Evolution oder Kreation?
Verstand oder Glaube?
Kausalität oder Absicht?
X oder y² im Falle x=y²?
Lesen im Buch des Lebens oder/und Sprechen von Gott,
Richard Schaeffler
und meine Schachpartie.
Der Gottesbeweis als Problem in der Evolutions- bzw. Kreationismusdebatte als neuartiges Argument.
Es wurde in meinem Beispiel die Beschreibung einer Schachpartitur gefunden mit einer ständig weitergehenden Kommentierung aller Züge (nehmen wir an) nur der weißen Figuren als Sinn ihrer kreativen Reaktion, Strategie, Klugkeit, Weisheit und Absichten auf all dies der schwarzen. Alle Diskussionen in der möglichen Auslegung und Kommentierung in Argument und Gegenargument handeln also kreationistisch von Sinn, Reaktion, Strategie, Klugkeit, Weisheit und Absicht der weißen Züge, - bis zur Aufklärung durch die Evolutionstheorie, die behauptet: dort gäbe es keinen Sinn, keine Reaktion, Strategie, Klugkeit, Weisheit und Absicht, denn diese Partie sei von einem toten, bewußtseins- und gedankenlosen Mechanismus, nämlich z.B. einem lernfähigen aber willenlosen Komputer gespielt worden – sei er nun Natur oder Mensch bzw. Gottidee.
Nun geht die folgende Debatte um etwas ganz anderes: läßt sich aber aus den Zügen ablesen und beweisen, ob sie Kreation sind? – also mit Sinn, Reaktion, Strategie, Klugkeit, Weisheit und Absichten oder aber ob sie letztlich nur determinierte logische Folge von zufälliger Ursache und Wirkung sind, und zwar Beweis gegen die Existenz einer Absicht eines Gottes oder Schöpfers oder Menschen, also auch als Argument gegen jeden Sinn, Klugkeit, Absicht oder Weisheit des Lebens.
Schaefflers Einleitung dazu:
http://www.hfph.mwn.de/data/Jahresbericht_05_06.pdf
Vorbemerkung zum Thema:
1. Die mehrfache Bedeutung
eines Programmworts
Lesen im Buche der Welt – diesen Titel für die nun folgenden
Ausführungen
habe ich nicht selber erfunden.
Ich verdanke ihn
Hans Blumenberg. Aus seinen
Schriften „Die Legitimität der Neuzeit“
und „Die Lesbarkeit der Welt“,
aber auch aus meiner persönlichen
Begegnung mit ihm in unseren
gemeinsamen bochumer Jahren,
habe ich einen dreifachen
Hinweis gewonnen, den ich gerne
aufgreife, um daran eine
Erläuterung der Aufgabe anzuknüpfen, die
ich mir für diesen Vortrag
gestellt habe.
Die Formulierung „Lesen im Buche der
Welt“, die schon im späten
Mittelalter auftritt, gewinnt in der
Renaissance den Charakter eines
Programmworts der Ärzte und
Naturforscher. Ihnen gilt nicht das
„Lesen in den Büchern der Alten“, vor allem
in den Schriften von
Hippokrates und Galen, als die primäre
Quelle des Erkennens, sondern
die eigene Beobachtung an gesunden und
kranken Menschen,
das eigene Experiment mit Pflanzen und
den aus ihnen gewonne-
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nen Extrakten, aber auch mit Mineralien
und deren Wirkung auf den
Organismus. Diese eigenen Beobachtungen
nannten sie „Lesen im
Buche der Welt“.
Die Formulierung „Lesen im Buche der
Welt“ wird dann, zu Beginn
der Neuzeit, zu einem Programmwort der
Philosophie. „Intelligible
Wahrheiten“ sollen nun nicht länger
abseits von der sinnenhaft erfahrenen
Welt gesucht werden, in einem
„Aufstieg“, der die Sinnenwelt
hinter sich läßt, um zu den Ideen
aufzusteigen; nicht einmal in
dem Sinne „in“ den sinnenhaft
erfahrbaren Dingen, daß in ihnen
eine „Wesensform“ gefunden wird, die
sich von der Materie „abstrahieren“
läßt, sondern gerade in der
Materialität und Sinnenhaftigkeit
der Phänomene selbst. Wer behauptet,
intelligible Wahrheiten
gefunden zu haben, muß zeigen können,
daß diese sich an der
anschaulichen Gestalt der sinnenhaft
gegebenen Welt ablesen lassen.
Und dieses „Ablesen“ ist es, das nun
„Lesen im Buche der
Welt“ genannt wird. Das klassische
Beispiel dafür ist die analytische
Geometrie, die aufzeigt: Anschauung und
Begriff sind bedeutungsgleich.
Was eine Formel wie „y=x2“ sagt, ist identisch mit der
anschaulich
beobachtbaren Bahn, die ein schräg zur
Gravitationsachse
in die Höhe geworfener Körper
durchläuft. Und es kommt darauf
an, das, was sich mathematisch
konstruieren läßt, in der sinnenhaft
gegebenen Wurfbahn anzuschauen, diese
als den „Text“ zu begreifen,
der uns in der Sinnenwelt gegeben ist
und dessen Bedeutungsgehalt
nur im „Lesen“ dieses Textes begriffen
werden kann.
Die Formulierung „Lesen im Buche der
Welt“ konnte schließlich zu
einem Programmwort der aufgeklärten
Vernunft werden. Worum
es dabei ging, war die Wiedergewinnung
der Einheit von Physik und
Metaphysik. Die Physik erforscht die
Phänomene am Leitfaden des
Kausalbegriffs; die Metaphysik, wie die
Aufklärung sie verstand,
legt die Bedeutung dieser Phänomene –
und in diesem Sinne die
„Bedeutung“ des „lesbaren Textes“ –
dadurch frei, daß sie die gleichen
Phänomene am Leitfaden teleologischer
Begriffe interpretiert,
sie also in ihrer Eignung zur
Erreichung eines Zweckes beschreibt.
Das klassische Beispiel dafür ist der
von Leibniz versuchte Nachweis,
daß die kausale und die teleologische
Interpretation von Naturphänomenen
bedeutungsgleich sei. Die Brechung
eines Lichtstrahls
beim Eintritt von einem dichteren in
ein dünneres Medium
bzw. umgekehrt läßt sich kausal
erklären, indem man den Einfluß
des Mediums auf die Bahn des
Lichtstrahls beschreibt; sie läßt sich
aber auch teleologisch erklären durch
den Hinweis, daß der Strahl
jeweils diejenige Bahn durchläuft, die
ihn für seinen Weg ein Minimum
an Zeit verbrauchen läßt. Und darin
kann man den Zweck der
Brechungsgesetze sehen. Ein anderes
Beispiel: Das „Parallelogramm
der Kräfte“, das die Geschwindigkeit
und Richtung kausal
erklärt, mit der ein Körper sich
bewegt, auf den zwei verschiedene
Impulse einwirken, kann teleologisch so
interpretiert werden, daß
beim Zusammenstoß solcher Impulse eine
Wirkung erzielt wird,
die ihren Antagonismus auf das
unvermeidliche Minimum reduziert,
die gemeinsam bewirkte Beschleunigung
eines solchen Kör-
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pers aber maximiert. Und darin läßt
sich die Weisheit einer „Jurisprudence
divine“ erkennen, die so, wie ein
weiser Richter dies tut,
Konflikte zwischen streitenden Parteien
minimiert, ihre Gemeinsamkeiten
aber maximiert und so einen Vergleich
ermöglicht, dem
beide Parteien zustimmen können.
Physikalisch-kausale Erklärung
und metaphysisch-teleologische Deutung
bewähren sich an den
gleichen Phänomenen und machen sie zu
einem verständlichen
Text, der „gelesen“ werden kann.
2. Die Absicht der kommenden
Überlegungen
Diesem dreifachen Hinweis von Hans Blumenberg folgend,
werden die folgenden
Ausführungen versuchen, dem Programmwort
„Lesen im Buche der Welt“ eine
weitere Bedeutung zu
geben. Dieses Programm soll
einen Weg aufzeigen, um philosophisch
von Gott zu sprechen. Es soll
darum gehen, „im Buche der
Welt“ die „Handschrift seines
Autors“ zu entdecken. Von den traditionellen
Wegen philosophischer
Gotteserkenntnis unterscheidet
sich der hier versuchte Weg
dadurch, daß er nicht am Leitfaden der
Begriffspaare „Wirkung und Ursache“
oder „Mittel und Zweck“ voranschreitet,
sondern am Leitfaden der
Begriffe „Erscheinungsgestalt
und Bedeutungsgehalt“. Denn wer
einen Text liest, fragt nicht primär,
wie er zustandekam, sondern was
er bedeutet.
Wer die Gotteserkenntnis am Leitfaden der
Begriffe „Wirkung und
Ursache“ zu gewinnen versucht, versteht
Gott als die „erste Ursache“
all dessen, was uns als „Welt“
begegnet. Wer am Leitfaden der
Begriffe „Mittel und Zweck“ vorangeht,
versteht die erfahrbare Welt
als ein Gefüge von Mitteln, die so
aufeinander bezogen sind, daß
darin ein „letzter Zweck“ erkennbar
ist, der nur von einem intelligenten
Schöpfer gesetzt worden sein kann. Der
hier gewählte Weg
dagegen läßt sich vorwegnehmend in
folgender Weise beschreiben.
Den Ausgangspunkt bildet die Erfahrung,
daß die Dinge uns „etwas
zu sagen haben“, und daß wir den Inhalt
dessen, was sie zu sagen
haben, dadurch erfassen, daß die Dinge
selbst uns „zu denken geben“.
Sie stellen uns Aufgaben des Denkens
und – darauf wird noch
näher einzugehen sein – sie
„informieren“ uns in einem ganz wörtlichen
Sinne: Sie bringen das Denken erst in
jene Form, in der dasjenige
bedacht werden kann, was sie uns zu
denken geben.
Ein solches Verständnis von
„In-formatio“ vorausgesetzt, kommt es
darauf an, in dem, was die Dinge uns
„zu sagen haben“ und „zu
denken geben“, die Anrede eines
„Autors“ zu entdecken, so wie
man beim Lesen eines Buches die
Handschrift seines Autors wiedererkennt.
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3. Anlässe für diesen Versuch
Der Grund dafür, daß an dieser Stelle ein solcher Weg philosophischen
Sprechens von Gott gesucht
wird, liegt in dem unbefriedigenden
Ergebnis eines nun schon
jahrhundertelang geführten
Austauschs von Argumenten und
Gegenargumenten, durch die einerseits
philosophische Gottesbeweise
geführt, andererseits deren
Unmöglichkeit nachgewiesen
werden soll. In diesem Streit wiederholen
sich seit langer Zeit die
Argumente und Gegenargumente
ohne sichtlichen Erfolg. Kaum
jemand, der Gottesbeweise führt, ist
durch die Argumente der
Kritiker dazu bewogen worden, seine Bemühungen
aufzugeben; und kaum jemand,
der die Unmöglichkeit
solcher Gottesbeweise
nachzuweisen versucht, ist durch die Argumente
derer, die solche Beweise
versuchen, überzeugt worden.
Dieses höchst unbefriedigende
Bild, das eine so lange geführte Diskussion
beim Betrachter hervorruft,
läßt die Frage entstehen, ob
das, was durch diese Beweise
versucht wird, nicht auf einem anderen
Wege besser erreicht werden
kann.
Die traditionellen Gottesbeweise suchen
– in der hier notwendigen
Vereinfachung gesagt – Gott am äußersten
Ende einer langen Skala:
rückfragend von Wirkungen zu Ursachen
und von diesen zu immer
weiteren, entfernteren Ursachen bis zu
einer „ersten Ursache“;
oder ausgreifend von Mitteln zu
Zwecken, die sich ihrerseits als
Mittel zur Erreichung weiterer Zwecke
verstehen lassen, bis zu einem
„Endzweck“; oder aufsteigend von
beobachteten „Vollkommenheiten“
in der Welt, die immer auch ein Moment
der Unvollkommenheit
einschließen, bis zum
„allervollkommensten Wesen“,
bei dem „kein Schatten des
Unvollkommenen“ mehr anzutreffen
ist. Die traditionelle Kritik an
solchen Beweisen besagt, daß Gott
dort nicht zu finden sei. Aber
vielleicht hat die Unfruchtbarkeit des
Streits ihren Grund darin, daß Gott gar
nicht dort gesucht werden
muß, nicht von uns durch eine indefinit
lange Reihe von Zwischengliedern
getrennt; vielleicht wäre der Gott, der
auf solche Weise gesucht
wird, selbst dann, wenn er auf diesem
Wege gefunden werden
könnte, nicht derjenige Gott, von dem
Religion und Glaube
sprechen. Vielleicht – und diese Vermutung
wird die kommenden
Überlegungen leiten – verhält Gott sich
zur Welt weit eher so, wie
der Autor sich zu seinem Buche verhält:
Er ist auf jeder Seite dieses
Buches präsent, auch wenn er auf keiner
von ihnen vorkommt –
auch nicht auf der ersten oder der
letzten.
Zu dem Versuch, die Möglichkeit
philosophischen Sprechens von
Gott auf diesem Wege zu suchen, bin ich
durch ein Gespräch veranlaßt
worden, das ich vor einiger Zeit mit
einem jungen Physiker geführt
habe, dem Sohn eines alten Freundes. Er
hatte mich aufgesucht,
um mir sein Erschrecken darüber
mitzuteilen, daß ein Physiker,
der sich mit physikalischen Theorien
der Welt-Entstehung befaßt,
zu dem Schluß gekommen ist: „There is
no place for any
creator“, „Hier ist kein Platz für
irgendeinen Schöpfer“. Ich habe
darauf zu antworten versucht, daß ich
diesen Einwand gegen den
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Gottesglauben für ebenso töricht halte,
wie wenn ein Leser von
Schillers „Wallenstein“ sagen wollte:
„There ist no place for any Frederic
Schiller“. Denn in der Tat: Friedrich
Schiller kommt in diesem
Drama nicht vor, weder in der ersten
noch in der letzten Szene. Und
doch käme wohl niemand auf den
Gedanken, daraus auf die Nicht-
Existenz des Autors zu schließen. Aber
kaum hatte ich diese Antwort
ausgesprochen, da befiel mich der Verdacht:
Vielleicht spiegelt
die Torheit dieses Einwandes nur ein
falsches Selbstverständnis
der Glaubenden, die Gott dort suchen,
wo er nicht zu finden ist: am
Anfang oder Ende einer langen
innerweltlichen Kausalreihe, etwa
„vor dem Urknall“ oder „nach dem
Wärmetod“, statt ihn „auf jeder
Seite seines Werkes“, in jedem
Augenblick des Weltlaufs gegenwärtig
und am Werke zu finden.
Für die Vermutung, daß es nicht von
vorne herein vergeblich sei,
Gott so in der Welt zu suchen, wie man
einen Autor in seinem Werke
sucht, berufe ich mich auf einen
Zeugen, dessen Nennung manche
von Ihnen überraschen, vielleicht sogar
erschrecken wird: auf
Immanuel Kant. Kant definierte
bekanntlich die Religion als „Erkenntnis
unserer Pflichten als göttlicher
Gebote“ (Religion A 116).
Das Wörtchen „als“ in dieser Definition
– Fachleute sprechen von
einem „hermeneutischen als“ – deutet
an: Es handelt sich nicht um
einen Kausalschluß von der in konkreten
Lebenssituationen erfahrenen
Pflicht auf einen Gesetzgeber, der vor
unendlich langer Zeit
den Dingen und Menschen in dieser Welt
jene Würde eingeschaffen
hat, kraft derer sie uns in
verpflichtender Weise in Anspruch
nehmen; eine solche Ursache wäre von
dem, der die Erfahrung der
Pflicht macht, durch die unendlich
langen Kausalreihen entfernt,
aus denen die Menschen und Dinge, denen
wir „heute“ begegnen,
hervorgegangen sind. Das
„hermeneutische als“ in Kants Religions-
Definition ist vielmehr eine
Auslegungsregel, die uns dazu auffordert,
jedesmal „heute“, wenn wir konkrete
Pflichten erfahren, darin
das „Mandatum“, den uns anvertrauten
Auftrag Gottes zu erkennen.
Nun ist meine These: Einer solchen
Auslegungsregel folgt nicht
nur das Verständnis der sittlichen
Pflicht, sondern das Verständnis
jeder Erfahrung, die wir machen. Wir
dürfen und müssen nicht nur
unsere Pflichten „als göttliche Gebote“
verstehen, sondern jede Erfahrung,
die wir machen, als die
Erscheinungsgestalt der verpflichtenden
und zugleich befreienden Zuwendung
Gottes begreifen.
Dann entdecken wir den göttlichen
„Autor“ auf jeder Seite seines
„Buches“, das „die Welt“ heißt.
Sucht man den Weg zu einer
philosophischen Gotteserkenntnis auf
solche Weise, dann verlangt er freilich
ein höheres Maß an Geduld
als der Weg der traditionellen
Gottesbeweise. Wenn man im Sinne
der traditionellen Gottesbeweise die
Welt als einen Komplex von
Wirkungen versteht, um nach deren
gemeinsame Ursache zu fragen,
dann genügt es, diesen Komplex von
Wirkungen auf eine Regel
zu bringen, deren Anwendungsfälle man
in den Inhalten unserer Erfahrung
wiedererkennt. Man sagt dann etwa:
Alles, was uns in der
Erfahrung begegnet, ist bewegt; darum
verweist es auf einen Bewe-
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ger und zuletzt auf den „ersten
unbewegten Beweger“. Oder man
sagt: Alles, was uns begegnet, erweist
sich als „mehr oder weniger
vollkommen“; darum verweist es auf ein
„allervollkommenstes
Wesen“. Oder: Alles, was ist, erweist
sich als nur „relativ notwendig“,
nämlich unter der Voraussetzung, daß
bestimmte Bedingungen
gegeben sind; darum verweist es auf ein
„absolut notwendiges
Wesen“. Alle konkret erfahrenen
Bewegungen, alle konkret entdeckten
Vollkommenheits-Grade, alle konkret
entdeckten relativen
Notwendigkeiten sind dann nur Beispiele
für jene allgemeine Regel,
auf die der gesuchte Beweis sich
stützt. Und es ist nicht notwendig,
eine große Menge solcher Beispiele zu
kennen, um die Regel zu
entdecken. Wer dagegen den Autor in
seinem Buche erkennen will,
muß darauf gefaßt sein, ihn auf jeder
Seite dieses Buches auf neue
Weise kennenzulernen. Er muß dann
wirklich auf jeder Seite des
„Buches“ verweilen, um dort den Autor
sprechen zu hören. Bezogen
auf das „Buch der Welt“ bedeutet dies:
Ein ganzes Leben reicht
nicht aus, um den Autor so
kennenzulernen, wie er sich in diesem
Buche ausspricht – Und noch weniger
kann ein einzelner Vortrag
dazu ausreichen.
Will man also das Ziel der kommenden
Ausführungen in Thesen zusammenfassen,
dann können diese nicht abschließende
Lehrsätze
sein, sondern Formulierungen eines
Programms, das künftiger Ausführung
bedarf. Diese Thesen lauten: Die Welt
ist ein Buch, das gelesen
werden kann. Und an der Eigenart dieses
Buches läßt sich die
Handschrift
seines Autors ablesen.
Dies ist sicher ein starkes Argument für den Kreationismus, ohne die Evolutionstheorie widerlegen zu müssen. Aber natürlich kein Beweis.
Schaeffler kommt den Evolutionstheoretiker entgegen, ohne ihnen zu widersprechen oder sie widerlegen zu wollen und fordert für sich nur das Recht, alles (auch) kreationistisch verstehen zu können.
Aber dies könnte natürlich auch bedeuten, die Welt wieder anthropozentrisch d.h. nach menschlichem Maß verstehen zu wollen.
Aber tun das die Evolutionstheoretiker nicht ebenso? Sie deuten die Weltgeschichte nach menschlichen Kriterien.
Der Makel in der bisherigen Auslegung liegt im Konjunktiv der recht bescheidenen Forderung, alles könnte doch auch so aussehen als ob, die Tarnfarbe der Tiere wie der Schwebfliege könnte nur so aussehen, als ob sie den Sinn habe, zum Eigenschutz eine Wespe vorzutäuschen, als ob unsre Ozonschicht den Sinn habe, uns Menschen vor den tödlichen UV-Strahlen zu schützen.
Immerhin könnte für den Biologieunterricht beide möglichen Sichtweisen zugleich gelehrt werden, ohne empiristisch-fundamentalistisch das eine oder andere auszuschließen.
Wieso wird in den deutschen Medien solche Forderung als Rückfall ins Mittelalter beschrieen und von den Atheisten als Gefahr gefürchtet?
Statt dessen steht doch die tatsächliche Absurdität in allen „aufgeklärten“ Lehrbüchern, als sei es die Schwebfliege selbst, die ihre Tarnfarbe zum Schutz gegen Fliegenfresser erfunden oder entwickelt habe; als sei es der Mensch selbst, der sich vom Affen zum Homo Sapiens entwickelt habe.
(weiter demnächst)