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Anlage: Die außerkirchliche Situation der Jugend, ein Aufsatz von Gregor Schwering "anders eigen"
 

Pfarrer
Olaf Metz
Insel Rügen
Bodenstraße 21

Betrifft den Gottesdienst vom 28. Juli 1996 auf der Insel Rügen und im Fernsehen.
 

Einbeck, den Montag, 28. Oktober 1996


Lieber Pfarrer Olaf Metz,

Es geht mir um Form oder/und Inhalt Ihrer sicher ehrlichen und mutigen Predigt am Sonntag, den 28. Juli vor der deutschsprachigen Öffentlichkeit. Entschuldigen Sie diese meine späte Reaktion, aber sie erforderte - neben den normalen Arbeiten meines recht hektischen Alltags - einige Überlegungen, für deren Formulierung ich diese Zeit eben benötigte.

Vielleicht hat mir, einem Künstler, Ihre wohlwollende Darstellung des Gauklers in der Kirche Mut zu meinem Brief gemacht.

Denn es geht mir um das veränderte Glaubensbekenntnis, das Sie ohne entsprechenden Kommentar so einfach in neuer, statt in der gewohnten nicäisch-apostolischen Form präsentierten.
Keinesfalls will ich Ihnen ins Gesicht schlagen, sondern will im Gegenteil Art und Tragweite einer Änderung bewußt machen und am Ende meines Briefes dann auch die thematisierte Notwendigkeit diskutieren. Denn von all dem Tausendfältigen, was das alte Bekenntnis als Spur, Ereignis und Tradition umfaßt und beinhaltet, würde durch eine Veränderung oder Kürzung nicht etwa entsprechend weniger ausgesagt, sondern im Gegenteil zur alten Fassung sehr viel an Aussage hinzu getan, nämlich neben der Tatsache solcher Änderung liegt in solcher erkennbar ja auch die Begründung, die zugleich auch ein Urteil über den Glauben der anderen Christen, über den Glauben unserer Vorfahren und damit auch ein Urteil über den Glauben der Apostel und den christlichen Glauben überhaupt ist.
 - und ein alle Aspekte umfassender Kommentar dazu dürfte derart schwierig sein, daß Ihnen wohl kaum jemand angemessen darauf antworten wird, - was mit einfacher Zustimmung, Ablehnung, Beschimpfung oder einfachem Lob nicht getan ist und nur statistische Bedeutung hätte. Und auch statistische Daten und selbst demokratische Kriterien sind im Verhältnis zu Glaubens- oder Wahrheitskriterien in diesem Zusammenhang klarzustellen, - wie sich ja auch ein Mathematiker dagegen verwehren würde, über das Ergebnis oder die Wahrheitsprädikation oder das logische Phänomen der Summe von 2+3 abstimmen zu lassen. Selbst die protestantische Praxis, derart „kleine Eigenwilligkeiten" mit Schweigen zu übergehen und abzuwarten, wäre schon schwierig genug zu kommentieren, nämlich dies als Toleranz zu sehen, - oder als Resignation (oder Gleichgültigkeit) einer zu schwierigen (oder vielleicht längst verlorenen) Sache gegenüber , die man lieber dem Lauf der Dinge, oder wie in der oft als Beispiel zitierten Erzählung von Hemmingway „Der alte Mann und das Meer" schließlich notgedrungen den Haien überläßt.
 

Zwei ähnliche wenn auch kontradiktorische Positionen:

Ich kann Ihnen wegen solcher Schwierigkeiten natürlich nicht ohne weiteres meine Zustimmung oder Ablehnung bekunden, was eine unangemessene Vereinfachung - oder nur einfach Parteinahme - bedeuten würde, ohne zuerst klarzustellen, was ein Glaubensbekenntnis ist - für Sie oder allgemein - woraus sich ja dann erst ergibt, in welcher Weise eine Änderung gemeint, zu verstehen und zu beurteilen ist. Wie sich mit dem Anlaß des nicäischen Konzils und dann der Reformation der Status oder die soziale, organisatorische, rechtliche wie theologische Funktion solcher Glaubensbekenntnisse (z.B. als Abgrenzung gegen Heidentum, Gnostik, Häresie, Verdächtigungen u.s.w.) als vorformulierte Regelungen ganz grundsätzlich änderten, kann und muß in unserer Zeit ein heutiges Umdenken bezüglich der alten Formen durchaus in diesem Zusammenhang thematisiert werden. Und ich kann natürlich nicht in Sie hineinschauen, welche richtigen oder falschen Gedanken, guten und redlichen oder unguten und undurchdachten Motive zu dieser offensichtlich nicht versehentlich geschehenen Aktion der Änderung führten.

Aufgrund Ihrer Predigt kann ich aber wohl sicher freibeuterische Unredlichkeit als Grund ausklammern, als sei die Kirche inzwischen ein herrenloses Schiff, das jeder für sich beliebig nach eigenen Wünschen und Vorstellungen umfunktionieren oder plündern dürfte, - was es ja auch reichlich gibt, - wo viel Geld umfließt, bleiben solche Erscheinungen nicht aus.

Die Schwierigkeit einer Änderung,
die eher dafür spricht, alles beim Alten zu lassen.
Als was ist also das urchristliche, das katholische wie das lutherisch- apostolische uns allen gewohnte Bekenntnis zu verstehen? Ist es der verbalisierte Begriff für Christsein, der verbalisierte Begriff für den Glauben eines Menschen als Unterscheidung vom Unglauben? Ist es zu verstehen als das, was die Christenheit oder die Westliche-Welt von der andersgläubigen 3. Welt, vom Islam, vom Buddhismus, Hinduismus u.s.w. als deren soziale Struktur, - oder nur deren Religion oder spezielle Theologie u.s.w. unterscheidet? Ist es das, was den guten Christen unserer sozialen Gemeinschaft vom bösen oder gottlosen Menschen unterscheidet? Ist es Vereinsstatut der jeweiligen Kirche, Konfession oder Gemeinde? Ist es Statement, ist es eine inhaltliche Zusammenfassung des Neuen Testamentes, ist es Wahrheit, Konsens, Lehre, Doktrin, Predigt, Lehrmeinung, Lehrauftrag, ist es Glaubensgehorsam, Unterwerfung, Mitlaufen, Tradition oder Rücksicht auf Tradition und Gewohnheit? Ist es Teil eines Anstellungs- oder Arbeitsvertrages? Ist es das Bindeglied der Gegenwart zum Kerygma? Ist es Gebet, ist es Selbstprüfung? Ist es eine juristische Satzungsformel? Ist es Prüf- oder Gültigkeitskriterium? Ist es die Überzeugung derjenigen, die diesen Text allsonntäglich aufsagen oder beten? Ist es nicht die Überzeugung oder nur teilweise? Ist es die Überzeugung einer Minderheit oder Mehrheit? Ist es ein verzweifelter Ruf an unseren Herrn Jesus, uns mit solchen Problemen nicht einfach hängen zu lassen, die ja einer Klärung bedürfen oder ist es eine Kompetenzzuweisung der Laien, Gemeindevorsteher, Prediger, Organisatoren und Kirchenmanager nach oben an die jeweils verantwortliche und zahlende oder angestellte oder gewählte und bezahlte Kirchenleitung oder Kirchentheologie?
Denn wenn dieses alles zugleich oder eben nicht oder auch nur teilweise als Bedeutung in einem Glaubensbekenntnis zum tragen kommt, kommen soll oder nicht kommen soll, müßte dies ja sorgfältig bedacht und entsprechend formuliert werden.

Die andere Seite?
Bevor ich meinen Katalog von Fragen weiterführe und ordne, wodurch dann verschiedene schiere Unendlichkeiten weiterer Fragen sichtbar werden, bitte ich Sie ein anderes und zwar postmodernes Glaubensbekenntnis der sog. „Alternativen Szene" unserer Gegenwart zu lesen, (oder die Umschreibung eines solchen,) dem jedes(?) christliche eigentlich gegenüber- oder entgegensteht, und zwar den beiliegenden Essay „anders eigen", mit dem der Autor Gregor Schwering einerseits proklamativ im Namen der sog. Postmodernen, des Zeitgeistes, spricht, sich dabei jedoch zugleich kritisch appelativ an diesen Zeitgeist wendet.
Ich kann dieses Statement von Schwering trotz aller Sympathie natürlich nicht unterschreiben, aber es thematisiert und demonstriert in diesem kompakten Guß einer genialen Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte die nicht minder verzweifelte Situation "aufgeklärter" Position unserer Zeit, - wenn er z.B. die "Rockszene" - man denke dabei an eine Diskothek oder die sog. „Love-Parade" in Berlin, - als die bessere und künftige Alternative einer Weltordnung sieht, - alternativ zu den vorhandenen „maroden" gesellschaftlichen Institutionen (letzter Abschnitt) wie alternativ zur Moral überhaupt und zur Wirklichkeit von Staat, Kirche und Familie (wenn Familie auch nicht ausdrücklich), was ja nur als eine Aussage von Verzweiflung oder Zweifel verstanden werden kann.
Und diese postmoderne Situation in seiner Darstellung ist, abgesehen von der unhaltbaren Identitätskonzeption ja noch aussichtsloser und hoffnungsloser als die der Kirche: „Give peace a chance!" Ich gehe auch bezüglich der weltanschaulichen Intention dieser Szene wohl zurecht von einem guten Willen aus und dem Streben nach einer gerechten, lebenswerten, friedlichen, toleranten Weltgemeinschaft auf einem gesunden Planeten mit atembarer Luft, eßbarer Nahrung und Lebensraum für jede Kreatur, was man ja unterschreiben kann, soweit dabei nicht die Natur (auch die empirische Natur des Menschen) dem Menschen übergeordnet wird, - denn diese Überordnung geschieht unreflektiert und undurchdacht. In einer Proklamation der „Love-Parade" heißt es sehr beispielhaft: „Wir wollen Frieden u.s.w.." - also alles Gute.
Gegenüberstellung von Kirche und Szene.
Faktisch bedeutet dieses neben diesen sicher guten Absichten jedoch unausgesprochen, und nun von mir kritisch und polemisch vereinfacht, „Man kämpft nur gegen Kirche, Staat, Polizei, Militär, Kapital, Industrialisierung, Moral, Ehe, Familie, Dogmatismus, Fundamentalismus, Konservatismus, Nationalismus, Faschismus und gegen entsprechend Andersdenkende u.s.w.." Schwering spricht all dieses jedoch nicht aus und er würde wohl solche Aufstellung, die ja Krieg gegen alles bedeuten würde, als polemische Einseitigkeit zurückweisen. So könnte er und würde vielleicht dann solche Festlegungen der Szene auf diese von mir mehr unterstellten konkreten Bedeutungen ganz entsprechen polemisch beantworten, daß die Kirche mit Märchen wie Jungfrauengeburt, Gottessohnschaft, Himmelfahrt, Hölle und Fegefeuer, Auferstehung und Wundergeschichten nicht anders als mit Weihnachtsmann und Osterhase „die Leute "verscheißert", verblendet, betrügt, einschüchtert, im freien logischen Denken und in ihrem natürlichen Verhalten wie der sexuellen Freiheit mit einer unmenschlichen Familienideologie unterdrückt und indoktriniert, um damit, nämlich mit künstlich durch Verbote „erzeugtem Mangel", ihr Schweigen, ihre Tolerierung oder Unterstützung von Kriegen, Kolonialismus, Ausbeutung, Macht von Kapital und Industrie, die Zerstörung des Planeten und der Natur, Unterdrückung der Frau u.s.w. zu rechtfertigen."
 
Es ist nicht schwer, in diesen kritischen Einschätzungen der jeweils anderen konkreten Bedeutungen der Überzeugungen die Kontradiktion von scheinbar verschiedenen Seiten zu sehen. Schwieriger einzusehen und vorerst geradezu absurd scheint es, daß die hier unversöhnlichen Positionen nicht nur mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, sondern zudem am gleichen Strang ziehen, soweit es um Freiheit, Selbstbestimmung, Wahrheit und Gerechtigkeit geht. Und wenn ich im folgenden sündhafte Bosheit wie Betrug, Neid, Gemeinheit, Ehrgeiz, Eifersucht, Verkommenheit, Bestechlichkeit, Opportunismus u.s.w. als die urbanethische Seite, was es als Verfehlung und Schuld sicher auf beiden Seiten gibt, und was als allgemeinmenschliches Desaster dann immer wie auch hier innerhalb der Positionen wie auch zwischen diesen zur Feindschaft führt, einmal ausklammere, dann wird sich im Folgenden erweisen, daß als eine andere Dimension von Ethik vielerart Unvereinbarkeiten zum Einzelnen innerhalb unserer modernen Massengesellschaft auf Gedankenlosigkeiten, Undurchdachtheiten, Mißverständnissen beruhen, die sich einerseits aus gedanklichen oder denkerischen Schwierigkeiten ergeben, die aber andererseits selbstgemacht aus der globalen Professionalisierung und den Institutionalisierungen von Kompetenzen resultieren. Diese Denkfehler, diese Undurchdachtheiten, Gedankenlosigkeiten und Mißverständnisse hat der Teufel meist gut in Wahrheiten verpackt, mit denen man sich dann gegenseitig verfeinden, bekämpfen und schließlich totschlagen soll. Es gilt also im Folgenden einmal die moderne Professionalisierung von Wahrheiten und dann diese Wahrheiten selbst, die als die konkreten Bedeutungen unseres Glaubens zu formulieren und erkennbar zu machen sind, auf mögliche Mißverständnisse, Undurchdachtheiten, Gedankenlosigkeiten und Denkfehler zu untersuchen, - und eben nicht nur als den Splitter im Auge des anderen, sondern als Balken im eigenen Auge zu erkennen. 
In diesem allen aber gilt es im Folgenden, Jesus soteriologisch gerade zu diesem neuen sozialethischen Verhältnis des einzelnen Menschen zum Mitmenschen zu sehen, der immer auch Allgemeinheit ist, wobei gerade darin Jesus derart als die Wende zur neuen Zeit und damit als moderne Erscheinung zu verstehen und kenntlich zu machen gilt, was Schwering mit gleicher Absicht als Verfehlung von Gedankenlosigkeit oder Denkfehler über den Schlüssel einer richtig oder falsch verstandenen Identitätsfrage zu verdeutlichen sucht, während das traditionelle Glaubensbekenntnis mehr christologisch und innerkirchlich konzipiert scheint und nur über „die Vergebung der Sünden" auch die soziale Problematik, soweit darin fehlerhaftes Verständnis und Verhalten als Verfehlung liegt, einschließt oder nicht ausschließt. 
 
Persönlicher Glaube, persönliche Überzeugung und Identität gegenüber den Theorien und Institutionen von Kirche und Wissenschaft.
Der Kürze wegen muß ich vereinfachen.
In allem wird aber schon klar, daß die intuitive Haltung oder auch die normale Handlung und Enunziation (Äußerung) einerseits und deren gedankliche Reflexion wie z.B. theologische oder wissenschaftliche Einordnung zwei verschiedene Dinge oder zwei verschiedene Seiten unseres normalen Denken und Verhaltens sind, - die aber sowohl ursprünglich wie auch vorwiegend in der gleichen Person stattfinden, wobei das Theoretische als bestimmendes Element um so mehr vorwiegt, je professioneller die Handlung ist und zu einem Beruf gehört, - wobei reines Theoretisieren als Beruf in der normalen beruflichen und gesellschaftlichen Qualifikationshierarchie ein Sonder- oder Grenzfall ist.
Der Normalmensch und das Normale wird in jenem Verhältnis zum bevormundeten Laien oder zu Laizismus und in gleicher Weise vereinfacht werden Theologe und Theologie oder der Wissenschaftler oder die Wissenschaften eben nicht nur in Ansehen, in Gesellschafts- und Berufshirarchie sondern auch gewissermaßen als Wahrheitskompetenz institutionalisiert. So hat auch die "Linke" gewissermaßen ihre jeweiligen „Apostel" und Ismen und Lehrmeinungen wie Marx, Engels, Lenin, Mao oder Marcuse, Bloch u.s.w. und deren Aussagen.
In der Modernen vollzieht sich ein gesellschaftlicher Strukturwandel durch die Trennung von Beruf und Privatleben, wobei man (aber mit etlichen Vorbehalten) sagen könnte, daß Philosophie, Soziologie, Psychologie und (seit frühester Christenheit) auch Theologie als Theorie oder Reflexion des Privaten nun ihrerseits professionell die einstige Stelle der beratenden Weisheit einnehmen - nur mit einem neuen Bewußtsein von fast absoluter Gültigkeitskompetenz einerseits, wie aber auch mit einer neuen persönlichen Unverbindlichkeit andererseits.
Daß sich hiermit neben der staatlichen, beruflichen und innerkirchlichen Hierarchie mit der professionellen Theorie des Privaten eine weitere Hierarchie gegenüber dem Privaten einschleichen konnte, wovor Jesus warnte, bedeutet eine ihrerseits noch kaum untersuchte und reflektierte Verzerrung des Normalen, womit sich ja die Frage an mich persönlich stellt: „Was habe ich mit Wissenschaft, Philosophie und Theologie zu tun, in welcher Weise ist z.B. das Augsburger Glaubensbekenntnis für mich maßgebend, das Melanchton - ohne Zweifel für die protestantische Partei gegen den Kaiser höchst verdienstvoll - in der letzten Formulierung ganz nach seinem privaten Gutdünken noch veränderte?" Und dieses schließt die fundamentale und sehr moderne Frage ein: „Was habe ich mit der Kirche zu schaffen?" Dieses wirft dann weitere der tausend Fragen auf: „Was ist eine Predigt?", „Was ist ein gemeinsames vorformuliertes Gebet?", „Was ist ein Gottesdienst?"
Werten Sie bitte diese Fragen nicht als Vorwurf oder Kritik! Ihr Fernsehgottesdienst war ganz in Ordnung schon deswegen, weil er durch die Abweichung von Tradition und dem Normalen all diese Fragen offenlegte. Aber zerbrechen oder verbrennen Sie nicht durch „einfaches", d.h. ungenügend bedachtes Ändern bestehender Formen die Brücke zu anderen Christen der Vergangenheit, der Zukunft und der Gegenwart, -Sie würden damit zu einer beliebigen Sekte, und sonst nichts, - und zwar dann nicht aus einer Einsicht, sondern aus einer fehlender Einsicht heraus, denn zu all den tausend Fragen, die zu bedenken und vielleicht schwer zu beantworten sind, und deren wichtigste für unsere Zeit ich Ihnen im Folgenden erst noch andeuten und entwickeln will, gibt es ja nicht nur negative Antworten und weitere endlose Fragen. Endlos und geradezu aussichtslos würde die Problematik allerdings dann, wenn man z.B. weiter von einer Dialektik ausgehen würde, die z.B. im Verhältnis zwischen den beiden „Dingen" oder „Wesenheiten" wie Substanz und Eigenschaft oder Form und Inhalt bestünden, was allerdings nur weitere Verwirrung bedeutete, als sei das eine oder andere nur noch Formsache, worauf ich noch komme.
 
Aber es geht eben auch nicht nur um ein Problem innerhalb der Kirche oder der Kirchen, was ich im Folgenden immer zugleich thematisieren und demonstrieren will: Der Hintergrund gerade dieses Problems muß Ihnen immer etwa derart vor Augen sein, daß Soteriologie und Christologie durch die Professionalisierung zwar zu einem kirchlichen oder theologischen Thema und Beruf geworden ist, wobei sich unmerklich die Diskussion und die Wert- und Gültigkeitshierarchie zu einem Insiderereignis verändert und isoliert und nicht mehr als allgemeinmenschliches erkennbar wird, - und dieses eben nicht nur in der Diskussion mit anderen Konfessionen und Religionen zu Sprache kommen muß, sondern grundsätzlich als verändertes allgemeines Problem von Individuum und Allgemeingültigkeit gerade der neuen, mondial verengten oder erweiterten Allgemeinheit erkennbar werden muß. 
Diese ursprünglich kerymatische Allgemeinheit der Botschaft hat sich teilweise in der Form der Kirchen und deren Sprache, Riten, Gewohnheiten, Satzungen zwar auch erkennbar und wirksam erhalten, wie etwa das Läuten der Glocken von allen gehört wird und durchaus auch für den Außerkirchlichen eine Bedeutung hat, wie nicht anders die Taufe, die Trauung und die Beerdigung. Man muß andererseits natürlich auch sehen, daß sich gerade in diesem kostbaren Erhalt dann auch ein Stück Kontext alter Zeit und des Mittelalters mitkonserviert hat, und daß dieses besonders außerhalb der Großstädte auch für den Nichtchristen und Außerkirchlichen ein Stück - wenn auch unverbindlicher - Zugehörigkeit zu einer funktionierenden Ordnung bedeutet. 
 
Schwering wird nicht konkret polemisch gegen bestehende Gesellschaftsstrukturen und Kirche. Im Gegenteil beteuert er im Vorwort, daß der (vernünftige) Dialog mit Bestehendem nicht abgebrochen werden soll, was aber die Folge solcher Polemisierung ja sicher wäre. Selbst wo er „Unseren Vater" in einer Wiederkehr als obzöner „anti-ödipaler (sprich frauenfeindlichen) Analvater nennt, (grob vereinfacht also Faschismus nicht gleich Christentum sondern gleich pervertieres Christentum ), greift - ja spricht - er damit nicht die Kirche oder den Christen an, sondern den Leser der Szene, dem er damit mehr seine weltanschauliche, "aufgeklärte" Zugehörigkeit signalisiert, trotzdem darf oder kann man die konstative Kontraposition in beiden Positionen nicht übersehen.
Über meine Bezeichnung „konkrete Bedeutung" sowohl bezüglich des christlichen Glaubens (die ich in meinem bisherigen Fragekatalog ja auch ganz ausklammerte) wie bezüglich der Szene (bei deren Analyse auch Schwering solche „konkreten Bedeutungen" weitgehend ausklammerte) bin ich denn auch nicht glücklich.
Denn was ist letztlich das Konkrete in unserem Glauben?
Ist es notwendig, den einfachen Glauben durch Fragen und Philosophie quasi künstlich derart kompliziert zu machen?
Dies unterstreicht nämlich die Ähnlichkeit der Schwierigkeiten beider Seiten, beider Glaubensbekenntnisse, wie ich beide kontradiktorische Positionen weiter nennen will und führt damit unmittelbar zum Kern des Problems und erstmal zu tausend weiteren Fragen sowohl an Sie wie an die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses überhaupt wie in gleicher Weise an Schwering oder an die Szene mit deren Proklamationen, die es innerhalb der Kirche ohne Zweifel ja auch reichlich gibt, wie: Was ist eine Glaubensgemeinschaft? Was ist eine gemeinsame Überzeugung? Welcher Art Gemeinsamkeit ist es, welche Arten, Strukturen, Formen, Organisationen auf der Basis eines gemeinsamen Glaubens gibt es, zu welcher Gemeinsamkeit gehört man ohne eigenen Entschluß, wie z.B. zu "Rechts" oder "Links", zu einer bestimmten Nation oder Rasse, zu einem bestimmten Geschlecht, zu einer bestimmten Sprache, Kultur, Religion oder Konfession u.s.w., von welcher distanziert man sich, welche sind von der Struktur und Form her gut oder vereinbar und welche nicht, und schließlich, in welcher Art bestimmte in der Vergangenheit - über das ganze Mittelalter bis zur Neuzeit das Glaubensbekenntnis den Glauben der Gläubigen und in welcher Art war und ist es umgekehrt, daß also der gemeinsame Glaube, wie immer er festgestellt wurde oder werden könnte, das gemeinsame Glaubensbekenntnis bestimmt;  - wobei ich immer noch die konkreten Bedeutungen der verschiedenen Glaubensinhalte ausklammere. Denn auch die Gemeinsamkeit der Szene oder deren "Plateau" hängt ja in der Luft.
Was bedeutet nun dieses Ausklammern? Bedeutet es, daß ich nicht zum Kern der Sache komme oder kommen will, - daß ich mich also wie die Katze um den heißen Brei herummogle? Ist dieses Ausklammern bei mir, bei Schwering wie ja auch in dem von Ihnen gesprochenen veränderten Glaubensbekenntnis im Gottesdienst ein Verschweigen oder Verheimlichen oder Leugnen der (oder bestimmten) „konkreten Bedeutungen"?
Die Verzerrung des Normalen brachte und bringt es mit sich, daß die "Bewegungen" von "Unten", also das spontane sich Zusammentun der Laien sowohl als Aktionen auf der katholischen wie protestantischen Seite, wie aber auch die "Bewegung" der Laien in der Szene, die Schwering mit Schrecken und Kritik besonders im „Nazi-Rock" thematisiert, gerade in der Kampf- oder Abgrenzungs- oder Befreiungstendenz gegen "Oben", gegen die Bevormundung (oder gegen deren fehlende oder versagende Vorbild- oder Wahrheitsfunktion oder Verbindlichkeit) eben nicht besser durchdacht ist sondern meist eher fundamentalistisch oder fanatisch oder ideologisch oder ganz irrig und sektiererisch eben nicht normal ist, sondern eher zum Abartigen tendiert.
Die soziologisch-wissenschaftlich wie philosophisch konzipierte Analyse von Schwering zeigt geradezu demonstrativ, wie komplex und kompliziert das "Normale" ist wie z.B. eine einfache, spontane menschliche Haltung oder Reaktion als gemeinsame Handlung, die in der Reflexion als Erkenntnis, Bewußtsein und sprachliche Äußerung, sprich Bekenntnis, sofort als Gemeinsames, Allgemeines, - ob in Weiterführung und Übereinstimmung oder in Widerspruch und Entgegnung zu anderen bestehenden Allgemeinheiten und Allgemeingültigkeiten - immer zugleich als etwas zusätzlich Konstituierendes einen quasi strategischen Überbau und damit zu der ursprünglichen und vielleicht gutgemeint-einfachen eine zusätzliche Bedeutung bekommt, die in der Gegenwart durchaus auch eine politische ist, z.B. als die Hoffnung auf eine bessere Welt für die einen, für andere dagegen eine apokalyptische Dimension enthält - was z.B. bei Vorstellungen einer Gesellschaft ohne Moral und Verbindlichkeiten durchaus verständlich Alpträume und entsprechende Gegenreaktionen hervorrufen kann.
Das heißt, daß solch theoretischer Überbau - ob er unbewußt in einer Bewegung von Unten unvermeidlich ist oder ob nun Thema einer Wissenschaft - nicht einfach nur gedanklicher Art ist, sondern wie die unmittelbare Enunziation Realität bedeutet und bestimmt.

Dies als grundsätzliches Phänomen ist nicht nur das Geschehen und zugleich Thema aller nützlichen oder nutzlosen Philosophie, sondern jeder Enunziation, - also jeder Äußerung, sei sie eine Geste, sei es der einfache Gruß bei einer Begegnung, mit dem auch der gänzlich unphilosophisch Grüßende als Intentione recta ja nicht nur oder nicht einmal das wortwörtlich Ausgesprochene meint, sondern den Gruß z.B. zugleich oder in erster Linie als Existenz- und Daseins- wie auch als Zugehörigkeitssignal meint und womit zugleich die entsprechende Bejahung des anderen gezeigt wird, womit die Vielschichtigkeit der Funktion eines einfachen Grußes erst nur angedeutet ist, oder sei es, als anderes Beispiel, das berühmte Filioque schon in früher Christenheit, bis zu dessen Formulierung und Konstatierung es zu Kriegen, zur ersten großen unglücklichen und später blutigen Kirchenspaltung, zur ersten Konfessionalisierung der Ostkirche und wegen dem es dann doch zum ersten Schisma der Westkirche kam. Aber diese Vielschichtigkeit einer Aussage nicht nur ihrer Geschichte und christologischen, dogmatischen, sozialen und politischen Funktion in ihrem „Ob und Ob nicht", „Warum und Warum nicht", Warum so und warum nicht anders", „Für oder gegen wen oder für oder gegen wen nicht", was alles in der Formulierung einer menschlichen Aussage irgendwie mit enthalten ist, worüber ja auch Tausende von dicken Büchern geschrieben wurden und werden, gilt aber auch, wenn auch zunächst weniger offensichtlich, für eine mathematische Aussage wie 2+3=5, und für ein gemaltes Bild ebenso wie auch für ein Foto. Denn das Konnotat der Aussage dieser Summe „2+3=5" besagt ja z.B., und zwar nicht sehr nebenbei, daß etwas oder jedes Zählbare und damit auch der Mensch, die Anzahl von Göttern oder Engel, die Anzahl der Gläubigen oder die Anzahl der „Vater-Unser" u.s.w. mehr oder weniger im Sinne einer Wahrheit objektiv berechenbar seien, und das letzte Beispiel, das gemachte Bild oder Foto erinnert zunächst an die große Bedeutung, die Kunst heute hat, aber in ähnlicher Weise nun auch ans 2. Gebot und zwar daran, daß das Konnotat der ersten Kunstwerke der Menschheit diese zu Götzen und Göttern werden ließ mit regelrechter selbstständiger Machtzuweisung, einer Verirrung, die mit Israel erst durch regelrechtes Verbot eingedämmt wurde, ein Konnotat, wie wir es heute von Bildern als künstliche Machtausübungsfunktion oder Illokution z.B. bei Verkehrszeichen bewußt anwenden, um nur einen Aspekt zu nennen. Und wie die mathematische Gleichung konnotiert das Foto die mögliche objektive Abbildung von allem Sichtbaren, was ganz sicher ein Irrtum ist .
Und in gleicher Weise ist einerseits das Bedürfnis so problematisch wie verständlich, den Glauben der Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft - ob in der Szene oder in der Kirche - mit eindeutigen Worten eines formelhaften Bekenntnisses oder durch eindeutige Zeichen oder Symbole zu objektivieren und meßbar oder überprüfbar und sogar kontrollierbar zu machen, was sich ja alles immer und unvermeidlich in der Formulierung eines gemeinsamen Glaubens verbindet, wie es andererseits nicht möglich und nicht minder problematisch und nichts anderes als eine Katastrophe wäre, nicht mehr von einer verbindlichen Gemeinsamkeit irgend einer Gemeinschaft auszugehen.
Die „Zeugen Jehovas" gehen dabei den alten, urkatholischen aber in heutiger Situation eben unvermeidlich damit auch konfessionalistischen Weg, wenn sie sich als wahre Kirche mit dem wahren gemeinsamen Glauben bezeichnen und sich damit von anderen Kirchen abgrenzen und distanzieren, wobei sie das Problem der Gemeinsamkeit nicht durch derart komplizierte Überlegungen und Feststellung, sondern durch Gehorsam im Glauben herstellen. Indirekt wird damit behauptet, daß derart eine Übereinstimmung sowohl untereinander wie auch mit der Wahrheit erreicht wird. Was dabei vordergründig wie barer Dogmatismus von oben und wie mittelalterliche Indoktrination aussieht, ist jedoch nichts anderes, als worauf moderne Wissenschaftstheorie hinauslaufen wird, nur daß in letzterer statt Gehorsam im Glauben eben hypothetische Konzeptionalität vorausgesetzt oder verlangt wird. D.H. man glaubt aus einem vorsätzlichen Entschluß heraus und gibt dieses bekannt. Was dabei auf beiden Seiten zu kindischem, verwerflichem und gefährlichem Fundamentalismus entarten kann, wenn nämlich derart zugleich an eine Übereinstimmung des Glaubens als Erkenntnis oder der wissenschaftlichen Konzeption und zwar mit der Wahrheit angenommen oder auch nur behauptet würde, müssen wir im Folgenden untersuchen. Wissenschaft wie die „Zeugen Jehovas" gehen beide ja vorsätzlich von einem Entschluß her davon aus, daß bei ersteren objektive Fakten meßbarer und damit beweisbarer Eigenschaften der Substanz und Materie, der Natur, des Menschen u.s.w. zumindest seit K.R.  Popper bewußt hypothetisch bis zur besseren Einsicht angenommen werden, während die „Zeugen Jehovas" solche objektiven Aussagen bewußt aus Vorsatz in der Bibel annehmen.
Zu diesen beiden (inhaltlich natürlich nicht zu vereinbarenden) Positionen stehen merkwürdiger Weise die normalen Kirchen und Konfessionen zusammen mit der sog. „Alternativen Szene" in einer anderen Ecke mit einer recht unklaren weltanschaulichen Weltgestaltungsfunktion oder -mission, und trotz recht eindeutiger Kontradiktion gegeneinander mit einer merkwürdigen Affinität zueinander. Die Alternative Szene lebt neben, gegen und in der Kirche mit explizitem Kultbewußtsein und im Sog von Mystik und babylonisch-erotischer Esoterik und anderen Irrationalismen, zu denen nicht zuletzt die alten Schlagwörter der Aufklärung gehören.
Ein modernes Glaubensbekenntnis müßte auch das Verhältnis zu solcher gegenwärtigen Umwelt von Denk-, Wahrheits- oder Richtigkeitskriterien klarstellen, die sich von jener Umwelt des Kerygmas ja doch unterscheidet, die das alte zumindest formal mitbstimmte.
Wenn man die Kirchentore einfach der Szene öffnet, wie es teilweise geschieht, - etwa um die Kirchenbänke zu füllen oder um aus der Isolation herauszukommen, - sollte man sich vorher klarmachen, ob man sich damit dem Zeitgeist stumm und sprachlos anschließt und sich und die Kirche vor anderen Karren spannen und instrumentalisieren läßt, wie in der Nicaraguabewegung, oder ob man ihn versteht und was man ihm zu sagen hat, - was von den Menschen der Szene ja auch erwartet wird. So predigte die sandinistische Regierung mit frommen Mäntelchen blanken Atheismus, Auferstehung und Jenseits nur als Erinnerung der Nachwelt, wozu die protestantische Kirche - auch in Einbeck - kräftig Beifall klatschte und materielle Hilfe sammelte, während in Nicaragua die Hälfte der Bevölkerung außer Landes floh oder als Opposition die Gefängnisse füllte.

„Sitz im Leben" als tausend neue Fragen.
Die Gültigkeit der Vergangenheit und die Gültigkeit der Gegenwart.
Es geht also um Realitätsbezug.
Als Instrument der Theologie wie des einfachen Bibellesens ist zur Reflexion auf die Entstehung, auf den ursprünglichen Bezug wie auch auf die sich äußernde Person oder Institution und deren Absicht und Intention, wie auch auf den Kontext von Sprache, von sozialer, politischer - eben geschichtlicher - Situation die Vergegenwärtigung von „Sitz im Leben" ein wertvolles und unverzichtbares Hilfsmittel zum besseren Verständnis. Man versucht so dem ursprünglichen Sinn und Gedanken und der ursprünglichen Bedeutung einer Aussage in der Bibel näherzukommen und von daher die Bedeutung für die Gegenwart zu sehen.
Man kann aber auch sagen, daß mit „Sitz im Leben" noch weitere Bedeutungen eines Textes erkennbar werden.
Trotzdem ist auch solche Reflexion nicht ohne neue Eigenbedeutung, die mit ihr also künstlich in den Text hineingelegt wird und birgt zudem eine Reihe von möglichen Mißverständnissen und Denkfehlern, die eben nicht nur durch die mögliche falsche oder einseitige oder zu enge Einschätzung des einstigen „Sitz im Leben" drohen, die sich aber durch das Etikett geschichtswissenschaftlicher Faktizität legitimieren, was ohne weiteres einsichtig ist, sondern die versteckt in der Konzeption solcher Reflexion wie z.B. der Wissenschaftlichkeit selbst bestehen.
Auch hier kann ich, wie auch Max Black bezüglich der problematischen Faktizität eines Fotos mit einer ähnlichen Problematik die tausend zu klärenden Fragen nur andeuten. Hier hat die Theologie ihr Verhältnis zur Philosophie und Soziologie und dazu dann zu den Sprach- und Geschichtswissenschaften zu klären, was auf den Entwurf einer eigenen und zwar theologischen Wissenschaftstheorie hinausläuft. Denn wie sollte der empirische Beweis für die richtige Bedeutung einer Textstelle geführt werden, selbst wenn ich den „Sitz im Leben" genauestens rekonstruieren könnte?
Natürlich gilt es in alten Schriften ganz unterschiedliches zu verstehen, und wir müssen daher im Auge behalten, daß einerseits nach wie vor in allen Religionen wie auch im Christentum bezüglich der Bibel wie nicht weniger in der Philosophie und auch innerhalb der Szene (das Vorchristliche) in allem gemeinsam aber doch gerade das Alte als autoritativ weil irgendwie authentischer und ursprünglicher gehandhabt wird. Es ist so. Aber genau darin gilt es zu unterscheiden, was an diesem Rückwärtsgewandsein nun berechtigt oder unberechtigt das Gefühl, Bewußtsein oder Postulat entweder von Ungültigkeit der Gegenwart und des eigenen Glaubens bedeutet, - nämlich inwieweit eine Predigt heute nicht in gleicher Qualität gültig und heilig sein soll, wie ein uralter Petrus- oder Paulusbrief. Sollte sich die Wahrheit oder Gott mit der Zeit von der Erde oder den Menschen entfernt haben? Oder was bedeutet im Gegenteil die größere Gültigkeit der Gegenwart, wenn nämlich andererseits z.B. im Zuge von Wissenschaftlichkeit mit der Reflexion auf den „Sitz im Leben" des Alten ein besseres Verständnis des Alten angestrebt wird, was als größere Gültigkeit und Objektivität verstanden werden könnte, und dies hieße womöglich irriger Weise, daß man damit dem eigenen „Sitz im Leben" und damit der eigenen Subjektivität und Bedingtheit entkommen könne oder entkommen wäre, als gäbe es einmal für die menschliche Erkenntnis ein Außerhalb von solchem Kontext, und das hieße zum anderen, daß sich mit solcher Objektivität gemessen das jetzt oder einst Gültige des Subjektiven damit relativiere, was heute als Identitätsverlust diskutiert wird. Größere Gültigkeit oder Ungültigkeit gegenüber dem Alten ist dabei nicht einmal ein disjunktiver Gegensatz, sondern es sind zwei zugleich angelegte aber unterschiedliche Gültigkeitskriterien, die jedoch beide nicht identisch sind mit dem der Aussage eines Bibeltextes, und es ist vergleichbar, als wenn ich mit einer Wasserwaage und einer Uhr die Helligkeit einer Glühlampe messen wollte.
Aber es gibt eine Beziehung zwischen dem Kerygma und der Aufklärung.
Als Wissenschaftlichkeit und damit gewissermaßen mit dem Gefühl oder Glauben absoluter Gültigkeit erscheint uns diese aufgeklärte Objektivität unserer Gegenwart als ein neues allem Subjektiven übergeordnetes Wahrheitsspezifikum der Neuzeit, womit aber leicht ein grundsätzlicheres menschliches Verhalten dahinter verdeckt und übersehen wird, das sich in der Begeisterung des Aufbruchs nicht nur analog mit der Begeisterung der christlichen Frühzeit vergleichen läßt, sondern durchaus ganz konkretisierbare Gleichheiten aufweist.
Ich kann dies hier ebenfalls nur verkürzt umschreiben und als den zu gehenden Weg andeuten: Was an Bedeutung und Aussage in den Evangelien und allen Schriften des Neuen Testamentes ja enthalten ist und - besonders reflektiert oder nicht - immer mit aufgenommen wird, ist ja die Wende im einzelnen Menschen als neue Erkenntnis und Pfingsten: Aus Jesus, dem Verkünder des Himmelreiches, wird mit Pfingsten der Verkündete; d.h. man versteht in der damaligen Gegenwart den geschehenen, noch geschichtlichen, materiellen und sichtbaren Jesus der persönlichen Erinnerung nun neu und wahrhaftig und zwar in Bewußtsein und Vollzug der eigenen neuen Gültigkeit.
Für die Apostel bedeutet dieses eine kopernikanische Wende, eine neue Sicht, einen neuen Anfang und ein neues Leben und dieses auch im Verständnis des Menschen und der Welt überhaupt. Derart geht dem Bekenntnis das weltbewegende Erlebnis der neuen Erkenntnis voraus, und zwar als ein Erlebnis eigener Wirklichkeit. Dies geschieht keineswegs als subjektive, eigene Interpretation sondern wird didaskalisch  als das Wesen, als die Bedeutung, quasi als die göttliche Gesetzmäßigkeit nun in allen Ereignissen und Erlebnissen mit Jesus erkannt, die noch im Gedächtnis haften. „Es mußte ja so geschehen." Dies ist durchaus vergleichbar mit dem didaskalischen  Auffinden der Gesetzmäßigkeit in der Geometrie und später im Lauf der Planeten. Sowie genau damit aus dem Verkünder Jesus der Verkündigte wird, vollzieht sich in Korrelation des Prozesses des Erkennens auch das Gültigwerden und Gültigsein der Jünger und Apostel und der Gläubigen.
Um nicht mißverstanden zu werden: Natürlich ist das, was erkannt wird, zu Pfingsten etwas grundsätzlich anderes als in der Geometrie und in der Aufklärung nach Newton und Descartes, die Begeisterung aber als Bewußtwerdung ist wohl begleitet von der gleichen menschlichen und psychischen Reaktion und auch im Überschwappen - als was man die Harmonie und Zahlensymbolik im Pythagoreismus und die Gnostik z.B. mit dem mechanischen Determinismus oder dem empiristischen Platonismus vergleichen kann.
Diese neue Gültigkeit und Souveränität auch gegenüber allen anderen bestehenden Allgemeingültigkeiten und Religionen bedeutet im Kerygma einerseits natürlich ein neues Bewußtsein, eine neue Freiheit und eine neue Welt, die andererseits aber die Möglichkeit auch zur Beliebigkeit und auch Freiheit als Machbarkeit, als neue Freiheit zu neuen Machbarkeiten enthält, die analog dazu in Folge der neuzeitlichen Aufklärung als wissenschaftlich begründete Technik und in unserer Gegenwart einer mondialen Sozialisation eine neue Dimension bedeutet, auf die ich am Schluß noch hinweisen muß. Erkenntnis bedeutet Anwendbarkeit und Machbarkeit, die in der Versuchung Jesu nach seiner vorbereitenden Fastenzeit in der Wüste (in Mat.4 und LUK.4) thematisiert ist. Solche neue Machbarkeit wird natürlich immer sofort auch negativ von anderweitig motivierten - als an der Wahrheit interessierten - wie aber auch von zwielichtigen Leuten aus Gründen des Erwerbs von Ansehen, Geld, Macht, Sex u.s.w. benutzt, wie aber auch aus der Argumentation und Situation heraus pragmatisch aus Gründen, um z.B. Ordnung herzustellen, so wie Eltern den Kindern schon mal mit dem Nikolaus drohen.
Die Entstehung von neuen Begriffen aus Erkenntnis und damit wiederum neue Erkenntnis aufgrund der neuen Begrifflichkeit, die dann in der Anwendung dieser Erkenntnis als Argumente oder Hebel eben die Möglichkeiten für neue Machbarkeiten ergeben, ist ein großes Thema für sich und noch kaum entdeckt und ist eben nicht allein ein Prozeß innerhalb einer Sprache. Ich werde im 2. Teil dieses Briefes mit der elementarethischen Frage des Erkennens und Handelns anhand der Funktion des Begriffs beginnen.
Zu solchen Machbarkeiten von Handlung gehört jedenfalls auch das Glaubensbekenntnis, obwohl es formulierte Erkenntnis ist, wie man auch das Mailänder Edikt von Konstantin.
Während die abrahamäische Grundsubstanz des jüdischen Glaubens von Gott geboten ist, ist unser christliches Glaubensbekenntnis ganz bewußt und unbeschönigt selbstgemacht und enthält die vielen bewußten und unbewußten menschlichen und damit auch strategischen Elemente einer menschlichen Handlung. Daß sich Ideen und Wahrheiten nun quasi versachlichen ließen und man damit auch frei hantieren konnte, ohne dabei innerlich gegen oder für diese sein zu müssen, spürt man direkt, wenn man sich das korrupte Taktieren der Tuskulaner und Creszentier um Papstamt und Privilegien im frühen Mittelalter zur letzten Jahrtausendwende wie auch derartige Pragmatik des Saliers Konrad II. vergegenwärtigt, wie aber auch die redliche Gegenreaktion der damaligen Reformbewegung der gläubigen Basis, die dann unter Führung des Mönches, Odilo von Cluny, wenn auch mit Überzeugung und aus dem Glauben heraus, dennoch nicht weniger strategisch zur großen Politik gehörte, oder denken wir an das andere negative Beispiel des Ablaßunwesens, das derAnlaß zur Reformation war.
Und es verwundert nicht, daß noch der große Denker der Neuzeit, Gottlob Frege, ganz platonistisch davon ausging, daß Gedanken und Wahrheiten wie Unwahrheiten in einem eigenen Existenzreich existieren und dort von uns Menschen erkannt und fast wie aus einem Regal als Werkzeug ergriffen werden und zum Guten oder Bösen angewandt werden könnten.
Natürlich fragt man sich und argumentiert seit 2000 Jahren schon, was an solcher Erkenntnis und neuer Handlungsmöglichkeit seit Jesus so aufregend und grundsätzlich weltumwälzend neu gewesen sein soll, so daß zu Jesu Geburt die Engel im Himmel sangen und daß man dieses Ereignis bis heute zu jedem Weihnachtsfest als die Errettung einer verlorenen Menschheit feiert.
Wenn man das eigentliche Ereignis Jesu, nämlich einen wahrhaftigen Gott und die durch ihn hergestellte Verbindung des einzelnen Menschen mit Gott und zwar als Erlösung aus der Trennung außer acht läßt, was meistens ungenannt aber doch jeder Christologie zugrunde liegt, scheint es in der Tat so, als wären mit Jesus nur viele kleine Religionen bei gleichbleibender Religiosität durch eine gemeinsame große ersetzt worden, wobei jedoch aktuelle Wissenschaft und Aufklärung und damit die innere Unabhängigkeit von jeder Religion eben erst durch die Trennung von Gott durch die Trennung von Kirche und Wissenschaft und durch den Rückgriff auf die vorchristliche griechische Philosophie und Wissenschaft erreicht worden wäre, und eben nicht durch die Christianisierung.
Es steht hinter dieser Frage eben der uralte und noch unerledigte Universalienstreit um Wirklichkeit, Begriff und Bedeutung, um Glaube und Wissen, um Kultur und Zivilisation, um Leib und Seele, deren Verhältnis in einem moderneren Glaubensbekenntnis eben nicht nur beantwortet werden sondern auch allgemeinverständlich sein muß, wobei letzteres ohne die gedankliche, theoretische Bewältigung sicher nicht möglich sein wird. Während ein spontanes persönliches Bekenntnis kein Problem bedeutet, wäre jedoch, wie es sich hier abzeichnet, ein neues gemeinsames Glaubensbekenntnis für die Christenheit eine gigantische Aufgabe, an der gemessen der Aufwand, etwa ein Serum gegen den AIDS-Virus zu finden, nur eine technische Bagatelle ist.
Natürlich werden Sie wohl bereits wegen solcher scheinbar künstlichen Problematisierung aber den Kopf geschüttelt haben. Daß hiermit von mir aber erst nur ein kleiner Teil des zu bedenkenden und zu bewältigenden Problemstoffes angeschnitten wurde, und wie unverzichtbar noch weitere Aspekte zu klären sind, wird Ihnen hautnah deutlich werden, wenn Sie an das nun anstehende Problem der Verunsicherung denken, die nicht nur wegen dieser Schwierigkeiten, sondern angesichts eines unumgehbaren Wahrheitskriteriums ein Problem des Christentums von Beginn an war, bei der nämlich gemessen an Fakten der Glaube zu einer Torheit wird. Wenn Sie die Seiten mit der Problemskizze von Max Black gelesen haben, konnten Sie erkennen, daß sich ja auch dort das Problem in ähnlicher Weise stellt. Für einen einzelnen Menschen bedeutet es kein Problem, auf einem Foto die Westminster Abtei wiederzuerkennen, wobei die Problematik sich erst ergibt, wenn man von der Allgemeingültigkeit und zwar "allgemein" bezogen einmal auf alle Gegenstände und Fälle, die abgebildet bzw. nicht abgebildet werden können, wie auch "allgemein" in dem konstitutiven Sinne, daß diese von allen als erkennbar gelten müssen, was das Wesensmerkmal aller Gesetze wie aber auch des Begriffs ist, ohne den wir zu keiner Erkenntnis kommen. Es ist nichts weniger als das Verhältnis vom Denken des Einzelnen zu Allgemeingültigkeiten, ohne das es keine Gemeinde oder Gemeinschaft welcher Art auch immer und auch keine Sprache geben kann.
Natürlich brachte Jesus nicht die Wissenschaft. Im Gegenteil: das Frei- und Gültigwerden des Menschen, was wir Erlösung nennen, war eben nicht eine neue religiöse Zwangsjacke, als was die Christianisierung heute sehr verbreitet empfunden wird und als was insbesondere als „age of faith" das Mittelalter als einen heute durch die aufgeklärte Wissenschaftlichkeit überwundenen christlichen Terror oft beschrieben wird, die nun den Menschen zum Guten und Richtigen zwingt. Im Gegenteil war es ja gerade die Unabhängigkeit des Menschen, die zu dem mittelalterlichen Terror führte.
Vorwegnehmend und ohne, daß dieses polemisch gemeint ist, will ich hier aber schon andeuten, daß im Gegenteil mit der Wissenschaftlichkeit die Wahrheiten und Unwahrheiten eben nicht, wie es Frege annimmt, nur unverbindlich und wertfrei wie Werkzeuge in einem Werkzeugschrank herumliegen und nach Bedarf und Vermögen ergriffen und angewandt werden können, so wie etwa die unterschiedlichsten Gifte und Heilstoffe für alle möglichen Krankheiten in der Pflanzenwelt, die wir nur erkennen, sammeln, anwenden oder aber vermeiden müssen, sondern gerade in solcher platonistischen Verkennung können in weit ärgerem Ausmaß als alle Religionen solche objektivierten Wahrheiten zur Zwangsjacke werden, wenn man Objektivität als Wahrheit falsch versteht, wenn mit ihrer irrig angenommenen Objektivität und Sachlichkeit der Mensch in seiner dagegen ungültigen Subjektivität nun gänzlich entmündigt wäre und er damit sowohl in seinem Denken zu solchen Wahrheiten gezwungen, wie er dann auch selbst als Objekt zur reinen Sache würde. Und es ist geradezu ein Segen, daß Aristoteles erstmal für tausend Jahre auf Eis lag und der Mensch im Abendland sich an seine Mündigkeit etwas gewöhnen konnte, ehe er dieser Versuchung Wissenschaft ausgesetzt wurde, - obwohl man anders natürlich auch so argumentieren könnte, daß Aristoteles ohne die Christianisierung wohl auch heute noch verschollen wäre und der Europäer wohl weiterhin im Urwald als Barbar einmal seinem Aberglauben untertan, zum anderen das Recht und den Wert des Menschen ganz natürlich wie bei Tieren und Pflanzen danach messen würde, wieviel andere Menschen er verdrängen, unterjochen oder töten kann, womit jeder sein Lebensrecht und seinen Wert ja auch beweisen mußte, um existieren zu können. Ziemlich viel von solcher Zwangsvorstellung steckt denn auch noch immer in uns, was Schwering übersieht.

Zu solcher Mündigkeit als Freiheit zur Machbarkeit jedoch gehört als Folge eigentlich unvermeidlich auch die Möglichkeit der Behauptung von reinen Spekulationen.
Auch dies ist zu untersuchen. Was in alten Religionen und Philosophien der damaligen Welt an kausalen Erklärungen der Welt und des Menschen in ihren Aporien quasi natürlich mit der Zeit gewachsen war und dem man als Überlieferung und Allgemeingültigkeit unterstand, konnte nun von jedem beliebig verworfen, umgedeutet, synkretistisch oder paradigmatisch verarbeitet oder auch ganz neu entworfen werden.
Pragmatisch oder beliebig benutzte Freiheit beobachten wir an Mani und vielen anderen Gnostikern jener Frühzeit des Christentums. Wieweit die Gnostik und der Manichäismus auch unter solchem Aspekt bereits gesehen werden, weiß ich nicht. Sicher ist aber das Glaubensbekenntnis auch eine Abgrenzung gegen solche Beliebigkeit.
Während die Entwicklung in der griechischen Philosophie ganz gegenläufig dadurch bestimmt war, daß das Wahrheitskriterium immer weniger in dem Produkt einer kausalen Erklärung in Form eines mehr oder weniger beliebigen, zufälligen, phantastischen eben subjektiven Glauben gesucht wurde, geht seit Aristoteles bis heute noch mit jenem versteckten Platonismus „die Bewegung des Erkennens (in der Philosophie und Wissenschaft) vom Richtigen für uns Menschen zum Richtigen an sich"  womit das Wahrheitskriterium des Kausalen zunehmend die Kausalität selbst wird. Und genau in solcher scheinbar wertfreien Reinheit konnte die Philosophie dann ein Instrument der späteren Theologie und der Wissenschaften werden
Das Kerygma stabilisiert, formt und formalisiert sich - nicht gegen diese Freiheit sondern gegen die rein spekulativ und unlauter bestimmte Beliebigkeit, deren kausale Konstruktionen und Argumentationen vom Kern des christlichen Glaubens wegführte, also vom spekulativ Objektiven zum Subjektiven hin - und zwar letztendlich dadurch, daß aus den ausgewählten Evangelisten und Aposteln nun ihrerseits die Gepredigten und aus deren Schriften die heiligen Schriften und damit Bewertungskriterien wurden, was gewissermaßen natürlich eine Einschränkung von Freiheit bedeutet, die über die Kontrolle, Beurteilung, Bewertung u.s.w. nun auf sozialer Ebene ebenfalls immer ein Einfallstor für zwielichtig wie pragmatisch motivierte Leute war, die solche Möglichkeit mehr oder weniger beliebig strategisch zu einem Vorteil benutzten.
Aber man darf heute sehen und verstehen, daß das Verhältnis Jesu zum Gesetz, zum Alten Testament und zum alten Bund nicht zuletzt auch als Botschaft im Grunde nicht anders auch der Glaube und Anspruch der eigenen Gültigkeit vor Gott war und zwar im Namen aller Menschen und aller Zeiten, aber dies bedeutet auch, daß auch Jesu Freiheit nicht als Freiheit zur Beliebigkeit sondern auch von ihm selbst als eingeschränkt verstanden wurde, was wir soteriologisch als sein Werk, seine Aufgabe, seinen Gehorsam gegen Gott und als Erfüllung der alten Schriften bezeichnen und als das Wahrheitskriterium anlegen.
Wenn man heute mit dieser Gültigkeit des Menschen an ein politisches Grundrecht etwa an Glaubensfreiheit, an freier persönlicher Entfaltung u.s.w. denkt, wird man zuerst an eine durch die Christianisierung veränderte Sozialstruktur denken, etwa an die persönliche Verbindlichkeit und Berechenbarkeit. Hier droht nun schnell ein vordergründiger und materialistischer aber sehr verbreiteter Religions- und Kulturpatriotismus mit vielen berechtigen Gegenargumenten. Der Blick sollte unter dem Aspekt solcher neuen Gültigkeit aber zuerst in die ganz andere Richtung gehen, nämlich auf den erkenntnistheoretischen Hintergrund solcher Veränderung, in welcher Weise Jesus, die geschichtliche Person, zum Begriff wurde, und wie dann die biblischen Aussagen als die konkrete kerygmatische Botschaft sich von dem realen Geschehen zum begrifflichen Inhalt verwandeln und damit Bestandteil des Bewußtseins wurden.
Dies ist durchaus kein Ausweichen in eine unwirkliche Theorienwelt. Denn ein Begriff, dessen Wesen das „Bertelsmann Lexikon" folgendermaßen definiert:
Begriff: Gesamtheit der unveräußerlichen Merkmale einer Sache oder eines Sachverhalts (das Wesen, das Wesentliche, das Allgemeine); die mit einem Wort als gültig gesetzte Einheit dieser Merkmale; der aussagbare, definierte Bedeutungsinhalt eines Wortes.
bestimmt nicht nur wie ich oder die Allgemeinheit eines Sprachbereichs etwas verstehen, denken und danach handeln, sondern er ist die Voraussetzung, daß ich überhaupt etwas wie z.B. den konkreten Tisch bewußt erkennen kann.
Man muß nun befürchten, daß besonders bei einem Vergleich jener kerygmatischen Wende mit der neuzeitlichen Aufklärung einige recht verbreitete Denkfehler weder erkannt noch verstanden werden, wobei ja der christliche Glaube mit seinem Wahrheitskriterium immer in ein Verhältnis gerät oder gesetzt wird zur Wissenschaftlichkeit als anderes Wahrheitskriterium und über diese zur Philosophie mit ihrem griechischen Erbe, wenn man sich dabei nicht die Bedeutung des Begriffs für unser Denken klarmacht. Denn nur zu leicht könnte nun Jesus als Begriff nur als unsere Vorstellung verstanden werden, in der er in neuer Bedeutung weiterlebt, was natürlich ebenfalls geschieht, wobei er aber eben nicht real sondern nur begrifflich lebte, so wie der Begriff z.B. von einem Tisch kein realer Tisch ist.

Ähnlich könnte Jesus aber auch nur als idealistische, d.h. platonische Wirklichkeit mißverstanden werden wie recht verbreitet etwa ein Naturgesetz verstanden wird: so wie z.B. der Lauf der Sonne einst als konkrete göttliche Handlung oder Bewegung verstanden wurde, ist die entmythologisierte wissenschaftliche Einsicht in die Gesetzmäßigkeit als didaskalische  Wahrheit das Verhältnis von Geschwindigkeit (m/sek) und der Masseanziehung (1/2gt²) eine Formel, ein Naturgesetz einerseits von ähnlicher Struktur wie ein Begriff, als Wissenschaftlichkeit jedoch in der Tat ein Begriff, der eben für alle „g’s", „m’s" und „s‘s" gilt, wie der Begriff „Tisch" für alle Tische jeglicher Form, Größe und Farbe gilt; andererseits gilt die Aussage dieser Formel als Gedanke oder gar als eine Wahrheit, deren Ideal nach Plato in einem Reich der Ideale existiert, was bezüglich Jesu dann leicht irrtümlich mit dem christlichen Himmel verwechselt werden könnte, womit dann beides das Produkt eines Denkfehlers wäre; oder aber, daß eben die Wahrheit der Formel - nicht weniger platonisch - nach Aristoteles und nach weitverbreiteter Ansicht didaskalisch in diesem Ding oder dem Sachverhalt selbst steckt, was in etwa der pantheistischen Weltvorstellung entspräche, womit inzwischen ein merkwürdiger materialistischer Fundamentalismus und Irrglaube seine Blüten treibt, als habe ich nun hier auf der einen Seite den konkreten Gegenstand mit all seinen Gesetzen als reales Objekt vor mir und auf der anderen Seite die Erkenntnis von diesem Gegenstand und den Begriff und als könnte ich nun beides miteinander vergleichen und den Beweis für oder gegen die Richtigkeit einer Wahrheit an und mit diesem Gegenstand prüfen oder beweisen. Natürlich haben wir auf beiden Seiten immer nur unsere Erkenntnis von diesem Gegenstand, und dies gilt natürlich auch für einen geschichtlichen Jesus, wenn er denn auffindbar oder rekonstruierbar wäre.
Dies ist philosophisch gesehen keine Neuigkeit, sondern gehört wohl - zumindest seit Kant - auch zu den normalen Schularbeiten der Hermeneutik und eines jeden Thologiestudenten.
Aber so ärgerlich es auch ist, daß Kant nicht zur Allgemeinbildung gehört, daß nicht jeder Schulabgänger die Auflösung der Antinomien kennt und so gegen manche fundamentalistische Naivität und Verranntheit praktisch geimpft wäre wie gegen den primitivsten Aberglauben, so wäre und ist ja auch weiter mit dieser Einsicht in die apriorische Bedingtheit jeder menschlichen Erkenntnis der Schein nicht gebrochen, als wäre unser Urteil über Richtig und Falsch, Recht und Unrecht jenseits dieser Bedingtheit ein unmittelbarer Zugriff in die Welt an sich, ins Noumenon; und die Kritik der reinen Vernunft würde zudem auch nicht taugen, die Unwahrscheinlichkeit göttlicher Existenz und Wirklichkeit wahrscheinlicher zu machen. Dazu ist es notwendig, über Kant noch einen weiteren Schritt hinaus zu gehen, wie es Gerold Prauss in der Gegenwart versucht, was ich noch ausführen werde.
 
Die Verunsicherung des Glaubens.

Ich will vor diesem wohl schwierigsten Aspekt eines gemeinsamen Glaubensbekenntnisses ein schönes, positives aber nur scheinbar einfaches Beispiel anführen, wie es von dem islamischen an Aristoteles orientierten Theologen Averroës ( Ibn Rushd * 1126, † 1198) stammen könnte, wonach der Prophet - oder für uns Christen die Apostel - die Wahrheit wie reines Gold in die Hände bekommen hätten, dessen Wert nicht dadurch bezweifelt oder vermindert würde, wenn sich nun Wissenschaft und Wissenschaftler auch für die physikalische, molekulare, atomare, grammatikalische oder philosophische Struktur des Goldes interessieren, was dem Wert ja keinen Abbruch tut. Vielmehr könne der Wissenschaftler nun viel besser zwischen Gold und Fälschung unterscheiden.
Averroës ist wohl der erste, der diese Verunsicherung von der Position der Wissenschaft her erkannte und thematisierte. Er versuchte zwar im Sinne des oberen Beispieles die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glaube nachzuweisen, um die wissenschaftliche Entwicklung im Islam zu erhalten, kam am Ende - gerade wegen der Gefahr solcher Verunsicherung - zu dem verzweifelten und untauglichen Schluß, daß man der Allgemeinheit die wissenschaftlichen Erkenntnisse vorenthalten solle, womit er Wissenschaft wie einst in Ägypten und Mesopotamien in die esoterische Verbannung geschickt hätte. Hiermit führte gerade die durch den geschriebenen und quasi empirisch gesicherten Koran scheinbar einfachere Position des Islams zur der Alternative Glaube oder Wissenschaft, womit das bis heute ungelöste Problem mit Aristoteles - aber auch die Verantwortung - an das christliche Abendland weitergegeben wurde.
Wenn selbst Jesus in einem Gleichnis den Glauben und das Himmelreich mit einem Geldstück oder einer Perle vergleicht, so wäre solcher, wie das obige Beispiel mit dem puren Gold, dennoch gänzlich ungeeignet, das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft darzustellen.
Denn die Verunsicherung durch diesen recht versteckten didaskalischen Platonismus geht über Konfessionen und Religionen hinaus und stellt, wie schon gesagt, durch diesen Denkfehler den Menschen in Wert und Gültigkeit überhaupt in Frage. Er liegt nämlich als Versuchung in solcher scheinbaren Objektivität und als Vorwurf heimtückisch in jeder Wissenschaftlichkeit verborgen, denn es scheint sich damit ja nun gerade die Kausalität oder die kausale Richtigkeit als letzte Verbindlichkeit über die Subjektivität und das Subjekt zu erheben, worauf es dann, diese kausal richtige Schlußfolgerung zum Maß genommen, auch das kausal verknüpfte nun erst recht legitimiert, für den christlichen Glauben aber hieße dieses erstmal, als habe im Kerygma der Christenheit genau das Gegenteil einer Aufklärung und das Gegenteil von Erkenntnis stattgefunden, statt Entmythologisierung und Wahrheit eben die vernebelnde und verfälschende subjektive Mythologisierung der realen Person Jesu und damit der Welt, d.h. erst recht Unwahrheit, wobei mit solchem Akzent ein Mensch, ein Theologiestudent oder der Leser etwa von D.F. Strauss „· · · · · die Evangelisten denken sich das Vorherwissen (Jesu) als ein übernatürliches , wie wir es nicht denken können;"  sich leicht vor die Alternative gestellt sehen, nun wählen zu müssen zwischen "aufgeklärter" Selbstsicherheit einer modernen besseren Einsicht oder einer Verunsicherung im Glauben.
Und um diese Verunsicherung und deren Überwindung geht es mir und ist der eigentliche Anlaß dieses Briefes.
Dabei muß man sich bei der Lektüre z.B. der konsequenten, mutigen und sachlichen und um Wahrheit bemühten Wissenschaftlichkeit von D.F. Strauß ja zweierlei fragen: Welche Wahrheitskriterien legt er an, und was passiert mit dem Glauben im Zuge solcher Verunsicherung angesichts seiner Argumente? Er geht nämlich nicht auf die eigentliche Kontradiktion von christlichem Glauben der einen Seite und Wissen bzw. Wissenschaftlichkeit der anderen Diktion ein, wie wir es von Martinus, Averroës, Thomas und Anselm gewohnt sind, sondern zu den Kriterien der Wissenschaftlichkeit verwendet er, wie in aller praktischen Wissenschaft nicht anders üblich, reine, urbane Menschenkenntnis als zweites Wahrheitskriterium. Deswegen müssen wir weiter unten auf Wesen und Entwicklung von Menschenkenntnis in diesem Zusammenhang ebenfalls noch näher eingehen.
Vorerst können wir aber schon annehmen, daß die Lektüre von D.F. Strauss von einem von Erziehung und Gewohnheit her gänzlich unreligiösen Menschen vielleicht so erlebt wird, wie ein Eröffnen der Augen über den "Humbug" der Religion, was irgendwie mit dem Begriff „Aufklärung" auch immer verbunden wird. Während die Lektüre auf einen gläubigen Christen eher die Wirkung ausüben wird, als würden ihm alle vormals selbstverständlichen Begriffe und Bezüge zu Gott und seinem Glauben und selbst die Erinnerung daran wie mit einem Tuch weggewischt, was dann mit einer regelrechten Amnesie verglichen werden könnte.
Angesichts einer solchen be- bzw. entnebelnden Wirkung einer konkreten Gegenüberstellung beider Seiten der Kontradiktion ( die aber nur scheinbar eine solche ist ), könnten sich nun beide Seiten jeweils - nach moderner Nomenklatur - Indoktrination oder sogar Gehirnwäsche vorwerfen, wovon heute oft die Rede ist.
Man könnte es vereinfacht auch so sagen, daß das Denken oder Erkennen innerhalb der einen Position geradezu blind macht für die Wahrheit der anderen Diktion.
Und es ist aus diesem Grund auch schwierig, dieses Problem unterschiedlicher und scheinbar disjunktiver Denkweisen zu beschreiben, denn wenn ich beide Denkweisen miteinander vergleiche, beweise ich damit entweder bereits das Gegenteil von dem, was ich erklären möchte, weil ich ja damit geradezu demonstriere, daß ich und daß man beides zugleich denken kann, oder aber ich sehe das Problem aus der Position einer der beiden Denkarten.
Es geht hierbei auch nicht um unterschiedliche Ansichten und Theorien, wie man sich streiten kann, ob die Wurzel aus "Zwei" größer oder kleiner als 1,5 sein wird, ehe man dies errechnet, oder ob der erste Homo Sapiens in Asien oder Afrika oder im Garten Eden aufgetreten ist. Der seit ewig bekannte, scheinbar disjunktive Unterschied klingt mit, wenn wir normaler Weise Glaube und Wissen einander gegenüberstellen, wobei dann Glaube nicht in der Bedeutung einer hypothetische Annahme gemeint ist, sondern als eine Gewißheit, die eigentlich noch gewisser als Wissen oder Evidenz ist. Der Unterschied klingt mit, wenn wir Weltanschauung und Ideologie oder Wissenschaft und Ideologie einander gegenüber stellen, wobei dann das, was als ideologisch bezeichnet wird, von der Gegenseite als eine Art Krankheit, Unheilbarkeit, Verfallen- oder Besessensein empfunden wird, dem man dann im Extremfall auch heute noch - wie im Mittelalter - nicht mehr mit Argumenten widerstehen, sondern nur noch durch Isolierung oder Tötung des Besessenen entgegnen zu können glaubt, so daß u.U. beide Seiten für den jeweils anderen einen Scheiterhaufen errichten und wobei dann oft genug erst ein Krieg entscheiden mußte, wer real verbrannt wurde. Der heute berühmte und zu Lebzeiten kaum beachtete Mathematiker, Gottlob Frege , sah kurz vor den weltanschaulichen Katastrophen unseres Jahrhunderts die Ursache solcher Disjunktion in der Funktionsweise unserer Sprache, und er hielt es für die Aufgabe aller Philosophie, den Menschen aus der Abhängigkeit von der Sprache zu befreien, während der moderne, wohl wichtigste Philosoph unserer Zeit, Gerold Prauss, von Kant und Frege ausgehend das sich scheinbar ausschließende Diskunktive und Antinomische auf einen (mehr oder weniger vorsätzlichen) vermeidbaren Denkfehler zurückführt, der zu einem falschen Verhältnis zur Erkenntnis führt wie auch aus solchem resultiert, dessen Ansicht ich mich weitgehend auch anschließen kann, so wie ich ihn verstehe.
Aber es ist auch das, was weniger dramatisch und eigentlich positiv in der Unterscheidung von Zivilisation und Kultur mitklingt, wobei das jeweils andere in der Beurteilung zwar negativ ausfällt, jedoch als Merkmal eigener Qualität toleriert wird..
Als Mittler zwischen beiden haben wir die normale Menschenkenntnis und zwar als das, was in der Anwendung von „Sitz im Leben" als Bereitschaft oder Fähigkeit zur Reflexion mitklingt.
Ich muß dieses Verhältnis und Mißverhältnis über drei unterschiedliche Stufen verfolgen:

1. Stufe : Die materiell, physiologisch und empirisch-deduktive Art des Denkens, was Max Black wohl die Ätiologie eines Ereignisses nennen würde, wobei ich zum Verstehen physikalische und chemische Gesetze anwende.
2. Stufe : Die geistig-soziale Ebene eines Geschehens, wobei in dem wissenschaftlichen Verstehen und in allen Gesetzmäßigkeiten neben der Physiologie auch die psychischen, geistigen, seelischen und sozialen Eigenschaften des Menschen wie auch die Möglichkeit des freien Entschlusses, der Abhängigkeit, des Irrtums, des Glaubens und Wissens u.s.w. in ihrem mondialen Bezug von Allgemeinheit eingeschlossen sind.
3. Stufe : Die Ebene, in der ein Ereignis ohne, mit oder neben dem vorigen explizit das Wirken Gottes in seiner Universalität als Allgemeinheit einschließt.
Ich will Ihnen damit keine alte oder neue Welttheorie vorstellen, sondern habe dabei immer vor Augen, daß ein jedes wie auch unser gewohntes Glaubensbekenntnis scheinbar unüberwindliche Disjunktionen und Unmöglichkeiten enthält, die wir einerseits aufgrund normaler Menschenkenntnis trotzdem richtig verstehen, die andererseits natürlich ärgerlich sind und womöglich die Ursache für eine Verunsicherung darstellen, wenn z.B. ein 12jähriger Bub oder ein 10jähriges Mädchen fragt oder gefragt würde, welchen Weg Jesus bei seiner Himmelfahrt nach seinem Aufstieg genommen hat, am Mond und Mars vorbei in eine gerade Richtung und wohin. Ganz deutlich sieht man dabei die Bi- oder Trifurkation zweier und dreier möglichen Arten zu verstehen und zu denken. Aufgrund unserer normalen Menschenkenntnis wissen wir natürlich, daß Jesu Himmelfahrt weder so behauptet und gemeint noch auch so verstanden und geglaubt wird, wenn dieses auch wörtlich in unserem Bekenntnis und in unserer normalen Sprache als ein Aufstieg vom Erdmittelpunkt weg nach oben in Richtung Weltraum formuliert und in der Kunst so dargestellt wird und wir ja auch wissen, daß der Begriff oder der Name Himmel zur Zeit der Festlegung unseres Glaubensbekenntnisses keineswegs ein Homonym war. Wir müssen angesichts dieser hier sehr einfach gegebenen Bifurkation einmal natürlich die unterschiedliche Begrifflichkeit, den unterschiedlichen Kontext des geistlichen zu dem physikalischen Himmel mit den unterschiedlichen Denknotwendigkeiten beachten, so als hätten wir hier zwei verschiedene Wohnungen, mit unterschiedlichen Räumen und Türen, anderen Büchern und Bildern an den Wänden, mit anderen Möbeln und ganz andere Nachbarn, zum anderen sollten wir hier darauf achten, mit welchem Gefühl wir einen solchen unerwarteten Wechsel erleben, der mit solcher Kinderfrage stattfindet, so als wären wir in der einen Wohnung eingeschlafen und wachten in der anderen auf und müßten uns, - und zwar durch die begriffliche Orientierung, - auch erst selbst wiederfinden. Wir erleben dabei die tiefe Verknüpfung der Begrifflichkeit mit unserem Bewußtsein. Dies ist nicht nur Psychologie und Philosophie, sondern Theologie insofern, als wir uns in solchem Zusammenhang die Begriffsbildung des Himmelreichs vergegenwärtigen müssen, die Jesus mit seinen ganz unterschiedlichen Gleichnissen vornahm, was nur schwer mit einer Newtonschen Definition und einer logischen Deduktion auch nur zu vergleichen ist, obwohl sprachlich und im Bewußtsein dabei das Gleiche stattfindet. Keinesfalls ist der kosmische Himmel ein paradigmatisches Symbol für den geistlichen, oder umgekehrt, wenn sich auch Analogien und Beispiele für einen Vergleich finden lassen und uns der Blick auf Sternenhimmel im unendlichen Kosmos die Endlichkeit unserer irdischen Existenz erleben läßt.
Diese klare Unterscheidbarkeit der Begriffe, diese geradezu mit der Hand zu greifende Bifurkation, gelingt denn auch nur deswegen scheinbar ohne Probleme, weil wir uns dabei im rein Theoretischen bewegen, also im Reich der Gedanken, was sich aber sofort sehr kompliziert, wenn der Bezug eines Begriffs zum Gegenstand, zu einem Ereignis und zur menschlichen und göttlichen Handlung gedacht wird.
Sehr interessant zu unserem Beispiel ist eine Vorstellung der „Zeugen Jehovas", wie sie im Glaubensgehorsam und ihrer bekannten Worttreue sich ein Himmelreich auf Erden ohne Tod und Krankheit, ohne Betrug und Sünde in der Welt der 1. Stufe ausmalen, wie es auf Illustrationen zu sehen und in Beschreibungen zu lesen ist, wobei die Regierungen der sozialen Welt jener 2. Stufe vom Weltenraum oder von einem Orbit aus mittels telepathischer Wellen oder Signale, die als Inspiration gedeutet werden, unfehlbare Botschaften und Anweisungen bekommen, womit eine kausale Verbindung der 3. Stufe zur 2. Stufe hergestellt würde, also vom Willen Gottes zur menschlichen Handlung hin, was also beide Begriffe miteinander vereinbar macht, weil die Verbindung auch zur ersten Stufe der Mensch selbst schon immer darstellt, der aufgrund eines Entschlusses, sei dieser gut oder böse, die Materie im Sinne der 1. Stufe bewegen kann, wenn er z.B. einen Stein wirft.

Dies ist sicher ein sehr vereinfachtes Bild für die Problematik unserer Begriffe und entsprechend ungerecht gegen die „Zeugen Jehovas", weil sie solches wohl als Gleichnis aussagen, wie es ungerecht wäre, uns über den damaligen Bildungsstand der Apostel lustig zu machen, - und zu diesem Bild wäre noch schier unendlich viel zu sagen, was diesen Rahmen eines kurzen Briefes sprengen würde. Aber sie haben hier grundsätzlich natürlich recht, wenn sie sich mit allen Mitteln sabellinistisch gegen die falsche Vorstellung wehren, als lebte der Mensch mit dem jeweils anderen Begriff dann auch in einer anderen Welt und zwar mit einer anderen Identität in einer Art Schizophrenie, als wache - nach unserem Beispiel der beiden Begriffsinhalte von Himmel - ein anderer Mensch als ich selbst in einer anderen Umgebung auf und als sei der eine Begriff oder dann die eine Welt noch immer böse, falsch, fleischlich, irdisch, materialistisch, dunkel, vergänglich und der/die andere richtig, gut, hell, geistlich, göttlich und ewig, und als sei der Mensch entsprechend seinen jeweiligen Gedanken dann gut oder böse. Allerdings wäre hier ja einiges zu erklären, wenn man damit z.B. nicht alle Paulusbriefe zur Irrlehre erklären wollte.
Und es gehört zum „Sitz im Leben" nicht nur zum Verständnis der großen Diskussion der Vergangenheit über diese Problematik, sondern auch der Gegenwart, daß der Bezug zum gegenwärtigen Stand der Diskussion in Theologie und Philosophie zumindest kenntlich gemacht wird.
Ich will mit einem einfachen konkreteren Beispiel für die Verbindung der dritten Ebene zur 2. Stufe des Denkens beginnen, in dem die Verhältnisse nicht mehr so klar, sondern recht verwickelt und auch instabil sind:
Ich kann, wie gewöhnlich, ein Essen auch in einem Restaurant als Wunder und Geschenk Gottes erleben und ihm dafür danken. Wenn ich das göttliche Erlebnis dabei derart als subjektives und psychologisch erklärbares Phänomen im Sinne der 2. Stufe beschreibe, denn ich werde ja auch die Rechnung beim Kellner bezahlen, hat dieses ja durchaus auch seine Richtigkeit für die 3. Stufe. Ein Dankgefühl irgendwohin für das Leben oder für ein Erlebnis an einen allgemeinen universalen Gott ist mit unserer Menschenkenntnis und unserer Vorstellung einer normalen Frömmigkeit dann auf beiden Stufen so normal wie wir Gott im „Grüß Gott" oder „Mein Gott" zu jeder Gelegenheit und auch im normalen Tischgebet aussprechen.

Wenn ich dabei jetzt allerdings ausdrücklich ausklammere oder verneine, daß es tatsächlich ein Geschenk Gottes an mich persönlich zu diesem Zeitpunkt sein konnte, dann ist mein psychisches Erlebnis und auch mein Dank an Gott vielleicht psychologisch erklärbar, hätte aber als Gewohnheit oder als theomantische Einbildung eines unwahren kausalen Zusammenhangs zu gelten, die Begriffe bekämen dadurch sofort eine andere Bedeutung oder wären ganz andere Begriffe, und dies gilt ebenfalls für den Hinweis auf die empirischen Fakten, daß dieses Essen gegen Bezahlung von jenem Restaurant und nicht von Gott geliefert wurde. Es entsteht dadurch eine neue Aussage, die sich nun nur auf die 1. und 2. Stufe beschränken will.

Aber selbst dann, wenn ich ausdrücklich nach Spinozischer Konsequenz oder nach Aristoteles von einem Gott als Urbeweger allen Geschehens ausginge, müßte es auch aufgrund dieser Präzisierung ebenfalls nach allgemeiner Menschenkenntnis als reine Einbildung gelten, daß solche Urbewegung von Gott allein meinetwegen veranstaltet worden wäre, um mir dieses ganz besondere Essen zu diesem Zeitpunkt zu schenken, die allgemeine Menschenkenntnis weiß hier sehr wohl zu unterscheiden - denn wer bin ich besonderes vor allen anderen Menschen? - wie die traditionelle Theologie es als ein Geschehen jener 3. Stufe aber zurecht für Jesus annimmt „Alles geht von ihm, durch ihn und zu ihm.", was im Hinblick auf die Soterologie auch verständlich und glaubwürdig ist.
Wenn dieses Essen dagegen tatsächlich ein Geschenk Gottes an mich war, dann werde ich das Restaurant und die Rechnung wie aber auch meine Eigenleistung als Gang zu diesem Restaurant und als Bestellung und damit die beiden ersten Stufen dabei zwar berücksichtigen und mein Essen auch bezahlen, aber als derart nebensächlich geradzu als ein Konnotat ansehen, so daß ich bei einer Erzählung meines Erlebnisses die empirischen Fakten aller Umstände schlicht übergehe oder leichtfertig behandle und entsprechend zurechtrücke, oder, um das Göttliche zu unterstreichen, bewußt auslasse.
Wenn ich die ganze Welt mit allen Einzelheiten als Gottes Schöpfung erlebe und dann auch so sehen kann, wird sich damit auch der Inhalt aller Begriffe und mein Bewußtsein im Sinne jener 3. Stufe verändern, - wobei ein Leben in oder mit zwei und drei unterschiedlichen Begriffswelten ganz normal ist..
Mit solchen Wörtern erzählen die Evangelien das Leben Jesu in der Bedeutung jener 3. Stufe, wie es Strauss dann aber in der wissenschaftlichen Bedeutung nur jener 2. und 1. Stufe als Unsinn zu entlarfen glaubt - nicht ganz so naiv aber im Prinzip wie jener 12jährige Bub mit der Frage nach der Raumfahrt Jesu.
Dies ist sicher richtig und ist in solcher Argumentation zu bedenken sicher nützlich, - so als Krückstock angesichts einer drohenden Verunsicherung im Glauben und auch für ein gerechteres Verständnis für die Straussche Argumentation. Und es sollte nicht nur für Christen zur allgemeinen Menschenkenntnis gehören, daß es unterschiedliche Begriffswelten, d.h. Bedeutungen und entsprechende Ansichten gibt, besonders wohl darüber, wie solche zu erklären und zu bewerten sind, die man auch bewußt einnehmen kann, ohne die anderen gleich verdammen und für falsch und böse halten und meiden zu müssen, wie es neben der gesunden Frömmigkeit eben auch Leute gibt, die zugleich Wissenschaftler sind und auch andere, die nicht an Gott glauben, oder die glauben, ihn z.B. bei der Lösung einer komplizierten mathematischen Gleichung ausklammern zu müssen.
Und der Umstand, daß die vielen Unstimmigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten im Kerygma und in den Evangelien, die Strauss aufgreift, fast 2000 Jahre lang kaum auffielen und für den Glauben kein Problem bedeuteten und bis heute nicht bedeuten, bezeugt geradezu, daß im ganz normalen und richtigen Verständnis auch auf etwas ganz anderes, nämlich auf das Göttliche intendiert und geachtet wurde und wird, für das Strauss gewollt oder ungewollt blind ist, weil für ihn Gott in solcher bewußten und nur scheinbar rein logischen Konsequenz auf der 2. und 1. Stufe keinen Platz hat und er Gott und ein mögliches Handeln Gottes eben als Wunder als mögliche Erklärung für etwas vor seiner Analyse des Textes bewußt ausklammerte.
Dennoch ist diese bisherige Argumentation solcher Stufen eine grobe Vereinfachung und sogar mehr eine epagogische Induktion, fast ähnlich einer Wunschvorstellung, als daß hier kein Widerspruch mehr möglich und nicht die meisten Fragen noch unbeantwortet wären, nämlich, wie sich solche Denkbarkeiten zwischen den Stufen voneinander ausschließen, wie sich der Glaube in jenem Restaurant an das Geschenk einerseits und die immer mögliche Interpretation des Psychologen, dieser Glaube sei reine Einbildung, andererseits nach Belieben glauben, behaupten oder bezweifeln läßt.
Schon bei dem Versuch, eine kausale Verknüpfung der beiden ersten Stufen herzustellen, mit der der Mensch aufgrund einer Absicht handelt und dabei in den natürlichen, physikalischen Ablauf der Welt eingreift, ist bisher alle Philosophie gescheitert, obwohl andererseits eine Veränderung der Welt durch menschliches Einwirken als geradezu erschreckendes Ausmaß kaum zu übersehen ist. Auch hier zeigt erst Prauss den einzig gehbaren Weg. Bevor ich daran aber anknüpfe, müssen wir mit aller Konsequenz nachweisen, daß ein platter empirischer Beweis immer scheitern muß. Denn wenn empirische Soziologen das menschliche Handeln und Verhalten, wie etwa das Leben und Treiben in einer Stadt, rein statistisch genauso natürlich ansehen, wie nicht anders den Maulwurf mit seinem Maulwurfshügel oder die Ameisen mit ihren Ameisenhügeln, nur eben menschspezifisch, und dabei die einzelnen individuellen Absichten und Motive außer acht lassen, dann ist das einerseits für die Stadtplanung und die zu beachtende Infrastruktur sicher auch sinnvoll, führt aber andererseits dann leicht zu einem scheinbar berechenbaren und damit aber notwendig problematischen Menschenbild, weil ein empirisches Menschenbild ohne das nichtempirische unmeßbare individuelle Bewußtsein, ohne Gewissen und ohne Freiheit immer ein negatives Menschenbild ergibt , wie es dann als recht negatives Argument gegen den Menschen gerade in der Szene oft zu hören ist, als sei die schöne Erde von dem bösen Virus Mensch befallen wie von einer Krankheit, was ein anderes wichtiges Thema für sich ist, weil man mit solchem negativen Menschenbild dann unter dem Gesichtpunkt z.B. der Bevölkerungspolitik nicht nur Abtreibungsgesetze, sondern letztlich auch direkte oder indirekte Tötungen und dies dann etwa auch nach eugenischen, rassischen und nationalistischen Gesichtspunkten logisch, wissenschaftlich bzw. rechnerisch rechtfertigen könnte.
Worauf es hier aber ankommt, ist das bis heute ungelöste logische Problem einer scheinbaren Antinomie, nach der ich dabei ja nach Belieben den individuellen menschlichen Willen in diesem menschlichen Verhalten als Handlung und Verantwortung des einzelnen Menschen wegdenken oder dazu denken kann. In solcher Erkenntnis wäre die menschliche Handlung, ohne daß ein individuelles Entscheiden und Gewissen berücksicht ist, ein ganz natürliches Geschehen wie Wetter oder Vegetation. Karl Marx und Lenin sahen derart soziologisch die Entwicklung zu einer proletarischen Revolution als wissenschaftlich begründbares Naturgesetz. Solche Erkenntnisse über den Menschen, so problematisch sie auch sein mögen, - ein Menschenleben würde nicht ausreichen, um alle Bücher zu diesem Thema zu lesen, - sind für eine moderne Politik unabläßlich und längst selbstverständlich. Die Menge der Nahrungsgüter oder der sanitären Anlagen für einen Flüchtlingsstrom wären anders gar nicht zu organisiert und erst recht nicht die Infrastruktur einer Stadt oder eines Landes.
Was bedeutet aber die Anwendbarkeit und die Anwendung einer solchen Erkenntnis, die ja wohl der Sinn solcher Wissenschaft sind, damit anhand des Ergebnisses dann verantwortlich gehandelt werden soll, wobei ich dann den individuellen Aspekt wiederum hinzudenken muß, womit ich ja den Meßwert von vornherein oder im nachhinein verfälsche, denn die Anwendung der Meßergebnisse oder Erkenntnisse sind in der Erkenntnis ja nicht enthalten?
So fremdartig und abwegig es zuerst ja auch klingen mag, solche philosophische und wissenschaftliche Frage im Zusammenhang mit unserem Glaubensbekenntnis zu diskutieren, so bedeutet menschliches Handeln, aufgrund welcher Erkenntnis auch immer, zuerst ganz allgemein gesehen, daß dabei etwas zu verantworten ist. Keinesfalls kann ja eine noch so perfekte Erkenntnis die Entscheidung zur Anwendung bereits enthalten, so daß ich mit einer Erkenntnis bereits zu einem bestimmten Verhalten gezwungen würde, wie etwa eine Motte bei der Erkenntnis von Kerzenlicht nun auch gezwungen ist, in die Flamme und damit in den sicheren Tod zu fliegen. Und dennoch gibt es sicher auch beim Menschen in vielen Situationen ein ähnlich zwanghaftes Reagieren auf bestimmte Erkenntnisse und wie Paulus mehrfach beteuert auch ein solches, das zum Verderben führt.
Anders gesehen ist unser Glaube und die Christianisierung aber nichts anderes als Anwendung von Erkenntnis. Man könnte im Vergleich mit Paulus sogar sagen, daß mit dem Glauben erkannt wird, daß das Gesetz des Fleisches zum Tod führt, wie eben auch das erkennbare und meßbare Gesetz der Natur zur Entropie wie nicht anders das des natürlichen menschlichen Verhaltens, nach dem jede Stadt und jeder Staat ins Chaos geraten würde, wenn nicht in den natürlichen Lauf der Dinge künstlich und vernünftig und verantwortlich eingegriffen würde. Das heißt aber doch, daß für die richtige oder falsche Anwendung einer richtigen Erkenntnis nicht das Richtigkeitskriterium dieser Erkenntnis allein ausreicht, sondern in dem menschlichen Gewissen und Glauben ein den Wissenschaften noch übergeordnetes, also ganz unwissenschaftliches Richtigkeitskriterium besteht. Dies kann heißen, daß der gemessene Mensch nur der meßbare Teil des Menschen ist, und daß der Glaube von einer Ganzheit, einer Allheit als von einem höheren Kriterium herrührt. Dies ist sicher richtig.
Dennoch bleibt ein Widerspruch: Denn das jeweilige Verhalten all der einzelnen Menschen z.B. einer Stadt, selbst wenn sie z.B. nur aus gläubigen Christen, Mohammedanern oder Juden bestünde, ist ja gerade und keinesfalls ein rein wissenschaftliches oder wissenschaftlich meßbares Verhalten, sondern in aller Welt ein gläubiges und geriete aber nicht anderes als jede andere Stadt ins Chaos, wenn dort nicht zumindest eine mehr oder weniger wissenschaftlich fundierte Stadtplanung und politische Lenkung aufgrund solcher Messungen bestünde und Wasser- und Nahrungsversorgung, wie auch Müll- und Abwasserentsorgung organisieren und den Verkehr auf den Straßen regeln würde u.s.w., was ja nun andererseits einmal heißen müßte, daß die Wissenschaft der Soziologie dennoch das höhere Richtigkeitskriterium über den jeweils individuellen Glauben sei, und das hieße zum anderen ganz gegenteilig, daß die Erkenntnis in der jeweils individuellen Handlung, die in der Summe mit allen anderen individuellen Handlungen ohne Lenkung ins Chaos führt, eben zum Teil auf falsche oder fehlende Erkenntnis zurückgeht, wobei solche Lenkung ja keineswegs eine Beeinträchtigung des individuellen Glaubens bedeuten dürfte. Die Begründung für diesen zweiten Aspekt liegt sicher in dem, was wir als Sozialisation oder Alternation bezeichnen, daß also die Handlung oder das Verhalten des Einzelnen in der Intention eben individuell und nicht mit allen anderen identisch ist und eben entsprechend nicht die Gesamtheit berücksichtigen kann, weder in der Hinsicht, wie mein Handeln die Gesamtheit mitbestimmt, - und zwar nicht nur ausdrücklich durch Wahlen, sondern von mir unbemerkt bereits durch den Platz, den ich für alle wahrnehmbar einnehme, noch kann ich berücksichtigen und bestimmen, wie andersherum die Gesamtheit quasi als Fremdbestimmung in mein individuelles Handeln hinein wirkt wie durch Erziehung, Konventionen, Sprache, politische Führung u.s.w..
Mit einfachen Worten: Die Gesetze oder die erkennbare Gesetzmäßigkeit des Handelns, die ins Chaos führt, auf dieses Handeln als Überhandlung vernünftig angewandt, übergestüpt, verhindert also das Chaos. „Die Diagnose ermöglicht die Therapie." „Problem erkannt, halb gebannt." Erst denken, dann handeln." In dieser volkstümlichen und normaler Weise ja auch richtigen Einsicht, die uns mit solcher Fähigkeit zur Reflexion und Reaktion auf unser eigenes Handeln vom Tier unterscheidet, besteht
Þ einerseits dabei scheinbar kein grundsätzliches Problem und keine Widersprüchlichkeit: ob, wann oder warum z.B. nicht solche Gesetze - ich will mal sagen, Gesetze der Entropie - auf unser Handeln angewandt nicht den Gang ins Chaos - oder wohin auch immer - weiter verstärken, wie z.B. die wissenschaftliche Erkenntnis von Marx, daß der Kapitalismus letztlich zur Revolution und zu seiner Beseitigung führt, dann von Lenin als Marxismus angewandt, die Revolution als Handlung und die Beseitigung des Kapitalismus künstlich gemacht wurde, oder wie die Erkenntnis der Gesetze der Evolution durch die Nazis dann als Nationalismus und Rassismus künstlich als barbarische, verbrecherische Handlung gemacht wurden, oder wie ganz grundsätzlich das zunehmende Ausmaß an Technisierung und Organisierung der Welt zurecht oder zu Unrecht als besorgniserregend empfunden wird;
Þ andererseits ist in solcher Volksweisheit ungeklärt, wie denn eine solche Überhandlung als politische Aktion oder ganz grundsätzlich als Anwendung einer Erkenntnis logisch möglich ist.
Ganz unklar bleibt, ob etwa im Falle, daß wir alle gute Menschen wären und den Kantschen „kategorischen Imperativ" in unserem individuellen Verhalten auch berücksichtigten, nicht doch die Entwicklung ins Chaos führte und eine politische zusätzliche Handlung, die vernünftig und logisch d.h. auch wissenschaftlich fundiert sein muß, erforderlich ist, und ob und wie beides zusätzlich auch noch der Handlung Gottes als „sein zu geschehender Wille" bedarf, und ganz unklar und gerade heute mißverständlich bleibt in solcher Volksweisheit, in welcher Weise nun in meinem Verhalten 1. meine Handlung, 2. eine politische Handlung und 3. eine göttliche Handlung zusammenwirken, und in welcher Weise nun geschickt und unstatthaft das eine mit dem Etikett des anderen versehen und das eine mit dem anderen begründet werden kann, so daß ich leicht meinen Willen als Handlung Gottes rechtfertigen könnte, wo doch in einer Handbewegung alles zusammentrifft.
Wollte ich einen modernen Gottesstaat gründen, gleichgültig welcher Konfession oder Religion, dürfte ich also niemals nur einen der beiden Aspekte berücksichtigen, ohne in fundamentalistischer Weise widersprüchlich zu werden, sondern ich müßte beide Seiten, also den Glauben als das höhere Richtigkeitskriterium wie auch die Wissenschaft oder menschliche Logik - also irgendwie - in eine „vernünftige" Ausgewogenheit und Abstimmung bringen, was dann als allgemeine Vernunft ja doch ein drittes Kriterium bedeutet, ohne dabei eines von beiden zu beeinträchtigen oder gegeneinander zu setzen, in der Alternative etwa: entweder Glaube oder Wissenschaft, - und ohne, daß die allgemeine Vernunft etwa damit den Wissenschaften und dem Glauben übergeordnet wäre, wie sie Jesus bei der Entscheidung zur Steinigung der Sünderin nach Joh. 8,7 oder bei der Fangfrage nach der Steuer bei Mark. 12,17 oder Luk. 20, 24 als Vernunft demonstrierte.
Hier zeigt sich so deutlich wie wohl nirgendwo, daß wir die Soteriologie und Christologie Jesu und des Evangeliums nicht mehr als eine nur innerkirchliche, fromme Sache der Christen und der Sonntagspredigt, sondern als ein existentiell menschliches und zwar allgemeinmenschliches Anliegen und zwar aller Religionen betrachten müssen, das der Islam ebenso wie der Buddhismus und jede andere Religion in ihrem jeweiligen Verhältnis zur neuen Situation der immer enger verknüpften Menschheit einerseits und der Wirklichkeit technischer und organisatorischer Strukturen zu klären hat. Und dieses um so mehr, als einerseits die Macht der Allgemeinheit als Fremdbestimmung, wie es Schwering beschreibt, zur Übermacht für das Individuum werden kann, wie andererseits die Macht des einzelnen Menschen es heute denkbar macht, mit der einfachen Handlung einer Fingerbewegung auf einen roten Knopf die Existenz ganzer Völker und auch der Menschheit zu vernichten, ganz abgesehen von den Ausmaßen, die ein zukünftiger Terrorismus mit solchen Unklarheiten solcher Drohung z.B. die Allgemeinheit im Namen Gottes zu erpressen, annehmen kann, wenn ich z.B. dabei den Propheten Habakuk zitiere - von den anderen technischen Dimensionen, in denen wir die Welt verändern, ganz abgesehen.

Das bedeutet nicht nur, daß sich die Kirchen in die Politik einmischen müssen und gegenüber der Wissenschaft eben nicht ihren Glauben opfern dürfen, sondern zuerst ja und vor allen Dingen, daß sie zuerst das Problem rein denkerisch und zwar für die Menschheit zu lösen haben.
Und was hieße es da, sich einfach auf die Bibel zu verlassen? Wenn Paulus die christliche Gemeinschaft als Leib Christi im Sinne eines Organismus beschreibt, wie solche Vorstellung auch allgemein in dem Wort Organisation enthalten ist, kann damit nicht wörtlich die reine Funktionalität der einzelnen Organe im Sinne von Gedankenlosigkeit gemeint sein, wie man etwa kaum davon reden würde, daß unser Herzschlag auf unsere oder irgend eine Erkenntnis zurückgehe, oder selbst Erkenntnis sei, - aber eben auch nicht auf eine falsche oder fehlende Erkenntnis. Eher meint Paulus das Gegenteil. Und das heißt, daß wir auch weder in der Bibel wie in keiner heiligen Schrift der Welt ein Programm finden können, nach dem man ganz automatisch richtig handeln kann, ohne selbst und ohne politisch denken zu müssen.
Bei der Diskussion um ein „Himmelreich auf Erden" stelle ich gewöhnlich die Frage an die „Zeugen Jehovas": ob ich dann im Falle einer gebrochenen Dachziegel Gott oder einen Dachdecker bestelle, der mein Dach reparieren soll, oder ob wir Menschen dann tatsächlich wörtlich genommen gänzlich entmündigt wie Schafe oder Idioten umsorgt und aller Probleme entledigt wären, wie etwa ein Zimmer aufzuräumen oder ein Dorf, eine Stadt, ein Land oder die Welt in Ordnung zu halten und dazu selbst zu denken.
Mohammedaner wie „Zeugen Jehovas" verweisen oft darauf, daß im Koran oder in der Bibel alles bereits schriftlich fixiert und festgelegt sei. Und dies bedarf ja doch der Klärung. Es wäre ja wohl ganz unsinnig, in der Bibel nachzusuchen, wohin ich meine Brille verlegt habe und welchen Reifen ich für mein Auto benötige. Und wie Frege solche Ungeklärtheit ganz grundsätzlich und richtig sieht und mehrfach betont, findet man in einem Buch, und sei es die Bibel, empirisch objektivierbar nur Druckerschwärze auf Papier. Wo er dennoch versuchte, Gedanken auf einer anderen Ebene zu objektivieren und dingfest zu machen, so daß man sie als Beweis für eine bestimmte solche Wahrheit anführen könnte, geriete er ebenfalls in unhaltbaren Platonismus, wie es Prauss nachweist. Das, was beim Lesen eines Textes stattfindet, kann und soll durchaus richtiger frommer Glaube sein, wie es auch bleiben soll, aber verantworten muß der Leser natürlich auch seine Gedanken, sein Verstehen und Mißverstehen wie auch seine Gedankenlosigkeit, Denkfaulheit und all das, was je nach Charakter und Situation als Rechtfertigung, Vorwand, Hass, Liebe, Selbstbezogenheit und Strategie aus der Bibel oder jeder anderen heiligen Schrift heraus- oder hineingelesen wird. Und das Gleiche gilt auch für den Mohammedaner mit seinem Koran wie auch für jeden Gläubigen einer anderen Religion mit seiner heiligen Schrift. Für alle gilt es in gleicher Weise zu klären, wie der gleiche Text unterschiedlich, ganz gegensätzlich und auch falsch gedeutet werden kann, ohne daß solche Deutbarkeit, ohne die es ja kein Erkennen der Bedeutung überhaupt geben kann, zugleich Unverbindlichkeit oder Bedeutungslosigkeit bedeuten muß.

Denn mit den spärlichen Jesusworten, in dem ganzen Neuen Testament und in der Diskussion über die Scholastik und das ganze Mittelalter hinweg ist diese obige Problematik das zentrale Anliegen, was Paulus mehrfach als lebendiger Glaube und totes Gesetz einander gegenüberstellt und was der Evangelist Johannes meint, wenn er formuliert „das Wort ward Fleisch".
Bereits nur von der ungelösten Problematik der beiden ersten Stufen gedacht wäre es eine unstatthafte Vereinfachung und Trivialisierung, die z.B. bei Paulus zu bewältigende Natur des Menschen unter obigem Gesichtspunkt zu sehen.
 

Wir müssen praktisch den Menschen, - und zwar in dreifacher Hinsicht, - auch auf jener 3. Stufe sehen.
Wir können uns die Stufen nun etwas mehr verdeutlichen:
Auf jener 1. Stufe ist also ganz konsequent derart empirisch-logisch - im Volksmund „streng wissenschaftlich" - gesehen auch der Mensch ja nichts weiter als eine Tüte voll Mineralien und ein paar Eimer Wasser, deren Atome und Elementarteilchen sich nur nach physikalischen Gesetzen bewegen und auch nicht anders können, und die von einem Willen, von irgendwelchen Erkenntnissen, Gefühlen, Absichten, Entscheidungen ja nichts wissen können und deren Bewegung mit einer menschlichen, politischen oder göttlichen Handlung derart logisch auch nicht zu vereinbaren ist. Das hieße, daß „streng wissenschaftlich" eine menschliche Handlung überhaupt nicht möglich und demnach als ein unerklärliches Wunder zu bezeichnen wäre.
Auf jener 2. Stufe nehmen wir den Menschen wahr als einen empirisch nachweisbaren Organismus aus Fleisch und Blut mit einer menschspezifischen Psyche, die teils mit Tieren übereinstimmt und vielleicht ja in ihrer reinen Funktion, Wirkung und meßbaren Gesetzmäßigkeit in der Bibel als das vergängliche und sterbliche Fleisch gemeint ist, die oft als irdische Wohnung und Hülle und vielleicht auch als Tempel Gottes umschrieben wird. Auch auf dieser 2. Stufe kann man, wie es Schwering beschreibt, den Menschen gänzlich fremdbestimmt in einem Netz von Kausalitäten der Außenwelt verstehen, so daß Freiheit, Individualität und Identität eher „störend" als Epiphänomen auftritt. Aber bei solcher empirisch aufgefaßten menschlichen Tatsache oder Existenz haben wir einmal übersehen, daß bereits mit unserem Verständnis der 1. Stufe trotz aller logischen Richtigkeit etwas nicht stimmen kann, worüber der Psychologe und Soziologe einfach hinweggeht, soweit er eben doch von einem menschlichen Verhalten ausgeht, wie genau in gleicher Weise mit dem empirischen Verständnis der 2. Stufe für den Christen ohnehin, aber auch für jeden anderen Menschen wieder etwas nicht stimmen kann, solange wir davon ausgehen, daß sich realiter ja der Mensch in jeder Situation zum Falschen oder Richtigen, zum Guten oder Bösen entscheiden kann, sonst müßten wie den Menschen eben ganz unsinniger Weise als willenloses Wesen auffassen, der für sein Tun auch nicht verantwortlich ist, so daß auch unser Rechtssystem und Rechts- wie Wertbewußtsein nichts als eine große Ungerechtigkeit wäre, so daß also
auf jener 3. Stufe erst, ohne daß wir schon von Gott sprechen, so etwas wie freier Wille und Verantwortung auftritt.
Natürlich stimmt dann auch hier etwas nicht, wenn Philosophie und Theologie trotz aller Richtigkeit des Denkens von dem freien Willen, von Bewußtsein und Seele, von Gott und unserer Erlösung wie von empirischen Tatsachen ausgehen, die wir auf der einen Seite als Fakten vor uns haben, während wir auf der anderen Seite nur unsere begrenzte Erkenntnis davon besitzen, - und zwar in gleicher Weise, wie der Atomphysiker auf der einen Seite die Elementarteilchen in seinem Zyklotron „weiß", während auf der anderen Seite die Erkenntnisse darüber gesammelt werden..
Denn in der Tat ist natürlich in allen Fällen einer menschlichen Handlung niemals nur das jeweilige Individuum allein tätig, wie ich noch ausführen werde, sondern sein freier Entschluß ist 1. immer bereits überlagert von dem Einfluß, Befehl, Wunsch, Bezug oder Angelegenheit anderer Menschen, 2. steht sein Entschluß bereits durch den Vorgang des Erkennens oder Denkens in Correlation mit der oder einer Allgemeinheit und 3. wird sein freier und zu verantwortender Entschluß durch seinen Glauben überlagert - von welchem auch immer, was natürlich eine Versuchung bedeutet, dann Gott auf jener 3. Stufe durch jenes zu ersetzen oder ihn ganz wegzulassen, wozu aber dann das, was ich in der Graphik als ursprüngliche Handlung Gottes bezeichne, auch dieses alles noch überlagert, wobei auch Gott, oder gerade Gott niemals die persönliche Freiheit und Verantwortung des Menschen außer Kraft setzt und ihn zu einem Zombi macht, weswegen wir auch hier eine Unstimmigkeit haben, in welcher Weise wir Naturgesetz, menschliche Handlung, menschliche Freiheit dann auch noch mit Gottes Willen zu vereinbaren haben. Die Verwirrung in der 3000jährigen Leib-Seele-Diskussion um den Menschen rührt zu einem Teil sicher daraus, daß Göttliches, Geistliches, Allgemeines und Geistiges wie dann auch das Leibliche nicht sorgfältig auseinandergehalten wird, zum anderen aber wohl und hauptsächlich durch die Schwierigkeit, daß in allen Teilen die Selbst- und Fremdbestimmung unsere Logik bereits deshalb überfordert, weil Gott und Seele all unsere menschlichen Vorstellungen übersteigen und wo wir sie aufgrund diese alten Denkfehlers als logisch verknüpfbare Dinge sehen wollen, zu Antinomien führen müssen.
Es waren die Gnostiker, die (natürlich vergeblich) versuchten, dieses Zusammenspiel dieser vielen Aspekte mit spekulativen Allegorien und viel Phantasie aufzuschlüsseln, indem sie logisch falsch Substanz
 Bild von der gnostischen Theorie
 
und Akzidenz, als Körper und Eigenschaft jeweils für sich verdinglichten.
Aber selbst meine Aufzählung wäre noch eine grobe Vereinfachung, wie wir sehen werden. Dennoch liegt ja darin gerade all das, was die Menschen, Nationen, Sprachen, Kulturen und Religionen nicht nur trennt sondern gerade in der logischen Problematik eint, welch unterschiedliche Antwort jeder auch aus seinem Elternhaus dazu mitbringt. Und es ist in der zusammenwachsenden Welt ja wohl unumgänglich für die Christenheit, zu einer auch für alle anderen verständlichen und akzeptablen Antwort und Haltung zu kommen, seien jene anderen auch Atheisten oder Angehörige anderer Religionen und Kulturen, zu einer Antwort, in der zumindest die groben Denkfehler schon bereinigt sind und die neue Situation der Menschheit verstanden wie auch das Verhältnis zur Wissenschaft und Technik dabei ohne Feindseligkeit und Fanatismus gegen Andersgläubige berücksichtigt ist, so daß eine solche Antwort auch als Vorlage und Orientierung für Andersdenkende dienen kann, zumindest was diese rein logischen und sachlichen Probleme angeht, die für alle Menschen gleich sind, - was Philosophie und Wissenschaft ja wohl kaum stellvertretend für die Kirchen leisten können, - es sei denn, man wartet darauf, daß die Buddhisten uns dieses rein logische und theologische Problem der Christenheit vorkauen.

Ehe ich aber die Unmöglichkeit eines empirischen Beweises für die Möglichkeit eines freien, verantwortlichen und ja auch ethischen menschlichen Handelns und die logische Schwierigkeit überhaupt nachweise, will ich zuerst diese Schwierigkeit für den Nachweis eines göttlichen Willens und Handeln, also von der 3. zur 2. Stufe hin deutlicher machen. Denn es sind ja die Alltäglichkeiten und Selbstverständlichkeiten, deren eigentliche Unklarheit und Problematik uns nicht bewußt ist und ja auch nicht sein muß, wenn wir z.B. aus freiem Entschluß eine Hand bewegen können, was jedoch zu fatalen Irrtümern führen kann, wenn von solchen nur scheinbar problemlosen Selbstverständlichkeiten ausgehend theologische Aussagen begründet oder bestritten werden:
So ist z.B. die Beobachtung, daß ein Gegenstand nach unten fällt, eine der ersten Erfahrungen, die ein Kleinkind zum Ärger der meisten Eltern äußerst fasziniert, besonders aber die Tatsache, daß es solches Hinunterfallen leicht durch einen Schubs selbst auslösen kann. Im Rahmen einer frommen Erziehung ist es dann schon möglich, daß ein Kind auf die Frage, warum alles nach unten fällt, von den Eltern die Antwort bekommt „Weil Gott dieses so eingerichtet hat." In der Schule bekäme dann dieser Mensch, wenn er das Fallen eines Gegenstandes in der Formel ½gt² durch ein „+ Gottes Wille" ergänzen würde zu „v=½gt²+Gottes Wille", (was nun in der Tat falsch und ein Fehler wäre, denn da könnte man die Formel leicht nach Gott hin umstellen und käme zu einer Definition „Gottes Wille = v-½gt² = 0") wahrscheinlich eine ebenso unfertige Antwort wie die unsrige, wie immer der Physiklehrer darauf reagieren würde, „Gott hat in der Physik nichts verloren.", oder „Wir müssen Gott hier ausklammern, als gäbe es ihn nicht.", oder „Gott gibt es hierbei nicht." oder „Hier muß sich auch Gott nach den physikalischen Gesetzen richten.". Wobei die Verunsicherung ja eher auf der Seite des gläubigen Schülers, als auf der Seite des Physikers zu sein scheint, für den die Alternative oder Kontradiktion „Gottes Wille oder v = ½gt²" gar keine Frage ist, wie auch die nachweisbaren Fakten von Unstimmigkeit in den Evangelien für Strauss als Wissenschaftler in der Beurteilung eher Sicherheit weil Bestätigung als Verunsicherung bedeuten.
Aber es ist wie in der klugen Betrachtung von Max Black, in der es einerseits jedem Menschen selbstverständlich ist und kein Problem darstellt, daß wir ein Foto als Darstellung des Fotographierten akzeptieren, ohne daß es klar ist, wie solches geschieht, so beten täglich Milliarden Menschen zu Gott und danken ihm für seine Hilfe von kleinen unbedeuteten Unterschieden in der Gestik und natürlich den jeweils individuell verschiedenen Anliegen abgesehen aber in gleicher Weise mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Einfachheit, wie sie uns Jesus durch sein Leben ermöglicht hat, wenngleich die Frage nach dem "Wie", wie Jesus dies vollbrachte, wie Gott uns wahrnimmt und wie er handelt und was uns Menschen darin gemein ist, d.h. wie wir uns darüber einigen sollen, die Christenheit in tausend Konfessionen zerspaltet und man Seitenweise verschiedener Ismen heraussuchen und Bibliotheken mit den Büchern füllen könnte, die in den vergangenen 3000 Jahren hierzu entwickelt und geschrieben wurden, - wobei zumindest letzteres zu klären aber doch notwendig ist.
Und in der Praxis scheint sich Gott ja meistens tatsächlich an die Naturgesetze zu halten wie wir scheinbar ja auch, die nun entweder wie (oder als) Götter oder wie heimliche Motoren vielleicht in den Atomen die Welt nach diesem oder jenem Willen bewegen oder ohnehin schon immer Gottes Wille sind.
Obwohl hier das logisch ungelöste Problem besteht, gehen wir mit solchen Überlagerungen im Alltag wie selbstverständlich um. Kaum würde ich ja von der Seite eines gläubigen Christen, also von der dritten Stufe her, nun die Rechnung des Kellners als Kontradiktion und als unberechtigt empfinden und bezeichnen, - etwa mit der Begründung, das Essen käme ja von Gott, und nur ihm aber nicht dem Restaurant sei ich nun etwas schuldig, so als habe die Handlung des Kellners ohne dessen eigenen Willen und selbst ohne meine Bestellung und nur mit Gottes Willen stattgefunden. Und wir tun ja nichts anderes bei jedem „Vaterunser", und auch, wenn wir unser Leben als Wunder und Geschenk erleben, was es ja auch ist.
Und hierzu noch zwei weitere Beispiele für die verworrene Vielschichtigkeit unserer normalen Selbstverständlichkeiten, deren Bewältigung aber zur normalen Menschenkenntnis gehört. Sie sind zugleich als Vergleich und Entschuldigung dafür gedacht, daß in der damaligen Sprache der Evangelien und des neues Testamentes mit Vorstellungsbildern gearbeitet wurde, wie es auch heute selbst in den Wissenschaften üblich ist, ohne daß jemand dahinter Betrugs- oder Fälschungsabsichten herauslesen würde.
Es ist einerseits unsere Erfahrung und normale Menschenkenntnis, womit wir diese vielseitigen Aspekte als Ideal, Wunsch oder sog. Realismus oder Materialismus auf eine Reihe bringen, die dann andererseits mit der sprachlichen Form verraten, in der wir diese Bewältigung darstellen, wie wenig wir den hochkomplexen Zusammenhang verstanden haben: Mit jeder menschlichen Handlung, selbst mit einer einfachen Handbewegung, greifen wir ja einerseits in den normalen Verlauf der Welt ein, wie immer dieses dann auch theoretisch erklärt werden könnte. Unsere Handlung, soweit sie nicht eine absichtslose Hantierung ist, muß sich dabei in bestimmter Weise an die Gesetze dieses Weltverlaufs halten, wenn sie erfolgreich sein sollen, so daß ich diese Gesetze vorher erkannt haben müßte, um sie handhaben und zur Erreichung eigener Absichten anwenden zu können. Unbestreitbar steigt ja mit zunehmender Einsicht unserer Wissenschaften in solche Gesetze die menschliche Möglichkeit, diesen Weltverlauf auch zu verändern. So unverstanden und kompliziert dieses bezüglich natürlicher Gesetze bereits ist, so bedeutet es ein Mehrfaches an Komplexität, wenn ich mit meiner Handlung dabei zusätzlich noch in das Verhalten und Handeln anderer freier Menschen etwa durch meinen Wunsch oder Befehl, oder bereits durch meinen Gruß eingreife.
Die Pflanze als Entomologin.
Seit Urzeiten deutet der Mensch Veränderungen und Geschehen in der Natur, wie Wind, Gezeiten, Blitz und Donner, Vulkanausbrüche und Erdbeben als Handlungen, wobei der Handelnde als unsichtbarer Gott oder Geist gedacht wurde, bzw. seit der Aufklärung die Natur selbst als entelechisch Handelndes gedacht oder zumindest sprachlich derart formuliert wird, wie, „Der Hagel hat meinen Weizen zerstört." „Der Sommer brachte eine reiche Ernte." „Der Vulkan spuckte Steine und Asche."
Es ist ein Lichtblick und hoffnungsvoller Akzent unserer Gegenwart und ganz sicher ein Verdienst der großartigen Leistungen von Fotografie, Film und Fernsehen, daß wir Menschen zunehmend die Natur gerade im Verständnis von Arterhalt, Nahrungs-beschaffung und Nahrungsverwertung, Fortpflanzung und Überlebenstechnik als ein Wunder erleben, und gerade auch dort, - wie etwa in den traditionellen Dschungelgebieten von Malaisia oder Afrika, wo der Mensch oft noch unmittelbar fast im Konkurrenzkampf mit Tier- und Pflanzenwelt lebt, wo zugleich Fernsehen und Videotechnik aber schon selbstverständlich zum Alltag gehören. In diesen filmisch inszenierten Wundererlebnis der Natur sind die wissenschaftlichen Kommentare nun in moderner Weise ein quasi eschatologisches Ausmalen und Deuten und keinesfalls die eigentliche Erkenntnis. Denn wenn z.B. kommentiert wird, daß ein Mimikry sich mit dieser oder jener Absicht in dieser oder jener Weise getarnt habe, als hätte es selbst vor seiner Geburt seine Gene richtig oder falsch umgebaut, wäre das wörtlich genommen ein großer Humbug, der aber derart sinngebend behauptet durchaus nicht störend auffällt. Und auch wenn wir ohne Probleme verstehen, was gemeint ist, wenn es z.B. heißt, daß eine Blume eine bestimmte Farbe und einen bestimmten Geruch gewählt habe, um damit ganz bestimmte Insekten anzulocken. Selbst in der wissenschaftlichen Bezeichnung „entomogam" ist dieser Gedanke noch enthalten und wäre in der Tat ein primitiver Aberglaube, wenn man annähme, daß jene Blume als Entomologin zuerst eine systematische Erforschung der Gewohnheiten jener Insekten betrieben habe, um dann sinnvoll handeln zu können. Ein außerirdischer Beobachter oder ein Mensch der Zukunft würde u.U. von solchem Sprachgebrauch ausgehend unseren Wissenschaften einen sehr primitiven Erkenntnisstand bescheinigen. Um die Parallelität zur gnadenlosen  Offenbarung zu verdeutlichen, will ich die Inszenierung unserer Natur als ein sinnvolles Wunder überspitzt derart formulieren: Die erbarmungslose Auswahl als Recht und Richtig ist die herrliche, wunderbare Richtigkeit der Lebenden oder des Lebens gegenüber der Vernichtung zur Nichtexistenz des Falschen, daß also die Falschen bestraft und ausgerottet werden und die Richtigen das Erdreich erobern. Nach dem Gesetz der Natur lebt und überlebt - sehr vereinfacht gesehen - also nur der, der sich richtig verhält, was natürlich eine richtige Erkenntnis voraussetzt. Wer falsch handelt, scheitert.  In die biblische Offenbarung übertragen gilt dieses auch für das ewige Leben. In diesem Sinne argumentieren interessanter Weise die „Zeugen Jehovas", bei denen ganz folgerichtig die richtige Erkenntnis für ein richtiges Verhalten in der Bibel aufgeschrieben und zu lesen sei, so daß nach genauer Befolgung - und am Ende nach der Vernichtung aller falsch handelnden Menschen - einerseits eine Welt ohne Unrecht, Leid und Krieg möglich ist, und andererseits dann auch ein ewiges Leben auf der Erde ohne Krankheit und Tod.
Und als Liebhaber amerikanischer Westernfilme, die oft sogar im Anschluß nach solchen Natursendungen gezeigt und ebenfalls im Dschungel mit Begeisterung gesehen werden, und die ich durchaus sogar als Beitrag Amerikas oder der christlichen Welt zu einem positiven mondialen Bewußtsein sehe, erkenne ich natürlich, daß wie diese Tierfilme auch die Western ihre Faszination zum großen Teil nur durch die konsequente Regie der wohl unbewußten und vielleicht sogar ungewollten Darstellung eines eschatologischen Weltverständnisses erhalten, das nicht aus der Bibel abgeschrieben ist, sondern wohl in der Struktur unseres Denkens liegt, die in ähnlichen drei Dispositionsstufen - wie ich oben - den verantwortlichen Menschen zwischen Gott und seiner Schöpfung gerade in seiner Subjektivität als dennoch oder gerade deswegen gültiges Subjekt darstellen.
Mir kommt es, wie schon gesagt, auch darauf an, zu zeigen, daß angesichts der hochkomplexen Zusammenhänge auch heute selbst innerhalb der Wissenschaft eine holperige, eigentlich unhaltbare Logik und Kausalität zusammen mit der inszenierten Eindeutigkeit, durch welche vielleicht Spannung und Zustimmung hervorgerufen werden soll, im Wortlaut aber das Gegenteil gesagt wird, als gemeint ist und verstanden wird. Genau besehen predigen die Tierfilme und Western ja keineswegs die Vernichtung der Schwachen, der Versager und Bösen. Im Tierfilm nehmen wir zwar Partei für diejenige Tierart, die gerade Thema ist, aber in diesem natürlichen „Fressen und Gefressen-werden" werden wir diese Parteinahme auch für das jeweilige Opfer ergreifen und diese Naturfilme fühlen sich im Gegenteil in der Funktion einer Arche Noah, und was auch so verstanden wird. Und so sollen in den Western ja nicht die bösen und feigen Menschen vernichtet werden, selbst, wenn dieses dann in der Handlung quasi wörtlich derart abläuft, sondern durchweg ist die Konzeption dieser Filme ja so konzipiert, daß Macht und Gültigkeit des Bösen gebrochen wird, die sich allerdings dann immer in bestimmten Menschen personifiziert, die alles auf die Karte des Bösen gesetzt haben, und die dann allerdings am Ende reihenweise Opfer des Bösen werden, solange sie für die Macht des Bösen kämpfen. Wäre die Botschaft derart einfach, daß es böse Menschen gibt und daß böse Menschen getötet werden, wären diese Filme nicht nur langweilig, sondern in der Tat schlimm. So verstehen wir ja auch die biblische Botschaft fast nirgendwo derart im wörtlichen Sinne, wie sie dasteht, so daß wir in jedem Un- oder Andersgläubigen einen Versager und bereits zum ewigen Tod verurteilten und der Vernichtung preisgegebenen Deliquenten sähen, - wenn auch oft selbst die Propheten darüber klagen, daß böse Menschen mehr Erfolg haben und ein angenehmes Leben führen. Aber wer ist schon gut und stünde nicht sofort auf der Todesliste? Gerade der vollkommene Gerechte, der derart unbarmherzig die Ungerechten schon als Verlorene abhakt, wäre ja ein Ungeheuer. Wenn solche verurteilenden Formulierungen auch hundertfach in der Bibel zu lesen sind, meinen sie doch das Gegenteil.
Hinzu kommt, daß sich zudem die Verhältnisse und mit diesen die Begriffsinhalte in den vergangenen 2000 Jahren ja gerade durch die Christianisierung grundsätzlich verändert haben, wofür der Wortlaut unseres alten Glaubensbekenntnisses freilich ein treffliches Beispiel ist.

Zwei Einwände von 1. gläubiger wie 2. Von ungläubiger Seite.
1. Immer wird bei solcher Reflexion, wo es etwas komplizierter wird, von einfachen Christen das Argument auftauchen, daß obige Überlegungen nun für den Glauben eine völlig nutzlose Gedankenspielerei und Philosophie sei, vor der Paulus so oft gewarnt habe.
Der persönliche Glaube ist in der Tat einfach, so er von keinem Zweifel angefochten wird und soweit zu anderen nicht unterschiedliche Vorstellungen auftauchen, die z.B. für die Formulierung eines gemeinsamen Glaubensbekenntnisses dann eben zu einem Problem werden.
Aber geht es denn nicht auch darum, den verunsicherten anderen Menschen, den Andersdenkenden und selbst den Verirrten, der doch dummer Weise, nämlich aus einem fundamentalen Irrtum heraus, alles auf die Karte des Bösen setzt, nicht einfach zu verurteilen und abzuschreiben, sondern gerade um ein positives Verständnis und Verhältnis auch zum Andersdenkenden? „Ihr seid das Salz der Erde." bedeutet ja wohl gerade das Gegenteil von „Ihr seid das Gift oder die Richter oder die Henker der Erde bzw. der Andersdenkenden, wie es oft z.B. islamischen oder hinduistischen Terroristen von Radikalen Fanatisten eingeredet wird," wenn wir die Ursache von Meinungsverschiedenheiten überdenken wollen? Man kann ja nicht in jedem Fall einfach nur von Schuld und Bosheit des anderen ausgehen, wenn jemand - gerade innerhalb der Christenheit oder der jeweils eigenen Religion, in der man geboren und erzogen wurde, etwas anderes glaubt, denkt oder versteht, als man selbst. Und geht es heute nicht erst recht um ein vernünftiges Verhältnis auch zwischen den verschiedenen Religionen und Kulturen, d.h. zu anderen Religionen und Kulturen, selbst wenn man deren Glauben nicht übernehmen muß, wobei man sich ja wohl nicht schon deshalb gegenseitig verdammen darf, weil der andere in einer anderen Kultur aufwuchs. Ich will dies noch einmal verdeutlichen.
Die Überlegung ist ja hier, in welcher Weise wir oft das Gegenteil von dem meinen und verstehen, wie etwas bildlich und wörtlich dargestellt wird. Die Darstellung ist dabei das „Wie" einer Aussage, die Form, die Art und Weise. Deutlich machen will ich ja Folgendes: Wenn ich jetzt diese Form dogmatisiere, kann es ja geschehen, daß ich dabei das Gegenteil von dem zum Dogma und zur Wahrheit erhebe, als ursprünglich gemeint war. „Fressen und Gefressen-werden" dogmatisiert würde doch das Gegenteil der eigentlichen Aussage in solchen Tierfilmen bedeuten, als ob sich nun alle Tiere und Pflanzen gegenseitig umbringen sollen.
Wir müssen uns bewußt werden, was bei einer Dogmatisierung oder Objektivierung überhaupt passiert. Was ist Inhalt und Form einer Aussage, eines Wortes oder eines Bildes, und warum darf man beides nicht voneinander getrennt objektivieren? und dies ist nun mal nicht so ganz einfach und dennoch keine unnütze Philosophie, weil genau darin die Mißverständnisse und Irrtümer wurzeln?
Wenn aber das, was z.B. in der Bibel wörtlich geschrieben steht, nur als unwichtige äußere bildhafte Form verstanden würde, und wenn nur das gilt, was damit gemeint ist, was aber eben nicht ausdrücklich irgendwo geschrieben steht, was wir uns also denken müssen, wieso könnte sich dann nicht jeder etwas anderes denken? In welcher Weise ist besteht trotzdem in der Form eine Verbindlichkeit für einen bestimmten Inhalt, so daß man sich nicht etwas ganz beliebiges denken kann? Dieses ist doch keinesfalls unnütze Philosophie!

Wenn für einen "einfachen" Christen hier kein Problem besteht, so daß er jede Diskussion darüber ablehnt, dann soll er zumindest soviel zu verstehen suchen, daß für diejenigen hier aber durchaus zurecht ein Problem zu klären ist, die ein solches haben.

Denn mit diesem grundsätzlichen Problem von Form und Inhalt, Leib und Seele, von Buchstabe des Gesetzes und Glaube u.s.w. verknüpft ist ja zudem immer noch das Konnotat, das nebenher Mitgesagte und Mitgemeinte und ebenfalls nicht Ausgesprochene einer Aussage.
Unter dem genannten Gesichtspunkt, daß im offiziellen Bekenntnis einer Überzeugung die Konnotation einer Form zur Denotation wird, könnte man vereinfacht den bisher als Konnotation, als Umstand oder „Sitz im Leben" umschriebenen Aspekt, wie z.B. der Himmelfahrt, als das "Wie" einer Aussage oder eines Geschehens bezeichnen und das Konkrete dann als das eigentliche "Was" einer Aussage sehen, wobei das "Wie" dann letztlich immer mehr das "Was" bestimmt. Statt „Form und Geformtes", statt „Substanz und Akzidens", statt „Leib und Seele", statt „Körper und Geist" hieße es nun umgekehrt „Geformtes und Form" „Seele und Leib" u.s.w..
Wenn die Seele die Form des Leibes ist oder der Leib die Form und Hülle der Seele, denken wir ja Unterschiedliches, was in der einfachen Rede beides nützlich und unproblematisch sein kann. Wenn dann allerdings, wie im offiziellen Glaubensbekenntnis, Einigkeit, d.h. Allgemeingültigkeit z.B. über die Art der Auferstehung formuliert werden muß, und sich darüber die Geister scheiden und streiten und sich gegeneinander formieren, dann muß man sich entweder auf das eine oder andere einigen oder aber beides offen lassen, oder aber dieser Ursache des Streites nachgehen, die zum Teil im Wesen unserer Sprache, unseres normalen Sprachumgangs mit Problemen und im Wesentlichen aber wohl in der Struktur unseres Denkens und Erkennens zu suchen ist, worauf auch jede genauere Analyse solcher Meinungsunterschiede schließlich hinausläuft.
Christlicher Fundamentalismus.
Form und Geformtes zu trennen und, wie gesagt, jeweils für sich zu objektivieren und zu verdinglichen und das eine davon dann zu verurteilen, ist Aberglaube, der nun mal durch einen reinen Denkfehler oder durch Gedankenlosigkeit oder eben durch verschuldete Denkfaulheit besteht. Für einen bornierten Fundamentalisten, oder für einen bornierten durchaus denkbaren Fundamentalismus auch bei Christen hieße dieses womöglich dann, die barbarischen Zustände vergangener Zeiten wieder einzuführen, um den alten Bedeutungskontext der heiligen Schriften wieder herzustellen. Und das hieße hart ausgedrückt, nicht nur die Frau wie in alten Zeiten zu behandeln und die Kinder zu prügeln, nur damit die alten Weisheiten wieder passen, sondern das hieße letztlich Jesus aus seinem Reich zurück ans Kreuz zu holen; und da eine solche unmenschliche Kreuzigung heute wohl in keinem Land der Erde mehr erlaubt ist, müßte man sich barbarisch Zustände wie unter dem römischen und damals auch jüdischen Recht herbeiwünschen. Wer sein Kind heute im wörtlichen Sinne deswegen prügelt, weil dieses irgendwo in der Bibel steht, vollzieht genau solche Umkehrung und begeht genau solchen Gedankenfehler und Irrtum. Und geht es nicht im ganzen Evangelium um die Beseitigung von Gefangensein in Irrtum oder allgemein um Reinigung, Heilung, Rettung von einer aussichtslosen und falschen Lebenskonzeption, was ja heute nichts anderes ist als Information zur besseren Erkenntnis, aber auch Erkenntnis und Erinnerung der damaligen Umständen, in denen sich die Welt oder die Menschheit damals befand, und aus der sich unsere Welt entwickelte - wobei man ruhig auch spekulativ weiter folgern kann, daß dies auch rein soziologisch, politisch und kulturell als bessere Information eine Wende, eine Rettung von einem Weg war, der uns ins Verderben geführt oder dort gelassen hätte: vielleicht hätten es die Germanen so wie etwa die Inkas auch soweit geschafft, ein paar Pyramiden für ihre Menschenopfer in die Urwälder zu setzen, wahrscheinlich aber wären selbst diese und wäre auch Rom als Ruine ebenfalls längst zugewachsen; wahrscheinlich wäre ohne das Geschenk der Gültigkeit an jeden einzelnen Menschen auch niemals ein Islam entstanden und die westliche Welt lebte weiterhin im Urwald und der Orient mit ihr in einer Barbarei, die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. Und zu dieser überwundenen Barbarei gehört auch, daß wir gelernt haben differenzierter zu denken.
2. Der Einwand von Ungläubiger Seite
Man wird mir aber besonders von der skeptischen Seite der Aufklärung vorwerfen, daß ich mit solchen Ausführungen und Tricks nur versuche, ganz unhaltbare und widersprüchliche biblische Aussagen schönzufärben und gegen den Rotstift zu retten, der dieses als Unsinn aus der Bibel, wie aus der Tradition, wie aus dem Glaubensbekenntnis und aus dem Glauben aufgrund besserer Einsicht streichen müßte, und der dieses dann als Aberglaube, als falscher Glaube und damit die Bibel selbst als Fälschung und auch das Christentum als überholten Aberglaube hinstellen würde.
Dieser skeptische Widerspruch geht grundsätzlich, wie gesagt, von der gegenteiligen Argumentation aus, daß Erkenntnis und Entwicklung zu humaneren Verhältnissen unserer Zeit nicht durch den Glauben, sondern gegen diesen stattgefunden hat, und daß solche Theorie nichts anderes sein könne, als ein verzweifelter Versuch, ein überholtes Christentum zu rechtfertigen, das auf ganzer Linie versagt habe.
Natürlich stellt sich dabei die Frage, ob man solche Skepsis als Christ überhaupt beachten soll, oder nicht lieber unberufen lassen, um unter Christen nicht weitere Unsicherheit zu verbreiten
Da aber dieses Argument gerade auch von Christen immer häufiger gegen die traditionelle Predigt erhoben wird, und als Gedanke erst recht in der Zukunft jedem Christen in sich selbst und auch von Nichtchristen begegnen wird, will ich es sehr ernst nehmen und noch weiterführen:
Worauf ich ja hinaus will ist eben diese Begriffsveränderung. Ich will als Beispiel den in Ihrem Gottesdienst oft benutzten Begriff „Lob" und „Ehre" anführen. „Wir sollen Gott loben und ehren." Und wie gerne singen wir Christen Loblieder! „Großer Gott, wie loben Dich" ist eines unserer Lieblingschoräle. Man könnte nun dieses Gebot durchaus zum Dogma und zum Erkennungszeichen der Gläubigen machen.
Aber in unserem heutigen Kontext wörtlich genommen, mit unserer heutigen Menschenkenntnis und der geschichtlichen Vergangenheit wäre doch gerade solches Lob und auch noch auf Gottes eigenen Befehl hin, etwas überspitzt formuliert, doch ein erbärmliches Armutszeugnis für diesen offensichtlich geisteskranken, eitlen, despotischen Gott, der sich durch solchen bestellten Applaus dann auch noch täuschen, bestechen, besänftigen und als sonst gnadenlosen zu einem gelegentlich erbarmenden Gott umstimmen läßt, der zudem mehr als ein Moloch seinen eigenen Sohn grausamst umbringen läßt, nur um nicht mehr beleidigt zu sein, - weil die Menschen ihn doch begreiflicher Weise ablehnen, wie wir heute folgern würden, und den wir als dazu noch Allmächtigen und dazu Ungerechten begreiflicher Weise fürchten, und der es deswegen offensichtlich nötig hat, dem Menschen zu befehlen, ihn zu lieben. Und wäre dann unser Abendmahl nicht der Beweis von Kannibalismus, wenn Gott den Menschen seinen Sohn praktisch zum Fraß vorwirft, damit sie ihm applaudieren - wenn von Jesus auch aus Gehorsam zu seinem Vater und aus Liebe zu uns Menschen freiwillig realisiert.
Daß dieses und zwar nicht nur von Bibelchristen sondern von allen Christen und selbst von den ganz normal Antikirchlichen und auch von Atheisten normaler weise nicht derart mißverstanden wird, bedarf doch der Erklärung! Denn sonst müßte man sagen, daß diese Darstellung Gottes, den wir loben und preisen sollen, nach unserem heutigen Denken eine teuflische Gotteslästerung oder daß die Verehrung eines solchen Monstrums eine böse Verirrung wäre. Und da ist es gerade die Tradition, und zwar nicht als Ausrede, weswegen dieses Bild aus Worten, wie es von Gott nun mal bestand, eben keine böse Lästerung ist, und nicht böse gemeint war und ist, und es ist zugleich eher ein altes Selbstbildnis von uns Menschen, wie es aus unserem Wertdenken heraus einmal entstand.
Dieses Beispiel von willkürlichem Mißverständnis ist allerdings nicht neu und führte bereits in den ersten Jahrhunderten der Christenheit zur doketischen Theorie, - vielleicht in der Reaktion auf die gnostische Annahme, daß der jüdische Gott eher ein Teufel sei, von dem uns Jesus erlöst habe . Dieser Teufel steckt aber sicher mehr in der Natur des Menschen, der solche Monströsität für eine so großartige Eigenschaft hielt, daß er sie als ehrendes Attribut seinem Gott zuschrieb. Dieses zeigt, aus welcher Vergangenheit wir kommen, die wir uns oft romantisch nach heutigen Wertvorstellungen zurechtbiegen. Aber so weit sind wir solcher Natur noch ja auch noch längst nicht entkommen, wo wir auch heute noch den Betrüger und Despoten als den Starken, als den Sieger und Intelligenten und den Betrogenen und Unterdrückten als den Verlierer, den Schwachen und Dummen einstufen, und es gilt auch noch heute der Mensch als die Bestie oder allgemein als das größte Problem des Menschen. Und es ist traurige Realität, daß wir noch immer ganz selbstverständlich und fast ohne uns dessen bewußt zu sein, mehr als 80% unserer Geistesarbeit - und selbst in scheinbar ganz freundschaftlichen Gesprächen - darauf verwenden, uns einerseits im normalen sog. Lebenskampf gegen Betrug, Übervorteilung, Unterdrückung, soziale Rückgliederung, Erniedrigung und Bosheit zu wehren und zu behaupten und andererseits dabei solches selbst auszuüben.
Jedoch kann dieses Beispiel von möglichem Mißverstehen nur auf die eine Notwendigkeit einer begrifflichen Klärung hinweisen, aber es kann noch nicht verdeutlichen, wie es möglich ist, daß wir die realen Erfahrungen und Erwartungen mit einem lieben Gott nicht in Widerspruch sehen mit den traditionellen Attributen.
Natürlich bedarf diese Terminologie für den Christen keiner apologischen Erklärung und würde sicher erstmal etwas leichtsinnig als falsche, willkürliche und lächerliche Vordergründigkeit abgetan, die ernsthaft bestenfalls Thema von Etymologen und Semasiologen sein könnte, so als würde z.B. jemand berechtigt hinter dem „Unheimlich" der harmlosen Aussage „Ich habe einen unheimlichen Hunger." den Glauben an eine mysteriöse Ursache des Hungers vermuten oder unterstellen können. Und der Hinweis wäre berechtigt, daß die hohe Sensibilität für die ethische Bedeutung oder Mißdeutung erst Folge und im Grunde - wenn auch nicht mehr bewußt - mit dem Kriterium christlicher Ethik erfolgt. Dabei meine ich "leichtsinnig" aber in zweifacher Hinsicht:
zuerst, als sei der Bedeutungsinhalt der Begriffe und Namen eines Bekenntnisses, das ja wohl vornehmlich im Zusammenhang mir den Sakramenten entstand und besteht oder aber auch überhaupt der christlichen Botschaft ganz unabhängig von den Formen und Wörtern nicht aber unabhängig von jeweiligen Bildern, Ritualen, Gewohnheiten. Natürlich kann man ein Glaubensbekenntnis ohne weiteres in andere Sprachen übersetzen, wo die einzelnen Wörter dann ganz andere und neue etymologische Hintergründe haben und womit die Form ja gänzlich verändert wird aber den gleichen christlichen Bedeutungsinhalt beibehält. Es bleibt aber die Frage, und damit komme ich schon zu meinem Hauptanliegen, wie kann sich ein Begriff, eine Bedeutung ganz unabhängig von der Form mitteilen lassen und über Jahrhunderte und Jahrtausende erhalten, und woran merke ich, wenn er sich verändert? Gibt es keine Bindung und Verbindlichkeit bezüglich der Form, wegen der es doch Streit und Krieg gegeben hat, und die nicht nur die Bibelchristen sondern auch moderne Theologen mit höchster Aufmerksamkeit verteidigen, wenn z.B. in der Bibelübersetzung der „Zeugen Jehovas" nicht ohne Grund kleine Veränderungen angeprangert werden?
Zum anderen:
 

In oft natürlich problematischer Weise vereinfacht steht dort ebenfalls Richtig und Falsch zugleich für Gut und Böse, Leben und Tod, wobei als Disposition Richtig und Gut zur Gültigkeit und zum Überleben des Subjekts führt, mit dem man sich identifiziert, und wobei das Falsche wie damit auch Böse als die abzuwehrende oder zu vermeidende Gefahr zum Objekt wird und als das Ungültige bloßgestellt, beseitigt, besiegt und getötet werden darf. Das Gute sitzt als das Richtige am längeren Hebel und wird so letztendlich immer auch zur Sache und zum Anliegen des Stärkeren. Während das Böse und Falsche verstrickt und gefangen in materieller Gier und eigener, d.h. subjektiver Methode verliert und dann praktisch als menschlicher Müll oder Auswurf gnadenlos entfernt wird. Mehr oder weniger gut gemacht geht es bei solchen Filmen eigentlich um Begriffe, wie auch im Tierfilm, wo dann aber der Gattungsbegriff durch die jeweilige Thematisierung - wenn auch dann bereits durch die Grammatik antropomorphisiert zum Subjekt mit Subjektnamen wird, dessen Umwelt und dessen Feind zum Objekt wird, - wobei aber gerade das Selbstverständliche ganz offensichtlich inszenierte Konvention ist, als was alle namhaften Philosophen der Gegenwart, die den empirischen Weg der Erkenntnis und Wissenschaft ja vertreten, wie Carnap, Putnam, Quine, Shapere, Stegmüller und Black es ja auch diskutieren. Natürlich habe ich bewußt überzeichnet, und die genannten würden sich zurecht gegen solche Zuordnung verwehren. Solange Wissenschaftliches technisch funktioniert, wird wohl kaum ein D.F. Strauss den kritischen Empiristen verunsichern, denn es wäre lächerlich falsch verstanden, wie es falsch verstanden ist, daß einerseits Christen aus Angst vor Tod und Strafe zum Glauben halten und wie es falsch verstanden ist, als hätte Jesus andererseits Krieg, Haß und Tod den Andersdenkenden gepredigt und nicht gerade das Gegenteil einer natürlichen, materialistischen und gnadenlosen Auslese der Reichen, Stärksten, Raffiniertesten und Überlegenen gepredigt als den Guten. Und ich finde es fast ärgerlich, wenn Max Black in seinem Aufsatz „Wie Bilder darstellen." sich entschuldigen zu müssen glaubt, wenn er das Problematische und Widersprüchliche in solchem scheinbar Selbstverständlichen aufdeckt. Denn als Sinn und Bedeutung in den Tier- und Westernfilmen ist doch immer selbstverständlich vorausgesetzt eher der Gedanke der Arche Noah, in der gerade der Schwache und die hilflose, eben nicht siegreiche Kreatur Fürsprache, Hoffnung und Schutz, Rechtfertigung und Hoffnung bekommt, - wie auch immer.
Natürlich bekomme ich ebenfalls den Vorwurf zu hören, besonders von den „Zeugen Jehovas", warum ich denn also das Selbstverständliche in den biblischen Aussagen angesichts unseres Glaubensbekenntnisses derart problematisiere, so daß es eine Zumutung bedeutet, dem zu folgen, wo doch der Glaube daran derart einfach ist. Aber mich rechtfertigt bereits der Gedanke an die Folgen, wenn ich solchem Vorwurf nun nachgeben würde mit der resignierenden Konsequenz, und das ist keine Prokatalepsis, d.h. keine Rechtfertigung ohne Grund: „Soll doch jeder glauben, was er will. Es kommt ja nicht darauf an. Es gibt ja einen natürlichen gemeinsamen Konsens aller guten, richtigen und damit lebenswerten Menschen eben in dieser Selbstverständlichkeit, wobei dann die Abweichler eben als apokalyptischer Müll ins Feuer gehören. (Wie es merkwürdiger Weise als breite Tendenz in jener Szene geglaubt wird.)" Oder wie es bei den „Zeugen Jehovas heißt": „Wir sagen dir schon, was du glauben mußt, sprich uns nur nach dem Mund."
Denn das Kontradiktorische, das zur Verunsicherung führt, liegt nicht in dem sicher schwierigen Verhältnis von Glaube und Wissen, sondern in der empirischen Position selbst - aber nur scheinbar sogar als die Antinomie - sondern als der oben bereits dargestellte empiristische Denkfehler im Platonismus oder in der didaskalischen Wahrheitsdefinition, was als Glaube dann auch ein Aberglaube ist. Und dieses gilt auch, wenn man in dem gedruckten Wort so ganz selbstverständlich den empirischen Beweis dafür zu haben glaubt, was dort gemeint sei und was Gott gesagt habe; als lebten die Gedanken wie Milben oder Flöhe zwischen den Buchseiten oder an der Druckerschwärze und sprängen uns von dort ins Gehirn oder als zwängen sie uns durch eine Art Hypnose, nun auch einen bestimmten Gedanken zu denken. Und dazu müßte auch gehören, was ich oben als die von uns immer angewandte selbstverständliche Menschenkenntnis umschrieb.
Die Verbindung von Denkfehler und Aberglaube ist ein dickes Kapitel für sich und besteht in der jüdischen Theologie als Thema seit den Propheten.
Man muß dabei natürlich zwischen solchem versteckt didaskalischen und platonistischen und anderen Denkfehlern als Ursache und deren Folgen unterscheiden, und man kann die Folgen eines persönlichen oder allgemeinen Denkfehlers sowohl psychologisch-soziologisch und politisch und zwar sowohl als sachliches wie als ethisches Problem sehen. Als neues Problem besteht es angesichts der mondialen Sozialisation für die Menschheit allgemein in der neuen Dimension einer machbaren und steuerbaren Konvention, wie es auch allgemeintheologisch wohl in allen gegenwärtigen Religionen, und speziell für die Christenheit christologisch und soteriologisch überdacht wird. Wenn man in solcher Einsicht eine allgemeine Entwicklung der politischen Situation der Menschheit wie aber auch der Menschenkenntnis, der Wissenschaften, der Philosophie und der Theologie berücksichtigt, würde diese in ein Glaubensbekenntnis eingebettet in der Tat nicht mehr in erster Linie eine Abgrenzung gegen Andersgläubige, sondern wie z.B. für den Frieden auf Erden bereits ein weltweit gemeinsames Anliegen ausdrücken, wie es Paulus in Römer 8, 19 ausdrückt.
Bezüglich des didaskalischen Platonismus bedeutet dieses mit einfachen, etwas drastischen Worten, daß der empirisch faßbare und meßbare Mensch nach solcher Logik eben nur als materielle Natur ein etwas raffinierteres Raubtier wäre, so daß dann auch kein Einwand und grundsätzlich kein logisches Argument gegen Kannibalismus bestünde wie auch nicht gegen eugenische, rassistische, nationalistische und andere Maßnahmen, wie sie in jeder Tierhaltung bestehen. Zu solcher Ansicht kann man natürlich vordergründig gesehen auch aufgrund von realen Erfahrungen z.B. im 3. Reich in Deutschland, wie jüngst in Jugoslawien oder Ruanda gekommen sein, wonach man es dann vielleicht für ratsam hält, einen Gott mit seinen ethischen Ge- und Verboten zu fördern, auch wenn es ihn nicht gibt, aus reinem Selbsterhaltungstrieb heraus und vielleicht, um den Fall der Menschheit in grausamste Barbarei zu verhüten.
Dies umschreibt eine schreckliche allgemeine Verunsicherung auch der eigentlich antikirchlichen Position, die Schwering mit der Identitätsfrage durchaus bereits in der richtigen Grundätzlichkeit sieht.
Dies wird in der bisherigen Theologie des Christentums, des Judentums und des Islams (aber auch im Hinduismus und Buddhismus), wenn leider auch nicht in dieser Gründlichkeit  (oder in dieser Definition) aber dennoch in beiden Denkrichtung ähnlich gesehen:
a. Von der 3. zur 2. und 1 Stufe: Wie auch immer im einzelnen das Empirische dem Transzendenten zugeordnet wird.
 

(Ausgedruckt bis hierher)
b. Von der 1. zur 2. und 3. Stufe: Wie immer man von empirisch-wissenschaftlicher Seite aus das Transzendente dem Empirischen zuordnet.
Denn erst in der letzteren Denkrichtung b. entstehen die Schwierigkeiten und Verunsicherungen, die ich verdeutlichen will.
Mein voriges Beispiel mit dem Restaurant bleibt ja so gesehen natürlich genau soweit undeutlich, wie ich nicht präzisiere, wieweit in einer denkbaren Variantionsweise, was keine Bewertungsskala sein soll, ich nun ein ganz bestimmtes Essen zu einer bestimmten Gelegenheit als persönliche Gabe Gottes an mich persönlich meine, was einer pietistischen, mystischen, jedenfalls unmittelbaren, persönlichen Begegnung oder Erfahrung mit Gott entspräche, oder aber als „Jesus, sei unser Gast und segne unser täglich Brot, das du uns bescheret hast" in einer normalen bis gesteigerten aber eben frommen Allgemeinheit, wobei ein neutraler wissenschaftlicher Sachverständiger also im Letzteren das normale, subjektive, psychologisch deduktiv als kulturel-fromm erklärbare Empfinden diagnostizieren würde, und im ersteren Fall die „konsekutive Tatsache oder Behauptung, daß Gott · · · · ·" eher als Einbildung im patologischen, theomantischen Sinn erklären würde, da Gottes Handlung am Aussehen der Speise und am Restaurant nicht zu erkennen und deswegen auch nicht zu beweisen ist. Beides schließt sich im jeweils subjektiven als auch objektives Erlebnis nicht aus, wie es die breite pietistische Literatur beschreibt, - es sei denn als unlösbares logisches Problem, wie es aber unter b. also von der 1. Stufe zu 2. auch für die menschliche Handlung besteht. Mit anderen Worten: Wir in der Legende vom heiligen Christopherus kann sich eine mystische Begegnung mit Gott innerhalb frommer Gewohnheit als einmaliges, besonderes oder alle Gewohnheit mit Bedeutung erfüllendes besonderes Ereignis ereignen, wie solche Transzendenz aber auch tägliche und stündliche Nähe Gottes sein kann.
Eigentlich weist diese Unterscheidung der Denkrichtungen bereits auf den Weg, auf dem eine Lösung zu finden ist. In dieser Unterscheidung wird auch der Streit innerhalb der Kirche verständlich und lösbar zwischen Bibelchristen, Pfingstbewegung, Entschiedenes Christentum, die meisten Freikirchen und die Zeugen Jehovas auf der einen Seite und Theologie, Institution und Tradition der Kirche auf der anderen Seite:

weiter von Seite 37 bis Seite 77

Fußnoten:

 1.  - was es unter Hitler als „Deutsche Kirche" ja gegeben hat.
  2. Zum Einblick in die Diskussion darüber lege ich Ihnen den kleinen Aufsatz von Max Black bei „Wie stellen Bilder dar?"
  3. siehe Fußnote 7
  4. siehe Fußnote 7
  5. Siehe Gottlob Frege „Schriften zur Logik und Sprachphilosophie" Seite 46-54, Meiner-Verlag
  6. Kurt Hübner, „A priori - A posteriori", Handbuch philosophischer Grundbegriffe, Kösel Verlag, Band 1, Seite 113
 7.  „didaskalisch" bedeutet nach Aristoteles (siehe Sophistische Widerlegungen, 2. Kapitel), daß ich die Wahrheit über ein    Ding, eine Sache oder einen Sachverhalt aus diesem Ding, dieser Sache oder diesem Sachverhalt selbst beziehe und nicht aus einer eigenen oder anderen Ansicht.
  8. David Friedrich Strauss „Das Leben Jesu"
  9. Gottlob Frege geb. 8. 11. 1848 in Wismar gest. 26. 7. 1925 in Bad Kleinen; lehrte in Jena.
 10.  Aber auch die Argumente von Verständnislosigkeit unserer Zeit, besonders aus dem Umfeld der jungen Kirchen in Japan, China, Indien und Afrika, wo in anderen Religionen tatsächlich mehr Verstand, Humanität, Reflexion und Vernunft angeboten wird, als in den zudem konfessionell zerstrittenen christlichen Kirchen, resultiert derartiges Mißverständnis doch aus der ungeklärten Begrifflichkeit.
  11. So weit ich informiert bin.

Fortsetzung Seite 37 bis 77
Fortsetzung  im Brief an Rudolf Augstein
 
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