V. Das Offenbarungsproblem im Kirchenbegriff

Von Trutz Rendtorff

Offenbarung als Geschichte, in Verbindung mit R. Rendtorff, U. Wilckens, T. Rendtorff, herausgegeben von Wolfhart Pannenberg, Zweite Auflage mit einem Nachwort

© Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingcn 1961

/. Der Kirchenbegriff als theologische Standortbestimmung

Die Erörterung des Kirchenbegriffs in den letzten Jahrzehnten der theologischen Arbeit hat weniger den Charakter der Behandlung eines dogmatischen Einzelproblems; sie bringt vielmehr auffallend häufig den theologiegeschichtlichen Standort in seiner Besonderheit zusammenfassend zur Sprache. Zugleich nimmt der Kirchenbegriff eine Schlüsselstellung in der theologischen Erfassung der Offenbarung als gegenwärtiger Wirklichkeit ein. Die folgenden Erwägungen beschäftigen sich deshalb mit dem Kirchenbegriff hinsichtlich seiner Stellung im Zusammenhang des Offenbarungsverständnisses, wobei der besondere Aspekt auf den gegenwärtigen Zusammenhang mit der Offenbarung, wie er im Kirchenbegriff theologisch erfaßt werden kann, im Vordergrund steht.

Die besondere Rolle des Kirchenbegriffs in der gegenwärtigen Erörterung tritt sogleich in Erscheinung bei einer kurzen Orientierung über die epochale Bedeutung, die ihm heute beigelegt wird. Unsere Zeit, so wird behauptet, habe eine „Wiederentdeckung der Kirche" erlebt, die Kirche sei „in unserer Zeit wieder als Wirklichkeit erfahren worden"1. Mit dieser „Wiederentdeckung" der Kirche verbindet sich zugleich auch das spezifische Bewußtsein der gegenwärtigen Theologie als eines fundamentalen theologischen Neuanfangs, der sich im geistes- und theologiegeschichtlichen Erfahrungshorizont in einer Weise auslegt, die diese Erneuerung über den unmittelbaren historischen Zusammenhang hinaushebt und nur den „klassischen" Zeiten des Christen-

 

 

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1 O.Weber, Versammelte Gemeinde, Neukirchen 1949, 8; in gleichem Sinne H.E. Weber, Theologisches Verständnis der Kirche, ThLZ 1948, 450; G. Wehrung, Kirche nach evangelischem Verständnis, Gütersloh 1947, 7; übereinstimmend auch K. D. Schmidt und J. R. Nelson in: EKL II, 624 und 634, ferner E. Kinder, Der evangelische Glaube und die Kirche, Berlin 1958, 11 f.; A. Fridrichsen bezeichnet zudem „die Entdeckung der Rolle der Kirche im Urchristentum als das größte Ereignis innerhalb der Exegetik unserer Generation" (zit. nach A. Nygren, Christus und seine Kirche, Göttingen 1956, 9), vgl. dazu F. M. Braun, Neues Licht auf die Kirche, Köln 1946; Ernst Wolf fragt, ob mit dem neuen Kirchenverständnis sich vielleicht AFC Vilmars Prophetie erfülle, die Lehre von der Kirche werde erst noch „erlebt" werden, Bärmen-München 1957, 129.

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tums, dem ursprünglichen biblischen Zeugnis  und dem reformatorischen Bekenntnis vergleichbar sein läßt2.

Die Verknüpfung jenes im Horizonte geschichtlicher Erfahrung gewonnenen epochalen Selbstbewußtseins, so allgemein seine Explikation auch durchweg bleibt, mit dem Kirchenbegriff legt sich durchaus nahe. Denn mit der Erörterung des Kirchenbegriffs kommt die Problematik der konkreten Existenz dessen, was Gegenstand der Theologie und Inhalt des Glaubens ist, zur Sprache. Das betonte Hervortreten des Kirchenbegriffs in der gegenwärtigen Theologie zeigt deshalb noch keineswegs  eine  Intensivierung  der Ekklesiologie  im Sinne der dogmatischen Tradition an, sondern macht zunächst nur darauf aufmerksam, daß hier die Problematik der konkreten Existenz, mit der der Zusammenhang christlichen Daseins in der Welt zugleich als Bestimmung des theologischen Standortes im Horizonte der Geschichte fixiert wird, mit dem Kirchenbegriff verbunden wird, der in dieser allgemeinen Hinsicht den Begriff des Christentums weitgehend abgelöst hat. Diese Ablösung ist bereits ein Hinweis darauf, daß der Versuch unternommen wird, die verschiedenen theologischen Aspekte, die jener allgemeinen Orientierungsproblematik angehören, mit dem gleichen Ansatz zu bewältigen, der die dogmatische Lehre von der Kirche bestimmt, die es mit der Heilsgegenwart des Christusgeschehens zu tun hat. Die dabei intendierte einheitliche theologische Aussage vollzieht sich so als Konkretion  des   Offenbarungsverständnisses   am  Kirchenbegriff.  Der  besondere Charakter dieser Tendenz auf eine durchgehend einheitliche theologische Konzeption kann deshalb in der Durchführung am Kirchenbegriff abgeklärt werden.

Wichtigstes Merkmal der neuen Auseinandersetzung um den Kirchenbegriff ist die Betonung der Andersartigkeit der Kirche gegenüber der Welt. Die Kirche „ist unter uns wieder als die andere Wirklichkeit erfahren worden, grundlegend anders gegenüber der Wirklichkeit der Völker und Gesellschaftsformen dieser Welt"3. Diese Betonung der prinzipiellen Andersartigkeit und Besonderheit der Kirche, die sie an ihrer vorgängigen Differenz zu aller als Welt erfahrbaren Wirklichkeit auslegt, ist die gemeinsame Grundüberzeugung der dialektischen Theologie4, aber bestimmt auch darüber hinaus ganz allgemein den theologischen Verständnishorizont der gegenwärtigen Diskussion. Dabei ist wichtig, daß der Nachweis der Andersartigkeit der Kirche in der Regel nicht in der Er-

2     So z.B. H. E. Weber a.a.O.: „In einer seit langem sich vorbereitenden Entladung der
Krise ist uns ein neues Durchbrechen zum Evangelium der richtenden Gnade geschenkt. . .
Es war ein verheißungsvoller Neuanfang, daß in der Theologie ein neues Verstehen für
die Wirklichkeit der Kirche durchbrach" und die Aufgabe ergriffen wurde, „mit dem
Schlüssel des reformatorischen Bekenntnisses das biblische Zeugnis für den Dienst des
Wortes der Gegenwart zu erschließen" (450f.); vgl. ferner als charakteristische Äußerung
der Zeit nach 1933: „Was wir erleben ist nichts Geringeres als der Neubruch der reforma
torischen Kirche . . . Dieses Kirchentum, von dem wir herkommen, zerbricht und zer
schmilzt in der Feuerglut Gottes" (zit. nach K. Kupisch, Dahlem 1934, EvTheol 1959, 500).

3     O.Weber, a.a.O. 8.

4   Vgl. etwa E. Thurneysen, Christus und die Kirche, ZZ 8, 1930, 177ff., bes. 181 f.

 

 

örterung der besonderen ekklesiologischen Thematik erbracht wird; auch der Hinweis darauf, daß die Kirche als Kirche der natürlichen oder wissenschaftlichen Erkenntnis nicht zugänglich gemacht werden kann, vollzieht sich meist mit stereotypen Wendungen, in denen soziologische, psychologische, aber auch historische Kategorien abgelehnt werden, ohne daß in eine Erörterung des Bedeutungsgehaltes der damit ermöglichten Einsichten eingetreten würde. Die Vorstellung von der Andersartigkeit der Kirche bringt vielmehr zum Ausdruck, daß ihr theologischer Begriff durch das Verständnis der Offenbarung vorgängig und prinzipiell entschieden ist. Die Kirche erscheint als Offenbarungsrealität5 in einem Sinne, der den Nachweis ihrer Besonderheit in ihrem eigenen Zusammenhang gar nicht erst zuläßt. Die strenge Ableitung des Kirchenbegriffs ausschließlich aus dem Offenbarungsverständnis kann als ihren konsequentesten Vorläufer in der Neuzeit Hegel6 benennen, der die Kirche unter dem Aspekt der Vollendung der Offenbarung im Geist der Gemeinde auffaßte. Doch findet sich bei ihm nicht die besondere Wendung zu der betonten prinzipiellen Andersartigkeit der Kirche.

Ist die Andersartigkeit als theologische Grundbestimmung für den Kirchenbegriff vorgegeben, so wird andererseits dies Offenbarungsverständnis im Zusammenhang der Kirche konkret, und zwar an der grundsätzlichen Unterscheidung zwischen der faktischen, historischen Kirche, für die man gern den Ausdruck „Kirchentum" wählt, und der Kirche des Wortes oder Jesu Christi, wobei die ja immer als Problem empfundene Spannung zwischen der empirischen Kirche und der Gegenwart Christi in seiner Gemeinde hier auf ihre prinzipielle Differenz hin zugeschärft ist, die dann den Anstoß zu ihrer nachträglichen Vermittlung gibt. Die Differenz erscheint dabei konstitutiv für .den theologischen Ansatz, so daß die faktische Kirche für deren theologisches Verständnis keinen Anhalt bietet. Die Wiederentdeckung der Kirche ist in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit ihrer theologischen Neuschaffung. Dies grundsätzliche Abheben von der faktischen, historischen Kirche und die Gewinnung des theologischen Verständnisses „von innen her" hat ja gleichfalls seine Vorläufer, nicht zuletzt im Idealismus. Schleiermacher beginnt seine Erörterung der Kirche in der vierten der Reden über die Religion mit der Ankündigung: „Laßt uns den ganzen Begriff der Kirche einer neuen Betrachtung unterwerfen und ihn vom Mittelpunkt der Sache aufs neue erschaffen, unbekümmert um das, was bis jetzt davon wirklich geworden ist, und was die Erfahrung darüber an die Hand gibt."'Das so anhebende Verständnis der Kirche ist zugleich immer Kritik an der Kirche, auch wo diese nicht im einzelnen durchgeführt wird, wobei das Kennzeichen dieser Kritik ist, daß sie sich nicht an bestimmten, konkreten geschichtlichen Fragestellungen ausweist,

 

 

5 So auch E. Wolf, a.a.O. 11: „Es geht hier um den Offenbarungsbegriff von Kirche, mithin um die Kirche des Glaubens" (125); vgl. E. Kinder, a.a.O. 11.

• Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 191 ff. und 308 ff. = Werke hrsg. v. H. Glockner, Bd. 16.

7 Reden über die Religion, 176.

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sondern die Vorhandenheit von Kirche überhaupt meint8. Die Bewährung der Behauptung der Andersartigkeit der Kirche bildet jedenfalls kein selbständiges Problem, da sie selbst in ihrem Recht durch die Konfrontation mit der Wirklichkeit nicht mehr in Frage gestellt werden kann.

Die Verunsicherung der Kirche im geschichtlichen Zusammenhange der Gegenwart wird so im theologischen Verständnis aufs äußerste zugespitzt und hat in ihm ihre dauerhafteste Grundlage. Das ließe sich im einzelnen besonders deutlich nachweisen in der theologischen und kirchlichen Entwicklung der letzten 15 Jahre, wo die inzwischen in ihren Grundlagen kaum noch reflektierte theologische Ausgangsbasis zu einer verbindlichen allgemeinen Haltung geworden ist und in der nun wieder in den Vordergrund tretenden sozialethischen und kirchensoziologischen Thematik zu schwerwiegenden Aporien führt. Denn das Verständnis der Andersartigkeit ist aus seinem historischen Gegenüber, an dem es in der Anfangsphase der dialektischen Theologie ausgebildet worden ist, schon längst gelöst und zu einem statischen Strukturverhältnis formalisiert, für das die Differenz zur Welt theologisch als eine Gegebenheit erscheint, die die Grundlage für den nunmehr erstrebten missionarischen und ethischen Rekurs in die Welt unter seinen vielfachen Aspekten abgibt. Der neue Kirchenbegriff, der zunächst die theologische Vergewisserung des Glaubens in seiner Besonderheit leistete, tritt dann aber als theologische Preisgabe eines einheitlichen Weltverständnisses ins Bewußtsein. Diese Einheit kann nur noch in der Gestalt des ethischen Appells als Aufgabe ihrer Hervorbringung in den Blick kommen. So drängt heute alles auf eine neue Vermittlung, die aber nicht wiederum auf dem Boden jener prinzipiellen v Andersartigkeit gelingen kann, sondern deren theologische Grundlage selbst zur Erörterung stellen muß. Wir setzen dazu nicht bei dem Offenbarungsbegriff ein, der der Vorstellung von der Andersartigkeit zu Grunde liegt, sondern fragen genauer, im Sinne des hier gewählten Aspektes, nach dem theologischen Zusammenhang, in dem der Kirchenbegriff zu der Christus-Offenbarung steht, zumal die eigentliche Problematik gerade in der begrifflichen Fassung eben dieser Relation zu sehen ist.

2. Das dogmatische Problem des Kirchenbegriffs

Der dogmatische Gehalt des theologischen Kirchenbegriffs ist nach allgemeiner Überzeugung aus der engen und konsequenten Verbindung der Ekklesiologie mit der Christologie zu entwickeln. In ihrem Zusammenhang ist auch der Ansatz für eine Bestimmung des Verhältnisses von theologischem Begriff und historischer Realität der Kirche zu suchen. Eine allgemeine, unqualifizierte Rede von der „Geschichtlichkeit" aller Wirklichkeit, mit der

 

8 So am schärfsten K. Barth, Das Wort Gottes und die Theologie, Ges. Vorträge I, München 1925, 64f. und 84f., und besonders Römerbrief 1921, 314ff. u.ö.

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häufig eine Synthese im Kirchenbegriff angestrebt wird, vermag demgegenüber die bestehenden Aporien nur zu verdecken.

Wir verdeutlichen uns zunächst den Sachverhalt, der sich aus einer strengen Verbindung des Kirchenbegriffs mit dem Christusgeschehen ergibt. Bekanntlich hat K. L. Schmidt wohl zuerst den Zusammenhang auf die Formel zugespitzt, „daß die Ekklesiologie nichts anderes ist als Christologie"9. Der Sache nach aber ist dies theologische Gefalle als dogmatischer Grundsatz auch in der Tradition weithin anerkannt und in verschiedener Weise durchgeführt worden. Die besondere Zuspitzung allerdings, die in der zitierten Formulierung intendiert ist, stellt einen eigenen, neuen Aspekt dar, der nicht nur, wenn auch am konsequentesten, bei Barth durchgeführt worden ist10. Wir haben es hier also mit der inhaltlichen Thematik zu tun, die formal als die Andersartigkeit der Kirche und methodisch in ihrer Verankerung im Offenbarungsverständnis bereits zur Sprache gekommen ist. Die Explikation dieses Zusammenhanges muß sich deshalb als besonders wichtig erweisen.

Zunächst muß präzisiert werden, welches theologische Gewicht sich mit der Neubestimmung des Aspektes auf die Kirche verbindet. Das Wesen der Kirche kann nicht im Blick auf sie selbst zureichend erfaßt werden11, sondern theologisch nur als ihre Einheit und ihr Zusammenhang mit dem Christusgeschehen zur Sprache kommen. Damit ist im Prinzip jenen ekklesiologischen Konzeptionen der Boden entzogen, die in der Analyse der Struktur der Kirche selbst, sei es in der Unterscheidung von Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit, Wesen und Erscheinung, Institution und Gemeinde oder Einzelner und Gemeinschaft ihren Ansatz nehmen. An die Stelle dieser Erörterungen, die die Kirche als eine Gegebenheit voraussetzen und ihre innere Zusammensetzung untersuchen, tritt damit die Frage nach der Bedingung der Möglichkeit von Kirche überhaupt, indem der Zusammenhang mit dem Christusgeschehen oder auch umgekehrt dessen Gegenwart in der Kirche selbst zur Diskussion steht. Diese Fragestellung aber ist, wenn sie nicht im Sinne einer supranaturalen Rektion beantwortet werden soll, ganz offensichtlich nur im Blick auf den geschichtlichen Zusammenhang der Kirche mit dem Christusgeschehen aufzunehmen. Die genaue Bestimmung dieses Zusammenhangs der Kirche mit Christus gibt den angemessenen Horizont der Erörterung ab. Seine Problematik steht in der Konsequenz des modernen geschichtlichen Denkens. Dies wird sofort deutlich, wenn man sich in großen Umrissen die tiefgreifende Wandlung vor Augen führt, die sich damit gegenüber der Tradition vollzieht.

Sehr verkürzt läßt sich diese Tradition folgendermaßen charakterisieren12: Der vorreformatorischen Lehre von der Kirche, die sich endlich vor allem in

• ThWNT III, 515.                                                 i» KD I/l, 31. 41. 49 u.ö.

11        E. Kinder spricht deshalb von „indirekter Ekklesiologie", a.a.O. 18.

12        Aus der Literatur verweise ich auf R. Seeberg, Studien zur Geschichte des Begriffs
der Kirche, Erlangen 1885, und E. Altendorf, Einheit und Heiligkeit der Kirche = Arbeiten
zur Kirchengeschichte 20, Berlin 1922.

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der Auseinandersetzung mit dem Donatismus konsolidiert hat, ist die Frage nach dem Wesen der Kirche direkt verbunden mit der Bestimmung ihrer inneren und äußeren Einheit. Die Auseinandersetzung um die Einheit der Kirche gibt als solche auch die Klärung des Zusammenhanges der Christen mit der Heils-offenbarung. Diese Einheit der Kirche würde, wenn sie mit dem in der Folge des göttlichen Heilshandelns stehenden Verhalten der Christen direkt verbunden wäre, jede Kontinuität verlieren. Der antidonatistische Kirchenbegriff Augustins löst das Problem, indem die Scheidung der Personen, die de facto, aber im Verborgenen vorhanden ist, dem zukünftigen Gericht vorbehalten bleibt, die Einheit der Kirche der Weltzeit aber durch die objektiven Heilsgüter der Kirche, vorab Amt und Sakrament, gewährleistet ist, in denen das Heilswerk Christi Dauer hat. Uns interessiert hier vor allem, daß offenbar die Frage nach dem Zusammenhang der jeweils gegenwärtigen Kirche mit dem Christusgeschehen, anders ausgedrückt die praesentia Christi selbst in Christi corpore, quod est ecclesia, prinzipiell nicht zum Problem wird. Die Ekklesio-logie entfaltet sich vielmehr an der Frage, in welcher Weise diese Gegenwart konkret verfaßt ist und als Einheit der Kirche die Möglichkeit der Heilsteilhabe sichert. Dagegen bringt das reformatorische Denken hier einen neuen Akzent, den wir ebenfalls nur ganz kurz andeuten, indem wir auf den Skopus der Formulierung von CA VTI hinweisen, der bekanntlich in der Einleitungsformel zum Ausdruck kommt: quod una sancta ecclesia perpetuo mansura sit, „Daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben". Der Horizont der Fragestellung ist hier die Einheit der Kirche in der Zeit und was diesem Zusammenhang Ständigkeit gibt. Die Erörterungen der Tradition werden hier in neuer Weise aufgenommen, indem die Vergewisserung des Heils ausschließlich mit den Faktoren verbunden wird, die die Einheit der Kirche im spezifisch theologischen Sinne garantieren. Der leitende Aspekt geht auf die Mittel der Gewährung der Teilhabe am und der Teilgabe des Heils selbst; das Heilswerk Christi aber ist in seiner wirksamen Gegenwart fraglos verbürgt. Das Problem des Zusammenhanges gegenwärtigen Glaubens mit dem Christusgeschehen konzentriert sich um die richtige Bestimmung der Weisen der Heilsteilhabe. Rückschauend läßt sich sagen, daß die Einheit dieses Zusammenhanges der Kirche vom Christusgeschehen her nicht fraglich ist und also von dessen Gegenwärtigkeit her auch nicht erörtert werden muß. Insofern kann man sagen, daß für unser heutiges Verständnis der reformatorische Kirchenbegriff durchaus mit der Ekklesiologie der alten Kirche auf einer Linie liegt. Die Frage nach dem Zusammenhang der Kirche mit Christus wird vielmehr erst in ihrer grundsätzlichen Bedeutung ins Bewußtsein gehoben durch das neuzeitliche geschichtliche Denken; für dieses muß ja die Abgeschlossenheit der Gottesoffenbarung im historischen Sinne von entscheidender Bedeutung werden. Damit aber wird die Frage nach dem Zusammenhang der Kirche mit Christus radikalisiert, indem dieser Zusammenhang als geschichtlicher die Realität gegenwärtigen Glaubens in seiner Bestimmtheit durch das Christusgeschehen ausmacht, wie

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nun gesehen werden kann. In dieser Problematik, die den Zusammenhang gegenwärtigen christlichen Daseins als Kirche mit dem sie begründenden Christusgeschehen als den der Geschichte erkennen läßt, haben wir deshalb auch die Wurzel der die Gegenwart bestimmenden und für ihr Selbstbewußtsein repräsentativen Frage nach der Kirche zu sehen. Es sei nur an Schleiermacher erinnert, der die daraus entstehenden Probleme zuerst systematisch zusammenzufassen sucht, in dessen Glaubenslehre13 das Gesamtleben der Gemeinde den durchgängigen theologischen Zusammenhang zwischen dem ursprünglichen Gottesbewußtsein Jesu und seiner Wirkung auf die religiöse Natur des Menschen als konkreten, geschichtlichen bestimmt, dessen Glaubenslehre im wesentlichen eine Explikation dieses Gesamtlebens ist; deshalb ist Schleiermacher im 19. Jahrhundert auch als „kirchlicher" Theologe gefeiert worden. Und das neuorthodoxe Luthertum der Folgezeit, dessen Theologie sich als „Bücher von der Kirche" vorstellte, schloß sich wenigstens an diesem Punkte durchaus an Schleiermacher an und sah das entscheidende Problem der Kirche gerade in der Sicherung der „Fortpflanzung" der Wirksamkeit Jesu, also in der Frage nach ihrem geschichtlichen Zusammenhang14, wobei selbstverständlich eine genauere Untersuchung der Tatsache Rechnung zu tragen hat, daß die Tragweite des geschichtlichen Aspektes hier erst nur implizit und in Ansätzen bewußt geworden ist. So ist die Frage nach der Kirche auch ganz abgesehen von den Auseinandersetzungen um die kirchliche Verfassung, zwischen Konfession und Union, schon im 19. Jahrhundert immer wieder als Leitthema der theologischen Arbeit angesehen worden. Während so die Explikation des geschichtlichen Zusammenhanges mit Jesus der Nerv der theologischen Fragestellung wird, ist damit noch in keiner Weise festgelegt, wie diese Frage nach der Kirche als Geschichte ausgesagt wird. An diesem Punkte ist jedoch kein Anlaß zu einer prinzipiellen Abkehr vom 19. Jahrhundert gegeben. Allerdings wird nun auch sofort deutlich, daß die unabweisbare Einsicht in den historischen Charakter der Christusoffenbarung ein selbständiges Problem darstellt und der Zusammenhang der Kirche mit ihr in der Sicherung des Offenbarungsverständnisses nicht ohne weiteres enthalten ist. Die Kontinuität der nachchristlichen Geschichte erscheint durch die Historizität der Offenbarung vielmehr grundsätzlich in Frage gestellt, so daß die Relation von Offenbarungsverständnis und Kirchenbegriff sich nunmehr ungleich komplizierter darstellt. Von diesem Sachverhalt legt die ekklesiologische Diskussion der letzten 150 Jahre beredtes Zeugnis ab. Um so wichtiger dürfte es sein, die hier vorwaltende Problematik in ihrer unlöslichen Verbindung mit der theologischen Einsicht in den geschichtlichen Charakter der Offenbarung festzuhalten und gegenüber allen direkten Vermittlungsversuchen die Frage nach der Kirche in der Konsequenz dieses Gedankens fortzuführen.

13        Der christliche Glaube, 2. Aufl., bes. §§ 3—14 und 87S.

14        Vgl. AFC Vilmar, Dogmatik II, Güterloh 1874, 186, 203ff., und: Theologie der Tat-

sachen, Marburg 1857, SOff.

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Wenden wir uns nach dieser Skizze der Problemgeschichte des Kirchenbegriffs wieder der anfangs dargestellten gegenwärtigen Auseinandersetzung zu, so ist deren polemischer Impuls von der Situation zu Beginn der dialektischen Theologie abzuheben. Die Durchführung der Aufgabe einer theologischen Erfassung des Zusammenhanges gegenwärtiger Kirche mit Christus als Frage nach ihrer Geschichte erschien durch die Krise des Historismus in den Subjektivismus oder in die ethische Dimension abgewandert, während etwa Troeltsch, der an dem historischen Aspekt dieses Zusammenhanges wohl am konsequentesten festgehalten hat, dessen theologischen Gehalt nicht mehr einleuchtend zur Sprache bringen konnte. Die Gegenwart des Christusgeschehens konnte so schwerlich als der Zusammenhang der nachchristlichen Geschichte durchgeführt werden, da diese in die Tatsächlichkeit ihrer positiven Gegebenheiten einerseits und die Vorhandenheit der religiösen Subjektivität andererseits auseinanderfiel. Die Behauptung der Gegenwart Gottes in der unmittelbaren Vorhandenheit der religiösen Welt stellte in der Tat eine ernste Bedrohung des christlichen Glaubens dar. Die Selbständigkeit gegebener Religion, sofern sie in der Analyse ihrer psychologischen, ethischen oder sozialen Struktur fixiert werden sollte, war auf ihren Zusammenhang hin zu durchbrechen. Unter der Vorherrschaft des positivistischen Geschichtsbegriffs und seinem Korrelat, dem Individualitätsprinzip, bot sich zunächst die Aufdeckung der Differenz dieses Denkens zur theologischen Tradition an. Die Frage muß sein, ob die dialektische Theologie die Frage nach der Kirche als Frage ihres geschichtlichen Zusammenhanges mit Christus theologisch aufnahm oder aber im Anknüpfen an die vorbereitete Differenz diese in eine neue Gestalt einer radikalisierten Aporie überführte.

3. Das Verhältnis von Offenbarungsproblem und Kirchenbegriff in der dialektischen Theologie

Die positive Einsicht in den notwendigen Zusammenhang der Ekklesiologie mit der Christologie gelingt in der dialektischen Theologie zunächst durch eine aufs höchste gesteigerte Aktualisierung des Christusgeschehens, wobei der welt- und kirchengeschichtliche Zusammenhang durch die Behauptung der prinzipiellen Andersartigkeit der Offenbarung von aller Welt im ersten Ansatz zu theologischer Bedeutungslosigkeit herabsinkt. Die Aktualisierung der Offenbarung, die ihr Schwergewicht in der Betonung des souveränen Geschehenscharakters der Offenbarung hat, gewinnt ja aber überhaupt erst auf dem Hintergrund der Problematik des historischen Denkens einen Sinn und ist abgelöst davon als allgemeine Aussage über die Offenbarung gar nicht zu begreifen. Etwas zugespitzt kann man sagen, daß die Einheit der Kirche mit Christus nicht in einer theologischen Erfassung des diese Einheit ausmachenden Geschichtszusammenhanges nachgewiesen wird, sondern sich in der Gestalt

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ihrer sachlichen und strukturellen Entsprechung darstellt. So erscheint es ja in der bereits angeführten Formulierung von K. L. Schmidt, „daß die Ekklesiologie nichts anderes ist als Christologie", die aber der Sache nach vielfach aufgenommen worden ist15.

Daß mit dieser energischen Konzentration des Kirchenbegriffs auf die Lehre von Jesus Christus die Themen der ekklesiologischen Tradition im engeren Sinne in den Hintergrund treten, haben wir bereits gesagt und liegt in der Sache selbst. Mit der thematischen und zeitlichen Ineinssetzung der Ekklesiologie mit der Lehre von der Offenbarung kann jedoch die entscheidende Frage des Zusammenhanges von Kirche und Christus gar nicht zur Entfaltung kommen, sondern bleibt verdeckt. Sie kommt nur noch in einer sehr verkürzten Perspektive zum Tragen darin, daß mit dem Kirchenbegriff nunmehr die unmittelbare Gegenwart Christi zur Sprache gebracht wird. Die Kirche stellt die Christusoffenbarung als gegenwärtig geschehend dar. Unter ekklesiologischem Gesichtspunkt handelt es sich dabei um durchaus formale Aussagen: „Die Kirche ist, indem sie geschieht." (???)

„Sie ist das Ereignis der Versammlung."16 Ihr Wesen besteht darin, „Versammelte Gemeinde" zu sein17. „Das Sein der Kirche ist Ereignis", die Konkretheit der Gemeinde besteht darin, „daß Gottes Werk . . . Ereignis ist."18 Das Problem des Zusammenhanges ist also auf die reine Gegenwärtigkeit von Kirche als die Aktualität der Christusoffenbarung reduziert19. Die Kirche der Geschichte aber gewinnt Dimension nur unter dem strengen Aspekt der Darstellung der Christusoffenbarung, in der Explikation einer strukturellen Entsprechung20, was in der begrifflichen Übertragung des Dogmas von der Gottmenschlichkeit Jesu auf die Kirche seinen Ausdruck findet. Ohne an diesem Punkte auf eine genauere dogmatische Erörterung einzugehen, ist hier festzuhalten: Der Kirchenbegriff, wie er in der Konsequenz des geschichtlichen Denkens zur Erörterung gestellt worden ist, gibt für das Offenbarungsproblem in der Hinsicht auf die Qualifikation der nachchristlichen Geschichte durch die Offenbarung keine eigene Dimension mehr ab. Er wird vielmehr nur als „Reflex" der in sich selbst gegenwärtig aktualen Offenbarung expliziert21.

Dennoch sind die eingangs angeführten Urteile über die „Wiederentdeckung" der Kirche und die große Rolle des Kirchenbegriffs für die gegen-

 

 

15        So bei Wehrung, a.a.O. 34; H. E. Weber, a.a.O. 459; O. Weber, a.a.O. 10; D. Bon-
hoeffer, Sanctorum Communio (1930), 1954, in der Formel „Christus als Gemeinde exi
stierend", die fortgeführt ist bei K. Barth, KD IV, §§ 62, 67 u. 72. Die dogmatische Aus
einandersetzung muß sich im Rahmen dieses Vortrages auf den einen Aspekt beschränken
und wird insofern den eigenen Intentionen der zitierten Autoren nicht voll gerecht.

16         K. Barth, Die lebendige Gemeinde und die freie Gnade, TheolEx NF 9, 1947, 3 u.ö.

17        O.Weber, a.a.O., aber auch bereits  Thurneysen, a.a.O.,  bes.  202,  spricht vom
„Zusammenkommen" als entscheidendem Aspekt.

18        Barth, a.a.O. 5, vgl. KD IV l, 727f.

18 Etwa in der Formel von dem „sich selbst verkündigenden Herrn" 20 Vgl. dazu jetzt K. Barth, KD IV 3, 829 f.

al Auf die Probleme dieses Kirchenbegriffs weist besonders nachdrücklich hin G. Gloege in seiner Besprechung in ThLZ 85, 1960, 161 ff.

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wärtige Theologie nicht Ausdruck eines verirrten Bewußtseins. Es ist jetzt vielmehr der Punkt, um darauf aufmerksam zu machen, daß sich der Kirchenbegriff an der Frage nach dem Verhältnis des Glaubens zur Welt konsolidiert. So wenig Welt und Geschichte für die Grundbestimmung des Kirchenbegriffs positiven Belang haben, so entscheidend sind sie als Gegenüber, an dem mit dem Kirchenbegriff die Frage nach der konkreten Existenz des Christen ausgelegt wird. Wiederum in leichter Überspitzung kann man sagen, daß es sich hier um einen ausgesprochen politischen oder ethischen Kirchenbegriff handelt. So formal und allgemein der Kirchenbegriff in den theologischen Aussagen ist, die über die Entsprechung zu christologischen Sätzen hinausgehen, so eindrucksvoll konsolidiert er sich an der Weltproblematik. Wir haben darauf ja schon hingewiesen. Jetzt aber ist der theologische Zusammenhang deutlich geworden, der diese Konkretisierung des Kirchenbegriffs am Gegenüber der Welt, die zugleich die Aufgabe der Verwirklichung der Christusoffenbarung stellt, verstehen läßt. Allerdings muß die Aufmerksamkeit sogleich auf die hier notwendig eintretende Schwierigkeit gelenkt werden.

Die am Gegenüber der Welt als ihrer Aufgabe begriffene Kirche oder Gemeinde, wie wir jetzt besser sagen, entbehrt doch, wenn ihrer geschichtlichen Wirklichkeit für die Gegenwart der Offenbarung keine grundlegende Bedeutung zukommt, einer verläßlichen Orientierung ihres Handelns in der Welt. Denn in der selbstmächtigen, alle Geschichte überbietenden Aktualisierung der Christusoffenbarung wird der tatsächliche historische Boden der gegenwärtigen Kirche wesenlos. Die Ereignishaftigkeit der Offenbarung läßt — so wie die Geschichte der Kirche — auch ganz allgemein die Geschichte der Welt in ihrer faktischen Konkretion nicht mehr erkennen, so daß die Tendenz auf eine gewisse Willkürlichkeit ihres Welt- und Selbstverständnisses kaum vermieden werden kann. Dieser Schwierigkeit aber kann nicht schon durch die angelegentliche Bemühung um eine genauere Information über und Beschäftigung mit der Wirklichkeit begegnet werden. Sie ist vielmehr unmittelbar verbunden mit dem Offenbarungsverständnis. Das theologische Wirklichkeitsverständnis ist in der Weise mit dem Kirchenbegriff gekoppelt, daß es nur aus einer angemessenen Explikation des Zusammenhanges von Kirche und Christus als geschichtlichen entwickelt werden kann. Die grundsätzliche Entscheidung fällt daran, ob dieser in seiner historischen Qualität anerkannt oder durch den Modus der „Geschichtlichkeit" unterfangen wird.

Damit legt sich ein Blick auf die an der Existentialität und „Geschichtlichkeit" des Menschen entwickelten Theorien nahe. Hier tritt der Kirchenbegriff überhaupt in den Hintergrund, weil der Zusammenhang des Glaubens mit Christus in der Aufdeckung der Struktur der Personalität sein Kontinuum hat, an dem die Kirche des Wortes nur eine aufschließende Funktion wahrnimmt, aber selbst ohne eine theologisch relevante historische, konkrete Realität bleiben muß, um den existentialen und aktualen Charakter dieser Personalität nicht durch eine Gestalt von Faktizität zu gefährden. Die Kirche ist „nichts,

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was weltlich irgendwie feststellbar vorhanden wäre..., die Kirche als die des reinen Evangeliums ist schlechthin unsichtbar, ... nicht vorfindbar in der Welt." 22 In diesen erstaunlichen Formulierungen verschafft sich ein konsequentes Glaubensverständnis der Kirche Geltung, das den Anruf Gottes im Wort des Kerygmas unmittelbar auf den einzelnen, auf die Subjektivität bezieht unter strenger Ausschließung jeder historischen und faktischen, d.h. auch „kirchlichen" Vermittlung. So betont Bultmann, der Anruf Gottes „als Ereignis kann doch nur vom einzelnen erfaßt werden". Die Verkündigung des Wortes Gottes vollzieht sich in echtem Sinne „nur als je an mich, an den konkreten Menschen, in meiner konkreten Situation gerichtetes Wort"23. Übereinstimmung besteht allerdings darin, daß die Gegenwart der Christusoffenbarung nur in ihrer alle Geschichte überbietenden unmittelbaren Aktualität und Ereignishaftigkeit gedacht werden kann. Vor allem bei Gogarten rückt mit der Anknüpfung an das Selbstverständnis des Menschen, auf die Pannenberg schon einleitend hingewiesen hat, die universale Bedeutung der Offenbarung stärker in den Mittelpunkt durch das an der Personalität orientierte Verständnis der Welt, in deren Zusammenhang das Christusgeschehen eine grundsätzlich neue Dimension eröffnet. Diese Universalität muß aber dunkel bleiben, wenn ihr tatsächlicher Vollzug durch die Reduktion des Aufeinandertreffens von Welt und Christus auf die innere „Geschichtlichkeit" des Selbst des Menschen nur nachträglich oder illustrierend in den Blick kommt, wie es notwendig der Fall ist, wenn die Kirche auf die reine „Wortlichkeit" (oder das „Zur-Sprache-Kommen") ausgelegt wird, der universale Aspekt aber in einer neuen Konzeption der Welt als Welt seine Spitze hat, so daß die Offenbarung auf die Ermöglichung einer neuen Hermeneutik eingeengt wird. Die Gegenwärtigkeit des Offenbarungsgeschehens kann so gerade nicht in ihrer Gestalt als Geschichte der Kirche gesehen werden. Von der Kirche wie von dieser Vermittlung gilt dann vielmehr die „Unsichtbarkeit", die „die Unsichtbarkeit des innersten Geschehens der Welt" ist24. Die Einheit der Wirklichkeit als Welt zieht vielmehr die Forderung nach sich, daß der Kirchenbegriff in der Schwebe zwischen Geschichte und Geschichtlichkeit bleibt. „Als Leib Christi hat die Kirche gar keine Geschichte, sondern ist ein eschatologisches Phänomen; in der Kirche stehen und in einer geschichtlichen Gemeinschaft stehen ist zweierlei, und das Verhältnis zwischen beiden ist ein paradoxes."25 Die Einheit der Kirche mit Christus kann aber kaum einleuchten, wenn sie mit dem Verlust eines theologischen Zuganges zur faktischen Kirche der Geschichte erkauft wird.

Wir schließen die Erörterung des Kirchenbegriffs in der gegenwärtigen Theologie ab, indem wir noch einmal die theologischen Positionen zusammen-

22    F. Gogarten, Der Mensch 2wischen Gott und Welt, 2 1956 311.

23     R. Bultmann in einer Auseinandersetzung mit C. H. Dodds Versuch, das Geschichts-
problem vom Standpunkt des Kirchenbegriffs zu bestimmen, „The Bible-Today" und die
Eschatologie, in The Background of the New Testament, Cambridge 1956, 407.

24    F. Gogarten, a.a.O. 316.                                                         a Bultmann, a.a.O. 408.

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fassen, denen das eigentliche dogmatische Gewicht zukommt. Es geht einmal um die Aufsprengung des Kirchenbegriffs der Tradition, indem im Zuge des geschichtlichen Denkens die Frage nach der Kirche bereits im Ansatz vor das Problem des Zusammenhanges gegenwärtiger Kirche mit der Christusoffenbarung stellt. Die These, daß hier die Wurzel der neueren ekklesiologischen Erörterung zu sehen sei, bestätigt sich gerade auch im Blick auf die gegenwärtige Auseinandersetzung, die die historische Dimension dieses Zusammenhanges durch eine aktuale oder auch existentiale Interpretation zu unterfangen sucht. Thematisch steht ferner die enge Verbindung der Ekkesiologie mit der Christologie im Vordergrund, die in der Tat gegenüber einer rein innerekklesiologischen Betrachtung den angemessenen Horizont abgibt. In der begrifflichen Fassung dieser Verbindung geht es darum, wieweit sie der Kirche der Geschichte, die ja faktisch die ganze Erörterung hervorruft, im Ansatz Rechnung tragen kann oder zu ihr nur ein problematisches Verhältnis gewinnt. Schließlich entscheidet sich am Kirchenbegriff in der gegenwärtigen Problemlage das theologische Verständnis der Wirklichkeit von Welt unter dem Aspekt der Qualifizierung dieser Wirklichkeit durch die geschichtliche Offenbarung. Diese Frage erscheint in der gegenwärtigen Theologie zunächst im Blickfeld der exklusiven Differenz zwischen der Kirche der Offenbarung und der Welt und führt in der ihr folgenden Vermittlung in offenkundige Schwierigkeiten, die diesen ganzen Fragekreis als noch durchaus offen zu erkennen geben. In dieser Situation ist der Rückgang auf die primäre Frage nach dem Zusammenhang von Kirche und Offenbarung als Geschichte unumgänglich.

4. Das Offenbarungsproblem in der nachchristlichen Geschichte

Die Gemeinsamkeit der Problematik, die wir herausgearbeitet haben und der man sich nicht wird versagen können, kann doch die Aporie nicht verbergen, vor die die Theologie der Kirche im Blick auf deren historischen Zusammenhang stellt. Dabei lassen wir die Auswirkungen dieser Aporie auf die allgemeine Situation der Christenheit hier außer acht, obwohl die wissenschaftliche Verantwortung der Theologie sich den tatsächlichen Erfahrungen der Kirche jedenfalls nicht grundsätzlich verschließen kann. Der sachliche Grund für die vorherrschende Reduktion des Kirchenbegriffs auf die Aktuosität des Christusgeschehens und den daraus folgenden rein gegenwärtigen supranaturalen Ereignischarakter von Kirche liegt aber offensichtlich darin, daß die Theologie keinen hinreichenden Zugang zu der Abgeschlossenheit des Christusgeschehens im historischen und theologischen Sinne hat und so auch nicht zeigen kann, wie das Offenbarungsgeschehen in seiner so verstandenen Einmaligkeit den Fortgang der nachchristlichen Geschichte qualifiziert. Wenn auch von den verschiedenen theologischen Positionen her an der Historizität der Christusoffenbarung jedenfalls formal festgehalten wird, so zeigt sich

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doch gerade am Kirchenbegriff sehr deutlich, daß das damit unlöslich verbundene Moment ihrer Vergangenheit durch moderne, d. h. „geschichtliche" Formen eines supranaturalen Verständnisses der unmittelbaren Gegenwart Christi umgangen wird. Wird das Offenbarungsgeschehen in dieser Weise der Gegenwart direkt verbunden, so ist die konkrete Existenz der Kirche, die sie als den Zusammenhang ihrer Geschichte hat, theologisch kaum durchsichtig zu machen, es sei denn im Sinne der je und je stattfindenden oder ausbleibenden Rezeption des Offenbarungsereignisses. Es muß aber die Vorstellung aufgegeben werden, als handele es sich bei der theologischen Problematik der Relation von Kirche und Christus nur um die jeweils neu vollzogene Beziehung zwischen zwei Größen, wobei unter Kirche ganz verkürzt die jeweils gegenwärtige Gemeinde verstanden wird und die Geschichte nur das Material ist, in dem sich dieses Verhältnis je etabliert. Es ist vielmehr geboten, sich dem Zusammenhang der Kirche mit dem Offenbarungsgeschehen in einer kritischen Erwägung der Gesamtheit ihrer Geschichte zu nähern. Denn die theologische Explikation der Einheit der Kirche mit Christus hat zunächst nichts anderes als die Geschichte der Kirche zum Gegenstand26, wie sie auch der historischen Untersuchung offensteht, und kann abgesehen von dieser Geschichte auch nicht zu dogmatischen Ergebnissen kommen. Anders ausgedrückt: Der Kirchenbegriff muß den faktischen Zusammenhang der nachchristlichen Geschichte mit dem Christusgeschehen im Ansatz theologisch als die Relation der Kirche zu Christus begreifen. Die Theologie der Kirche kann an einer systematischen Aufarbeitung der Geschichte der Kirche nicht vorübergehen, wobei zu beachten ist, daß es nicht um die Gewinnung einer Vielzahl einzelner, für die dogmatische Begriffsbildung besonders illustrativer Daten dieser Geschichte geht; vielmehr muß vorab eingesehen werden, daß die Geschichte der Kirche als solche der gesuchte Zusammenhang mit der damals geschehenen Offenbarung Gottes ist, die Theologie also kein besonderes, darüberliegendes Verhältnis zu konstruieren hat, sondern auch den systematischen Zugang zum Kirchenbegriff gewinnt, indem sie sich die Kirche als Geschichte in ihrem Zusammenhang, als Ganzheit, im vollen Bewußtsein ihrer Unabgeschlossenheit und darum Vorläufigkeit vor Augen führt, wobei die Einsicht unumgänglich ist, daß die Gesamtheit dieser Geschichte ohne das Christusgeschehen überhaupt nicht verständlich ist.

Diesem Sachverhalt muß nun noch besondere Aufmerksamkeit zukommen. •Der Kirchenbegriff nimmt die Kirche der Geschichte als erstes, sozusagen als ihren Text, in den Blick. Dies geschieht allerdings mit einer dogmatischen Fragestellung, wie sie sich aus den bisherigen Überlegungen ergeben hat und die den theologischen Zusammenhang der Kirche mit der Geschichte Jesu

M In diesem Sinne stimme ich mit E. Kinder überein, der die Kirche bezeichnet als „das neue Gesamtleben, das von der Sendung und dem Werk Jesu Christi in der Menschheit weitergeht, in dem und durch das dieses Heilshandeln fortwirken will", a.a.O. 15.

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betrifft. Die Theologie der Kirche hat also der besonderen Schwierigkeit Rechnung zu tragen, daß sie die Kirche nicht in ihrer bloßen Faktizität meint, die ja ohnehin nur eine Abstraktion wäre (etwa im Sinne der Kirchenkunde), sondern mit der durch das Offenbarungsereignis qualifizierten Geschichte; als solche muß sie sich erweisen. Dafür ist es aber belangvoll, nicht ein einzelnes Phänomen isoliert in den Blick zu nehmen, also etwa die Kirche als Institution oder die Gemeinde, das Amt, die Predigt oder die Frage des subjektiven Heilserwerbs. Hier handelt es sich um wesentliche Einzelbestimmungen, von denen aber keine die Gesamtheit der Kirche, die als Zusammenhang ihrer Geschichte Gegenstand der theologischen Arbeit ist, allein repräsentiert27. Vor allem aber wäre es unangemessen, eine Geschichte des Glaubens neben der faktischen Geschichte der Kirche anzunehmen, weil solche Annahme die Tatsache verdunkeln würde, daß der Grund der Kirche ausschließlich im Christusgeschehen liegt, da eine „eigentliche" Geschichte unmittelbarer Heilserfahrung zu der einmal geschehenen Offenbarung notwendig in Konkurrenz tritt. Das Problem ist vielmehr in einer anderen Richtung zu sehen: Der Satz, die Kirche verlange zu ihrem Verständnis, daß sie im Zusammenhang mit dem Christusgeschehen begriffen wird, ist offenbar bereits als historisches Urteil unumgänglich und muß in diesem Sinne theologisch nachvollzogen werden. Jede nur kirchen-geschichtliche Betrachtung, sei es im Sinne eines in sich geschlossenen Zeitabschnittes, sei es, daß sie allein die Kirche zu ihrem Gegenstand hat, erweist sich in der Durchführung historisch wie theologisch als inadäquat28. Die Notwendigkeit, die Kirche in ihrer Bezogenheit auf das Christusgeschehen zu begreifen, ist aus ihrer Geschichte zu folgern, was soviel heißt, daß diese Beziehung als diese Geschichte Wirklichkeit ist. Die Frage, inwiefern die Kirche Kirche Jesu Christi ist, kann zunächst nicht anders entschieden werden. Denn an ihr selbst, an ihrer bloßen Vorhandenheit oder, abstrakter, an ihrer Struktur, bleibt sie eben letztlich unerkennbar. Ihr transzendenter Charakter liegt in ihrer geschichtlichen Relation zur Offenbarung. Die Differenz im Kirchenbegriff selbst zwischen empirischer und wahrer Kirche, wie sie in der Tradition erörtert worden ist, hat eindeutig eschatologischen Sinn und ist bereits eine Folge der Tatsache, daß sie christliche Kirche ist. Insofern war die alte Kirche voll im Recht, wenn sie die Einheit der Kirche gegen ihre Aufspaltung aus einer eschatologischen Vorwegnahme verteidigt hat. Genausowenig kann es richtig sein, von der Kirche der Geschichte auf eine wahre, ursprüngliche Grundstruktur abzuheben im Sinne eines normativen Begriffs einer offenbarten Kirche oder eines Ur-

27      Damit ist nicht die Möglichkeit einer Relationierung einzelner Faktoren ausgeschlossen,
wie sie C. H. Ratschow, Der angefochtene Glaube, Gütersloh 1957,165ff., für das Verhältnis
von Schrift, Amt und Bekenntnis vorgenommen hat, die aber zur Gesamtheit der Ge
schichte der Kirche hin offengehalten werden muß.

28  Man kann hierin das Ungenügen der im übrigen historisch umfassenden Darstellung
von E. Troeltsch, Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Ges. Sehr. I, Tübin
gen 1919, sehen.

 

 

bildes der Kirche im Urchristentum oder in der Reformation. Die Spannung, die im Kirchenbegriff zum Tragen kommt und die sachlich in der unlöslichen Bezogenheit auf Christus ihren Grund hat, ist vielmehr dahin zu präzisieren, daß der Grund der Kirche nicht in ihr selbst liegt, sondern in einer ihr vorausgehenden Geschichtstatsache, dem Christusgeschehen. In diesem Zusammenhange ist auch der kontingente Charakter der Kirche verankert.

Die Hinsicht auf die Abgeschlossenheit der Offenbarung bringt also erst das theologische Problem des Kirchenbegriffs positiv in den Blick. Der Rückgang in ihren geschichtlichen Grund ist deshalb die erste entscheidende Bestimmung des Lebenszusammenhanges der Kirche. Unter dieser Voraussetzung besteht dann auch die theologische Formel von der unlöslichen Verankerung der Ekklesiologie in der Christologie zu Recht. Sie ist als begriffliche Explikation eines Geschichtszusammenhanges aufzufassen. Denn auch der Zugang zur Offenbarung ist ja nicht unmittelbar gegeben, sondern durch die von ihr bestimmte Geschichte vermittelt, wie andererseits die Teilhabe der nachchristlichen Geschichte am Christusgeschehen nicht allein im WisserToder im glaubenden Vertrauen zu sehen ist, sondern sich umfassend als Geschichte der Kirche vollzieht, wie sie nur vom Offenbarungsverständnis her voll erschlossen werden kann.

Die eschatologische Bestimmtheit der Gemeinde durch die vorweggenommene Vollendung der Geschichte im Geschick Jesu eröffnet deshalb erst den universalen Aspekt deä Kirchenbegriffs und schärft den Blick dafür, daß der Zusammenhang der Kirche als Geschichte nicht mit immanenter Notwendigkeit abrollt, sondern durchaus Neues, Unvorhergesehenes enthält. Im Kirchenbegriff ist aber nicht nur auf die konstitutive Zukunftserwartung abzuheben, die sich auf das Christusgeschehen stützt, sondern damit zugleich die durch den eschatologischen Charakter der Offenbarung eröffnete Universalität der nachchristlichen Geschichte in den Blick zu fassen. Diese ist nicht allgemeines, zeitloses Postulat, sondern vollzieht sich konkret als das Problem der Einheit der Kirche. Der theologische Sachverhalt der in Jesus als von ihrem Ende her offenkundig gewordenen Einheit der Geschichte bestimmt als Auseinandersetzung um die Einheit der Kirche ihre konkrete Existenz als eschatologische, d. h. unter dem Zeichen des ihr zukünftigen Endes stehende. Die Frage nach der Einheit der Kirche hat nicht nur, wie wir bereits erörtert haben, selbst eine inhaltsreiche Geschichte, von deren vorläufigem Endstadium im Gefolge des historischen Bewußtseins wir den Ansatz unserer Untersuchung nahmen und die den engen Zusammenhang mit dem Offenbarungsproblem erkennen ließ. In dieser Geschichte der Einheit der Kirche vollzieht sich konkret und gar nicht supranatural ihre eschatologische Existenz, wie sie vom Christusgeschehen her einsichtig wird.

Der Aspekt auf die Einheit der Kirche enthält zugleich die Hinsicht auf die Universalität der nachchristlichen Geschichte, so daß man wohl sagen kann, daß die Problematik des Verhältnisses der Kirche zur Welt unter dieser

 

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9 7750 Pannenberg, Offenbarung

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universalgeschichtlichen Perspektive aufgenommen werden muß, nun aber wiederum nicht in spekulativem Zugriff, sondern durchaus orientiert an der auch historischer Einsicht zugänglichen Entdeckung, Bewahrung und Wandlung der Einheit der Kirche als weltgeschichtlicher Tatsache. Die theologische Neigung zur Aufrichtung einer strukturellen Relation von Kirche und Welt hat an der Wirklichkeit keinen Anhalt. Die einschneidenden Wandlungen im Hinblick auf die Einheit der Kirche, die im historischen Rückblick in ihrer Bedeutung plastisch hervortreten, sind als solche in ihrem theologischen Gehalt zur Sprache zu bringen. Da wir hier lediglich versuchen, die Ansatzpunkte des Kirchenbegriffs zu präzisieren, sei nur ein Aspekt zur Erwägung o-estellt. Die Geschichte der nachreformatorischen Zeit hat in zunehmendem

o

Maße bewußt werden lassen, daß die eschatologisch qualifizierte Universalität der nachchristlichen Geschichte nicht ein zeitloses Bild oder eine soziologisch einlinig fixierte Gegebenheit darstellt. Ihr geschichtlicher Charakter wird in ausgezeichneter Weise an dem Komplex der Einheit der Kirchen manifest. Die tiefgreifenden Wandlungen der Neuzeit können aus dem Verhältnis der Einheit der Kirche und der Einheit der Welt am genauesten und umfassendsten bestimmt werden. Sie fordern insofern die theologische Arbeit auf, bei aller Berücksichtigung der hier stattfindenden Friktionen, die Offenheit für die kontingente Neuartigkeit des Geschehens gegenüber einer Festlegung auf ein Bild von der Einheit der Kirche zu bewähren und zu fragen, in welcher Weise die neuen Dimensionen der Einheit der Welt, die sich mit der Umwälzung des Verhältnisses der Kirchen zueinander und zum politischen Gemeinwesen ergeben, auch in neuer Weise die Einheit der Geschichte begreifen lassen in ihrem Zusammenhang mit dem eschatologischen Charakter der Offenbarung. Eine Theologie der Kirche wird, gerade weil sie nur in strenger Verbindung mit dem Offen-barungsproblem vorgehen kann, auf diese weltgeschichtlichen Vorgänge jedenfalls Bezug nehmen müssen29. Schon die Frage nach der Qualifizierung, der neuzeitlichen Geschichte durch das eschatologische Offenbarungsgeschehen als neue Entdeckung seines universalen Charakters muß allerdings verwehrt bleiben, wenn die Differenz zur Welt konstitutiven Charakter gewonnen hat und so auch die mit der gegenwärtigen Vorhandenheit von Kirche nicht deckungsgleiche Einheit der Geschichte nicht aus ihrem Zusammenhang theologisch erschlossen werden kann.

Es ging uns bei dieser Erörterung der Einheit der Kirche nur darum, die Richtung zu bestimmen, in der auch für das Verständnis der nachchristlichen Geschichte das Verhältnis von Offenbarung und Kirche maßgebend bleibt und sich selbst als ein durchaus geschichtliches erweisen läßt. Da wir es dabei noch in keiner Weise mit dem Kirchenbegriff selbst und im einzelnen zu

 

 

29 Dies tut K.Barth im drittenAbschnitt seiner ekklesiologischen Ausführungen besonders breit angelegt („Das Volk Gottes im Weltgeschehen"; § 72, 1), doch merkwürdig unverbindlich gegenüber historischen Zusammenhängen. Vgl. dagegen IV. 3,18 ff

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tun hatten, bleiben diese Bemerkungen notgedrungen besonders fragmentarisch.

An der Realität der Kirche aber, die als der geschichtliche Zusammenhang mit der Offenbarung des Heils in Jesus Christus aufgefaßt wird, hat der Glaube als Hoffnung und Erwartung der Zukunft Gottes seine konkrete Existenz und in diesem Sinne kann ihm die vorhandene Kirche die Kirche Jesu Christi sein.