art vorstellbar auch den Trend einer Zeit oder Epoche einer Allgemeinheit
bestimmen, - wie wir und Barock und Romantik, aber auch den Nationalsozialismus
vorstellen müssen.
Und in mehrfacher Weise gilt letzteres für den Prozess einer mondialen
Sozialisation. Ob nun ausdrücklich Thema oder nicht, begegnet uns
und thematisiert sich die Weltganzheit heute jedem täglich vielfach
von selbst in jeder Nachrichtensendung, in der Urlaubsplanung, im Internet,
im Gespräch oder bei der Begegnung mit Touristen, Ausländern,
ausländischen Produkten wie Geräte, Verkehrsmittel, Filmen und
Liedern.
Aspekte einer zivilisierten Welt.
Wieweit das Beispiel eines Tuches als eine mehr oder weniger brauchbare
und tragfähige Analogie unserer begrifflichen Lebenswirklichkeit in
der Sprache dann konkret erkenntnistheoretisch aufzuschlüsseln ist,
muß ich berufenen Philosophen, Sprachanalytikern und vielleicht Psychologen
überlassen.
Wir dürfen nicht außer acht lassen, daß wir, - was
ich noch verdeutlichen will, - auch unsere Erkenntnis immer nur mit den
Mitteln eben unserer Erkenntnisweise erkennen, was bereits so schwierig
ist, als wolle eine Pinzette sich selbst greifen oder ein Hammer sich selbst
schmieden. Einer anderen Intelligenzart stünden wir wie Kinder noch
gänzlich hilflos gegenüber und würden vielleicht bei vielleicht
hilfesuchenden Kommunikationsversuchen statt Worte oder Gesten nur wahre
Funkenregen in vielen Farben wahrnehmen und müßten davon ausgehen,
daß jene andere Intelligenzart von solchen Funkenregen, die wir bei
ihm sehen, nichts wüßte und auch nicht davon, daß wir
diese wahrnehmen. Und selbst, wenn wir darin telepathisch das Vorhandensein
von Gedanken und Bewußtsein erkennen könnten, würden wir
deren Inhalt nicht verstehen können.
So verdanken wir die Erfahrung, daß Gott uns beachtet, achtet
und liebt, ausschließlich seiner Zuwendung in unsere menschliche
Art zu erkennen hinein; und diese Erfahrung ist sicher das größte
Erlebnis und die höchste Erkenntnis, die über alle menschlichen
Dimensionen des Erkennens und über die Begrenztheit irdischen Lebens
hinausgeht, die der Mensch im Leben haben kann und beinhaltet den Imperativ,
auch den Mitmenschen über alle möglichen Wertkriterien hinaus
so zu beachten, achten und lieben, - von dessen möglicher Weise negativeren
Qualitäten als unserer eigenen wir uns an Gott gemessen kaum unterscheiden.
Unter solchen Vorbehalten sollte sich euphorischer Optimismus wie panischer
Pessimismus, was beides je nach Sichtweise auf eine mondiale Begrifflichkeit
uns ergreifen kann, in vernünftiger Ausgewogenheit halten können.
Zu diesem letzteren Gebot der Nächstenliebe gehört neben
der Vermeidung von Bosheit denn auch wohl erst recht, daß wir Fehlleistungen
gegeneinander, wozu wohl die meisten Kriege gehören, die wir aufgrund
von Denkfehlern innerhalb der Systematik unserer eigenen Erkenntnisstruktur
begehen, als solche aufdecken und dann auch vermeiden können.
Und etliche Mißverständnisse, reine Denkfehler und regelrechte
Konfusion ergeben sich aus der grundsätzlich neuen Situation eines
mondialen Bewußtseins durch diese weltumspannende Sozialisation und
Internalisation.
Im Hinblick auf die oben mit jenem Tuch verglichene Begrifflichkeit
kann und soll man in solcher Tendenz ebenfalls eine, - wenn auch selbstgemachte
und sehr irdische - apokalyptische Situation unserer Gegenwart recht positiv
sehen: Wenn in unserer ja eng werdenden „Global Village" zunehmend jeder
die Treuherzigkeit und Verläßlichkeit (der Guten) oder Heimtücke,
Betrug und Schwindel (der Bösen) als Absicht und Eigenschaft zunehmend
dem anderen an dessen Spur und Äußerung oder Nasenspitze ansehen
kann, werden sich die guten und bösen Geister trennen und jeweils
zusammentun, wobei Wahrheit (statt Betrug und Heimtücke) nicht nur
in der Wissenschaft, sondern sich auch im sozialen Leben, in der Politik,
in Wirtschaft und Recht -entgegen den selektiven Erfolgsstrukturen
der biologischen Natur in Flora und Fauna, - beim unnatürlichen Menschen
jedoch als effektiver erweisen wird und mit dem besserem sozialen Ansehen
und Erfolg immer letztlich aber am längeren Hebel sitzen wird, während
die Gemeinschaft der Heimtücke sich selbst zur Hölle wird, sich
isoliert und scheitern muß, weil die Bösen am Ende als Betrüger
durchschaut sind, weswegen der Betrug auf die Dauer sowenig funktioniert
wie eine falsche Berechnung. Hinzu kommt, daß der Mensch, der heute
noch ganz kontraproduktiv 2/3 seiner Intelligenz dafür benutzt zu
täuschen, zu lügen und zu betrügen oder derartigen Schmutz
wie Heimtücke, Hinterhalt, Lüge und Betrug zu durchschauen und
abzuwehren, damit nun besseres anfangen und sich das Leben vereinfachen
kann. Derart optimistisch gesehen ist Bosheit und Betrug eben nicht mehr
Klugheit und Überlegenheit, sondern Dummheit und Fehlleistung und
ein Zeichen geringer, fragwürdiger Qualität, mit der man sich
letztendlich nur selbst schadet; und dies gilt auch für den Diktator,
den großen oder kleinen Religionsfunktionär, für große
Industrieunternehmen wie kleine Handwerksfirmen, wie für den normalen
Nachbarn, Arbeitskollegen, Ehepartner und Familienangehörigen.
Dieser Trend, der sich ganz sicher als der Komfort eben auch einer
zivilisierten, mondialen Wertegemeinschaft abzeichnet, und der wohl auch
in vielen prophetischen Aussagen des Alten Testamentes gemeint ist, kann
und soll durch Allgemeinbildung, durch Vermittlung solcher Einsicht und
damit durch eine zunehmend gemeinsame Begrifflichkeit wie auch durch Gewaltenteilung,
eine juristische und polizeiliche Infrastruktur und durch eine demokratische
Mitverantwortung nur immer unterstützt und stabilisiert werden. Und
jeder, der beten kann, gleichgültig welcher Konfession oder Religion
er ist, sollte Gott täglich bitten, daß uns davon wenigstens
Stück für Stückchen gelingt.
Aber nach obiger so optimistischer Vereinfachung geschieht dieser Automatismus
zum Guten und Wahren ja ganz ohne Gott, und man könnte fast dazu sagen,
wie es viele tun, Gott sei Dank, weil die verschiedenen Religionen und
Götter, die verschiedenen Theologien und Konfessionen an diesem Prozess
scheinbar unbeteiligt und unbehelligt bleiben. Da sind erfreuliche Zeitgenossen
in dieser oder jener Religion, gute, offenherzige, weltoffene und ehrliche,
einsichtige und rücksichtsvolle Menschen mit vollem Verständnis
auch für Andersgläubige, von denen man weiß, daß
Gott sie nicht verwerfen wird; und recht schnell zu erkennen sind die unerfreulichen
Zeitgenossen in allen Religionen, die man besser meidet.
Wenn man nun recht verbreitet besonders in der protestantischen Ecke
den Trend beobachten kann, sich mit dem ganzen Christentum an diesen ja
grundsätzlich positiven Prozeß anzuhängen, der ja ohne
Zweifel, wenn auch nicht derart erkannt, auch in diesem "postmodernen Ding"
bei Schwering als ethischer Anspruch wohl ebenfalls hindurchklingt, stellt
sich natürlich die Frage, wie Christentum und Theologie, wie der Islam,
wie der Budhismus und Hinduismus ursprünglich zu diesem Prozeß
stehen und in welcher Weise man sich ein zu vereinbarendes Verhältnis
vorstellen kann.Zu dieser Liste
unbedingt hinzu gehören Philosophie, Theologie, Kirche, Recht, Staat,
Nation, Adel, Kommunismus, Industrie, Gewerkschaft, Geldwirtschaft, Handel,
Kunst, Mode, Schule, Beruf, also alle Bereiche, die sich irgendwie als
Weltanschauung oder Lebensinhalt gesellschaftlich etabliert oder organisiert
und darin ihre jeweils eigene, wenn auch bereits interethnische oder internationale
Sprache haben.
Zur Beantwortung muß man natürlich einerseits untersuchen,
wie die jeweiligen Sprachen von Provinz, Religion Wissenschaft, Szene u.s.w.
und Individuum zu der nun gemeinsamen Begrifflichkeit stehen, die ja alle
Sprachen überlagert, und dazu ist wohl am aufschlußreichsten
zuerst die Frage, wie jeweils die Außenwelt dieser Sprachen aussehen
und wieweit oder wohin die Grenzbereiche dieser Außenwelten gehen
mit den daraus resultierenden Gott- oder Jenseitsvorstellungen, - und andererseits
natürlich, in welchem Verhältnis dort jeweils der Einzelmensch
zum Ganzen gesehen wird.
Bereits diese genaue Untersuchung wäre eine Art Weltgericht oder
Götterdämmerung und läßt einerseits bereits ahnen,
welcher Art Problemen wir in der Zukunft begegnen, da die jeweiligen Beurteilungskriterien
und Gottvorstellungen oder Götter bei der Beurteilung des Ganzen recht
unterschiedlich sind, und läßt andererseits aber auch ahnen,
in welcher Art diese zu bewältigen sind.
Was sind also interethnisch verstanden die Welten und Götter der
Sprachen der Provinz, der Religion, der Kirche, der Theologie, der Philosophie,
Wissenschaft und Technik, der Politik, der Parteien, der Gewerkschaften,
der Banken, der Industrie, des Kommunismus, der Kunst, der Mode, der Schule
- und des Privatmenschen, und was ist ihr jeweiliges Verhältnis zum
einzelnen Menschen, die in Global Village zu einem friedlichen Miteinander
auszukommen verurteilt sind? Ich habe hierbei bewußt die sog. ethnisch-
völkischen Identitäten wie Tiroler, Hutu, Tutzi, Serben, Araber,
Juden, Germanen, u.s.w. ausgeklammert, da sie ein besonderes Grenz- und
Sprachproblem bedeuten, das eigentlich meistens zur Kategorie der Provinz
gehört.
Und mit der nur peinlichen selbstredenden Demonstration statt einer
Analyse genau des Letzteren will ich beginnen - und zwar als Frage - welche
dieser oben aufgezählten Welten mir bei der Antwort wohl helfen könnte,
ohne dabei zugleich das zu beurteilende Weltmaßkriterium bei der
Beurteilung selbst zu benutzen. Hier ist es aus der Position von „Global
Village" leicht, rigoros zu verurteilen:
Ich stelle unser Urteil vor Augen, wenn wir, wie jüngst vielfach
in Zeitungen zu lesen, brutale Serben in Bosnien masakrierend über
Leichen gehend die christliche Kultur verteidigen sehen und bosnische Mohammedaner
in gleicher Weise die islamische Kultur. Und ich lese dann auf einem Denkmal
in Ahlfeld
und ich denke an den „heiligen Krieg 1914-1918" vierzig Jahre später, der in der ganzen Welt Tausende von solchen Denkmälern in aller Welt hinterließ, und stelle mir dann 1940 einige SS-Akademiker vor, die sich mit Vertretern des „Kirchenministeriums" und mit „Deutschen Christen" über die plötzliche religiöse Besinnung einiger Schwärmer um Niemöller in der Notgemeinschaft lustig machen, die sich plötzlich an das uralte Glaubensbekenntnis klammern, - wobei man heute einfach nach dem Schema eines Westerns die Situation als Streit zwischen Gut und Böse zu sehen neigt, was ja auch Schwering nicht anders tut. Ich will diese Konfusion des Umbruchs, welchen Gott nun jeder im einzelnen meinte, ebenfalls nicht analysieren. Vielleicht gehört dieses Thema auch zur Herkunft aus der Provinz.„Die Tapferen Scharen Bewährt in Gefahren Krönt glänzender Sieg Im heiligen Krieg 1870-1871"
Meine persönliche kurze Charakterisierung, in der dieser Schritt
von der 1. Stufe zu 2. Stufe, also zu Soziologie recht vernachlässigt
ist, so unvollständig, wie vielleicht gerecht oder ungerecht vereinfacht,
wie aber auch unmaßgeblich, - worauf es mir hier jetzt auch nicht
ankommt, soll nur den Schritt vorbereiten zur neuen Sicht der Dinge oder
der Begriffe im Sinne von „Global Village" oder der normalen allgemeinen
Menschenkenntnis.
Wenn der christliche Philosoph Immanuel Kant von der höchstmöglichen
Auszeichnung sprach, ein Mensch sein zu dürfen, dann meinte er damit
noch weit mehr, als nur Bürger von „Global Village" zu sein. Um zu
verstehen, was an dieser Aussage mehr, und was im Bewußtsein und
in der ganzen Begrifflichkeit von „Global Village" jedoch weniger und enger
ist, müssen Sie mir, liebe Leserin und lieber Leser, bei meiner kurzen
Beschreibung mit gutem Willen und Verstehenwollen entgegenkommen, wenn
ich hier vorgreifend zur Verdeutlichung etwas überzeichne, ohne aber
herabsetzen oder beleidigen zu wollen.
Als Unterschied in dem großen Erlebnis des eigenen Bewußtseins
und der alles übertreffenden Erfahrung, von Gott mit Namen gekannt
und geliebt zu sein, wäre in der Begrifflichkeit von "Global Village"
die Aussage Kants im Prinzip nichts anderes, als wenn ich sagen würde,
ich bin stolz, ein Franzose, Engländer, Deutscher oder Amerikaner
oder ein Tutsi zu sein, nur daß der Provinzialismus „Mensch" nicht
mehr die Abgrenzung von anderen Menschen bedeutet. Natürlich ist dieses
„nur" eine ganze begrüßenswerte Dimension mehr, als der nationale
Provinzialismus. Dennoch ist die Ernüchterung innerhalb der klein
gewordenen Welt mehr als nur die Ernüchterung innerhalb aller Begrifflichkeit
der jeweiligen Sprachen, Traditionen und Werte, die neben der neuen Bedeutung
bald fast nur noch als Konnotat und eben verunsichert mitklingen, wenn
wir in der ehemaligen DDR z.B. an den Kombinaten noch die Schilder sehen
„Tierproduktion" und darin eine Geringschätzung des Lebens spüren;
oder wenn wir es uns als unmöglich oder befremdlich vorstellen, wenn
zum Abendmahl statt Brot und Wein in der einst transzendenten Bedeutung
für den Menschen, den sachlich sicher gleichwertigen Ersatz Pommesfrites
und Coca Cola vorstellen. In der Provinz bedeutet und bedeutete Speis und
Trank mehr als in der natürlichen, allgemeinen Menschenkenntnis von
„Global Village" die Nahrung, - was als ein Vorgang in der Sprache zu untersuchen
ist.
Und Sie, liebe Leserin und lieber Leser, werden vielleicht hinter all
meinen Ausführungen längst erkannt haben, daß mich dabei
die unhaltbaren Unstimmigkeiten in den biblischen Äußerungen
und Aussagen beunruhigen, wie sie mich ohne Zweifel auch verunsichert haben,
weil in ihnen eben faktisch vieles nicht stimmt, was erzählt und behauptet
und als wahr beteuert wird; und Sie werden ganz richtig aus allem herauslesen,
daß ich mit und neben allen Aussagen zugleich die Wucht solcher Faktizität
schon im Vorfeld abzudämpfen und ihre Wichtigkeit herunterzuspielen
und zu widerlegen versuche. Dies ist ganz richtig gesehen. Ginge es mir
dabei aber nur um die Rechtfertigung meines eigenen Glaubens an Gott und
Jesus und darin um meinen eigenen Glauben auch an die Gültigkeit der
Bibel und des alten Glaubensbekenntnisses, wäre der Aufwand und die
Sorgfalt dieser Ausführungen ganz sicher nicht notwendig gewesen.
Ich denke aber mit Schrecken an die Verunsicherung und Verzweiflung der
vielen und an alle Christen in unserem Land und alle Welt, und gerade und
ganz besonders an jene, die sich glaubend und zitierend nach dem Vorbild
Luthers und im Vertrauen an ihre Lehrer und Pfarrer eng nur an den
Wortlaut der Bibel klammern, gerade eben jene braven Protestanten und Bibelchristen,
Jugendliche aus dem CVJM oder der Young Men's Christian Association (YMCA)
wie auch die Kinder der „Zeugen Jehovas", aber auch die Gläubigen
auf katholischer Seite und nicht anders im Islam, die über kurz oder
lang von selbst oder über irgend jemand sonst auf solche Unstimmigkeiten
stoßen oder gestoßen werden, wobei gerade diese sich um so
mehr genarrt und betrogen und nun allein gelassen fühlen, je fundamentalistischer
sie einst die Bibel zitierten und ihre Wahrheit einforderten, und die sie
nun in peinlicher Verärgerung samt ihrer Wahrheit in die Ecke oder
in den Wind werfen und sich dem Trend und den Parolen des Zeitgeistes überlassen
sehen, der im Statement von Schwering umschrieben wird, in dem dann ja
auch Schwering vor solcher Gedanken- und Ziellosigkeit warnt, oder die
in solcher existenziellen Verunsicherung dann in einem nun ärgeren,
dummen weil vorsätzlichen Fundamentalismus nun nicht mehr glauben,
sondern Partei nehmen.
Wenn ich die Wucht der Faktizität eines Wortlautes abzufangen
suche, wenn ich die Faktizitierbarkeit oder Verdingbarkeit eines Gedankens
oder einer Wahrheit, wie am obigen Beispiel der Himmelfahrt Jesu, als gar
nicht möglich und als didaskalisch-empiristischen Denkfehler nachweise,
bedeutet eben dann dieses ja nicht Aufgabe einer Erkenntnis oder notwendige
Aufgabe des Glaubens, sondern Erweiterung und Emanzipation des Verständnisses.
Aber neben diesem verteidige ich in dem ganzen Brief und in jeder Aussage
ja bereits immer zugleich appraisiv meine subjektive Position als normaler
Gläubiger, der gerade angesichts solcher Verunsicherung wie aber angesichts
jeder Reflexion auf den eigenen Glauben auf sich selbst zurückgeworfen
ist. Ich beanspruche, begründe und verteidige also die Gültigkeit
meiner privaten Ansicht zu diesem Problem. Dies ist eigentlich ganz natürlich
und normal und geschieht mehr oder weniger deutlich in jeder Aussage eines
Menschen. Dieses geschieht hier in diesem Brief ebenfalls nicht explizit
sondern implizit oder als Neben- oder paralleles Hauptthema, ist aber ein
eigentliches, unausgesprochenes Anliegen, und ist in meiner ganzen Argumentationsweise
erkennbar. Während ich in diesem Brief das Problematische der Überlegung,
das Glaubensbekenntnis einfach zu verändern, bis zur gerade noch zu
verantwortender Weise vereinfachen muß, wobei ich unendlich viel
Wichtiges im Glauben nicht einmal zur Sprache bringe, muß ich meine
Bedenken dennoch derart vielseitig zugleich sehen und vorbringen, wie es
Wissenschaft in ihrer unumgänglichen Dihairesis und folgliche Zersplittertheit
und Spezialisierung gar nicht vermöchte. Denn die Gültigkeit
des subjektiven Normalmenschen habe ich als appraisive Forderung und Anspruch
also immer im Hinterkopf, wie man sagt, und diese Appraisivität bestimmt
also in gewisser Weise auch diejenigen Argumente, die dieses Problem gar
nicht berühren.
Und es ist normale Menschenkenntnis, die solches auch erkennt.
Und wir werden erkennen und dies auch strukturell verstehen müssen,
daß in der Form des alten Glaubensbekenntnisses neben vielem anderen
das dort explizit ausgesprochen wird und neben weiterem, das ebenfalls
nicht explizit formuliert dasteht, auch die Gültigkeit des Glaubens
auch des Nichtprofessionellen, also des Normalmenschen derart unthematisiert
aber dennoch erkennbar ausgesprochen und ausgedrückt ist. Damit zeigt
sich zugleich ein weiteres Hauptthema in dieser Diskussion oder Reflexion
auf die Gültigkeit und das Gültigkeitskriterium unserer Normalsprache
wie eben darin auch unserer normalen allgemeinen Menschen- oder Sprachkenntnis,
das wir zu beantworten haben, wie denn diese komplexe Vielfalt von jeweils
verschiedenen zentralen Anliegen und Themen alle zugleich mit Sprache dargestellt
oder erkennbar gemacht werden kann, wie es Wissenschaft und auch Theologie
nicht könnte und auch nicht anstrebt sondern das Gegenteil, und was
damit zugleich zu beantworten ist: wie der private Normalmensch diese Vielfalt
dann auch erkennt. Man bezeichnet zwar die Sprache zurecht als Instrument
und als etwas Reales, dennoch ist sie als Vermögen der Mitteilung
wie zugleich als Vermögen sie zu verstehen, kein empirischer Gegenstand
wie ein Automat außerhalb des Menschen, was wir ebenfalls zu verstehen
haben. Hierbei beantwortet die Frage selbst schon fast die vorherige Frage
nach der Kompetenz eines solchen Vermögens der normalen Menschenkenntnis,
- die eben die einzige ist, die solches vermag.
Und ebenfalls als ein weiteres Neben- oder paralleles Hauptthema ist
mit den anderen verknüpft in diesem Brief nicht anders als auch in
der Bibel und im Glaubensbekenntnis die Frage nach dem wahren Gott und
dem wahren Glauben.
So finden wir in gleicher Weise im Glaubensbekenntnis wie aber auch
in den Schriften der Bibel ein Anliegen, das als das gleiche unserer Zeit
nur schwer zu erkennen ist und wissenschaftlich überhaupt nicht nachzuweisen
wäre. Vordergründig gesehen ist es ein genau entgegengesetztes
Anliegen. Zur Zeit der Abfassung der Heiligen Schrift war der Glaube, ob
überhaupt ein Gott existiert, kein Problem, sondern in allen Formulierungen,
hinter jeder Aussage und Argumentatiom steht das Bemühen zu betonen,
zu unterstreichen und glaubwürdig zu machen, welcher der richtige
und einzige Gott ist, und daß und warum Jesus der Weg zu diesem richtigen
Gott ist, während im heutigen Kontext immer das Bemühen und die
Bestätigung im Hintergrund aller Argumente steht, daß es überhaupt
einen Gott gibt, wobei wir heute dann dennoch über verschiedenen Götter,
Himmelreiche und Evangelien sprechen und zwar in einer universalen, in
einer physikalischen und einer mondialen oder globalen Begrifflichkeit
oder Bedeutung. Dies ergibt natürlich ganz unterschiedliche Argumentationsweisen.
Aber wann ist der eine christliche Gott - etwa der Gott der Mormonen oder
der Gnostiker ein anderer als der katholische christliche Gott oder der
protestantische, oder der mohammedanische, und wann ist Krishna der gleiche
Gott wie der christliche und wann ist er ein anderer und welcher ist dann
der Richtige. Und wann sind es nur unterschiedliche Vorstellungen des richtigen
Gottes und wann sind es unterschiedliche Vorstellungen eines falschen,
nicht existierenden Gottes? Wie kommt man zu falschen Göttern oder
Vorstellungen? Wann machen wir uns mit Bildern, Vorstellungen, Beweisen
einen Abgott und beten ihn an? Und schließlich werden wir heute unvermeidlich
konfrontiert mit den drei Göttern unserer drei Kausalitätsstufen,
1. Dem Urbeweger, 2. dem antropomorphisierten und 3. dem allgegenwärtigen
Gott im Himmel.
Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, daß die heutige Problematik
derjenigen vor 2000 Jahren ganz ähnlich oder gleich war. Und gerade
hierbei kann uns nur normale Menschenkenntnis helfen, uns dabei einen Bildungsstand
mit der entsprechenden Argumentationsproblematik der damaligen Zeit zu
vergegenwärtigen.
Ohne zu antworten bedenken wir natürlich zuerst das 2. Gebot und
erkennen, daß wir es heute wie damals mit Begrifflichkeit zu tun
haben, wie wir beides vor 2000 Jahren gar nicht sehen und verstehen konnten,
heute aber bedenken können und müssen.
Und auch hier hat die normale Menschenkenntnis schließlich zu
beurteilen, ob eine Argumentation irgend einer Religion, Konfession oder
privater Ansicht jeweils in einer konkreten Situation Suche nach dem wahren
Gott oder Rechtfertigung einer Theorie oder einer eigenen Ansicht oder
ob sie Versuchung, Verführung, Verunsicherung, spekulative Metaphysik,
leere Philosophie, reine Konversation oder Geschwätz und Beschimpfung
ist, - was ja nicht anders möglich ist, als mit dem Anspruch der eigenen
Gültigkeit, wenn ich mich nicht von jeder Argumentation einfangen
lassen wollte, - wobei aber selbst über jeder Wahrheit und Gerechtigkeit
ein Verstehen und Verständnis des Menschen unserer Gegenwart wie irgendeiner
Vergangenheit trotz notwendiger Beurteilung eine Verurteilung und Verdammung
und selbst die immer problematische dogmatische Trennung der aufgezeigten
Kriterien und deren Aburteilung verbietet, wenn man nicht selbst sofort
in solche problematische Position geraten will, was dann auch eben nicht
Kommunikation sondern verfremdende Partikularisierung, eben ein Verlassen
oder Alleinlassen des anderen wäre.
Dazu darf man nun nicht die ganz neue und zusätzliche Dimension
unserer Zeit übersehen, die sich, wie bereits gesagt, aus der mondialen
Kommunikationsvernetzung und der damit stattfindenden neuen Sozialisation-
und Begriffsbildung ergibt. Und trotz aller Versuche einer reinen wissenschaftlichen
Begriffsprache durch Frege, findet diese Kommunikations-vernetzung jedoch
und gottlob weiter in der Normalsprache statt, womit das normalsprachige
Denken nicht nur in der Techno-, Rock- und Popszene, nicht nur in Funk
und Fernsehen sondern auch in der theologischen - und nicht nur der populistisch-theologischen
Theoriebil-dung an Macht gewinnt - was keineswegs unbedingt auch Gewinn
an Qualität sein muß, aber doch Realität ist. Für
die Theologen wird mein Vokabular und meine Argumentation deswe-gen zum
Teil gänzlich fremdartig und vielleicht abwegig erscheinen. Natürlich
hat der wohl allgemein heute akzeptierte Theologe Prof. D.H. Braun aus
Mainz in seiner ausgezeichneten Arbeit über das Christentum (Fußnote
14) weiterhin recht, wenn er unter den beiden möglichen
Gesichts-punkten unterscheidet, daß 1. der Glaube und damit Christentum
überhaupt in dem privat gelebten wie erlebten Glauben an Gott und
Jesus besteht, während 2. Christentum auch als geschichtliche Folge
vom geschichtlichen Jesus her und von den Anfängen des Kerygmas her
gesehen werden kann und muß, das sich im Wortlaut des Neuen Testamentes
und ja auch unseres Glaubensbekenntnisses überliefert hat. Recht hat
Braun zwar ebenfalls, wenn er das Lesen des Neuen Testamentes für
einen Christen derart versteht, daß dabei die außerbiblische
Begrifflichkeit unserer normalen Sprache außer Acht gelassen wird,
wie ich es am Beispiel der Himmelfahrtsfrage eines 10jährigen Mädchens
ja auch demonstriert habe, aber ganz so beziehungslos zum normalen Leben
oder zum Normalsprachigen wäre der Glaube in der Tat eine Art Schizophrenie
und erst dann ohne die Möglichkeit einer Verunsicherung. Ebenfalls
richtig und ausgezeichnet ist seine Aussage, daß die christliche
Botschaft eben nicht nur eine reine Kreation des Kerygmas als Lehre über
und nicht von Jesus selbst sei, sondern daß der Beginn des Kerymas
selbst ja dadurch entsteht und auch verständlich und glaubwürdig
wird, daß die nachösterliche Predigt zu einem neuen und zwar
eigenen Verständnis der Lehren Jesu führt, die man aber vorher
von Jesus selbst gehört hatte. Dies ist bei den Jüngern und Aposteln
selbst nicht anders als vielleicht bei vielen aus dem Volk und führte
in der Gemein-schaft zu einer neuen Begriffsbildung, die wir im alten Glaubensbekenntnis
wiederfinden.(Fußnote15)
. Aber dieses ist eben mehr als nur ein sprachliches Phänomen der
Mitteilung, sondern bedeu-tet, wie oben ausgeführt, nun eigene Gültigkeit
des eigenen Erkennens.
Rein formal wissenschaftlich und geschichtlich gesehen ist es vielleicht
tatsächlich derart, daß sich zufällig eine der vielen jüdischen
Sekten stabilisiert und durch günstige Umstände derart ausbreitet,
daß sich Leute mit einer gleichen Begrifflichkeit und damit mit gleichen
Vorstellungen, Erwartungen, Zielen und ethischen Grundsätzen zusammentun
und immer mehr Mitglieder gewinnen. Was vielleicht im alltäglichen
Kirchenbetrieb und unter den Vorstellungen, Erwartungen, Zielen und ethischen
Grundsätzen dann oft auch verdeckt wird, ist aber doch auch weiterhin
das eigentliche Ereignis, was Braun unter den 1. Gesichtspunkt äußert,
daß der Himmel für jeden offen ist mit dem Erlebnis der eigenen
Gültigkeit vor Gott als neue Existenz, die über die irdische
hinausgeht, als neuer Mensch - eben nicht nur als jemand, der sich nun
ordentlich benimmt.
Dennoch bleibt die Kirche im Dorf. Wenn auch unter dem mystischen Erlebnis
der Einzelne das Außerordentliche nun auch in einer sozialen Sonderrolle
bestätigt haben möchte, - es ist etwas anderes als nur Jubel,
sondern besonders für andere auch ein normales, zwischenmenschliches
Problem, durch das es einmal notwendig wird, dieses zu regeln, wodurch
sich zum anderen eine neue Gemeinschaftsform, eine neue moderne Sozialstruktur
entwickelt, in der jeder gültig und außerordentlich ist, und
zwar nicht bedingt durch Herkunft, Stand, Besitz, Bildung, Intelligenz
und Ansehen, was dann in der sozialen Einordnung und Unterordnung nicht
die Ungültigkeit der eigenen Erkenntnis bedeutet. Dies kann nicht
durch Satzung und Proklamation geschehen. Worauf ich hinaus will, ist eben
weniger eine genaue Beschreibung der Entwicklung, sondern die Betonung
der Rolle der normalen Menschenkenntnis. Es ist verständlich und logisch
daß heute wie im Kerygma das Formelle, das Theologische, Christologische,
Theoretische um so mehr thematisiert und damit in problematischer Weise
in den Vordergrund gerückt ist, weil es geklärt werden muß
aber dabei das wesentliche verdeckt, je mehr es um Ämter, um Anerkennung,
um Ehrgeiz, Streit, Rhetorik, Anfeindung von Außen, um Charisma und
Autorität, - aber gerade deswegen auch um normalmenschliche Klärung
und Ordnung geht. Bei Paulus mehrfach als Selbstverständlichkeit eingefordert,
wird dieses in der Fußwaschung des Johannesevangeliums bereits durch
die Plazierung an dieser zentralen Stelle als altes Problem deutlich und
entsprechend thematisiert aber kaum in dieser Grundsätzlichkeit deutlich
und verständlich. Überspitzt ausgedrückt würde ich
sagen, daß dem Laien die jeweiligen Formen und Sprachregelungen,
die Themna und Resultat solcher Streitereien sind, relativ gleichgültig
lassen. Die Laut- und Problemlosigkeit, in der mit der konfessionellen
Aufteilung Deutschlands die Gebiete mal protestantisch, dann wieder katholisch
und dann wieder protestantisch werden konnten, zeigte doch, wenn auch bis
heute von der professionellen Theologie kaum reflektiert und aufgearbeitet,
daß gerade all das, was man dann diese oder die gegenteilig akzentuierte
Faktizität nennen könnte, wenn auch nicht ohne aber doch von
eigentlich untergeordneter Bedeutung ist.
Diese Einordnung wird natürlich insbesondere für einen protestantischen
Theologen zuerst wie eine ungeheure Ignoranz und Verkennung der Reformation
und der Leistung Luthers erscheinen, bedeutete die Reformation doch die
Überwindung des finsteren Mittelalters in Sprache, Bildungswesen und
Kultur Europas und führte doch letztlich zur Reformierung auch der
katholischen Gegenseite. Trotzdem ist für die Allgemeinheit bzw. für
den einzelnen der Allgemeinheit sein persönliches Verhältnis
zu Gott und sein Verhältnis zur Allgemeinheit vorrangig und zwar nicht
als Dummheit und Ignoranz, wie dieses dem Professionellen erscheinen wird,
sondern vereinfacht ausgedrückt, in der weit grundsätzlicheren
Vorbedingung, daß man erst einmal überhaupt etwas denken und
glauben können muß, ehe man über die unterschiedlichen
Thesen des Wie und Was des Denkens und Glaubens urteilen oder entscheiden
kann.
Und dazu gehört dann auch der Wortlaut des Glaubensbekenntnisses?
Der Laie, der Privatmensch oder das Subjekt ist der eigentlich Heilige,
der im Alltag seines Glaubens über diesen außersubjektiven „grauen
Theorien" steht, wie es Goethe umschreibt.
In seiner privaten Frömmigkeit braucht und besucht er die - oder
eben eine - Gemeinschaft (der Heiligen) aus einem starken ganz normalmenschlichen
Bedürfnis heraus, das es zu verstehen gilt, für das er sehr viel
an Konzessionen zu zahlen bereit ist, was es ebenfalls zu verstehen gilt.
Und liegt es nicht auf der Hand, daß gerade die regional bestimmte
Stabilität und Gültigkeit der orthodoxen Ostkirchen wie der weniger
formal bestimmten Westkirchen auf die Zweitrangigkeit und Zufälligkeit
des theoretisch Formalen für den Glauben hindeutet, wobei man aber
eben diese Zufälligkeit, wie schon gesagt, unterscheiden muß
von spekulativer Beliebigkeit, wobei dieses Bedürfnis zur Gemeinsamkeit
wie auch die scheinbare Gleichgültigkeit bezüglich bestimmter
Formen und Details aber trotzdem oder gerade deswegen einerseits entsprechend
mißbraucht und ausgenutzt werden kann und ausgenutzt und mißbraucht
wurde und wird, womit andererseits durch ständige Präzision,
Theorie, Regelung und Organisation - eben von Seiten der Theologie - möglichst
viel an Mißbrauch abgewehrt werden mußte. Wenn dieses recht
verstanden wäre, ergäbe das auch eine zusätzliche Chance
für vernünftige interkonfessionelle Gespräche, auch zwischen
verschiedenen Religionen aber auch ohne dies ein neues ökumenisches
Verhältnis.
Wie wenig man in ihm Fakten vorfindet, soll die folgende Überlegung zeigen.
Wir wollen ja aus gutem Grunde, und nun im anderen Sinne, die Kirche
im Dorf lassen.
Dies aber geht nun mal nicht, wenn man Jesus, wenn man das Evangelium
und die Geschichte, Tradition und Theologie mit allen Erkenntnissen aufgibt.
Die moderne Elementarteichenphysik bietet sich zur Denkhilfe gut als
Analogie an, die Praussche Philosophie in der Weise auszumalen und weiter
zu denken, nämlich zuerst als das, was wir von unserem gewohnten Weltbild
noch weiter aufgeben oder abstreichen müssen. (Fußnote
17) Spätestens seit Kant wissen wir, daß
die Farben nicht an den Gegenständen außerhalb von uns existieren,
sondern in gewisser Weise erst von uns selbst in unserer Anschauung den
Gegenständen angehängt werden. Photonen oder Lichtwellen, die
vom Gegenstand reflektiert in unser Auge gelangen sind ganz sicher farblos.
Daß heißt
7ô, daß wir von unseren Wahrnehmungen, das heißt aus der ganzen Welt die Farben wegdenken müssen. Dazu gehören allerdings auch alle Grauschattierungen und jedes Hell und Dunkel, wie jedes Licht überhaupt.Das heißt
7ô: Die Sonne und ein Tag ist nicht hell.Das heißt:
7ôWas für die Farben gilt, gilt nicht anders für Laut und Leise, für Warm und Kalt, für Weich und Fest, für alle Gerüche.
7ô Dort draußen ist keine leuchtende Sonne,Dieses gilt nun nicht nur für alles, was wir draußen um uns herum zu erkennen meinen, also für unsere Außenwelt, sondern auch für unsere eigenen Körper und Gefühle. Behelfsmäßig bei diesem ersten Schritt wollen wir uns vorstellen, daß in einem praktisch leeren Raum und Vakuum nichts als winzige Elementarteilchen herumschwirren, die von Frank und seinen Gedanken nichts wissen können und sich dann auch nicht danach richten, ob Frank ein Fenster öffnen will, sondern sich ausschließlich nach den physikalischen Regeln gewisser Urkräfte wie Gravitation und Elektromagnetismus bewegen. Man könnte vielleicht ja einwenden, daß ich mit der Handbewegung bei einer Handlung die Atome des Fensters ja milliardenweise verschiebe, so daß dann doch eine Fensteröffnung stattfindet. Dieses wäre richtig, wenn meine Hand eben nicht ebenso nur aus solchen Elementarteilchen bestünde, die in gleicher Weise ja nichts von meinem bzw. Franks Entschluß zu einer Handbewegung wissen können, durch die die Milliarden Atome des Fensters dann ihrerseits bewegt würden.
7ô keine funkelnden Sterne,
7ô kein blauer Himmel,
7ô keine grüne Wiese in der Pracht herrlicher Blumen geschmückt.
7ô kein weißer Schnee,
7ô kein wärmender Ofen,
7ô keine Musik,
7ô keine vertraute Stimme.
7ô Also keine Haut,7ô keine Oberfläche,
7ô kein schönes Gesicht,
7ô aber es gibt auch keine roten Muskeln, keine Sehnen, kein Blut und keine Knochen,
7ô keine Bewegung durch eine Handlung.
Nun könnte man bei dem Aufgezählten noch einwenden, daß
statt dessen aber irgendwas, eben diese Elementarteilchen in größerer
und geringerer Dichte und Geschwindigkeit und Bewegung dennoch aber wirklich
hinter solcher Wahrnehmung oder Anschauung stünde, so daß es
eben doch unser Leben gibt zwischen Gestern und Morgen, daß es Groß
und Klein, Leicht und Schwer, Mikrokosmos und Makrokosmos, daß es
also eben doch dahinter die realen Objekte Himmel und Erde gäbe, -
nur eben aus solchen Teilchen zusammengesetzt.
Aber wir müssen noch einen weiteren Schritt tun, um auch diese
Illusion noch abzuschütteln.
Denn so sicher, wie man erst recht Zeit und Raum nirgendwo sehen und
wahrnehmen kann, sind diese beiden Apriori auch erst recht und vor allem
anderen eine Konstruktion nur für unsere Anschauung und wir haben
damit nicht eine Wirklichkeit außerhalb von uns oder in uns.
Und das heißt dann weiter,
7ô daß wie auch Raum und Zeit von all unseren Anschauungen abziehen müssen,
7ô also kein Gestern, Heute und Morgen,
7ô keine Lebenszeit,
7ô keine Zukunft,
7ô keine Weite, Nähe, Größe und Winzigkeit,
7ô kein Herumschwirren oder Kreisen von Planeten, Sonnensystem oder Galaxien,
7ô wie auch nicht von Elementarteilchen, wozu ja Raum und Zeit die Vorbedingung wären,
7ô kein Vakuum,
7ô keine Anziehung, keine Gravitation und kein Elektromagnetismus,
7ô keine Wellen jedweder Art,
7ô keine Lichtwellen und keine Photonen, die in unser Auge gelangen könnten.
7ô Ohne Ausdehnung schmilzt damit die Welt mit allen Universen mit aller Freude und allem Leid zu einem Punkt oder Gedanken zusammen.
Wer Gott mit einem dieser Attribute oder mit dem ganzen phänomenologischen
Spektrum gleichsetzt, das wir hier gestrichen haben, hatte einen Abgott,
ein Abbild unserer Anschauung und muß ihn ebenfalls streichen.
Ein heutiger Wissenschaftler würde dem leidgeprüften Hiob
in seinem Unwillen gegen Gott vielleicht diese Aufzählung von notwendigen
Negationen vorgehalten haben und Hiob würde in seinem Hader noch ärger
Gott vorgeworfen haben, uns auf einem Jahrmarkt irrezuführen, wo man
Kindern Attrappen aus Holz, Plastik und Gips für wirkliche Pferde,
Autos, Flugzeuge und Feen vorgaukelt, womit wir unser Leben in einem billigen
Spiel verbringen, das Gott mit uns treibt.
Als der bereits erwähnte Rudolf Augstein, der zweimal vor unberechtigt
selbsternannten Machthabern über das Recht den Kniefall verweigerte
und deswegen von westdeutschen Seilschaften einst zu Unrecht ins Gefängnis
geworfen war, kam er dazu, die Bibel zu lesen, - was ja wohl zur Allgemeinbildung
gehört. Dort las Augstein das Vaterunser und rümpfte dann öffentlich
die Nase über den armen Jesus als ein Mensch der 3. Welt mit geringem
Wortschatz, weil er seinen Gott ums tägliche Brot bat, - während
die Deutschen damals bereits eher darauf achten mußten, nicht an
Überfluß zu verenden. Falls nun Augstein an Gott geglaubt hätte
und auch für andere als die eigenen Fragen oder Antworten darauf offen
gewesen wäre, hätte Gott den Empiristen vielleicht gefragt, wie
er ohne das Geschenk des Hungers und Appetits und der Farben unter den
Elementarteilchen in einem lichtlosen Raum, - denn an den glaubt ja der
Empirist, - nun die richtigen Milliarden Mesonen, Nukleonen, Hyperonen,
Baryonen, Ionen und Atomen herausfinden und in genau richtiger Weise an
sich, d.h. an jeweils ganz bestimmte andere Atome binden würde, aus
denen der Mensch besteht und die der Mensch mit jedem Bissen Brot zu sich
nimmt, um bei Bewußtsein und Gesundheit zu bleiben, von denen es
in jedem Bissen zudem jeweils ja so viele Sorten gibt, daß alle Komputer
unserer Zeit nicht die Bahnen in jenem Vakuum einzelnen berechnen könnten,
womit das Problem, sie richtig in einem Verhältnis zu anderen Milliarden
Elementarteilchen zu dirigieren, damit durch einen ganz bestimmten niemals
gleichen Wechsel der Bewegung, - denn nur aktiv leben wir, so etwas wie
eine stabile menschliche Erkenntnis und ein stabiles Bewußtsein entsteht,
ja wohl unlösbar sein würde, da sich in jenem Raum ja alles nur
nach den Gesetzen der Urkräften bewegt, wobei Erkenntnis und Bewußtsein
selbst ja ganz sicher keine Gegenstände sind, die man durch irgend
eine Kraft irgenworan anbinden könnte. Und Gott würde vielleicht
den evolutionsgläubigen Augstein gefragt haben, wie denn aus zufälligen
Konstellationen + Entwicklung aus farblosen Atomen so etwas wie eine Farbe
Grün entstehen könne, und wo dann diese Farbe wäre, da sie
doch nicht an jenem Gegenstand der Außenwelt und auch nicht an den
Photonen und auch nirgends im lichtlosen geschlossenen Gehirn sein könnte,
wie die Farbpalette auch nicht in einem sezierten geöffnenen Gehirn
auffindbar sei; und als was denn nun „Grün" in jenem Vakuum herumflöge,
wo es nichts gibt, das grün und farbig sein könnte. Und Gott
würde vielleicht fragen, wie es Augstein denn bewirken wolle, daß
sich Elektronen und Atome nun nach seinem Willen und nicht oder zugleich
nach den Gesetzen der Urkräfte bewegen, ob er vielen Myriaden der
Urbausteine Befehle geben oder sie bitten wolle, damit so etwas wie eine
Armbewegung zustande käme und doch das Universum nicht in ein Augsteinsches
Durcheinander geriete. Und Gott würde Augstein gefragt haben, da ja
für Gott und für eine Handlung Gott in diesem Universum kein
Platz sei, wo Augstein denn den Menschen finden wolle.
Und Gott würde vielleicht fragen, wo in oder neben den empirischen
Elementarteilchen und Urkräften denn nun Liebe und Haß, Zuneigung
und Abneigung, Hunger und Sättigung, Lüge und Wahrheit herumflögen.
Hiob an Augsteins Stelle, für den die Existenz Gottes überhaupt
keine Frage war, hätte seine Hand auf den Mund gelegt und nur geantwortet,
daß ihm dieses zu hoch und zu schwierig sei, - als Antwort und reflektierende
Haltung ja wohl die Voraussetzung, um nicht unversehens auf den Knien vor
einem Irrtum und Abgott zu liegen, wie es Prauss richtig schildert, wo
immer eine Erkenntnis mit dem Erkannten gleichgesetzt wird, was Schwering
zurecht, - wenn wohl auch nicht ganz in diesem Sinne gemeint, - als Gleichsetzung
von Symbol und Bedeutung beschreibt. Zu solcher unhaltbaren Lösung
dieser Problematik gehört sicher auch die Vorstellung Heideggers,
da wir ja theoretisch zwar nicht, aber in Wirklichkeit wohl doch leben,
daß vor aller falschen oder richtigen Erkenntnis und Wissenschaft
ein „vorprädikatives Sehen", Erkennen als Umsorgen, Verhalten oder
Handeln „des" im oder zum „Zuhandenen" bestehe. Fußnote
18
Ehe wir nun die Trümmerstücke unserer „Wirklichkeit" wieder
zusammenbauen, lohnt sich ein Blick auf unser altes Glaubensbekenntnis,
in dem ja in jedem Satz das empirische Gefängnis durchbrochen und
darüber hinaus gewiesen wird. Und dieses eben nicht einfach systematisch
ganz beliebig und spekulativ, wohin auch immer der Durchbruch in eine Transzendenz
offengelegt wird oder hinführt, wie es zu allen Zeiten Okultismus
und Zauberei und in unserer Zeit spekulativ die Flut von esoterischen Ismen
als Widerspruch zu jeder Vernunft zu irgendwelchen Machenschaften trieben,
sondern gebunden, gerichtet, orientiert an der einst empirisch erlebten
und bis heute transzendent erkannten und erlebbaren lebenden Person Jesus
als Gott.
Und in allem würde in und mit unserem Glauben gerade das Irrationale
nicht gestrichen, womit das empirisch Rationale vor der irrigen, falschen
Position des Einziggültigen geschützt ist, und womit gerade durch
dieses Irrationale, Unbeweisbare, Unglaubwürdige die Verunsicherung
nicht nur abgemildert, sondern worin gerade der Auferstandene - und nicht
nur die historische Person - zum Eckstein, zum Felsen und Angelpunkt wird
und damit auch erst eine irreversible und auch menschenfreundliche Entwicklung
von Wissenschaft ermöglicht ist, deren eigentliche, leicht übersehbare
Qualität ja gerade - ganz entgegen der Aristotelischen Annahme - eben
darin liegt, statt sich als Lehre zu dogmatisieren, daß sie sich
selbst und jeden Augenschein grundsätzlich von jedem infrage stellen
läßt.
Denn erst ihre Dogmatisierung und Axiomatisierung würde wie oben
dargestellt bedeuten, den Menschen auf jene 1. didaskalische Stufe einzusperren,
womit sich der Dogmatisierende dann selbst negiert, da auf ihr kein Leben,
kein Mensch und keine menschliche Handlung und dann auch kein Gott existieren
würde.
Aber auch trotz solcher selbst vorgegeben oder mehr oder weniger bewußt
unüberschreitbaren Gültigkeitsgrenze der Wissenschaften, indem
sie so etwas wie Freiheit und den persönlichen Glauben eines jeden
an Gott zumindest toleriert, indem sie sich bewußt bleibt, die menschliche
Deteminiertheit wie die Nichtexistenz Gottes nicht beweisen zu können,
und selbst von der indirekten Übermacht durch Dignität, gesellschaftliche
Stellung, Bildung, Denkvermögen und rhetorische Überlegenheit
abgesehen, was, wie schon gesagt, ein eigenes wichtiges Kapitel für
sich ergäbe, droht Verunsicherung, Entmündigung und Ungültigkeitserklärung
des Individuums durch Wissenschaft und Professionalität noch von anderer
Seite, und zwar als eine an uns herangetragene ständige Versuchung
zum Fehlverhalten; und auch dieses keineswegs nur innerkirchlich sondern
allgemein, und zwar als Fehlverhalten nicht einmal durch den bösen
Versucher und Verführer gewollt, sondern durch den Versuchten und
Verführten selbst, dem unser allgemeines Glaubensbekenntnis und das
Evangelium durch Jesus wie eine Mauer entgegensteht, weswegen diese Versuchung
in diesem Fall auch weniger den Christen trifft, ihn, wenn auch gemildert
aber dennoch verunsichert:
Bei der zunehmenden Professionalisierung und der Topoi einer weltweiten
Begriffsbildung menschlicher Umwelt, kann es, wie schon gesagt, zu einer
Verformung solcher gesunden Menschenkenntnis kommen, wenn z.B. ein Arzt
und Anatomist mich und meinen Körper besser kennt, als ich selbst,
obwohl er mich nie gesehen hat, wenn ein Psychologe meine Gefühle
und Reaktionen besser kennt, als ich selbst, wie auch der Soziologe meine
Absichten und der Politologe meine Bedürfnise, wie dann auch auch
der Theologe meinen Glauben, so daß ich mich selbst mit meiner Meinung
nicht nur ganz unwichtig, sondern auch betreff meiner Existenz inkompetent
und entsprechend ohne Wert und Verantwortung fühlen kann, was aber
auch für jenen Theologen, Arzt, Psychologen, Soziologen und Politiker
als Privatpersonen gilt, so daß dann doch solche Borniertheit zum
Tragen kommt, als spiele die individuelle Absicht und Ansicht eines Individuums
keine Rolle, oder nur die des Störenfriedes und Spielverderbers, wie
es Schwering ausdrückt, der genau auf diese Problematik auch hinweist.
Die Schlußfolgerung allerdings, oder die der von ihm angeführten
postmodernen Theorie, daß solche private Inkompetenz auch des Professionellen
zu einem deterministischen Spinozismus führe, ist als Beschreibung
oder Bezeichnung eines verbreiteten Denkfehlers innerhalb der Szene natürlich
zu diskutieren, bezeichnet aber einen Denkfehler bezüglich oder eine
Fehlbeurteilung des konkreten Wissenschaftsbetriebs, der ja nicht wissenschaftlich
abläuft, wie auch des Ämterwesens, des Staatsbetriebes und natürlich
auch des Kirchenbetriebs, was eben nach Einsicht ganz normaler Menschenkenntnisschon
deswegen nicht ganz stimmt, weil alle professionellen Ämter ja von
Menschen besetzt sind, die neben ihrer Fachausübung ganz normalmenschlich
ihren Job anstreben, erkämpfen, verteidigen, mit ihm eine gesellschaftliche
Stellung und Rolle verbinden und ihn schließlich weitergeben, und
deren professionelle Handlungen schon dadurch von subjektiven außerberuflichen
Motiven und von recht viel Beliebigkeit der jeweils freien Entscheidung
des Amtsinhabers überlagert sind, was man durchaus ja als die unvermeidliche
negative Seite jeder Institution oder Organisation sehen kann, wobei andererseits
ohne diese unorganisierbare, außerberufliche entsprechende Erfahrung
und Menschenkenntnis kein Beamter seine Aufgabe überhaupt verstehen
oder ein Anliegen eines Klienten beurteilen könnte, dessen Situation,
Intention und Strategie ja immer ebenfalls in genau ebensolcher Subjektivität
auftritt. Und es ist einsichtig, daß Staat oder Organisation ohne
einen außerprofessionellen ethischen Überbau und nur durch perfekte
Sachlichkeit und vielleicht noch durch preußischen Drill zu verwirklichen
weltfremd wäre - es sei denn Staat und Bürger bestünden
aus kompatiblen Robotern, wobei dann der Staat und jede Organisation auch
überflüssig wären.
Auf- und Niedergang der Hochkulturen.
Man kann sagen, daß auch die alten Hochkulturen nur über
die Existenz eines ethischen Überbaus her entstehen und bestehen konnten
und im Zuge der Entwicklung ihrer jeweiligen Wissenschaft und Erkenntnis
von dem Augenblick an zum Untergang verurteilt waren, in dem die Wahrheit
bzw. Unwahrheit als Unhaltbarkeit der ethischen Basis durchschaut wurde,
daß etwa Re alsein toter lebensfeindlicher Himmelskörper oder
Bal als ein leicht zu betrügendes Phantasieprodukt entlarft wurden
- man mochte diese Wissenschaft und deren entlarfenden Erkenntnisse auch
noch so lange in einem esoterischen Zirkel geheimhalten und die Moral durch
künstlichen Aberglauben, durch Gewalt, Terror und Angst untermauert
haben, so mußte gerade durch den Terror und die Unbegründetheit
der ethischen Normen, die normale Menschenkenntnis zu Korruption und Despotismus
führen, dessen Gipfel an Korruption oder Verlegenheit dann die Beanspruchung
des Göttlichen durch den Herrscher sein konnte. Und vermutlich gibt
es und hat es zu allen Zeiten der Geschichte und auch der Kirchengeschichte
und auch innerhalb der Kirchen Leute gegeben, deren Apologetik durch das
Vorzeichen einer solchen Vernunft und Einsicht bestimmt wurde, - vereinfacht
etwa derart: „Das Geld, das wir in die Kirchen investieren, ersparen wir
uns an Konflikten, Problemen, Polizei und Gefängnissen.", und sicher
ist solcher Art Funktionalisierung Gottes und des Glaubens oft nebeneinander
als Unglaube oder schwacher Glaube oder Verunsicherung mit einem echten
Glauben vermischt. Und wenn auch in solcher Rechnung die Wertung Gottes
dabei auf der einen Seite gegen Null tendiert, heißt dies nicht,
daß seine Existenz davon berührt oder gemindert würde.
Dieses vordergründige Verständnis der ethischen Seite des
Glaubens mag sogar bei der Verfassung unseres gewohnten Glaubensbekenntnisses
erkennbar sein oder überhaupt sogar in dem Bedürfnis zu einem
solchen. Es wäre in der Tat, wo es dabei von der Nennung einer Handlung
Gottes (als Akt der Liebe, Gnade, Erlösung, Hilfe) zu einem Gesetz
würde (im Sinne von Römer 6) aber eigentlich Rückfall in
einen Materialismus oder in den didaskalischen Empirismus, in dem Gott
auf der 2. Stufe oder auch der Mensch auf der 1. Stufe ausgeklammert wird
und bei dem er in dem empirischen „Wie" eines Ereignisses diese künstliche
Wahrheit anbetet, wie es Prauss in seiner Polemik (Fußnote
19) genau treffend illustriert.
Dennoch oder gerade hierin hat Schwering bzw. die von ihm angeführte
postmoderne Diskussion recht, wenn er in der linken oder auch ultralinken
Szene der Gegenwart einen Spinozäischen Glauben beobachtet derart,
daß alles, also der Lauf der Welt wie das eigene Schicksal, schon
irgendwie gehe (irgendwie verstanden als Netz rein ursächlicher Verknüpfungen)
und von irgendwo anonym besorgt sei, von selbst laufe, und zwar in „Correlation"
mit dem didaskalisch „autarkem Mechanismus der Welt" oder des Himmels wie
auch auf Erden einer von selbst ebenso funktionierenden Konsumgesellschaft.
Was Schwering nicht eigens untersucht oder erkennt ist das mehr neckisch,
frech, spontan, „eigen" selbstgemachte des „eigenen Universums, das man
„gegen zersetzenden Arbitrarität (bzw. Moral) dieser alten Weltordnung
immun glaubt", das sich als neues Universum, als Alternative zu dem Bestehenden
zwar proklamiert, und man sich selbst wie denn auch die möglichen
Folgen dabei aber wohl nicht richtig ernst nimmt. Der Denkfehler darin,
als der fehlende Gedanke, dem wohl auch die großen Linken wie Marx,
Engels unterlagen,( der versteckt nicht anders aber auch in den Kirchen,
Parteien, Vereinen und Institutionen zu finden ist,) liegt in dieser platonistischen
Annahme, als sei Zivilisiertheit und Anständigkeit etwas derart Selbstverständliches,
daß man sich auch dann noch darauf verlassen kann, wenn man es bekämpft,
ablehnt, ignoriert oder abschafft, wie sich ein Dieb darauf verläßt,
daß man ihm seine Sachen nicht einfach klaut oder klauen darf.
Die professionelle und institutionalisierte Tätigkeit des Politikers,
des Arztes, des Psychologen u.s.w. funktioniert allerdings rein theoretisch
auch ohne altruistische Motivation oder persönliches Verantwortungsgefühl,
so wie in dem Beispiel der rein deduktive und mechanische Vorgang des Öffnen
eines Fensters ganz ohne Franks Absicht funktioniert, wobei es aufgrund
gesunder Menschenkenntnis aber borniert wäre, die Möglichkeit
einer solchen Absicht zu bestreiten.
Daß in der Gegenwart aber recht verbreitet von professionellen
Ämtern ziemlich pessimistisch keine persönliche Überzeugung,
kein persönliches Gewissen und keine persönliche Verantwortung
- es sei denn eine vermessene - angenommen wird und man sogar eine mögliche
gute Absicht bestreitet, zeigt auf eine Verformung oder zunehmende Weltfremdheit
oder eben auf eine allgemeine Verunsicherung normaler Menschenkenntnis
hin, die als Phänomen der Postmodernen eben nicht mehr nur den Christen
befällt.
Und dabei habe ich hier als Beispiel nur einen sehr kleinen, passenden
Ausschnitt dieser Beschreibungs- und Verstehensproblematik angeführt.
Aber selbst, wenn man rein statistisch das „Postmoderne Ding", die
Technoszene, die Schwering vertritt, als eine kleine verirrte Minderheit
einordnet und als Träger eben nur einer partiellen Verunsicherung,
die sich zudem nur in einigen hochindustrialisierten Weststaaten etabliert,
und die man vielleicht sogar als Zivilisationskrankheit einordnen und abtun
könnte, so darf man angesichts der mondialen Vernetzung der Welt durch
Kommunikation und Mobilität und der Vorbildrolle dieser reichen Länder
für die Entwicklung aller anderen nicht übersehen, daß
von hier aus eben auch Begriffsbildung in alle Sprachen hinein stattfindet.
Die folgende Illustrierung dieser neuen mondialen Situation am Geschehen
unseres Jahrhunderts ist sehr sehr vereinfacht und in Wahrheit, wie schon
gezeigt, viel komplizierter und soll hier nur die gefährliche Dimension
neuer Machbarkeiten sichtbar machen: Angesichts des offensichtlichen nationalistischen
Irrsinns des 1. Weltkrieges, wo sich trotzdem Millionen Menschen mit dem
Segen aller Kirchen mit heller Begeisterung gegenseitig umbrachten, versuchten
und proklamierten die "Linken", unterstützt von den modernen Künstlern,
insbesondere von DADA und vielen Intellektuellen, den Irrsinn mit dem darin
verwobenen Glauben und die kolonialistische Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit
abzuschaffen oder zu überwinden und durch Vernunft zu ersetzen, während
die Rechte bes. im deutschen Nationalsozialismus daraufhin nicht nur die
unpatriotische Moderne sondern nicht anderes die moralisierende christlich-abendländische
Kultur abschaffte und folgerichtig in der vorchristlichen Barbarei landete.
Diese beiden einfachen Grundreaktionen oder Grundgedanken gehörten
dann geradzu blitzschnell wie selbstverständlich zu dieser mondialen
Begrifflichkeit und zwar nicht nur jeweils im Westen oder Osten der sich
bildenen Blöcke des kalten Krieges, denn auch im Westen war man angesichts
der kommunistischen Gefahr eben wegen ihrer vernünftigen Moral gezwungen,
den Kolonialismus wie nationalistische Kriege und Überspitztheiten
(was unten noch näher zu klären ist) aufzugeben und sich eines
sozialen Denkens zu bemühen, woraus der damals noch ungeahnte Wohlstand
unserer Zeit resultiert.
Mittel gegen die Verunsicherung des Glaubens.Dennoch bleibt zu erklären,
wieso weniger der Politiker, Empirist und Wissenschaftler und entsprechend
mehr gerade der Gläubige bei der Begegnung beider Argumentationen
verunsichert wird, und dies ja gerade da, wo das allgemeine kulturelle
Zusammenwachsen der Menschheit zu einer synkretistischen Gemeinsamkeit
und Begrifflichkeit tendiert. Denn einmal angesichts des Wohlstandes wie
andererseits angesichts der logischen Vernunft scheint nun Gott völlig
überflüssig; und jener Gott, der Eisen wachsen ließ oder
der Glaube an ihn wird eher für das überwundene Unheil der Weltkriege
verantwortlich gemacht.
Es scheint so, als erfordere unsere Zeit von einem Christen, derartiges
Verunsichertwerden und das Bewältigen regelrecht neu zu üben,
wie man üben kann, die Luft länger anzuhalten.
Sicher kann man die Architektur der Kirchen, das Ausgeschmückte,
Zeremonie und Gesang, die Kleidung der Geistlichen, die Gestik des Gebets
und nicht zuletzt einen gewohnten, vertrauten Wortlaut der Schrift und
auch des Glaubensbekenntnisses unter dem Gesichtspunkt sehen, Glaube und
Glaubwürdigkeit zu fördern und Verunsicherung zu überwinden.
Sicher gehört die jüdische Heiligung zu diesem Thema, obwohl
Verunsicherung selbst bisher wohl als ein Problem nicht aber lehrmäßig
thematisiert wird.
Man würde ohne von einer tatsächlichen Existenz Gottes und
seinem Wirken auszugehen natürlich diese formalen Eigenheiten der
Kirchen als Hilfsmittel der Indoktrination oder Gehirnwäsche und zur
Überwindung oder Abwehr von Zweifel und dann auch die sozialen Strukturen
und die Formen der Gemeinschaft, der seelsorgerischen Betreuung u.s.w.
deduktiv als die Anwendung erkannter psychologischer Gesetzmäßigkeiten
unseres Glaubens zurückführen. Dieser recht verbreiteten Ansicht
liegen zwei typisch aufklärerische Positionen zugrunde, die sich auch
nicht bestreiten lassen:
1. Der Mensch hat Gott, Götter oder Geister induktiv überall da als behelfsmäßige logische Erklärung eingesetzt, wo sein Verständnis die wahren Zusammenhänge bestimmter Erscheinungen, wie Blitz und Donner nicht deduktiv ableiten und begründen konnte. Mit Phantasie malte man sich in der Folge ein Bild von diesem Gott, wie er solche Unerklärbarkeiten zustande bringt. Mit zunehmender wissenschaftlicher Einsicht würde derart Gott als Lückenbüßer immer weiter zurückgedrängt und am Ende durch die Erkenntnis der ganzen Wahrheit auch ganz ersetzt. Im gewissen Sinne geschieht dieses mit Jesus.
2. Die Einsicht in die Selbstgemachtheit solcher Götter und Religionen bedeutete als Erkenntnis zugleich Machbarkeit. Man kann nun- aus welchen Gründen auch immer - die Leichtgläubigkeit und Unwissenheit der Menschen benutzen und ihnen einen Gott aufreden, den man psychologisch gezielt mit entsprechenden Eigenschaften ausstattet.
Wenn man derart von der Nichtexistenz eines Gottes ausgeht und dann
entsprechend konsequent auch davon, daß Jesus nur ein normaler Mensch
war, dann kann man gestützt auf das Neue Testament den christlichen
Glauben derart auf zweiter Stufe deduktiv als eine mit allen psychologischen
Tricks und politischen Methoden künstliche und selbstgemachte Religion
auch nachweisen, wenn man will. Denn wie bei dem Öffnen von Franks
Fenster alle empirisch feststellbaren, Vorgänge physikalischer und
apersonaler Art sind, worin der Entschluß von Frank keinen Platz
hatte, so sind nun auf der 2. Stufe alle menschlichen Vorgänge um
Jesus und dem Kerygma analog dazu gerade diejenigen personaler Art, worin
nun Gott keinen Platz hat. Aus der Sicht der Wissenschaft also der professionellen
Politologen, Soziologen, Ideologen und Psychologen u.s.w. in Anwendung
allgemeiner Menschenkenntnis wird dabei die menschliche Person mit seinen
Absichten und Entschlüssen nun praktisch versachlicht und damit zu
einem empirischem Faktum. „Frank öffnet das Fenster, weil ·
· · · ·." „Frank will das Fenster öffnen,
weil · · · ·" . Während also von
der ersten empirischen Stufe aus der Mensch ausgeklammert wurde, wird nun
von der zweiten Stufe aus Gott ausgeklammert. Den Einwand, daß es
sich bei einer Predigt oder bei den Evangelien und Briefen des Neuen Testamentes
um Gottes Wort handelt, kann man so mit dem Hinweis auf die sichtbare Realität
und die unübersehbaren, allzumenschlichen und leicht begründbaren
Unstimmigkeiten als unbeweisbare Schutzbehauptung zurückweisen.
Natürlich ist es wieder die allgemeine Menschenkenntnis - wenn
auch leider nicht eine allgemeine Gotteserkenntnis - , die uns trotz oder
gerade wegen aller Unstimmigkeiten im Evangelium gar nicht auf den Gedanken
kommen läßt, daß die christliche Botschaft und Bewegung
eine künstlich ausgedachte und inszenierte Aktion war, bei der sich
die Jünger ihre Texte und öffentlichen Aktionen vorher abgesprochen,
aufeinander abgestimmt und auswendig gelernt hätten.
Der zweite Grund aber, warum ich das philosophische Beispiel mit Franks
Fenster von Quine hier anführe, ist - neben diesem Verständnis
für die allgemeine Verunsicherung des Menschen durch eine falsch verstandene
Wissenschaftlichkeit, die eben nicht nur ein Problem für Gläubige
ist, - jener Denkfehler, der zu solchem falschen Wissenschaftsverständnis
führt.
Falls es Sie ermüdet hat, den Aufsatz von Max Black zu lesen,
der aber auch keine Antwort darauf geben kann, was eine Schilderung, Abbildung
oder eine Darstellung ist, viel weniger darauf, wann eine Schilderung nun
wahr ist, ist dies verständlich. Zumindest sollte Ihnen aber im ersten
Absatz aufgefallen sein, daß er die Übereinstimmung eines Fotos
mit einer Wirklichkeit auf Konvention zurückführt, wobei Konvention
ja die Übereinstimmung zwischen Menschen bedeutet, und nicht das Verhältnis
eines Fotos zu dem Sujet, wobei ja unbestreitbar zwischen Objekt und Foto
nur der unbestechliche Fotoapparat zu stehen scheint, so wie wir uns die
wissenschaftliche Darstellung der Wirklichkeit nicht objektiver vorstellen
können. Daß er hier wie selbstverständlich von Konvention
spricht, wo ich ganz bewußt allgemeine Menschenkenntnis anführe,
geht auf eine mehrhundertjährige Diskussion zurück, wobei hier
als selbstverständlich vorausgesetzt, daß wir es bei diesem
Sujet niemals mit einer Wirklichkeit sondern immer nur mit unserer Erkenntnis
von etwas zu tun haben, die wir nämlich dann als objektiv bezeichnen,
wenn sie mit der Erkenntnis anderer übereinstimmt. Das ist die Konvention.
Wenn alle Menschen eine kupferne Turmspitze als grün wahrnehmen, gilt
meine Behauptung, „Die Turmspitze ist grün." im Sinne dieses Wortes
„wahrnehmen" als wahr, obwohl sich ja alle Menschen irren können und
sich auch tatsächlich bei der Farbe des Turmes irren, falls sie -
wie bei normalen, philosophisch ungebildeten Leuten anzunehmen, - den Turm
und seine Farbe für die Wirklichkeit selbst halten und nicht nur für
eine Wahrnehmung, denn ganz sicher ist dort in der Wirklichkeit kein Grün
und auch keine andere Farbe, denn - was jeder Physiker bestätigen
wird, - die Photonen oder Frequenzen gleichgültig welcher Anzahl oder
Wellenlänge, die von dort reflektiert werden und unser Auge erreichen,
sind farblos. Und dies gilt auch für die anderen Daten, die wir für
wahr nehmen, wie Form, Gewicht, Ausdehnung und Dauer, was je ebenfalls
nicht durch die Linse unserer Augen in unser Gehirn geflogen kommt, so
daß auch Wellen oder Photonen nicht die letzte Wirklichkeit selbst
sondern nur unsere Erkenntnisse sind.
Dieses bedeutet, daß bei Franks Fensteröffnung auch die
anderen mechanisch-empirischen Beobachtungen und deren Beschreibung im
Sinne der Wahrnehmung der 1. Stufe als ein Vorgang von neuralen, chemischen
und physikalischen Vorgängen einer Armbewegung keineswegs apersonal
sind, sondern in gleicher Weise, wie die beiden anderen Stufen, bereits
Menschenkenntnis und auf solcher beruhenden Konvention vorausetzt und nicht
nur in der Übereinstimmung imVerständnis und Gebrauch der Wörter
und Grammatik der Sprache, wie z.B. das Wort „grün", womit wir dies
beschreiben würden. So würde uns auch ein Foto von Jesus
nichts von seinem wahren Sein mitteilen, denn er hatte keine Hautfarbe,
weder Weiß noch Schwarz, weder Hell noch Dunkel und war in seiner
wahren Gestalt somit unsichtbar. Auch mit einem Foto hätten wir nur
unsere menschlich-subjektive Erkenntnis von ihm. Die angenommene Apersonalität
solcher Objektivität eines Fotos wäre ein Denkfehler.
Und wenn Sie vielleicht nur noch bis zur zweiten Seite der sehr wichtigen
kurzen Untersuchung von Max Black weiterlesen möchten, wird sich Ihnen
vielleicht die Wichtigkeit seiner Ausführung - die mehr ist, als nur
ein Kitzel für Philosophen - in einer anderen nun als wichtig erkennbaren
Nebenbemerkung aufdrängen, daß nämlich gerade die Selbstverständlichkeit,
mit der wir die Abbildung eines Fotos mit dem Abgebildeten in Beziehung
bringen, ein besonderes Thema für sich ist, was nichts anderes heißt,
daß zu untersuchen ist, wieso wir ganz selbstverständlich eine
Wahrnehmung für wahr nehmen und welche Folgen solche Selbstverständlichkeit
hat.
Um die Folgen im Umfang dieses Briefes anzudeuten, will ich im Folgenden
sehr vereinfachen:
Natürlich könnten wir ohne solche Selbstverständlichkeit,
auf Grund der wir z.B. einem Stein ausweichen oder von einem erhitzten
Gegenstand zurückzucken, nicht existieren.
Dennoch, wie wir am Beispiel von Franks Fenster und der sachlichen
Bibelanalyse von Strauss gesehen haben, ist es genau diese Selbstverständlichkeit
unserer Menschenkenntnis, die uns einmal eine Wahrnehmung als sachlich
objektiv erscheinen läßt, und die auf den ersten beiden Stufen
genau den individuellen Menschen dabei ausklammert und damit ja die Voraussetzung
als bestünde die Allgemeinheit aus einer homogenen Masse und nicht
aus Individuen, und im gleichen Sinne wird auf der dritten Stufe dann Gott
ausgeklammert, womit wir eben nicht nur blind werden für Gott, sondern
womit zugleich auch der Mensch ausgeklammert ist.
Natürlich ist dies eine äußerst undifferenzierte Gleichstellung
der jeweiligen Kausalität und ihre Versachlichung auf diesen Stufen.
Die Grundvoraussetzung der empirischen Deduktion der ersten Stufe, wie
die Wahrnehmung einer Farbe, Form oder Ausdehnung ist zwar menschlich subjektiv,
aber allen Menschen und wahrscheinlich allen Säugetieren in gleicher
oder ähnlicher Weise angeboren und unterliegt nicht unserem subjektiven
Einfluß. Selbst wenn ein Mensch durch einen Geburtsfehler Rot und
Grün immer vertauscht sehen müßte, würde ihm selbst
nicht und niemandem sonst diese Abweichung vom Üblichen auffallen
und er würde wie selbstverständlich unsere Verkehrsampeln zum
richtigen Zeitpunkt überqueren.
So erhält damit die Aussage von Kierkegaard ihre moderne Bedeutung,
„daß Gottes bedürfen des Menschen höchste Vollkommenheit
ist
Der islamische Theologe Averroës ( Ibn Rushd )* 1126, † 1198 griff
zu Beginn der Scholastik dieses Thema angesichts der aristotelischen Philosophie
auf und kam zu dem sicher falschen Schluß, daß man insbesondere
den Laien nicht mit Wissenschaft und irritierenden Texten konfrontieren
dürfe, um deren Glauben nicht zu verunsichern. Ibn Rushd ging es persönlich
aber wohl mehr darum, die Wissenschaften gegen den Glauben zu verteidigen.
Die christliche Theologie lehnte den Averroeismus zwar ab, praktiziert
zumindest in der katholischen Kirche aber etwas ähnliches durch den
Index und das Verbot gewisser Literatur, zu der lange selbst die Bibel
gehörte.
Man darf natürlich davon ausgehen, daß man in der Gegenwart
die eigenen politischen, kulturellen und religiösen Verhältnisse
in vieler Beziehung besser kennt als jene in der Vergangenheit; wenn man
diese aber nun zum Maßstab früherer Verhältnisse macht,
daß z.B. nach heutiger allgemeinen Auffassung eine objektive Erkenntnis
gültiger sei als die rein subjektive, so beißt sich die Katze
in den Schwanz, wenn man die ebenfalls heute unbestrittene Einsicht nun
berücksichtigt, daß es keine andere als nur die subjektive Erkenntnis
für den Menschen geben kann, womit gerade durch die "Objektivierung"
schon nichts anderes als eine Verfälschung des Objektivierten vorgenommen
würde.
Genau in diesem wirren Zusammenhang muß man sehen, daß
z.B. in der Szene die irrige Ansicht als objektiv gehandelt wird, als hätten
die Probleme der Menschheit mit dem Christentum begonnen und als könnten
sie nur mit seiner Beseitigung gelöst werden, und daß als anderes
Beispiel z.B. Paulus als am besten (durch seine Briefe) objektivierbares
Objekt als Säule unseres Glaubens gilt, während er persönlich
anwesend wohl kaum im heutigen Kirchenbetrieb ernst genommen oder überhaupt
geduldet würde. Überspitzt ausgedrückt, würde mit diesem
groben Instrument die Suche nach einer objektiven Definition des Christseins
oder nach einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis entweder eine rein deskriptive
Beschreibung ergeben, das ja die sog. Bibelchristen umfassen müßte,
die mit wohl über 99% den weitaus größten Teil der Christenheit
ausmachen und die ja auch die Missionierung Europas und der Welt tragen
und getragen haben, und die von moderner Theologie entweder nichts wissen
oder wußten oder die sich z.B. in Protest genau dagegen, nämlich
gegen solche aufgeklärte Objektivierung, fundamentalistisch formiert
haben, und stünden nicht diese irgendwie als arme Idioten da? - derart
objektiv gesehen.
Das heißt - um hier solche Objektivität mit der Fotografie
zu vergleichen -, so praktisch die Fotografie auch ist, für den Paß,
für Urlaubserinnerungen oder für den kriminalistischen Beweis,
und so wenig ein Foto trotzdem Wahrheit in irgend einer Form aussagen kann,
so nützlich wie aber auch problematisch ist die Reflexion auf den
„Sitz im Leben".
Besser veranschaulicht bedeutet das: als Missionarskind bin ich mit
dem Konflikt praktisch alleingelassen, wenn ich einerseits die Einsichten
moderner Theologie einsehe, aber andererseits ja nicht der Ansicht bin,
daß mein Vater den Afrikanern Unsinn gepredigt hat, wie ja auch Paulus
und die anderen Apostel und Missionare der frühen Christenheit wohl
nicht Unsinn gepredigt haben - was die einfache Änderung des Glaubensbekenntnisses
- so nebenbei - ja indirekt behaupten würde.
Aber es ist kein unlösbarer Konflikt, - der Lösungsweg kann
aber nicht mit einer spontanen Reaktion sondern nur mit entsprechender
Sorgfalt und etwas Anstrengung aufgefunden werden.
Wir stehen an einem Anfang, was bedeutet aber Tradition?
Sie sehen, daß es mir in erster Linie nicht um Tradition und
auch nicht um die bundesrechtliche Funktion des alten Glaubensbekenntnisses
geht, wie es für die protestantische Kirche etwa seit 1555 besteht
(Fußnote 20), obwohl man Tradition
als ein Wert wie z.B. als das Grundgerüst jeder Sprache wie aber auch
als Voraussetzung jeder rechtlichen Gültigkeit und Verbindlichkeit
als Ausdruck eines ethischen Konsens im sozialen Verhalten wie auch in
der sozialen Gesellschaftsstruktur (Fußnote 21)
nicht ignorieren kann, was somit, wenn auch unausgesprochen, immer Teil
des Glaubensbekenntnisses ist.
Unabhängig von jeder Einsicht, wie immer solche Vielschichtigkeit
innerhalb der Sprache und unseres Denkens dann konkreter Weise in Zusammenhang
mit Wörtern, Bildern, Organisationen u.s.w. dann tatsächlich
funktioniert, was das Thema "Formaler Logiker", "Semiotiker", "Syntaktiker",
"Semantiker", "Sprachanalytiker", „Hermeneutiker", "Soziologen", "Wissenschaftstheoretiker",
"Juristen" und letztlich jeder Wissenschaft und auch der Theologie ist,
geht der normale Gebrauch solcher Wirklichkeiten, wie biblische und kirchliche
Formulierungen, die vorderhand oft wie leere Sprachformeln erscheinen können,
die uns aber so vertraut sind, wie Wege und Straßen unserer Wohngegend,
auf ein mehr pragmatisch-praktisches Verständnis zurück, wobei
Straßenname und Bedeutung mehrfach geändert sein können
und man nicht mehr bewußt reflektiert, ob z.B. die Straßenbiegung
einst die Windung eines Trampelpfades um einen gefürchteten Ort herum
oder das strategische Kalkül einer Militärüberlegung war.
So enthält der normale Gebrauch von Glaubensformeln neben der aktuellen
immer noch ein Stück zusätzliche Wirklichkeit und Bedeutung.
Und die neueste Soziologie, Psychologie und Philosophie erreichen oder
erfassen immer nur einen kleinen Teil der ganzen Bedeutung einer Enunziation
für unsere Existenz.
Entsprechend sind auch die Bedeutungen der Worte Jesu so wenig erschöpfend
verstanden, wie wir das Phänomen unserer eigenen bewußten Existenz
noch kaum ermessen können, wobei Jesus ja auch keine eigentliche Lehre,
Theorie, Theologie oder Philosophie verkündete, sondern sich mehr
mit seiner ganzen Existenz und darin mit der israelischen Geschichte in
ein gelebtes besonderes Verhältnis zur übrigen Welt im damaligen
Stand der damaligen Menschheit begab, - (selbst wenn man nicht davon ausginge,
daß er von Gott gesandt und in seinem Tun als Gehorsam etwas besonderes
war, sondern nur zufällig in den Fokus eines neuen Bewußtseins
geriet, - was ich nicht glaube,) und so sind auch die Worte der Apostel
und ihre Auswirkung von der Theologie trotz der gewaltigen Geistesleistungen
der vergangenen 2000 Jahre noch längst nicht erschöpft. Und es
ist ein Segen, daß der Akkumulationspunkt unseres Glaubens, unserer
Theologie und Philosophie ein Mensch als Geschehen war in der Spannweite
zwischen empirischer Erfahrungswirklichkeit und transzendentem Bewußtsein,
womit ja die ganze Geistesgeschichte und die Kirchengeschichte darin immer
auch Selbstreflexion und damit auch Erkenntnis des Menschen bedeutete.
Wenn ich im Folgenden die moderne Problematik mit dem Glaubensbekenntnis
unserer Kirche und Theologie immer vergleiche mit der ähnlichen Problematik
der ja wohl antikirchlichen Szene (wenn diese auch recht verbreitet innerhalb
der Kirche besteht), die Schwering vertritt und anspricht und zwar scheinbar
nur in 2. Linie als zwei Gegenpositionen, heißt dieses nicht, daß
mich letztlich nicht eine bestimmte Form und ein bestimmer Inhalt interessiert.
Es geht mir um den christlichen Glauben als gemeinsames Bekenntnis in dem
offiziellen und zwar verantwortlichen Verhältnis sowohl zu gleichen
wie auch zu anderen Ansichten. Der Vergleich von Kirche und Antikirche
miteinander bei mir wie auch bei Schwering geschieht eben aus der Einsicht,
daß beide Positionen Folge und Resultat der gleichen Vergangenheit
und des gleichen Lernprozesses sind.
So ist es auch bezeichnend, daß Schwering - (wie wohl auch die
übrige Soziologie heute,) - in seinem Statement nicht von Feuerbach
ausgeht, der den konsequenten Bruch mit der Tradition will oder gar voraussetzt,
sondern von Spinoza, wobei er auf die Notwendigkeit hinweist, unsere Probleme
und auch diejenigen beider Positionen in der Kontinuität einer Entwicklung
zu sehen.
An und mit diesem Punkt läßt sich jedoch eine Auseinandersetzung
in hundert oder tausend ganz verschiedenen Richtungen weiterführen
über die Geschichte, Kirchengeschichte, Hermeneutik, Dogmatik bis
zur Soziologie, Psychologie, bis zu den tausend verschiedenen Aspekten
der Kommunikation und Sprache und nicht zuletzt den konkreten Anlässen,
was sich alles von dem Aspekt der Entwicklung innerhalb einer Veränderung
noch unterscheidet. Hier ist Gründlichkeit im Einzelnen ebenso notwendig
wie der Gesamtblick auf den Aspekt, der letztlich zu einer Position und
Haltung des Individuums führt wie z.B. zu einem Kircheneintritt oder
-austritt.
Mit Enuntiation bezeichne also eine Gesamtheit von menschlicher Äußerung,
in der Denken, Haltung, Hinwendung oder Abgrenzung, sprachliche Äußerung
als explizit oder indirekt Gesagtes, Verschwiegenes, Bejahtes, Verneintes,
Allegorisches, Angedeutetes u.s.w. enthalten ist. In dem Entwurf für
ein Theaterstück habe ich in den beiden Wörtern „Mir schmeckt’s."
weit mehr als 500 Mitteilungen gezählt, mit den entsprechenden Negationen
weit mehr als 1500 Informationen, die wir bewußt und unbewußt
registrieren, wie: dort ist jemand; er kann sprechen; er spricht Deutsch;
er spricht keinen ausländischen Akzent; er ißt; es ist ein Mann;
es ist keine Frau; es ist kein Kinder; er hat eine hohe Stimme; sie klingt,
als wolle er sein Essen rechtfertigen, sie klingt verunsichert; er spricht
keinen Akzent; u.s.w. - und vielleicht wünscht er mit seiner Aussage
etwas ganz anderes verständlich zu machen als sein Verhältnis
zu dem, was er gerade ißt.
Entsprechend ist der Besuch eines Gottesdienstes, oder das Einschalten
des Fernsehers am Sonntag um 9Uhr 30 nicht entweder die Erwartung einer
neuen Information, einer interessanten Predigt oder etwas Unterhaltung,
sondern selbst bereits eine sehr komplexe, vielschichtige Enuntiation und
ist dabei nicht nur auf das Individuum hin zu verstehen, sondern nicht
weniger auf den immer zugleich synergetischen, interaktiven sozialen Aspekt
hin, was in der Gesamtheit mit dem Begriff "heilig" in etwa richtig erfaßt
ist, was für einen Gottesdienst selbstverständlich ist, weniger
selbstverständlich aber als etwas besonderes für eine ganz normale,
triviale Alltagsäußerung des Menschen.
Das Beispiel dieses Theaterstücks soll aber noch weitere Gesichtspunkte
der Problematik verdeutlichen:
1. Man kann sich die beiden Wörter der Enuntiation „Mir schmeckt’s." als diejenigen Buchstaben oder Laute oder den Satz als die Form vorstellen, in der wie in einem Reisekoffer sehr viele, also 1500 Informationen eingepackt sind, wie etwa auch durch ein Glasfaserkabel einige tausend Gespräche geführt werden können, die zusammen als eine bestimmte Frequenzform auch sichtbar gemacht werden könnten. Die Frage ist nun, was passiert, wenn ich von den 1500 Teilen eines Ausdrucks ein Teil einfach wegnehme oder ein anderes dazu tue? In der Tat haben sich mit den Jahrhunderten und besonders in jüngster Zeit die Begriffsinhalte vieler Ausdrücke in solcher Weise geändert, daß Vorstellungen verloren gingen und neue hinzukamen, so daß es angebracht ist, über einen neuen Koffer nachzudenken und die Form des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses zu ändern. Man spricht heute schließlich anders als vor 50 oder vor 500 oder vor 2000 Jahren. Bei einer allgemeinen Beliebigkeit der Bedeutungen käme es jedoch zu einer merkwürdigen Sprachverirrung. Wo aber jemand eine Bedeutung einfach wegläßt, hätten wir anschließend nicht etwa 1499 Aussagen, sondern im Gegenteil noch einige mehr, denn zuerst käme die Information hinzu, daß dort eine Bedeutung fortgelassen wurde, und sicher ergäben sich dann auch Gründe, die etwa ein Richter feststellen müßte, warum dies geschah und mit welcher Konsequenz, was dann als zusätzliche Information noch hinzukäme wie etwa „Wir haben unseren Glauben verloren.", oder aber die Information, daß man es sich bei der neuen Form zu leicht gemacht hat, - denn auch das ist erkennbar.„Wie und Was", „Wort und Geist", „Leib und Seele", „Weg und Ziel" „Wissenschaft und Normalsprache" als Glaube und Menschenkenntnis und als Intention, Thematik und Ismus in jeder Enuntiation.
2. Nicht zuletzt diese additive Merkwürdigkeit bei einer Subtraktion, aber bereits auch die weitere verfängliche Vorstellung zeigt, daß schon bei solcher Unterscheidung von Form und Inhalt eine größere Genauigkeit notwendig ist, z.B. daß und wie ich bei jeder Äußerung 1500 Informationen zuerst sammeln und dann in diesen Koffer packen müßte, wie sollte dabei ein flüssiges Gespräch möglich sein? - um diese 1500 Informationen aufzufinden und aufzuschreiben, brauchte ich 3 Wochen, um dann einzusehen, daß ich damit nicht einmal ein Promill der Menge an Informationen einer normalen Enuntation erfaßt hatte, die ja immer unsere ganze Existenz beinhaltet.
Die Antithese Geist und Buchstabe samt ihrer Interpretationsgeshichte fordert als umfassender Problembegriff dazu heraus, die Lehre vom Worte Gottes in Unterscheidung von Gesetz und Evangelium so zu durchdenken, daß damit in eins das hermeneutische Problem bedacht wird, in dessen Verzahnung mit dem Problem der Sprache, der Geschichte und der Ontologie .gilt dieses zurecht unter solchem Gesichtspunkt als Antithese. Für ein Zusammenwirken aber, wenn Geist und Buchstabe, wenn also Sinn, Bedeutung, Tradition und Bezug zur Schrift und zur Umwelt kein Gegensatz, sondern wie bei einer einfachen Aussage des Menschen eine Einheit und Verbindung dieser Kontradiktionen sind, - und nicht nur für das Glaubensbekenntnis und die jeweilige Kirchenordnung - , dann ist die Vorgabe, wie sie Ebeling in der ganzen Komplexität zusammenfaßt, noch ungenügend, dann kommen noch wesentliche Aspekte dazu - von dem erkenntnistheoretischen Aspekt über all das, was wir Sozialisation und Kultur nennen, bis zur Entität des Bewußtseins. Man könnte dieses ja vielleicht zu dem zählen, was von Ebeling ontischer Aspekt genannt wurde. Aber es ist ja nicht nur das, was der Mensch als die allgemein - wie durch ein Wunder erscheinende - gelungene Verbindung und Einheit jener Kontradiktionen wie die von Leib und Seele einbringt, sondern es kommt hinzu die jeweils konkrete Situation des Sich-behauptens, der Angst oder keine Angst, der Hoffnung oder keine Hoffnung, der Liebe oder keine, Glaube oder kein Glaube, und zwar ja auch noch als das, was er selbst in sich und an anderen Menschen als etwas erkennt, und zusätzlich noch, was er von anderen erkannt weiß, was wiederum sein eigenes Denken und Sein ganz entscheidend und ganz wesentlich noch bestimmt, und was neben dem reinen Existenzsignal einer Enuntiation das "Wie" unserer ganzen Wirklichkeit und damit überhaupt unser Denken ausmacht, - denn erst aus solcher interaktiven Synergie kann erst Sprache und in dieser ein Satz entstehen und bestehen, in dem dann Objektivität in Unterscheidung zur Subjektivität einen Sinn macht.
Was ist Menschenkenntnis im Vergleich zu Bildung und Wissenschaft? Es
sind ja oft Witze, die allgemeine Menschenkenntnis verraten. Die meist
wohlmeinenden Karikaturen vom zerstreuten und gänzlich weltfremden
Professor wie auch das Theaterstück „Die Physiker" von Dürrenmatt
weisen auf einen Konflikt unterschiedlicher Denkarten und Richtigkeitskriterien
hin, der sich als Thema offensichtlich den alten und bestehenden Bildungskonzepten
und Idealen entzieht. Man kann sich aber leicht einen hochqualifizierten
Psychologen oder Politologen ohne gute Menschenkenntnis vorstellen.
Schwieriger wird es, sich unter diesem Gesichtspunkt ein vernünftiges
Gespräch zwischen Sokrates und Jesus auszumalen, die ja oft miteinender
verglichen werden. Und genau dieses und zwar als Vergleich zwischen dem
Glauben, der sich auf Jesus gründet und der Bildung und Wissenschaft,
deren Ursprünge wir den Griechen zuschreiben können, will ich
versuchen, wobei ich die göttliche Dimension Jesus ausklammere und
mir des Ausgeklammerten immer bewußt bleiben muß. Natürlich
habe ich dabei auch die Situation von Paulus auf dem Aeropag vor Augen.
Es muß mir dabei aber nicht um die Unvereinbarkeit und den Gegensatz
gehen, sondern um das Gegenteil nämlich um den ganz realen, pragmatisch-praktischen
Vorgang von Vereinbarkeit, der über das Mittelalter bis zur Gegenwart
- neben allen Theorien - sowohl Denken wie Sprache bestimmt, wenn sich
dieser Versuch lohnen soll. (etwas einfügen.Siehe Ende)
Ich muß rein hypothetisch dabei ja fragen, in welcher Weise Jesus
eine innere Verunsicherung gegenüber der rhetorischen und philosophischen
Bildung und gegenüber dem doch hohen ethischen Anspruch und zwar verbunden
mit dem griechischen Überlegenheitsgefühl gemeistert hätte.
Für Sokrates vielleicht weniger, aber für Platon oder Aristoteles
hätte Jesus mit seinem eschatologischen Aufruf sicher als ein provinzieller
Spinner und ungebildeter Dummkopf gegolten. Intuitiv würde ich sagen,
daß Jesus als Mensch die jüdische Tradition und ein soziales
Erlebnisumfeld auch von Glaubenden brauchte um nicht irritiert zu werden.
Außerdem mußten seine Wunderheilungen auch funktionieren, und
das heißt logisch, daß die ganze israelische Geschichte seit
Abraham von tausend Jahren nur wegen dieser dreißig oder drei Jahre
seines Auftritts stattgefunden hätte
Die mittelalterliche, kirchliche Wissenschaftsfeindlichkeit, die sich
mit dem Berufsverbot an Galilei für alle Zeit lächerlich machte,
wie auch die latente Technik- und Wissenschaftsfeindlichkeit der Szene
heute gleichen sich in ihrem widersprüchlichen Fundamentalismus und
können nicht bekämpft werden (was hätte der Sieg für
einen Sinn?) sondern müssen verstanden werden.
Es klingt ja auch dreist und wenig angemessen und sicher etwas respektlos,
einfach zu folgern, daß z.B. das, was Plato mühsam wie auch
immer überhaupt erstmal thematisierte, dann von seinem Schüler
Aristoteles eben nicht als Thematisierung sondern als Lehre und Ismus,
- eben nicht als das „Wie" sonder als das „Was" - hingestellt bzw. rein
taktisch so mißverstanden und verdreht wurde, wodurch er dann auf
den Schultern seines Lehrers stehend einerseits den unendlichen Schatz
an Systematik, Hermeneutik, Analytik und Wissenschaftlichkeit ernten konnte,
von dem wir bis heute zehren, auf den wir uns bis heute stützen, womit
er aber andererseits den dialektischen Konflikt durch die verdeckt rhetorische
Position empirischen Denkens als empiristisches Wahrheitsphatos zementierte.
Menschenkenntnis sollte dabei aber nicht Schuldzuweisung sein sondern Distanz
sowohl zum Platonismus wie zum Empirismus. Wenn dann provanisiert statt
illusorischem Ideal die sichtbare, fühlbare und meßbare Wirklichkeit
gewählt und für den empirischen Beweis zum Richtigkeitskriterium
erhoben wird, dann wird verdeckt die Natur, die Materie, die Substanz,
die Methode und Form zum Ideal.
Aber die Energie und Emsigkeit von Aristoteles wurde nicht zuletzt
ausgelöst durch die Blamage und die Verachtung, die er von ägyptischen
Gelehrten erfahren hatte. Und unverhohlen verkündet Aristoteles denn
auch, daß logisches bzw. wissenschaftliches Denken Überlegenheit
bedeutet, - und es wäre ganz weltfremd zu bestreiten, daß bis
heute gesellschaftliches Prestige also der Applaus der Ungebildeten und
ein Hauptmotivator der Wissenschaften ist.
Hegels Verdienst ist denn auch weniger seine Dialektik als Methode
oder Patentrezept und Ismus, sondern wohl mehr die aufgezeigte Thematisierbarkeit
beider Seiten oder die Distanz zu beiden Seiten von Widersprüchlichkeiten
als Schwierigkeit - kulturell wie wissenschaftlich.
Ich habe diese beiden Aspekte von Wissenschaftlichkeit und Bildung
etwas grob deswegen herausgestellt, weil in ihrer Appraisivität sowohl
für das persönliche Denken und Bewußtsein wie auch als
sozialer und gesellschaftlicher Aspekt eine große Palette von Wertkriterien
offengelegt werden, die unter anderem auch das Wertkriterium umfassen,
das wir als Entwicklung sowohl vom alten Helenismus zum neuen Bewußtsein
etwa ab Plato in Griechenland und der alten Welt selbst wie aber auch im
Vergleich zu der untergehenden ägyptischen Hochkultur empfinden.
Was bisher aber deutlich wurde ist, daß die Schwierigkeit mit
dem Glaubensbekenntnis beider Parteien, (sagen wir Kirche und Antikirche)
nicht einfach auf einen Punkt zu bringen ist. Säkularisierung einerseits
- jeder hat seinen eigenen privaten Glauben und sein privates Glaubensbekenntnis
- und auf der anderen Seite Christenheit, Kirche, Gemeinschaft, Leib Christi,
bzw. in der Szene auf der einen Seite Autonomie, Individualismus, Identität
und auf der anderen Seite das was Schwering eben als „Szene", als gemeinsames
„Plateau", „Feld" oder „strukturiertes Territorium" der „Diskursteilnehmer"
bezeichnet, nämlich die Gemeinschaft der „Guten", derjenigen, „die
Frieden wollen u.s.w.", also die „alternative Szene", was oft mit dem Attribut
„Kult" grob umschrieben wird, bedingen einander, wobei die Struktur der
Gemeinschaft auf vielen Ebenen eben zugleich Teil des privaten Glaubens
ist, womit ja auch eine realpolitische Dimension zu klären ist. Denn
was in der Theologie den modernen Diskurs einer Zwei Reiche Lehre oder
was Paulus den in einem zu erkennenden Progress befindlichen Verständnis
von Geist und Buchstabe etwa bei Paulus bestimmt mit der Reflexion auf
den Faschismus und den Sozialismus, mit Rückblick auf Origines, Augustinus,
Otto von Freising und Luther schwingt in der Szene als das "Alternative"
des einen Guten zu dem anderen als das Verderbliche in ähnlicher Weise
und Problematik.
Glaube und die Gemeinschaftsstruktur der Glaubenden als allgemeiner
soziologischer Gesichtspunkt.
Klarheit und auch die Vorstellung, wie beides heute als Proklamation
oder Bekenntnis als Formulierung zu erreichen ist, ohne daß die Form
dann zum Dogma oder im Paulinischen Sinne, ohne daß der Geist zum
Buchstaben und Fluch wird, fehlt sowohl in der Kirche wie in der Szene.
Der in unserer Gegenwart bei einer Veränderung unseres Glaubensbekenntnis
ob als Formulierung oder als Verständnis zu berücksichtigende
quasi postmoderne - also neue - Gesichtspunkt, dessenhalben ich mir die
Mühe dieses Briefes mache, ist denn auch nur mit zwei Gedankenschritten
gleichzeitig zu erreichen: Mit dem Blick auf dieses Verhältnis von
Glaube und Gemeinschaftsstruktur sowohl notwendiger Weise der Vergangenheit
wie der Gegenwart, in dem bewußt oder unbewußt jeweils ein
bestimmtes, sich in der Geschichte veränderndes und sich entwickelndes
Richtigkeitskriterium angewandt wurde und wird, ist bei der Formulierung
oder dem Verständnis eben auch ein Begriffswandel der Sprache vom
universalen zum globalen Denken hin zu berücksichtigen.
In der Szene tendiert die Lösungssuche, - wahrscheinlich wegen
dieser Schwierigkeit, den jeweils privaten Glauben auf einen gemeinsamen
Nenner zu bringen - , zu dem gefährlichen Trend, an einen natürlichen
gemeinsamen Konsens aller "guten", "richtigen", "akzeptablen" und "lebenswerten"
Menschen zu glauben, wovor ich immer nur dringend warnen kann, warnen auch
deshalb, weil solcher Glaube als neuer Kult längst auch Teile der
Kirchen und selbst Professoren befallen hat. Abgesehen von den plumpen
und fundamentalistischen Denkfehler, die zu unlösbaren Antinomien
führen müssen, die ich noch herausstellen werde, wäre z.B.
derart die Natur mit der darwinistischen Vorstellung der empirischen Natur
des Menschen als letztes Richtigkeitskriterium die wissenschaftliche Rechtfertigung
von Faschismus, Rassismus, Egoismus und Hedonismus als bellum omnium contra
omnes und homo homini lupus als Weltanschauung, worauf Schwering ja auch
kritisch hinzielt. Hierbei ist einerseits die Natur des Menschen das Richtigkeitskriterium,
andererseits für den Einzelnen aber die Übereinstimmung mit den
Allgemeingültigkeiten der Allgemeinheit.
Die ganze Problematik zeigt sich, wenn das Individuum einerseits seine
Identität durch die Übereinstimmung zu finden sucht, also nach
einem Wahrheitskriterium der Außenwelt, und dabei sich selbst eigentlich
verleugnen muß, wenn nämlich die Allgemeingültigkeiten
derart bestehen, daß alle das glauben, was und weil alle es glauben,
selbst wenn keiner es eigentlich glaubt und sich alle wie in einer Meute
dem Ding als der Gültigkeit der Außenwelt angepaßt haben,
was also einerseits eine unmenschlich provinzielle Struktur einer im Grunde
anonymen Allgemeingültigkeit ist, wobei eben nicht nur Tradition und
Herkunft, sondern auch die Struktur und das Wort unserer gegenwärtigen
Sprache derart entstanden ist und besteht. Das Wort „Tisch" für dieses
bestimmte Möbelstück ist nur deswegen die richtige Bezeichnung
für Ding und Begriff, weil alle ( des Sprachbereichs dieser Gemeinschaft)
es so nennen. Platonisch ist dieses aber in beiden Fällen, ob dieses
Ding oder Wahrheitskriterium nun als Ideal nach Plato oder nicht minder
platonisch als reale Substanz und deren Wahrheit nach Aristoteles
gedacht wird. Während ja andererseits jede Erkenntnis und jede menschliche
Regung nur immer eine Sache des Individuums sein kann womit auch das Urteil
und das Richtigkeits- oder Wahrheitskriterium wie nicht anders die Verantwortung
immer nur eine Sache des Individuum sein kann.
Aber beide Seiten sehen das ungelöste Problem, und auch die Theologen
führen gewöhnlich die „Barmer Erklärungen" und die traurige
Rolle der Kirchen im deutschen und in jedem Faschismus und Nationalismus
und auch in Südamerika, Portugal, Spanien, oder wie jüngst in
Jugoslawien an, um auf die Unumgänglichkeit und die Notwendigkeit
eines gemeinsamen, - wie auch immer verbindlichen - Glaubensbekenntnisses
hinzuweisen, gemeinsam für alle Individuen des christlichen Glaubens
wie auch für alle Kirchen und christlichen Glaubensgemeinschaften.
Denn natürlich kann die durchaus mögliche Eingliederung der Kirchen
in eine Demokratie nicht bedeuten, daß etwa die Richtigkeit des Glaubens
Sache einer auszählbaren Mehrheit sein könnte.
Daß für die Theologie hier eine Verantwortung für beide
Seiten, also auch für die antikirchliche Opposition besteht, brauche
ich wohl nicht zu begründen, - und wieweit Verantwortung und Kompetenz
in dieser hochkomplexen politischen Hinsicht auch für Religionen überhaupt
- also auch für andere Religionen - besteht, sollte man durchaus vergleichen
mit der Verantwortung z.B. der Medizin für Seuchen in aller Welt -
und zwar ganz praktisch wegen der längeren Erfahrung mit dem entsprechenden
wissenschaftlichen Instrumentarium, was andererseits eben nur möglich
ist, weil und wenn man (wie eben hier) vor den oder außerhalb der
konkreten Aussagen als das „Was" das „Wie" in der politischen Gegenwart
thematisiert . Daß gerade die Theologen der Großkirchen, also
Katholiken wie Protestanten erst recht auch in der Verantwortung für
die christlichen Laien und Laienkirchen und Sekten und also auch für
Bibelchristen und z.B. auch für die „Zeugen Jehovas", - das heißt
für die Christenheit stehen, ergibt sich daraus eigentlich von selbst,
- bei allem Unbehagen, das sich mit der Vorstellung einer ungeklärten
Kompetenzhierarchie verbindet.
Denn, was sich bereits in den Worten Jesu auf die Frage der Jünger,
wer von ihnen der Größte sei, und was in den Pauslusbriefen
und in der Apostelgeschichte bereits als Teil des Evangeliums, als neuer
hermeneutischer Aspekt zum damaligen aristotelischen Verständnis der
Funktion von Sprache im Verhältnis von materieller Form und geistigem
Inhalt bzw. Bedeutung zur "Wahrheit" bzw. Richtigkeit hinzukam, nämlich
als „Geist der Wahrheit", als „lebendiges Wort", als „Offenbahrung", gewissermaßen
auch als neue ethische Dimension, wie es Prof. Gerhard Ebeling recht gut
umschreibt, was sich aber sehr schnell dann als Autorität der Apostel
und dann der verschiedenen Stufen der Kirchenleitung wie des Papstes doch
gewissermaßen institutionalisierte und in deren Formulierungen und
Dogmen wie festen Lehrmeinungen niederschlug, verband sich dann immer auch
sofort neben den Auseinandersetzungen mit alten Religionen, Philosophien,
Traditionen, Bedeutungen, Irrlehren der damaligen Umwelt wie natürlich
auch heute mit ganz menschlichen, hausbackenen Interessen wie Ehrgeiz,
Neid, Angst und auch mit bewußten wie unbewußten rhetorischen
Techniken, wie aber auch mit Unredlichkeiten, Egoismen, Konfessions-,Gruppierungs-
und Schulmeinungen und -patriotismen, die ihre eigene Traditionen verteidigten
und rechtfertigten. Es wäre ganz weltfremd, solches zu leugnen und
die schon früh beginnende Spaltung nicht auch als Folge überwindbarer
menschlicher Schwäche und die Konfessionalisierungen nicht als verschuldete
Wunden im Corpus Christi zu sehen.
Natürlich muß man dieses berücksichtigen schon weil
es Anlaß und Thema der meisten Schriften des Neuen Testamentes ist.
Als Heilige Schrift lesen wir die Bibel aber wohl meistens in Bezug auf
unsere Gegenwart und mit anderer als derart analytischer Deutung
und erleben sie mit anderer Bedeutung und als unmittelbare Gegenwart von
Gottes Wort an uns privat gerichtet. Dies ist ein unschätzbares Geschenk
Gottes und der frühen Christenheit.
Aber hier gilt es erstmal zu verstehen und dann mit der Mitteilung des Verstandenen ein gemeinsames Handeln anzustreben. Das vorläufige Beibehalten traditioneller Formen ist zwar mehr als nur Verlegenheit und deren Rechtfertigung, denn diese sind unsere Vergangenheit, und als solche sind diese ein Stück unserer Wirklichkeit, aber wir können nicht in einer Vergangenheit leben.
Es wäre anderes ja auch Unredlichkeit und zeigt die Dringlichkeit
einer Klärung, wenn z.B. die bestehenden Feindseligkeiten zwischen
Bibelchristen und „moderner", akademischer Theologie sich derart regelten,
daß einerseits mehr oder weniger doch die ersteren die Missionierung,
Predigt, Unterweisung, Kommunion oder Konfirmation, Seelsorge, Taufe, Beerdigung
und alle übrigen flächendeckende Dienstleistungen wie auch Kranken-
und Armenfürsorge u.s.w. in aller Welt besorgen und zwar im traditionell-wörtlichen
Kontext der Bibel, während die Theologie ganz oben in der Hierarchie
viele Erzählungen wie etwa die meisten Wunder, wie schließlich
auch Auferstehung und Himmelfahrt Jesu und weite Bereiche der ganzen Bibel
und damit auch die entsprechenden Grundformen der religiösen Praxis
für Märchen, Mythen, Erfindungen und Irrtümer hält,
wobei die Theologen andererseits ja wissen, daß es nur eine Frage
der Zeit ist, daß auch die kirchlich oder außerkirchlich bibelchristlich
Missionierten und Unterrichteten, daß eben auch die „Zeugen Jehovas"
über kurz oder lang zu den gleichen theologischen Überlegungen
kommen werden, - und sich dann zuerst mal regelrecht betrogen fühlen
müssen, wenn solches nicht geregelt würde.
Und genau dafür sind die folgenden Überlegungen zu berücksichtigen,
die man als den „Sitz im Leben" der Gegenwart umschreiben könnte,
und die nicht eine zusätzliche Schwierigkeit sondern eine für
alle begehbare Brücke aufzeigen sollen.
Denn daß auch dieser zusätzliche, neuzeitliche Aspekt eines
gemeinsamen Statements oder Bekenntnisses, ob dies nun für oder gegen
den Glauben stehen soll, wiederum nur die äußeren Umstände,
den „Sitz im Leben" oder das Konotat, was ich aufzeigen will, betrifft,
weist ja darauf hin, wenn man die Theorien, Lehrmeinungen, Philosophien
und Theologien bis heute als Entwicklung versteht, daß wir zunehmend
das Geschehen "Jesus" einerseits, oder die Geistesgeschichte der Menschheit
bis zur Gegenwart andererseits, immer mehr als diese Umstände betreffend
verstehen, daß also in der modernen Theologie oder Soziologie jene
Konnotation zunehmend zur Denotation wird.
Fußnoten
12. Aristoteles, Zweite Analytik, Erstes Buch,
4. Kapitel, 20-25 (73a)zurück
13. D.H. Braun „Die Religion in Geschichte
und Gegenwart", 3. Ausg.,Bd.I, Entstehung des Christentums, Seite 1687-1695.
Das Eschatologische als Naherwartung wird von Braun und allgemein
wegen der scheinbar psychologischen Schlüssigkeit für den Glauben
damals und heute dennoch auch von B. einseitig wenn nicht falsch verstanden,
wie auch die gängige Erklärung, daß die Angst vor dem Tod
zum Auferstehungsglauben führe.zurück
14. Wobei der Unterschied oder der Schritt
von einer gemachten zur dann angewandten Erkenntnis besonders in der Fach-
oder Berufssprache wie in allen Wissenschaften dazu verleitet, die Operationalität
in der anwendbaren Faktizität einer Erkenntnis wie 3+2=5 oder 1/2gt²
zu übersehen und die Anwendbarkeit als Beweis zu nehmen für die
Wahrheit oder Objektivität oder gar Dinglichkeit der Erkenntnis.zurück
15. Der Einfachheit halber übergehe ich
die Frage nach der Entität oder ontischen Existenz des Phänomenologischen,
die aber ebenfalls nicht empirischer Art sein kann.zurück
16. Was Prauss in „Erkennen und Handeln in
Heideggers Sein und Zeit", Verlag Karl Alber, Freiburg, als Widerspruch
in sich entlarft.zurück
17. Gerold Prauss „Die Prädikation als
Existenzaussage" Seite 702-706 in die „Welt und wir" Metzler Verlag)zurück
18. Augsburger Religionsfriede.zurück
19. Dies gilt keineswegs nur für die Kirchen-
oder Vereinsordnungen.zurück
20. Gerhard Ebeling, *1912 in Berlin, Pfarrer
in Berlin-Hermdorf, Prof.in Tübingen, Zürich; Mitherausgeber
HUTH.
In „Die Religion in Geschichte und Gegenwart" 3. Auflage, Bd.
II, Seite 1296 zurück
21. Siehe Gottlob Frege „Begriffsschrift"
Verlag von Luis Nebert 1879; und „Logische Allgemeinheit" Felix Meiner
Verlag, Hamburg.zurück
22. Wobei man dann im Sinne einer Verabredung
von direkten oder indirekten Missionierungsversuchen absehen sollte und
auch darf.zurück