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Implizite und explizite
Christologie,
die historische Relevanz
2 Fragen von V.T. und der Versuch einer
kurzen Antwort
Jüngel: Paulus
und Jesus,
a. Einleitung
b. Schwierigkeiten einer expliziten
Christologie
Augsteins kritische Ansicht
meine Entgegnung 1. Teil
meine Entgegnung 2. Teil
Brief an Pfarrer Metz: "Soll man das christliche Glaubensbekenntnis
verändern?"
Afghanistan
September 11. 2001
Okt. 7. 01,
der Gegenschlag
Ende der Taliban
Das Selbstmordattentat als logisches Problem.
Eitelkeit
und verletzte Eitelkeit als Identität.
Zivilisiertes
Miteinander
aller Nationen-
auch des Islams.
Was ist Gott
Demokratie und Obrigkeit
Entwicklung
in Religion und Politik seit 630 n.Chr.
Abschnitt 2
Dschihad
Römerbrief
Das Paradies
im Islam
Ein
logisches Problem
CNN statt Paradies
Abschnitt 3,
Fragen
Titel 1,
Webster
Jüngel,
Einleitung
Webster
Jüngel,
Einleitung
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Zwei Fragen von (V.T.)hätte
ich aber nach ihrer Homepage noch:
- wie sind implizite und explizite Christologie abzugrenzen? und - welche Konsequenzen
ergeben sich aus der Geschichte der Hoheitstitel?
Wissen Sie etwas darüber?
Hallo
V. T.
Ganz herzlichen Dank für die E-Mail
vom 21. Nov. 01. Sie stellen eine ganz wichtige, wenn auch schwierige Frage,
die vielleicht schon die zukünftige Diskussion der verschiedenen Religionen
miteinander umschreibt.
Meine Antwort verzögert sich etwas, - teils wegen der Technik (ich habe mir
den neuen Aldi-Computer gekauft und muß mich mit allem auf Window-xp erst mal
umstellen), teils aber wegen der Schwierigkeit einer Antwort .
Ihre Frage und der Versuch meiner Antwort sollte aber auch im Internet zu
lesen sein, um auch andere zur Diskussion zu ermutigen. Einverstanden?
Ich weiß nicht, ob Sie ein kirchliches Amt bekleiden, wie man sagt? Aber
bereits solche Formulierung „Ein Amt bekleiden“ deutet auf die
Vielschichtigkeit der ganzen Problematik hin und könnte zB. einmal bedeuten,
daß nur das Amt eine objektive Größe oder Funktion und von Wichtigkeit sei,
die vom jeweiligen, zufälligen, auswechselbaren und eigentlich unwichtigen
Inhaber oder einer Inhaberin nur ausgefüllt wird, während ein Amt
andererseits aber auch verstanden werden muß als die Rolle und Aufgabe eines
jeden Menschen oder Christen auf Erden vor Gott und den Menschen, wobei eher
das Amt die wählbare zufällige und nur äußerliche Bekleidung ist oder nur das
jeweilige Instrument, um die Aufgabe in Form irgend einer „Rolle“ in der
Gesellschaft (leichter) erfüllen zu können. Die Struktur jeder Gemeinschaft
wird von beiden Vorstellungen zugleich getragen. Die beiden Fragen ergeben
also je für sich den Titel für ein ganzes Buch, und beide Fragen
zusammengefaßt sind - je nach Verständnis - zusammen ein eigenes Kapitel
entweder der Kirchengeschichte oder eines der Theologie, der Dogmatik oder
sogar auch der Soziologie als ein gesonderter Aspekt.
Am Beispiel der Jünger Jesu, die als normale Menschen dem Herrn folgten,
wissen wir für einige ganz sicher, für Petrus, Johannes u.a, dass diese
Jüngerschaft nach Pfingsten zum Apostelamt und Hoheitstitel wurde. Allerdings
darf man dabei nicht die einfache Zeitfolge im Sinne einer rein historischen
Authentizität verstehen – damals Jüngerschaft und dann Apostel und heute
apostolische Nachfolge (z.B. Beim Papst oder in den Apostolischen Kirchen) .
Aber sie meinen ganz sicher auch mehr die Hoheitstitel Jesu, womit ich vom
eher Allgemeinen zu der besonderen Bedeutung komme, die die Titel Jesu sowohl
damals wie heute als Zugang wie auch als Schwierigkeit besitzen.
Wie ich im 2. Teil meiner Antwort an Rudolf Augstein schon ausführte, wüßten
wir kaum mehr als heute, wo wir auf die spärlichen meist nur indirekten
Dokumente angewiesen sind, wenn damals ein Kamerateam Jesus von Geburt bis
zum Tod begleitet und jede Bewegung und Aussage Jesu aufgezeichnet hätte. Ihr
Frage zielt aber genau auf den Kern des christlichen Glaubens überhaupt, der
sich in den drei Fragen zusammenfassen läßt: 1. Worauf begründet der
predigende Jesus selbst ( oder ein Mensch überhaupt ) die Kompetenz oder
Berechtigung einer eigenen Erkenntnis und Aussage? Und 2. Wie weit werden
Titel und Hoheitstitel des gepredigten Jesus von den Aposteln und der
späteren Kirche, also von der offiziellen Dogmatik, Christologie und
Theologie nur benutzt, um die Kompetenz Jesu (oder des Menschen überhaupt) zu
unterstreichen. 3. Wie weit bezeichnet ein solcher Titel Jesu nur das jeweils
eigene Verhältnis zu Gott, also des Menschen, der jeweils über Jesus (oder
den Menschen überhaupt) oder der über Gott spricht - nämlich als etwas, das
er selbst denkt und glaubt.
Zur rein expliziten Christologie bedeutet das:
In der augenblicklich aktuellen Diskussion mit dem Islam macht der
Hoheitstitel Jesu „ Sohn Gottes“ dieses deutlich. In der Sache haben die
Juden und Moslems natürlich recht, wenn sie betonen, daß Gott weder Vater
noch Mutter und weder Frau noch Kinder hat. Und Mohammed hat natürlich recht,
wenn er im Koran sagt, daß solches erst von den Jüngern und Apostel Jesu nach
seinem Tod behauptet worden und von Jesus selbst nicht so explizit gesagt
noch geglaubt worden sei. Und dies ist auch gemeint, wenn der Philosoph
Nietzsche behauptet, daß die christliche Religion mit einer Lüge beginnt. Im
gleichen Sinne - wenn auch verhalten - kritisch ist der Aufsatz von Rudolf
Augstein unter dem Titel „Ein Mensch namens Jesus“ (siehe http://www.jesus-und-kirche.de).
Die kirchliche Tradition, Sprachregelung und Dogmatik und überhaupt der
christliche Glaube, innerhalb derer die Hoheitstitel wie z.B. „Mutter Gottes“
und „Sohn Gottes“ benutzt werden, meinen natürlich mit solchen Formulierungen
überhaupt nicht das, was von Juden, Moslems und atheistischen Kritikern wie
Nietzsche und Augstein daran abgelehnt wird, sowenig wie man mit der
Himmelfahrt Jesu eine erste Raumfahrt irgendwo mit einer bestimmten
Geschwindigkeit am Mond oder Mars vorbei meint. Deswegen ernten solche
Kritiker kirchlicherseits auch nur Kopfschütteln und Schweigen. Im Gegenteil
trug gerade die Kritik sogar der frühesten Christenheit durch jüdische,
griechische und römische Philosophen oder „Theologen“ einerseits zur Verfestigung
solcher Formulierungen bei, andererseits führte erst die Kritik und die
Gefahr von Mißverständnissen (z.B. durch die Gnosis) zu einer expliziten
Christologie.
Zur rein impliziten Christologie bedeutet das also:
Sowohl die Juden wie auch die Moslems benutzen zur Anrede Gottes den Begriff
„Vater“ womit die vertrauensvolle Kindschaft des Menschen oder Gläubigen im
Verhältnis zu Gott ausgedrückt wird, also die Sohnschaft oder Tochterschaft.
Und wenn Jesus dieses tat und in dem „Vater unser“ so beginnt, schließt er
sich selbst, die Jünger und allgemein die Betenden und Gläubigen in solche
Kindschaft zu Gott ein.
Man kann dabei von einer historischen Tatsache sprechen, wenn man behauptet,
dass Jesus solche Kindschaft jedem Menschen ermöglichte, eröffnete, erlaubte,
anbot und damit heute noch anbietet.
Erst nach Pfingsten aber hat Jesus als Sohn eine eindeutige Sonderstellung,
die in der menschlichen Vorstellung und Grammatik als „beim Vater sein“ zu
dem Vorwurf der Vielgötterei führte, wie es Mohammed formuliert (weil dort
dann drei wären, die Mutter Gottes, der Vater und der Sohn), die aber von den
Vorstellungen einer göttlichen Sippe, wie sie in der römischen und
griechischen Mythologie bestanden und wie sie dann explizit in der Gnostik
kosmologisch zwischen Gott, Jesus und den Menschen konstruiert wurden, zwar
grundsätzlich aber auch so zu unterscheiden waren, dass sich das Wunder einer
persönlichen Beziehung zu Gott nicht im animistischen Sinne trivialisierte
und den Glauben an eine Auferstehung, der eigentlich erst durch das Erlebnis
der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus und Menschensohn zu einem ganz
neuen Verständnis auch des normalen Menschseins führte und zum
Wertbestandteil und zur Bewertung der Göttlichkeit auch des irdischen Lebens
wurde.
Als Lebenswirklichkeit ergab und ergibt sich daraus ein grundsätzlich neues
Verhältnis zu sich selbst, zum Menschen und zur Kompetenz menschlicher
Erkenntnis.
(Geben Sie mir bitte ein paar Tage Zeit, um den letzten Aspekt noch
abzurunden)
Herzlichen Gruß Friedhelm Schulz
V.
T. schrieb darauf: > Entschuldigen Sie bitte aber können Sie mir keine
konkreten Antworten auf > meine > Fragen > 1) Wie sind implizite und
explizite Christologie abzugrenzen? > und > 2) Welche Konsequenzen
ergeben sich aus der Geschichte der Hoheitstitel? > geben? > > Das
wäre wirklich sehr aufschlussreich. > > Ich bedanke mich schon einmal
im Vorraus. > > Mit freundlichen Grüssen > > V. T. >
Hallo V. T.
Ich hoffe, sie haben meine begonnene Antwort (obiger Text) auf Ihre Fragen
erhalten, und der Rest wird bald folgen.
Nun Ihre ungeduldig dringliche Bitte nach konkreteren Antworten:
1.
Die Hoheitstitel Jesu wie "Christus", "Heiland",
"der Auferstandene", "der Erlöser", "Sohn
Gottes" usw. aber auch die Bezeichnungen "Loskauf",
"Sühne", "Erlösung" sind quasi Begriffe mit implizit
christologischer Aussage. Explizite Christologie dagegen ist immer der
Versuch, die Logik des Heilsgeschehen als Verknüpfung von Theologie und
Anthropologie - also explizit d.h. ausdrücklich - zu beschreiben, zu bekennen
und zu begründen, gegen Mißverständnisse abzugrenzen, deswegen ist auch eine
christologische Dogmatik trotz aller Berührungspunkte zu unterscheiden von
der Soteriologie. Implizite Christologie finden wir überall in den Formen,
Zeichen, Begriffen, Bibeltexten, Riten, Festen, Gewohnheiten, Traditionen, in
Liturgie, Taufe, Beerdigungen, - eben nicht explizit logisch begründet.
Voneinander abzugrenzen ist beides vielleicht dadurch, daß es in der
expliziten Christologie als intellektueller Vorgang immer die Grenze und
Widersprüchlichkeit menschlichen Verstandes gibt als Ursache von Streit,
Mißverständnissen, Trennungen, Spaltungen, Sektenbildung usw..
Anthropologie wie auch Theologie befindet sich dabei immer in der Gefahr und
Versuchung sowohl Mensch wie Gott, sowohl menschliche Handlung wie auch
göttliches Verhalten als eine Folge von Ursache und Wirkung zu verstehen,
also als Automatismus, als gäbe es nicht die Handlung als Folge eines freien
Entschlusses. Hierbei kommt es zu Mißverständnissen und Fehlverhalten,
besonders, wenn der Mensch in solcher Naivität Gottes Verhalten regelrecht
berechnet und für seine Absichten instrumentalisiert, wie wir es in
tragischer Weise bei den islamischen Selbstmördern unserer Zeit erleben, die
sich derart durch das Ettiket "Dschihad" ins Paradies bomben.
während Glaube, Frömmigkeit, Gottesdienst, Gebet, Gewohnheit, Sprache
und Begrifflichkeit usw. mit der nur impliziten - eher nur gefühlten und
geglaubten - Form des Christlichen eigentlich die Gemeinschaftlichkeit der
ganzen Christenheit oder mit der Form des Mohammedanischen die Gemeinschaft
der mohammedanischen Welt unterstreicht, - mit der Gefahr der Formalisierung
( und Automatisierung ) auf dem entgegengesetzten Weg als dem Gedanklichen .
Die Form selbst bzw. das Formale wird zunehmend zum Glaubensgegenstand.
2. Wenn Sie von Konsequenzen der Geschichte
sprechen, dann werden Ihnen in der gesamten Literatur immer diese zwei
Aspekte begegnen:
a. Die Geschichte als Entwicklung zu mehr Qualität, Erkenntnis, Reife, Vernunft.
b. Die Geschichte als Verflachung und zunehmenden Verlust.
Im Hintergrund erkennen Sie den (bis heute unbewältigten) Universalienstreit.
Unter diesen Aspekten stehen sich z.B. Bultmann und Barth gegenüber. Das
"Re" in dem Wort "Reformation" beinhaltet implizit den 2.
Aspekt "b", (d.h.von der verflachten Qualität der Gegenwart zurück
zur höheren ursprünglichen Qualität) während explizit die gesamte Reformation
eine von Renaissance und Humanismus getragene auch qualitativ verstandene Weiterentwicklung
ist, was z.B. durch Luthers Kritik an etlichen biblischen Briefe und Aussagen
und an der Neuordnung von Schule und Gottesdienst deutlich wird.
Speziell dies nun für die Hoheitstitel:
Beide Aspekte kann man unter den Vorzeichen sehen:
a. Die Verchristlichung der Welt oder des Weltlichen = christliche Kultur.
b. b. Die Verweltlichung des Christentums oder des Glaubens.
Für den Islam würde dies bedeuten:
a. Die Islamisierung der Welt oder des Weltlichen = islamische Kultur.
b. b. Die Verweltlichung des Islams.
Beides gehört von Beginn an zusammen z.B.:
a.: Das "Vater-Unser" wird zunehmend unter Einbeziehung aller
Menschen gesprochen. "Wir" bedeutet die Menschheit. Ob Katholik,
Protestant, Moslem oder Buddhist, jeder betet Gott an und jeder bittet für
jeden. Der Weg ist für jeden offen und frei und wird zunehmend ohne Angst,
Zweifel, Probleme, Bevormundung, Vorschriften oder irgend welche Formalien
auch begangen.
b.: Keiner leidet unter seiner Sünde und wird durch sie vom Gebet abgehalten.
Mit zunehmendem Wohlstand spielt Gott als Erlöser von solcher Trennung
allerdings auch immer weniger eine Rolle im Leben. Die Hoheitstitel
"Erlöser", "Heiland", "Gottes Sohn" sind zu
Formalien christlicher Liturgie geworden, die man nur noch zur Christmette
erwartet. Die Hinwendung zu Gott findet ohne Umweg von Formen, Formalien, von
Attributen, Definitionen oder Institutionen statt.
Beide Aspekte sind Konsequenzen - nicht der Geschichte - sondern der
Entwicklung.
a.: Das „unser“ im "Vater-Unser" wird heute zunehmend unter
Einbeziehung aller Menschen gesprochen. "Wir" bedeutet die
Menschheit. Ob Katholik, Protestant, Moslem oder Buddhist, jeder betet (auch
in unserer Vorstellung) Gott an und jeder bittet für jeden. Der Weg ist für
jeden offen und frei und wird zunehmend ohne Angst, Zweifel, ohne Behinderung
durch unsere Sünden, ohne Probleme, Bevormundung, Vorschriften und wird auch
ohne irgend welche Formalien auch begangen.
b.: Keiner leidet unter seiner Sünde und wird durch sie vom Gebet abgehalten.
Mit zunehmendem Wohlstand insbesondere spielt Gott und die Erlösung immer
weniger eine Rolle im Leben. Die Hoheitstitel "Erlöser",
"Heiland", "Gottes Sohn" sind zu Formalien christlicher
Liturgie geworden, die man nur noch zur Christmette beim alljährlichen
einmaligen Besuch des Gottesdienstes erwartet. Die Hinwendung zu Gott findet
ohne Umweg von Formen, Formalien, von Attributen, Definitionen oder
Institutionen statt.
Beide Aspekte sind Konsequenzen - nicht der Geschichte im Sinne der bloß
verrinnenden Zeit - sondern der Entwicklung eines sozialen Prozesses, der mit
der Globalisierung heute eine bestimmte Stufe erreicht, die theologisch als
Problematik leider noch nicht beachtet wird:
Was z.B. in der Sprache ganz offensichtlich ursprünglich die
Allgemeingültigkeit einer Form, einer Bedeutung und rein funktionell
innerhalb einer Sprache auch Alleingültigkeit bedeutet wie z.B.
"rot" für die Farbe Rot in der deutschen Sprache bzw.
"red" im Englischen oder "ruber" im Lateinischen
schleicht sich weniger offensichtlich quasi auf diesem Weg auch im
Begrifflichen als "allgemeingültigen" und
"alleingültigen" Wahrheitsanspruch in das Denken und in das
Religiöse ein und zwar Wahrheit nun nicht mehr nur mit dem Akzent des
Universalen sondern auch des Geographischen, des Globalen.
Ihre beiden Fragen im Kontext offiziöser protestantischer Theologie ab der 2.
Hälfte des vorigen Jahrhunderts finden Sie recht gut umrissen in einer
sorgfältigen Arbeit von Eberhard Jüngel, herausgegeben von Gerhard
Ebeling, Ernst Fuchs und Manfred Metzger im J.C.B. Mohr-Verlag (Paul
Siebeck), Tübingen, 1962, mit dem Titel „Paulus und Jesus" und
einem repräsentativen Literaturverzeichnis. Man könnte versucht sein, Jesus
selbst oder als Person für die implizite und Paulus und seine Lehre als die
explizite Christologie zu nehmen. Jüngel spricht dieses als Versuch fast
wörtlich aus, wie Sie aus der Einleitung entnehmen können, die ich unten
anfüge. Mit dem aber, was er als seinen roten Faden bezeichnet, beschreibt er
zugleich die Schwierigkeit, die er offensichtlich noch nicht sieht, wenn er
am Ende der Einleitung schreibt: „ Es gilt also, den Text als Text zu
wiederholen.", womit er die Paulinischen Gedanken in den Paulinischen
Schriften als gegebenes Objekt auffasst, was natürlich nicht haltbar ist, wenn
er sagt:
„Die als denkendes Entsprechen verstandene Tätigkeit des sich um
jene Sprachereignisse bemühenden verstehenden Verstandes ist also nur als
hinnehmende tätig. Ich verstehe deshalb die befolgte Methode als eine phänomengeschichtliche
Methode unter der Voraussetzung, daß der ,,Akt-Intentionalität des,, zu den
Sachen selbst vordringenden Verstandes eine den forschenden und verstehenden
Verstand bedingende ,,Akt-Extentionalität“ von den Sachen selbst her
zuvorkommt. Denn das Denken vermag aus dem Vorstellungshorizont des
menschlichen Bewußtseins nur insofern zu den Sachen selbst zurückzusteigen,
insofern die Sachen selbst als Phänomene für das menschliche Bewußtsein immer
schon in die Erscheinung getreten sind, und das heißt in der Theologie: zur
Sprache gekommen sind. „
Seit
je beklage ich, dass in der Theologie die Struktur menschlicher Erkenntnis
und Sprache zu wenig Beachtung findet. Denn es ist ja nicht so, als ob wir
auf dem Papier einer Bibel oder eines Korans aufgeklebte Gedanken fänden wie
reale Objekte, die von dort durch das Auge in das menschliche Gehirn springen
wie Flöhe. Objektiv finden wir dort nur Druckerschwärze bestenfalls, die dort
bleibt.
Der zeitgenössische Philosoph, Gerold Prauss, aus Freiburg beklagt und
beschreibt und widerlegt solchen Empirismus in seinem Werk „Die Welt und wir“
wie hier auf der Seite 390 im 2. Band:
„So können Sie auch erst im Zuge einer solchen Herleitung sich das
erklären, was mit »Anschauung« und mit »Begriff« an Fakten miteinhergeht, was
man aber schon seit je her lieber außer acht läßt, weil man sich sonst
eingestehen müßte, daß man zur Erklärung davon außerstande ist. So pflegt man
spätestens seit Kant etwa zu wiederholen, daß ein »empirischer Begriff«
seinen , » empirischen Gehalt« nur durch die ,,Anschauung« besitzen kann, mit
der er eine »Einheit« bilden muß, soll er bezüglich eines Objekts »Sinn« oder
»Bedeutung« haben. Das ist beispielsweise in der Wahrnehmung von ihm der
Fall, die als ein wahres oder falsches Urteil über es ergeht, indem sie
grundsätzlich von einer Form ist wie zum Beispiel »Dies ist rot« bzw »Dies
ist rund« oder »Dies ist ein Baum«. Nur bleibt man dabei, wie Kant selbst
schon, jede Auskunft schuldig, welche Art der Einheit von Begriff und Anschauung
denn dazu führen soll, daß darin er durch sie - nicht etwa sie durch ihn -
empirischen Gehalt besitzt. Kann es sich dabei doch noch nicht um diejenige
Einheit zwischen beiden handeln, welche allererst das Urteil mittels beider
bildet, weil ja weder eine Anschauung noch ein Begriff bereits ein Urteil
ist, und so auch beide miteinander nicht. Da innerhalb von jener Einheit
nämlich beide von empirischem Gehalt sein müssen, bleibt auf diese Weise ohne
Antwort, weshalb darin nicht genauso gut auch sie durch ihn empirischen
Gehalt besitzen sollte.
Daß allein schon diese Frage dabei ausbleibt, ist jedoch kein Zufall. Sie zu
unterlassen nämlich ist erforderlich, um daran festhalten zu können, daß die
Art, wie ein Begriff durch eine Anschauung seinen empirischen Gehalt besitzt,
natürlich »analytisch« ist. Er
Seite391
hat ihn danach dadurch, daß er ihn durch »Analyse« dieser Anschauung
gleichsam aus ihr herauslöst und in sich hereinholt: ganz im Sinn der
unhaltbaren Überlieferung, wonach empirische Begriffe angeblich durch , »
Abstraktion« entspringen, was selbst Kant noch glaubt. Das Unsinnige dieses
festen Glaubens aber müßte offenkundig werden, wenn man sich gestehen wollte,
daß es keinen Grund gibt, weshalb nicht genausogut auch umgekehrt die
Anschauung durch den Begriff ihren empirischen Gehalt besitzen sollte, weil
doch innerhalb von jener Einheit beider jedes davon gleicherweise ihn
besitzen müsse. Denn im Sinn von »Analyse« oder »Abstraktion« ist dieses
Umgekehrte eben offenbarer Unsinn. Und so geht der erste Schritt, um dies
Problem zu lösen, denn auch dahin, daß im Sinn von »Abstraktion« und
»Analyse« weder sie durch ihn noch er durch sie empirischen Gehalt besitzt.
Als Subjektivität im einzelnen hat vielmehr jedes davon seinen Ursprung so
wie Subjektivität im ganzen, nämlich immer wieder nur synthetisch, wobei
Synthesis auch nicht etwa Zusammensetzung, sondern ursprüngliche Ausdehnung
im Sinn von Selbst-ausdehnung solcher Subjektivität als Punkt bedeutet.
In
der theologischen Fachliteratur kaum beachtet macht John Webster einen
isolierten Ansatz ins 21. Jahrhundert. Siehe „Zeitschrift für Theologie und
Kirche“ Heft 2, Juni 2000, unter dem Titel „Theologische Theologie".
Oder
<http://home.t-online.de/homeFriedhelm-Schulz.Mail-Art/versuch.htm/Webster>
.
Ende des Zwischenberichtes.
Die Problematik der Systematik
Der
Kürze halber soll der obige Zwischenbericht Teil der folgenden
ausführlicheren Antwort sein. Ihr Ungehaltensein – wohl ob der komplex
verschwommenen Antwort – ist berechtigt und verständlich und auch notwendig.
Dennoch
gehört zur Erkenntnis, uns immer die Bedingtheit jeder Erkenntnis, d.h. unser
Gefangensein in der Struktur menschlicher Erkenntnis und Sprache vor Augen zu
halten.
Es
ist notwendig, und es gehört zur Pflicht wie zum Bedürfnis jeder Theologie,
Philosophie und Wissenschaft, die Entwicklung, das Development im Sinne einer
Präzisierung, Verbesserung, Verdeutlichung jeder Erkenntnis weiterzutreiben.
Entwickeln als Auswickeln und Explizieren des implizierten Inhaltes und zwar
als Fortschritt verstanden, ist das, was z.B. Jüngel in seiner wertvollen
Zusammenfassung bisheriger Versuche moderner Theologie und Christologie
unternimmt, um die „geschichtliche Aporie“ im Verhältnis von Jesus, Paulus
und der späteren Christenheit bis heute aufzuzeigen und zu verstehen.
Lesen
sie dazu seine Übersicht „Das Verhältnis von Paulus zu Jesus als historische
und historiographische Aporie.“ als Beispiel (etwa vier Seiten)
Siehe Eberhard Jüngel, herausgegeben von
Gerhard Ebeling, Ernst Fuchs und Manfred Metzger im J.C.B. Mohr-Verlag (Paul
Siebeck), Tübingen, 1962, mit dem Titel „Paulus und Jesus" §2 ab Seite 5 , oder
Anhang oder
>www.Jesus-und-Kirche.de/Jüngel< unter
„Fragen der StudentinVT.“
Will
man Entwicklung und Development als Fortschritt verstanden wissen, kann man
Erkenntnis, die implizit in allem Erkennbaren und Tatsächlichen als
wissenschaftliche Erkenntnis und Theorie enthalten also dort nur eingewickelt
ist, (wie es nach Jüngel Goethe formulierte,) dann wird man Forschen als ein
Explizieren und Auswickeln auffassen, wobei mit der Weitergabe jeder
Erkenntnis über Generationen immer weiter neue Erkenntnis hinzugefügt und
falsche korrigiert wird, was jeweils als ein immer weiteres Explizieren der
vorherigen auf der vorigen Erkenntnis aufbaut.
Empirisches
oder besser empiristisches Bewusstsein geht davon aus, dass die Wahrheit z.B.
über einen Stein implizit in diesem Stein selbst liegt, wie in der
empiristischen Theologie die Wahrheit über Jesus implizit in der historischen
Person Jesus vorhanden war und über empirische Indizien zu suchen ist. Die
Richtigkeit jeder Erkenntnis über einen Stein bzw. über Jesus kann also an
jenem Stein bzw. nur an der historischen Person Jesu geprüft oder gemessen
werden.
Während
der Stein sich über Generationen verändert, was zu seinen Attributen gehört
und erkannt und berücksichtigt werden muß, bleibt der gewesene historische
Jesus konstant der Gleiche, obwohl wir ihn heute anders sehen würden als es
die Menschen seiner Zeit taten, auf deren Aussagen wir angewesen sind.
Wie
weit diese Veränderung der Sichtweise auf den historischen wie auf den
auferstandenen Jesus selbst zurückgeht und wie weit es sich um qualitativ wie
quantitativ weiterentwickelte Erkenntnis seiner Person, seiner Aufgabe,
Psyche, historischer Situation usw. einerseits handelt, und wie weit diese
Veränderung durch die allgemeine Konditionierung im Erkennen auch anderer
Bereiche des Lebens, der Wissenschaften, der Aufklärung, der Berufe usw. und
durch die veränderte soziale und politische Situation bedingt andererseits
handelt, lässt sich nicht voneinander trennen, sondern gehört zu den beiden
schon genannten Aspekten
a.
Verchristlichung
des Weltlichen
b.
Verweltlichung des
Christlichen.
Die
unüberwindbare Schwierigkeit der von Ihnen vorgegebenen Systematik liegt aber
darin, dass wir in jeder Erkenntnis und Aussage nicht anders, als wenn wir
Jesus persönlich vor uns hätten, ihn selbst, seine Gedanken, Gefühle, seine
Aufgabe auf Erden wie jede seiner Eigenschaften immer nur implizit vor uns
hätten, wie jede Aussage über Jesus in den vergangenen 2000 Jahren ob als
Biographie, Evangelium, Theologie oder Christologie das jeweils Gemeinte
immer nur implizit beinhaltet.
Dennoch
besteht der Begriff Explikation zurecht, und zwar als grammatisches Attribut
von Aussagen.
Man
könnte sagen, Christsein, (so wie natürlich auch jede andere Religiösität,
die sich bewusst vom Christsein unterscheidet,) ist implizite Christologie,
wogegen Explikation als der Versuch einer Rationalisierung dieses Religiösen
den Gegenstand oder Vorgang des Glaubens und das Thema bereits verlässt.
Aber solche Reflexionen auf Reflexion sind Sprüche und können hier nur den
einen Eckpunkt der Schwierigkeit menschlicher Vernunft verdeutlichen.
Wie das Johannesevangelium explizite Christologie bereits etablierten
Christentums in den Worten Jesu so tief empfunden wie kein anderes deutlich
macht, wäre das Leben, Denken und Tun Jesu dennoch nichts weiter gewesen als
ein Ablaufen eines vorgegebenen logischen Programms, Jesus gerade als Gott
oder Gottes Sohn eine Marionette und willenlose Puppe eines Programms und
damit zugleich seine Negation.
Aber dieses von allen wohl am meisten geliebte Evangelium des Johannes und geschichtlich
vom Einfluß des historischen Jesus auch sicher am entferntesten, demonstriert
an Gläubigkeit zugleich das Gegenteil solcher Negation und damit das
eigentliche Geschehen durch Jesus, nämlich die eigene Kompetenz durch den
Glauben oder als solcher Glaube. Die persönliche Begegnung mit dem
Auferstandenen, das mystische Erlebnis der Liebe und Zuwendung des Schöpfers,
des Höchsten zu seinem Geschöpf findet nun mal nicht statt in Form einer
Definition von Vater, Sohn und Heiligem Geist, so wie der Kern einer
gegenseitigen Begegnung oder Begrüßung zweier Menschen nicht als oder durch
die Definition der Grammatik einer gemeinsamen Sprache stattfindet, sondern
als Erlebnis der Wirklichkeit des jeweils anderen. Dies bedeutet zuerst
natürlich die eigene Gewissheit der Wahrheit und Existenz des anderen.
Aber
was dieses als Ereignis, Erlebnis und als Wahrheit eines anderen Bewusstseins
dann zwischen Menschen normaler Sozialisation bis heute an
Definitionsversuchen Bibliotheken füllt und bis heute als etwas Unerklärliches
und Unverstandenes gilt, erhält durch dieses Verhältnis zu Gott als
Bestätigung auch des anderen eine neue und zwar göttliche Dimension des
menschlichen Bewusstsein und Selbstbewußtseins, - und damit auch des
menschlichen Denkens und Handelns. Aus der Kontext- und Konventionsgebundenheit
und aus der Kontext- und Konventionsrechtfertigung des Denkens und Handelns,
aus denen sich im sozialen Umfeld Richtigkeit und Wahrheit aus der
Übereinstimmung mit Kontext und Konvention ergibt, wird man herausgerissen,
so ähnlich, wie Robinson, als er die Fußspuren Freitags entdeckt. Man ist
Zeuge sowohl seiner selbst wie auch des anderen oder eben der Existenz Gottes
als etwas, das sich dem Menschen zugewandt hat, zu erkennen gegeben hat und
als solches erkannt wurde.
Wie es Gerold Prauss in „Die Welt und wir“, Bd.I/II, etwa ab Seite 917
(Metzler-Verlag) nachweist, geschieht jedes menschliche Erkennen von etwas,
das man nicht selbst ist, in der Grundstruktur eines anderen Subjekts, so
dass eine solche mystische Erfahrung Gottes eindeutig „tatsächlich, faktisch,
kontingent, will sagen, auch empirisch als ein objektives oder anderes
Subjekt begegnet“ und von einem allgemeinen Animismus zu unterscheiden ist.
Prauss:
"Kein Wunder also, daß ein solches Abenteurertum dann überall und immerfort
zunächst einmal auf Geisterhaftes, ja auf Geister stößt. Entsprechend sollten
Sie auch beides, mag es Ihnen seiner Herleitung nach auf den ersten Blick
auch noch so ungeheuerlich Mit subjektiver Subjektivität, die sich auf solche
Weise wie von selbst ergibt, ist somit die gemeint, die jeweils ich für mich
bin oder Sie für sich sind, nämlich je als Selbstbewusstsein erscheinen,
deshalb nicht sogleich als unglaubwürdig abtun.
Diese Herleitung ist nämlich wieder einmal nichts geringeres als die
Erklärung für ein bisher unerklärtes Faktum, die wir ernstzunehmen haben,
weil sie grundlegend für uns ist. Denn nach allem, was wir bisher wissen,
gilt nicht nur phylogenetisch, sondern auch ontogenetisch und sonach in
aufschlußreicher Weise übereinstimmend: Ob als phylogenetisch frühes oder als
ontogenetisch junges, - jedes Subjekt nimmt zunächst einmal von jedem Objekt
innerhalb eines magischen Weltbilds Kenntnis, oder, jedes Subjekt treibt
zunächst einmal mit jedem Objekt Animismus.
Dies jedoch heißt überhaupt nichts anderes, als daß jedem Subjekt jedes
Objekt auch zunächst einmal als objektives oder anderes Subjekt erscheint,
was bisher um so rätselhafter ist und bleibt, als doch durchaus nicht jedes
Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch
solch ein Subjekt ist. Vor einem Rätsel stehen hier denn auch gerade
überzeugte Empiristen, weil die Lösung dieses Rätsels eben nur ein
nichtempirischer Apriorismus sein kann, den sie desto weniger wahrhaben
wollen, da er noch viel grundsätzlicher gelten muß, als sie für möglich
halten können. Denn aus jenen Gründen, die wir hergeleitet haben, kann nur
gelten: Wann und wo auch immer in Phylogenese oder in Ontogenese erstmals ein
Subjekt sich bilden mag, - als solches selbst tritt ein Subjekt dabei von
vornherein gerade so auf, daß es ein Objekt für sich von vornherein schon
immer für ein anderes und damit für ein objektives Subjekt hält. Weil, als
ein Subjekt aufzutreten, und, ein Objekt als ein Subjekt aufzufassen, unserer
Herleitung nach ursprünglich und notwendig dasselbe ist, tritt ein Subjekt an
ein Objekt heran und so als ein Subjekt hervor gerade dadurch, daß es immer
schon mit Animismus oder mit magischem Weltbild gleichsam vorprescht.
Daraus nämlich können Sie sich weiterhin erklären, daß es für ein solches
Subjekt dann auch in der Tat zum Drama werden muß, als Subjekt nicht nur
anzufangen, sondern auch noch aufzuwachsen, nämlich auch noch fortzufahren
damit, jegliches Objekt zunächst einmal als anderes oder als objektives
Subjekt anzusehen: phylogenetisch ebenso wie auch ontogenetisch. Denn je
danach, ob ihm solch ein Objekt auch tatsächlich, faktisch, kontingent, will
sagen, auch empirisch als ein objektives oder anderes Subjekt begegnet, und
wenn ja, wie ihm ein solches Subjekt dann begegnet, wird dies Drama zur
Tragödie oder zur Groteske oder zur Komödie oder zur Idylle und so weiter,
wie aus eigenster Erfahrung jeder von uns zur Genüge weiß, soweit er sich
zurückerinnern kann. "
Nach
2000 oder 1500 Jahren christlicher oder islamischer Erziehung, Tradition und
entsprechender Sprachgewohnheit trifft ein solches Erlebnis quasi auf eine
fertige begriffliche Infrastruktur in Form einer bestehenden Wertestruktur.
In frühester Christheit gilt es weit mehr zu unterscheiden als heute zwischen
diesem quasi punktförmigen Erlebnis der Begegnung mit unserem HERRN als
mystisches Erlebnis einerseits und andererseits dem daraus resultierenden
neuen Verhältnis zu allem was bis dahin Denken und Tun bestimmt, in der
tausendfältigen Vielschichtigkeit dessen, was Gewohnheit, Tradition,
Konvention, Gesellschaft und Alltag bestimmt.
Wenn dieses quasi punktförmige und oft einmalige Erlebnis auch keinesfalls
nur eine Wahrnehmung ist, die der Mensch nur aufgrund seines eigenen Urteils
und seiner eigenen Entscheidung für wahr hält (und nicht für eine Illusion),
und was als ein Erlebnis mehr an Wert, Gewicht und Bedeutung behält, als die
Welt und Gesellschaft an Wert, Gewicht und Bedeutung zu vergeben hat, so
bedeutet das durch dieses Erlebnis neue und neugewordene Verhältnis zu
Letzterem z.B. für die Jünger Jesu, für Paulus und für die Christen der
frühen Christenheit nun die eigentliche Lebensaufgabe und zwar mit ganz neuer
geradezu absoluter individueller Kompetenz und Freiheit gegenüber der
vorherigen eigenen und der allgemeinen Befangenheit in Kontext und Konvention
der „Welt“ und des „Weltlichen“.
Vor meinen Augen sehe ich den aus dieser Auseinandersetzung resultierenden
gesellschaftlichen Vorgang oft mit dem Bild einer gestrickten Zipfelmütze
oder Socke, die man an jenem Endfaden von der linken Seite auf die richtige
rechte Seite ziehen d.h. umwenden kann, so dass das gleiche Stück
Wirklichkeit nun mit einem anderen Muster oder Vorzeichen gestrickt
erscheint.
Wenn dabei in der jeweils gemeinsamen Begriffswelt der Gemeinden und später
der Kirchen, Nationen und Konfessionen Gedanken, Begriffe, Werte und Ideale
auch neue Bedeutung und Bestimmung bekommen, so bleibt die menschliche
Struktur des Erkennens, des Denkens, der Sprache, der Gesellschaft und Werte
doch die Gleiche.
In dieses neue Verhältnis zu Kontext und Konvention allgemein einerseits wie
zu Kontext- und Konventionsabhängigkeit allgemein andererseits und drittens
zu der neuen dann „normalen“ Wirklichkeit in neuer Bedeutung aber alter
Struktur hinein hatte und hat explizite d.h. mehr explizierende Christologie
zu erfolgen im Sinne von Stimmigkeit menschlicher Logik einerseits und im
Sinne bestehender Begrifflichkeit andererseits. Wenn Vorgang und Tätigkeit
solcher Christologie auch zurecht „Explizieren“ genannt wird, so ist das
dabei entstehende Produkt als Theologie, Exegese oder Homilie immer nur
implizite Christologie.
Sie fragen zurecht nach der Auswirkung der Geschichte auf die Hoheitstitel.
Was in der frühesten Christenheit unter den aufgezeigten Bedingungen
eschatologisch Parusie und eine „neue Welt“ bedeutete, ist heute unter den
beiden Vorzeichen der Verweltlichung und Verchristlichung als Entwicklung
noch immer der gleiche Vorgang, der teils unter gleichem Strickmuster
geschichtliche Kausalität als Kontinuität bedeutet einerseits, und
andererseits durch die Gegenwart unseres HERRN im Erlebnis der Begegnung von
Individuuen gesellschaftlich als „Salz der Erde“ Parusie und Eschatologie
ist. Ich persönlich empfinde z.B. die Attribute König, Herrscher z.B. in dem
Lied
„Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß, ...“
eher
als Makel denn als Auszeichnung, wo jemand verlang oder wünscht, dass sich
ein Mensch vor die Füße eines Herrschers legt oder bückt, wie es einst nur
Despoten und Usurpatoren wünschten.
Wer wollte heute einen solchen Gott auch noch anbeten.
Ich hoffe, dass Ihnen diese ziemlich vereinfachende Ausführung nun konkret
genug ist und genügt.
Mit besten Grüßen und Wünschen zur Weihnachtszeit
Ihr Friedhelm Schulz.
14. Dez. 2001
Schönen Gruß für heute Friedhelm Schulz 
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