Lieber Herr Arthur Hofmann,
Schönen Dank für Ihre freundliche
und ausführliche, wenn für mich dennoch schmerzliche Kritik an unserem Glauben,
an der Kirche, an der Kirchenpraxis und an der Kirchengeschichte.
Ich möchte Ihren Text gerne – etwas
geglättet – als weiteres Beispiel für
eine kirchenkritische Haltung auf meiner Webseite
>www.jesus-und-kirche.de< aufnehmen. (Geglättet heißt, - dass
Flüchtigkeitsfehler usw. vorher korrigiert werden, und dass vielleicht Ihre
private Adresse wegbleibt. Sie bekommen den geglätteten Text vorher zu lesen
und können natürlich noch alles ändern.)
Allerdings wird dieses einige Tage
dauern, da ich durch andere Dinge im Augenblick zeitlich gebunden bin.
Meine vorläufige Antwort auf Ihre
beiden Titelvorschläge und Fragen:
Woran glauben Christen?
Sollen Christen wirklich glauben?
und auf Ihre Antwort: Die Menschheit
(sollte) anfangen zu wissen statt zu glauben.
In keinem anderen Kulturbereich der
Erde werden Sie eine so harte Selbstkritik finden, was die Religion und die
Gesellschaft betrifft, wie im sog. christlichen Abendland.
Meine Kritik an Ihrer Kritik
betrifft dennoch zuerst die Einseitigkeit. Ich kann z.B. die Stadt Berlin, die
ich liebe, schriftlich oder durch eine Filmreportage mit wahren Bildern
so darstellen, als gäbe es dort nur Trümmer, zerrissene Straßen, verkommene,
brennende Häuser, Rauschgifthandel, Trunksucht, Gewalt, Mord und Totschlag und
Kriminalität, Hunger, verzweifelte Bettler und verkommene und weinende Straßenkinder
ohne Eltern u.s.w.. (Was es in Berlin ja alles gibt!) Derart einseitig kann ich
jeden Menschen durch wahre Argumente als Übeltäter und als eine
verschlagene, verkommene Person darstellen.
Und so natürlich auch jede Religion
und ihre Anhänger. Nicht nur die christliche.
Dieser mein erster Einwand soll
natürlich nicht heißen, dass es in der Kirche nur das Gute, nur Wahrheit und
nur das Gegenteil alles Bösen gäbe. Natürlich gibt es dort unter den Milliarden
immer auch Kriminelle und Gauner und solche, die an nichts mehr glauben.
Wenn Sie jedoch an die Universitäten
und Hochschulen gehen, wo in Theologie und Kirchengeschichte regelrecht und
wissenschaftlich gearbeitet wird, - lesen sie als Beispiel vielleicht das Buch
von Prof. Eberhard Jüngel „Paulus und Jesus“, - (und ich könnte Ihnen viele
andere empfehlen!) dann werden Sie sicher auch die positive und redliche Seite
unseres Glaubens kennen lernen, die in den Sonntagspredigten nur in einfachen
Worten weitergegeben wird und die auf jenen Wanderprediger Jesus ohne festen
Wohnsitz und Vermögen zurückgeht, den Paulus nach der Auferstehung erlebte und
auf den sich jedes der Paulusworte bezieht und begründet.
Viele Menschen gehen in die Kirche,
um festen Boden unter die Füße zu bekommen, wenn im Alltag, in der Ehe und
Familie, auf der Arbeit und im Freundeskreis alles in einem unentwirrbaren
Chaos zu versinken droht. Und man sucht Gemeinschaft mit Glaubenden und in
dieser Gemeinschaft die Nähe des Auferstandenen.
Die Menschen lassen ihre Kinder
taufen, um ihnen den Zugang zu unserem Gott zu öffnen, den es ja gibt.
Das sei es für heute.
Schütten sie nicht das Kind mit dem
Bade aus.
Mit besten Wünschen für Sie und Ihre
Familie
Ihr Friedhelm Schulz