Widersprüche im Leben und im Glauben.   (zurück bitte mit dem Browser) ab hier

 

Warum reite ich auf diesem erkenntnistheoretischen Aspekt all unseres Tuns und Denkens herum:

Was der Disput mit dem respektlosen Ferdel recht klar auf den Tisch zwang, ist ein Problem, dem sich bereits vor 1000 Jahren der islamische Theologe, Arzt und Philosoph Ibn Roschd, ( Ibn Rushd )* 1126, † 1198, genannt Averroës ausgesetzt sah. Man warf ihm das Gleiche vor, nämlich eine Oroblematik, die heute die Bibelchristen den protestantischen – und teils auch den katholischen Theologen vorwerfen, und was letztere meistens zurecht, weil sie nicht besser können, unter dem Tisch halten: Man kann einerseits den Koran genauso wenig wie die Bibel wörtlich nehmen, aber man kann andererseits die Christen oder Moslems, die den Koran und die Bibel wörtlich zu nehmen glauben und wörtlich zu nehmen vorgeben und auch echt darum bemüht sind und dieses auch von anderen fordern, man Ihnen kaum sagen, dass sie im Irrglauben leben; dies wäre zum einen eine falsche Behauptung und zum anderen für manche nichts weniger, als die Anstiftung zum Atheismus und Agnostizismus. Denn ganz sicher hat vor allen der Autor des Johannesevangeliums und nicht anders Markus, Mathäus und Lukas das geglaubt und vorausgesetzt, was sie als Leben und Leiden Jesu aufschrieben. Sie und auch Paulus haben allesamt den sog. geschichtlichen Jesus nicht persönlich gekannt. Wenn sie alle im Irrtum waren, dann müßte man dieses auch von all den Christen sagen, von den ersten Christen und allen in den vergangenen 2000 Jahren seit Jesu Himmelfahrt, die bis heute praktisch aus der Bibel als dem lebendigen Wort Gottes leben.

Und dies tue ich ja auch.

Das bedeutet aber, dass jener Widerspruch nicht nur zwischen verschiedenen Gruppen besteht, den bekennenden Bibelchristen auf der einen Seite und den wissenschaftlich arbeitenden Theologen auf der anderen, sondern auch in mir selbst und innerhalb der vielen Pfarrer und Theologen, die trotz weitergehender Einsichten und Forschungen dennoch gläubige Christen geblieben sind.

Ich war auf dem vergangenen ökumenischen Kirchentag von Protestanten und Katholiken und auch an dem Jesusmarsch 2 Jahre vorher in Berlin beteiligt, bei dem – hunderttausend meist junge Menschen mit dem Namen Jesus auf ihren T-Shirts oder auf ihren Fahnen und Plakaten und in ihrem Herzen – unberührt von jeder Textkritik ihren Glauben mit den Worten der Bibel bekannten. Und ich war traurig bei dem Gedanken, wie viele von den jungen Menschen sich eines Tages beschämt betrogen fühlen, wenn sie mal ein theologisches Fachbuch in die Hand bekommen, das man in jedem Buchladen kaufen kann, die dann, wie es ja auch tatsächlich vielen Theologiestudenten und Theologen ergeht, ihren Glauben erst mal verlieren und jede Achtung vor ihren Lehrern und beiden Konfessionen.

Ich habe dies selbst erlebt und zig-mal ansehen müssen.

Und gerade in ihrer Glaubensgewissheit waren und sind diese liebenswerten jungen Menschen oft taub und abweisend für alle Argumente, die sie vor einem späteren Absturz bewahren könnten – und halten solche Argumente eher für die listigen Angriffe des Bösen, des Teufels.

Wie aber kann man aus der Bibel als dem lebendigen Wort Gottes leben, wenn man nicht fest glaubt, was in der Bibel steht, - wenn man sogar hingeht, und die zehn Gebote verändert, oder das Glaubensbekenntnis oder das Vater Unser?

Die Möglichkeit des nur Scheinbaren eines scheinbar unversöhnlichen Widerspruchs ist heute denn auch am einfachsten und am radikalsten erkenntnistheoretisch zu demonstrieren, und ist auch verstehbar zumindest für jeden, der einen einfachen Hauptschulabschluß erreicht hat. Dieses erfordert heute kein langes Studium mehr, nur den Mut zum selbständigen Denken. Man kann dabei in jeder Situation den nächstbesten sichtbaren Gegenstand als Beispiel anführen, einen „roten Tisch“ oder eine „grüne Wiese“ oder was auch immer. Denn, obwohl es richtig ist und wir es für richtig halten, dass jener Tisch rot und jene Wiese grün ist, wissen wir zugleich, dass jene rote oder grüne Farbe nicht dort an jenem Tisch oder an jener Wiese ist, denn von dort her gelangen, - wie wohl jeder Physiklehrer heute sagen würde - , keineswegs rote oder grüne Lichtwellen in unser Auge, sondern farblose Photonen oder Wellen, die uns erst unser Gehirn als „rot“ oder „grün“ erscheinen lässt.

Etwas besser hat diesen Widerspruch im Alltäglichen schon vor fast 2500 Jahren der kluge griechische Philosoph Zenon von Elea (490- 430 v.Chr.) seinen philosphischen Kollegen vorgehalten. Er bewies, dass sich in Wirklichkeit ein Pfeil von einem Bogen abgeschossen oder eine Pistolenkugel in der Luft nicht bewegt, und dass Achilles bei einem Wettrennen keine Schildkröte einholen könne. Aber weder der große Aristoteles noch auch der große I. Kant nahmen ihn ernst und sahen diesen Widerspruch. Und auch ein heutiger normaler Physiklehrer würde Zenon kaum zustimmen. Denn es scheint ja offensichtlich, dass der schnelle Achill die lahme Schildkröte, wenn sie einen Meter Vorsprung hätte, mit zwei Schritten eingeholt hätte.

Deswegen ist vielleicht mein Beispiel von der Farbe für den heutigen allgemeinen Bildungsstand etwas besser weil leichter einsichtig.

Und man hat vor tausend Jahren dem guten Averroës den Vorwurf gemacht, dass er mit seinen ähnlich klugen Sprüchen, wie der Koran angesichts wissenschaftlichen Denkens zu verstehen sei und wie nicht, den Glauben der einfachen Leute zerstöre. Denn er unterschied einen einfachen, naiven Glauben von einem emanzipierten.

Der einfache naive Glaube würde bei meinem Beispiel also bedeuten, dass man jenen Tisch tatsächlich für rot und jene Wiese für grün hält, - wie es auch Marx und Lenin annahmen; der emanzipierte Glaube würde dagegen bedeuten, dass auch der Wissenschaftler im realen Leben zwar von einem roten Tisch und einer grünen Wiese sprechen würde, und dass er protestieren würde, wenn man ihm z.B. statt dessen einen grünen Tisch verkaufen würde, oder dass jemand die Wiese fälschlich für grau und verwelkt erklärt, während sie doch saftig grün sei; dass er aber zugleich wisse, dass es sich bei solcher Farbbezeichnung um eine Konvention und nicht um eine Wahrheit handele, dass also die Wiese tatsächlich weder grün noch grau ist.

Man hat dem guten Averroes am Ende solche emanzipierten Sprüche über den Koran verboten, und nicht ohne seine Schuld hat es seitdem keinen großen islamischen Philosophen mehr gegeben, und auch die islamische Wissenschaft ging damit zuende. Denn seine Lösung des Problems, das durch solche Unterscheidung entstand, war in der Tat zu einfach: Der gebildete Theologe sollte seiner Meinung nach den einfachen, normalen Menschen, den Moslem, nicht mit Theologie und Philosophie verunsichern bzw. er sollte jede Theologie und Wissenschaft so kompliziert formulieren, dass ein normaler Mensch sie nicht versteht, und dies wurde wahrscheinlich von den Kalifen seiner Zeit und später so gedeutet, dass dann die Philosophie, Wissenschaft und Theologie auch von Übel und überflüssig sei.

Heute verhalten sich im „aufgeklärten“ Europa die halbgebildeten Physiklehrer und Politiker so ähnlich, wie damals die Kalifen im Islam; nur dass sie häufig die naive empiristische Sichtweise unserer Wirklichkeit dogmatisieren, als sei jener Tisch tatsächlich rot, und die Wiese tatsächlich grün, und als sei alles, was man nicht derart sehen, schmecken, fühlen, beweisen und messen könne, nur Phantasie, Legende, Mythos, Aberglaube und Einbildung. Denn Zenon hat trotzdem recht.

Im christlichen Abendland dagegen breitete sich damals mit dem Averroismus auch die Philosophie und Wissenschaft des Aristoteles schnell auf allen Universitäten aus – und damit die heutige Vorstellung von Wissenschaft und der sog. Realität, was dann als Humanismus zur sog. Aufklärung führte; der Averroismus selbst aber wurde vom Papst zurecht verboten.

Zurecht nach meiner Meinung deswegen, weil dies unvermeidbar zur Doppelzüngigkeit der Predigt und der Kirche und auch jeder Dogmatik und Wissenschaft führen würde. Wenn man dem normalen Menschen etwas anderes sagt, als man selbst weiß und glaubt, impliziert dieses nicht nur eine Missachtung oder gar Verachtung und Bevormundung des Nichttheologen und des normalen Menschen, sondern es untergräbt die Wahrhaftigkeit des Klerus einerseits, und die Vertrauenswürdigkeit andererseits. Man verliert beiderseits schließlich den Glauben – und nicht nur aneinander.

Außer der griechisch-römischen Religionskultur gingen wohl alle anderen Hochkulturen der Menschheit genau aus diesem Grunde unter. Aus dem natürlichen Streben nach Glaubensgewissheit aller früheren Religionen – meist betrieben von der professionellen Priesterkaste – entstand immer eine Art elitärer Wissenschaft, die letztlich zum Glaubenskern, zum Verständnis des jeweiligen Gottes vordringen wollte. Mit solcher Wissenschaft verband sich immer auch Fortschritt und Entwicklung. Mit der Erkenntnis jedoch, dass der eigentliche Glaubensgegenstand ein Irrtum war, dass z.B. RE, die Sonne, kein Gott, sondern ein toter, lebensfeindlicher und nur glühender Stern war, brach nicht nur der Glaube der Priesterkaste sondern zugleich die eigentliche Motivation und Grundlage jener Wissenschaften und Kulturen zusammen. Man verbarg dies den Laien, und hielt die religiösen Gesetze und die auf den alten Glauben basierenden Traditionen und Konventionen oft mit Lüge, Täuschung und Gewalt noch eine Zeit lang aufrecht, solange das Volk sich etwas vormachen ließ. Aber letztendlich gingen Autorität und Gültigkeit der Religion verloren, man verlor die Autorität und fiel zurück in den primitiven Animismus.

Obwohl in den Abrahameischen Religionen, im Judentum, Christentum und Islam, der Schöpfer des Wirklichen mit dem Verstand unerreichbar und zugleich damit unwiderlegbar jenseits jeder Denkbarkeit steht und gegen solchen Zusammenbruch gefeit ist, und ohne Zweifel auch genau deswegen, kam die Theologie wie im Islam auch im Christentum dennoch in die ähnliche Situation, dass nämlich alle Überlieferungen immer auf sehr vereinfachte Vorstellungen beruhen, so dass die Antworten auf ehrliche wie auch auf vorsätzlich kritische Glaubensfragen, wie nicht zuletzt die Antworten auf glaubensfeindliche Thesen so kompliziert waren, so dass Frage wie Antwort entweder nur mit einer entsprechenden Vorbildung und Begabung zu verstehen waren, bzw. - wie die Theodizee – überhaupt nicht beantwortet werden können.

Der Begriff Theodizee , von G.W. Leibniz (1646-1716) nach Röm 3,4f geprägt, ist ein eigentümlicher und wichtiger Begriff der neuzeitlichen Metaphysik. Er bezeichnet die »Verteidigung der höchsten Weisheit des Welturhebers gegen die Anklage, welche die Vernunft aus dem Zweckwidrigen der Welt gegen jene erhebt« (I. Kant). Ankläger, Verteidiger und Richter werden von der  Vernunft verkörpert, die sich angesichts vernunftwidrig scheinender Erfahrung der Stimmigkeit ihrer Welterklärung und deren Orientierungsleistung vergewissert.

    Das Theodizeeproblem stellt sich in allen Kulturen, in denen die Frage »Warum leide ich?« an eine von menschlichen Tätern verschiedene Instanz gerichtet werden kann. Auch nach dem Geltungsschwund der neuzeitlichen Metaphysik bleibt menschliches Leiden ein Skandalon für rationales und moralisches Denken.

    Der Begriff Theodizee  wird polemisch gebraucht für den theol. illegitimen Versuch, mit einem rationalen Konzept der Selbstrechtfertigung Gottes als Schöpfer ( Schöpfung 3.) und Erlöser ( Soteriologie) zuvorzukommen (K. Barth), sowie für den moralisch verwerflichen Versuch, Leiden  Sinn zuzuschreiben um den Preis der Rechtfertigung des  Bösen und der Verweigerung der tätigen Solidarität mit den Opfern (Th. W. Adorno, D. Solle). Theodizee  ist ein analytischer Begriff der wissenssoziologischen oder systemtheoretischen Erklärung der Fähigkeit individueller und sozialer  Systeme, widersinnige Erfahrungen zu integrieren (M. Weber, P.L. Berger, N. Luhmann). Theodizee  wird positiv in philos. Entwürfen eines mit der leidvollen Welt kompatiblen  Theismus (R. Swinburne, D.R. Griffin) gebraucht sowie in einer »christl. Theodizee « in irenäischer Tradition (J. Hick).

 

 

[Kirchenlexikon: Theodizee, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 98: Evangelisches Kirchenlexikon, S. 13440 (vgl. EKL Bd. 4/11, S. 724 ff.)]

 

Dennoch verstoßen auch wir Christen (von anderen Religionen will ich dabei nicht sprechen) allzu leicht gegen das 2. Gebot, „Du sollst Dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen und es anbeten.“ Und je unreiner und verschlagen, um so mehr projizieren auch wir in unseren Gott menschliche Vorstellungen von Gott wie es uns passt, im Prinzip genauso wie man Göttliches in  einen aus Holz geschnitzten Götzen projiziert und diesen einerseits anbetet, um ihn andererseits für die eigenen Interessen zu instrumentalisieren, - bis wir solchen Aberglauben der zu einfachen Vorstellung als Irrglauben durchschauen und aufgeben (verlieren).

Der Mensch kann jedoch gar nicht anders denken, als über eigene Vorstellungen, die auf eigene Erfahrungen basieren. Das christologische Verständnis der sog. „Funktion“ Jesu bei diesem Prozess, die Johannes (3,14) und Paulus (1.Kor.10,9) sogar vergleichen mit der Funktion der „ehernen“ (eisernen) Schlange, die Mose in der Wüste aufrichtete als Schutz vor den lebenden Schlangen, dürfte deswegen immer abhängig sein von der Redlichkeit (Reinheit) wie zugleich vom jeweiligen Stand (Entwicklungsstand) menschlicher Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung, - und steht wohl erst am Anfang.

Neben dieser rein inhaltlichen Problematik gab es zudem wie im Islam von Anbeginn an auch im Christentum immer Menschen und Institutionen, für die die Religion nur das Mittel war für Karriere, Geld und Macht und war für solche nur aus diesem Grunde überhaupt relevant, so dass diese auch kein Bedürfnis nach Erkenntnis, Fortschritt und Entwicklung hatten oder förderten, sondern eher als lästig empfanden und gewaltsam verhinderten.

Alles zusammen, die vereinfachte Vorstellung, die für den Laien nicht mehr verständliche Theologie wie auch der Missbrauch kirchlicher und weltlicher Macht, führte immer auch zu ähnlichen Missbildungen, wie in allen früheren Religionen und untergegangenen Kulturen, d.h. zur religiösen Bevormundung durch Despoten, und zu mehr oder weniger gewaltsamer Indoktrination des gemeinen Volkes d.h. des normalen Menschen durch Machtmenschen und Institutionen, denen es nur um Machterhalt und Ordnung ging.

Ob man dieses nun mit staatlicher Ordnung, mit Identität, Tradition oder Kultur legitimierte, oder mit Wahrheit oder mit theologischen bzw. philosophischen Lösungen bestehender Probleme, spielte dabei keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Aber grundsätzlich mehr und auch anders als im Islam und in allen anderen Religionen finden wir im Christentum von Beginn an heftige Kritik und religiöse Selbstkritik gegen solches Missverhältnis und gegen solchen Mißbrauch, oft unter Lebensgefahr und oft mit dem Ergebnis von Vertreibung, Gefängnis, Scheiterhaufen oder Verbannung. Und genau deswegen sind auch die Forderungen und Vorsätze innerhalb der Kirchenleitungen der Christenheit nach Reformen nie verstummt. In keinem Kulturkreis findet man so harte Selbstkritik, wie in dem christlichen.

 

Damit komme ich zu der gegenwärtigen Problematik in den christlichen Kirchen insgesamt.

 

Die Frage der Glaubwürdigkeit und Verbindlichkeit der Heiligen Schriften – nicht nur unserer Religion – ist jedoch weit komplizierter, als es diese unterschiedlichen Sichtweisen der Farbe einer Wiese oder eines Tisches sein könnten. Und die Subjektivität, d.h. die Menschlichkeit menschlicher Erkenntnis bezüglich der Bedeutung der Heiligen Schriften scheint denn auch ganz unvergleichbar folgenreicher, als bei meinem Beispiel der Farbe und den reflektierten Lichtwellen. In der Tat ist mein Beispiel sehr viel fragwürdiger als das des Zenon und wäre sogar falsch verstanden, wenn es andeuten sollte, dass dem subjektiv-naiven Verständnis der Heiligen Schriften durch den Laien eine objektive, wissenschaftliche und damit richtigere Auffassung gegenüber stünde.

Diese ganz falsche Ansicht ist nicht nur bei Laien sehr verbreitet, sondern auch bei Theologen, die ganz „objektiv“ die tatsächliche Botschaft Jesu in den „subjektiven“ Berichten der Evangelien zu finden versuchen. Denn Letztere befinden sich bereits mit solchem Vorsatz in einem Netz unlösbarer Fragen gefangen: Waren nicht die Jünger Jesu, waren nicht die Evangelisten theologische Laien und war dies nicht selbst Paulus oder war nicht gar Jesus selbst Laie nach heutigem Maßstab theologischer und wissenschaftlicher Bildung? Womit sich dann ja auch unser christlicher Glaube infrage stellt.

Mit dem Aufkommen wissenschaftlichen Bewusstseins im 16. Jahrhundert tauchte mit dem „Deismus“ derartige Überzeugung sogar in vielen Variationen und Bekenntnissen auf.

Dennoch kennen wir sowohl in der Bibel wie in der Kirchengeschichte die Unterscheidung des normalen Glaubens von einem tieferen Verständnis, wobei Letzteres wie z.B. bei den großen Kirchenlehrern Augustinus und Thomas von Aquino neben der Kenntnis griechischer Philosophen durchaus auf Erkenntnisse basierte, die durch besondere Erlebnisse und eigene Erfahrungen mit Gott und durch ein frommes Leben geschenkt wurden, zugleich jedoch auf ein intensives Bibel- und Universitätsstudium basierte, zu dem – wie bei Averroes – neben der Theologie eben auch das Studium von Philosophie und anderen Wissenschaften gehörte.

 

Und es war erst die Reformation durch Luther, die sich – wenn auch formal – auf die Bibel stützte, als sei sie ein quasi empirischer Beweis für die religiöse Wahrheit und Argument gegen den Mißbrauch, als Beweis für die Aussage einerseits und dafür, dass die Bibel das Wort Gottes sei, andererseits. Die Reformation machte die Bibel erst öffentlich in diesem eigentlichen Sinne.

Unbemerkt und sicher unbeabsichtigt schob sich dabei für manchen Theologen und Laien das „Wort Gottes“ als höchstes Wahrheitskriterium, als der Beweis von Wahrheit und Unwahrheit, von Richtig und Falsch zwischen Mensch und Gott mit der Folge, dass ebenfalls unbemerkt genau dadurch die Aussagen der Bibel als empirische Realität eine andere, nämlich beweiskräftige, d.h. funktionelle Bedeutung bekommen, z.B. die der historischen oder physischen Indikation, die dann jedoch den Verstand unvermeidbar auf tausend Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten stoßen lässt, die kein ernstzunehmender Theologe und keine wissenschaftliche Wahrhaftigkeit leugnen oder wegdenken kann, die aber für einen einfachen Christen gar nicht bestehen. Hierzu sollte man vielleicht das Buch von Albert Schweizer über die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung lesen, oder etwas einfacher „Das Neue Testament als Buch der Kirche“ von Willi Marxsen. (Evgl. Buchgemeine, Stuttgart).

Damit entstand eine Bibel mit zweifacher Bedeutung für den Menschen.

Für den gläubigen Menschen, der in der Bibel Rat, Trost, Heilung und die Nähe Gottes sucht, bleibt sie ungeschmälert ein lebendiges Wort und ein Bereich des Heiligen. Für den Historiker, Sprachwissenschaftler, Philosophen und Theologen dagegen droht die Bibel zu einem historischen, unersetzbar wertvollen Dokument zu werden mit 2000 bis 5000 Jahre alten – und teils längst überwundenen - Denkstrukturen, und damit aber unvermeidlich auch zu ein Dokument von menschlichem Irrtum, menschlicher Naivität und Unwissenheit und wurde für manchen zu einem Beispiel von naiver Legendenbildung und Phantasie, die unseren heutigen Glauben mehr oder weniger belasten. Alle wissenschaftlichen Versuche z.B., vom Neuen Testament auf den historischen Jesus zu schließen, sind denn auch letztendlich fehlgeschlagen.

 

Den grundsätzlichen Unterschied der beiden Begegnungen mit der Bibel, die unterschiedliche Intention und Erwartung einerseits, und das entsprechende Ergebnis andererseits, kann man sich vielleicht an dem folgenden Vergleich zweier Verhältnisse verdeutlichen.

  1. Die persönliche Begegnung zweier Menschen, nehmen wir einmal das biblische Beispiel von Vater und Sohn oder von Mutter und Tochter, oder auch zwischen Eheleuten oder Freunden. Beide kennen einander wie sonst niemand in der Welt.

vergleichen wir dies mit dem

  1. Erkennen eines Menschen „X“ z.B. durch eine moderne Personalabteilung einer großen Firma, so finden wir bei dieser Personalabteilung Ärzte, die „X“ rein physiologisch und anatomisch besser kennen, als „X“ sich selbst kennt. Durch mehrere Tests kennt in der Personalabteilung z.B. der Psychologe, der Graphologe, der Fachbereichsvertreter der Firma den Aspiranten „X“ besser, als sonst jemand, und auch besser, als dieser sich selbst kennt, man hat durch die Tests in der Personalabteilung sehr genaue Informationen über den Körper, die Mentalität, über Charakter, Gesundheit, Intelligenz, Bildung, Kompetenz und Wissen, und zwar ohne, dass irgendjemand mit „X“ persönlich bekannt oder befreundet ist, vielleicht, ohne dass man ihn überhaupt persönlich gesehen hat.

Es gilt nun diesen Unterschied zu verstehen in dem, was gemeint ist, wenn Intention 1. zurecht sagen kann, niemand kennt den anderen besser, als der Vater den Sohn und umgekehrt, wie auch die Personalabteilung (nehmen wir an es sei eine ideal gute) zurecht sagen könnte, niemand kennt „X“ besser als wir, - obwohl keiner aus der Personalabteilung „X“ z.B. auf der Straße grüßen und nicht einmal erkennen würde. Man könnte das Beispiel so erweitern, dass z.B. Vater oder Sohn, Mutter oder Tochter die Person „X“ wäre.

Obwohl wir es in beiden Fällen mit menschlicher Erkenntnis höchster Qualität zu tun haben, müssten wir die beiden ganz unterschiedlichen Qualitäten nach ganz verschiedenen Kriterien beurteilen und auf unterschiedlichen Qualitätsskalen messen.

Womöglich hatte Martin Heidegger in „Sein und Zeit“ ursprünglich nur das Erkennen der ersten Art gemeint, wenn er Erkennen und Handeln gleichsetzte, nämlich als ein Verhalten oder als ein Verhältnis, wie es zwischen den genannten Beispielen Kinder – Eltern oder Freunde besteht, wobei auch das Sich-Kennen ein Verhalten ist, Heidegger spricht von „Umsicht“ und „Umsorgen“, während bei ihm das objektive und wissenschaftliche Erkennen der zweiten Art ein „Sichtenthalten“ voraussetzt, wodurch das Erkennen zu einem scheinbar passivem „bloßen Vernehmen des Vorhandenen“ wird, (womit er allerdings dann in unnötige Widersprüche gerät, wie es Gerold Prauss nachwies, wenn er weiter sagt: „Die moderne Wissenschaft ist als Theorie eine unheimlich eingreifende Bearbeitung des Wirklichen.“ [Prauss in „Erkennen und Handeln in Heideggers »Sein und Zeit«“]).

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Hiermit ergibt sich nun eine analoge Parallelität der zwei Arten von Bibelbewertung zu den zwei Arten von Wirklichkeitsauffassung gegenüber all den anderen Wissenschaften, eine Parallelität, die nur auf den ersten Blick wie an den Haaren herbeigezogen scheinen mag.

Wir können heute damit drei Arten von Christen, Gläubige oder Theologen (auch in anderen Religionen) unterscheiden, wie wir auch drei Arten von sog. aufgeklärten Menschen auch außerhalb der Kirchen und Religionen unterscheiden können, was sich miteinander vergleichen lässt.

(1)     Die jeweils persönliche Begegnung mit der Gegenwart der liebenden Allmacht und Allwissenheit Gottes lässt bis heute die kerygmatische Darstellung (Evangeliumsverkündung in der Frühgemeinde) Jesu ganz glaubwürdig und unproblematisch erscheinen. Die Gegenseite würde auch alle sog. Biblizisten und Fundamentalisten zu dieser ersten Gruppe zählen.

(2)     Die sog. „aufgeklärte“ Gegenseite, wie z.B. der einstige Spiegelherausgeber Rudolf Augstein (siehe www.jesus-und-kirche.de) (übrigens meine Webseite.), wie Feuerbach, Nietzsche, Karl Marx, Lenin usw. und auch viele sog. Theologen, sieht in der Bibel eher eine gerade durch den Glauben, d.h. durch den „Aberglauben“ verfälschte Wirklichkeitssicht und verfälschte – wenn nicht verlogene – Jesusdarstellung (Nietzsche: Das Christentum beginnt mit einer Lüge. Er meint damit die jungfräuliche Schwangerschaft Marias.) Derart aufgeklärte Theologen unterscheiden zwischen echten und unechten Jesusworten. Viele Theologiestudenten und Theologen verloren über die Aufklärung mit dieser kritischen Bibellektüre ihren Glauben an Gott. Sie wurden praktisch blind für Gott. Viele davon predigen weiter auf der Kanzel, aber sie vermeiden es, die „naive“ Frömmigkeit der immer weniger werdenden Kirchgänger zu verletzen bzw. zu beleidigen. Sie beleidigen dennoch in Gedanken. Für sie ist Frömmigkeit eine Lebenskrücke für Schwache, usw.. Manche treiben heute ganz ungeniert ihren Spott mit den Gläubigen und nutzen das Vertrauen für ihre eigenen finanziellen und politischen Ziele aus.

(3)     Die dritte ständig wachsende Gruppe kann beide Sichtweisen gut miteinander vereinbaren, wie Karl Barth, Bultmann, Jüngel und viele andere.

Wir sollten aber nicht ungerecht sein und nun alle Christen in diese drei Schubladen hineinsortieren.

Sicher hat jeder Mensch, wenn auch in unterschiedlicher Dosierung, von allem etwas. Und selbst der strengste Bibelchrist wird z.B. die verschiedenen Auferstehungsgeschichten – wie schon gesagt - kaum so verstehen, als sei Jesus als erster Raumfahrer irgendwo an Mond und Mars vorbei in den Himmel über den Wolken verschwunden und zugleich allgegenwärtig. Es kommt bei diesen Geschichten so wenig auf den physischen Vorgang an, dass wir in den vergangenen 2000 Jahren kaum einen Gedanken daran verschwendeten. Wir wissen alle, dass es sich bei der Darstellung von etwas Göttlichem immer – wie auch bei vielen Bezeichnungen im menschlichen Leben – um eine analog-bildliche Begrifflichkeit, Umschreibung oder Analogie handelt, wenn wir z.B. „eine Tatsache auf den Kopf stellen“ u.ä..

Eine entsprechende Einteilung können wir auch im außerreligiösen Bereich machen.

(1)           Wir treffen den naiven bis fundamentalistischen Empirismus, - auch  im Bewusstsein der Aufklärung und Wissenschaft -, wo immer der Mensch nur das für wirklich hält, was er mit den fünf Sinnen wahrnehmen, messen und so vor Zeugen beweisen kann, der dann auch umgekehrt die Wirklichkeit so annimmt, wie wir sie wahrnehmen. (Lenin) Hierzu gehört auch die moderne Neurologie, wo man glaubt, dass selbst die unsichtbaren Gedanken des Menschen auf physikalisch-chemische Vorgänge im Gehirn zurückgeführt werden können. Der große Philosoph Gerold Prauss nennt diese empiristische Haltung Dingverfallenheit.

(2)           Der Skeptiker dagegen glaubt, dass wir in einer eher virtuellen, eingebildeten Welt leben, dass wir von der Wirklichkeit, wie sie tatsächlich ist, nichts wissen können (I. Kant), wie es bereits der gute Sokrates erkannte. Solcher Agnostizismus kann ebenfalls üble Blüten treiben in dem Sinne, dass Wahrheit und Unwahrheit, Wahrhaftigkeit und Betrug keine Rolle mehr spielen. Im letzteren Sinne finden wir denn auch entsprechend eine regelrechte esoterische Unsitte, die zur Mode geworden ist und das naive Glaubensbedürfnis der Menschen ausnutzt, bei der man mit Hokuspokus, Astrologie, Psychoterror u.v.a. vertrauensselige Menschen dazu bringt, Geld, Freiheit und den gesunden Menschenverstand und auch ihren guten christlichen Glauben für windige Versprechen und Spekulationen zu opfern.

(3)           Auch hier gibt es Wissenschaftler und immer mehr gebildete Menschen, denen - wie Kant, Goethe, Einstein, Poper und viele andere - durchaus die Grenze und die Fragwürdigkeit empirischer Erkenntnis bewusst ist, die aber im Bereich des Erfahrbaren dennoch ihren fünf Sinnen vertrauen.

Auch hierbei sollten wir diese Einteilung nicht einfach wie Schubladen benutzen.

Denn auch dies ist eine fast sträfliche Vereinfachung und dürfte, ganz besonders als diese Parallelität, für jemand, der nie gebetet hat und nie tiefinnerlich einen Gottesdienst erlebt oder die Bibel derart gelesen hat, vollkommen unverständlich sein. Für eine allgemeinverständliche Darstellung, also auch für solche aufgeklärten Menschen, wie man sie heute oft in den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands findet, würden wohl drei dicke Bände darüber notwendig sein.

Ich will diese Schwierigkeit hier nur an dem Beispiel andeuten - und damit vielleicht verständlicher machen, - die z.B. in dem Unterschied besteht zwischen (a) einer Anrede von einer Person zu einer anderen Person und (b) der rein sachlichen Informationsweitergabe, wie sie von einer Sache zu einer anderen, z.B. von einem Komputer zu einem anderen stattfindet, bzw. wie eine Information von einem Blatt Papier auf ein anderes z.B. ein Photopapier übertragen werden kann. Bei (a) dürfte das gegenseitige Erkennen als Subjekt, als Person, als „Jemand“ im Normalfall wohl immer der eigentliche und wesentliche Vorgang einer Kommunikation sein, bei dem man gewöhnlich – oder eigentlich immer - zwischen Sinn, Bedeutung, Absicht, Wertung, Gewichtigkeit und Rhetorik einer Aussage unterscheidet. Sinn, Absicht und Wertung einer Aussage dürfte wohl meistens viel wichtiger und gewichtiger sein, als die weitergegebene rein informative eindimensionale Bedeutung, z.B. bei dem Gruß „Grüß Gott“. Das Gemeinte einer Aussage kann dabei durchaus dem Informativen widersprechen, z.B. „Ich will dich nie wiedersehen.“ kann bedeuten „Ich liebe dich und ich will dich heiraten.“.

Derart ist die Unterscheidung von (1), als dem kommunikativen Verhältnis zur Bibel oder zum Koran, bzw. über die Bibel und über den Koran zu Gott und (2) dem rein informativen, wissenschaftlichen Verständnis von Bibel und Koran zu verstehen, bzw. (1) dem empiristisch-wissenschaftlichen Verhältnis zur Welt (man hält für wirklich, was man sieht) und (2) dem skeptischen Verhältnis zum empiristischen Verständnis, d.h. zu dem, wie etwas bloß aussieht oder scheint.

 

Mein Problem, d.h. das Problem der gegenwärtigen Christenheit ist, und dies gilt es zu verstehen, dass sich die jeweiligen Positionen (1) und (2) gegenseitig in eine entgegengesetzte extreme Ecke treiben, teils zusammen mit Hass, Feindschaft, Ekel und Verachtung voreinander.

Die beiden Positionen (1) und (1) sind für alle Menschen, die z.B. in einem christlichen oder moslemischen Elternhaus aufwachsen und erzogen wurden, erst mal ganz normal. Man betet zu Gott, ohne daran zu denken, wie und von wo aus Gott meine Gedanken und meine Sprache wahrnehmen kann. Und Worte der Bibel oder des Koran werden wahrgenommen wie die sprechende Gegenwart, Antwort und Zuwendung Gottes selbst, ohne dass man sich über das rein logistische, technische „Wie“ Gedanken machen muß, sowenig, wie man sich solche Gedanken macht bei einer einfachen Unterhaltung z.B. mit den Eltern. (Wer einen kleinen Einblick in die tatsächlich hochkomplizierte und bis heute kaum entschlüsselte Struktur einer solchen einfachen Unterhaltung zwischen Menschen bekommen möchte, sollte einfach mal die Aufsätze des Mathematikers Gottlob Frege über die Sprache lesen.) Im Normalfall ist es für ein gegenseitiges Verständnis eigentlich ohne Belang, wie der Einzelne sich diesen Vorgang z.B. logisch oder rein technisch vorstellt.

Wer mal einer völlig fremden Sprache zugehört hat, wird sich sicher gewundert haben, wie dieses Gebrabbel einige Tausend Bedeutungen nach einer hochkomplizierten Grammatik geordnet darstellt.

Dergleichen ist es ganz normal, dass wir unsere Umwelt so (1) als wirklich annehmen, wie wir sie wahrnehmen. Ich nehme z.B. blaue Tinte und schreibe damit meine Gedanken auf ein weißes Papier, so dass ein anderer Mensch meine Gedanken wahrnehmen und erkennen kann. Und es ist normal und auch keineswegs naiv, wenn ich ein Gedicht oder wenn ich den herrlichen Geschmack eines Apfels genieße, den wunderschönen Sonnenuntergang, die Sternen- und Mondnacht oder die herrliche Landschaft im Thüringer Wald. Und es ist ganz normal und natürlich und keineswegs naiv, wenn ich all das als Schöpfung und als ein Geschenk Gottes genieße und für wirklich halte, wie es uns Paul Gerhardt singen lässt.

 

Nun sind aber auch die eher theologischen und wissenschaftlichen Positionen (2) und (2) ganz normal. Der Mensch ist nun mal keine Kuh, die nur ihr Gras abrupft und sich dann behaglich hinlegt, um in Ruhe das Gras wiederzukäuen und zu verdauen. Wir wissen, dass Gott durchaus das Licht und den Regenbogen mit allen Farben erschaffen hat. Wir wissen aber auch, dass es außerhalb des Menschen kein Licht, keinen Regenbogen und keine Farbe gibt. Außerhalb des Gehirns gibt es kein Hell und Dunkel, keine wunderschöne Landschaft, keinen Geschmack eines Apfels. Aber auch innerhalb der Schädeldecke ist es eher dunkel. Auch dort werden wir kaum eine wunderschöne Landschaft oder einen Sonnenuntergang finden und auch nicht den Geschmack des Apfels. Und auf jenem Blatt Papier, auf das ich mit blauer Tinte meinen Gedanken aufschrieb, sind keineswegs meine Gedanken irgendwie mit der Tinte festgeklebt, so dass sie beim Lesen dem Leser ins Auge springen. Dort springt nichts. Was der Leser tut, ist nicht mehr, als was er selbst denkt.

Und ich weiß natürlich, dass auch in der Bibel oder im Koran objektiv nur Druckerschwärze auf Papier verteilt zu finden ist, und nicht mal das, so dass ich mir alles weitere immer nur selbst zusammendenke und zusammendenken muß. Dies gilt natürlich auch für jede verbale Kommunikation.

Nun sagt z.B. Jesus nach Luk. 18,17: So ihr nicht das Reich Gottes annehmt wie ein Kind, so könnt ihr nicht hineinkommen.“ Und immer bin nur ich selbst es, der die Verteilung der Druckerschwärze auf Papier in dieser oder jener Weise interpretiert; und es sind weder die Gedanken von Jesus noch von Lukas noch von Gott auf jenem Papier. Wie aber soll ich wissen oder beweisen, was Gott oder Jesus oder Lukas oder Mohammed oder der Engel Gabriel damit gemeint hat? Was ist nun wahr und wirklich?

Wie der große Philosoph Descartes (1596-1650) zumindest ansatzweise als Fanal der sog. Aufklärung bereits im 17. Jahrhundert erkannte, sind die Gedanken eines Menschen das eigentlich oder vielleicht sogar das ausschließlich Wirkliche des Menschen. Dennoch wissen wir nicht annähernd, was ein Gedanke ist. Er hat weder Gewicht noch Ausdehnung, er ist mit „Energie“ erzeugte nur im zeitlich und räumlich ausdehnungslosen Punkt stattfindende Bewegung ohne Bewegtes, wie es Gerold Prauss wohl formulieren würde, - etwas Unvorstellbares. Denn alles andere ist nur Einbildung, bzw. ein Konstrukt menschlicher Erkenntnis, wozu auch das Gehirn und auch die Energie gehören, die zum Denken „notwendig“ sind, und wozu nach Kant dann auch solche logisch gefolgerte Notwendigkeit als eine der Kategorien unserer Erkenntnisstruktur gehört.

Aber genau in dieser Radikalität liegt letztendlich auch der Schlüssel für eine Versöhnung der Positionen (1) und (2).

Soweit ins Erkenntnistheoretische, wie ich hier die Position (2) umschrieben habe, geht leider (nicht nur) die moderne Theologie noch nicht. Die Skepsis oder gar die Angst vor solchem Schritt beruht möglicher Weise ganz vordergründig in zwei Schreckensbildern, dass wir zum einen dann so etwas wie ein schwarzes Loch als Ausgangspunkt all unseres Erkennens, Denkens, Glaubens und Fühlens annehmen müssten, das Noumena, das Unnennbare, und das könnte ja heißen, dass wir überhaupt nichts Verlässliches, sondern nur Menschliches in der Hand haben, das menschliche Konstrukt menschlicher Erkenntnis. Und das Menschliche – Allzumenschliche -  hatte nie ein sonderlich hohes Ansehen beim Menschen. Dies änderte sich durch Jesus.

Zum anderen könnte es heißen, dass sich auch die menschliche Freiheit als so etwas wie Einbildung und nur menschliche Hilfskonstruktion, nämlich als bloße Einsicht in Alternativen erweisen könnte.

Wenn I. Kant in den „Schriften zur Methaphysik und Logik“ geradezu höhnt:

Das erschlichene Axiom der ERSTEN Klasse ist: Alles, was ist, ist irgendwo und irgendwann. Durch diesen unechten Grundsatz aber wird alles Seiende, mag es auch intellektuell erkannt werden, an die Bedingungen des Raumes und der Zeit im Dasein gebunden. Daher machen sich leere Fragen nach den Örtern der unstofflichen Substanzen in der Körperwelt (von denen es doch aus eben dieser Ursache keine sinnliche Anschauung gibt, noch eine Vorstellung unter einer solchen Form), nach dem Sitz der Seele und nach anderem dieser Art breit, und da man das Sinnliche mit dem Intellektuellen, wie das Viereckige mit dem Runden, unschicklich vermischt, so trifft es sich meistens, daß einer der Streitenden den Bock zu melken, der andere ein Sieb unterzuhalten scheint.

 

Dies kann doch heißen, dass sich jeder bei der Lektüre der Bibel oder des Koran denken könne, was er wolle, oder als stünde in der Bibel oder im Koran nichts Verbindliches – „wo kämen wir dahin?!“. Und dies wäre in der Tat eine Katastrophe. Und vielleicht wird aus diesem Grunde sowohl Gottlob Frege als auch Gerold Prauss von den Theologen verschwiegen und wie die Pest vermieden, wie man einst den braven Kopernikus unterm Tisch hielt, Ferdel. Vielleicht liegt dies jedoch auch an der jeder Erkenntnis nachhinkenden Vorbildung unserer Theologen.

Die tragische Feindschaft, bzw. der Streit zwischen Bibelchristen und modernen Theologen und auch zwischen den Konfessionen und Religionen findet denn auch weit im Vorfeld statt, in dem, was der Mensch lesen, deuten und sich vorstellen kann, so dass sich jeweils beide Seiten gegenseitig in eine verbissen empirische Wirklichkeitsvorstellung hineindrängen, als stünde dort in der Bibel oder im Koran Schwarz auf Weiß, was „Sache“ ist und wie es gemeint ist. Nachdem sich beide Seiten in entgegengesetzte Argumentationsecken gedrängt haben, befinden sich beide Seiten in einer tatsächlich naiven empirischen Position, als könne man (1) anhand der Bibel beweisen, was Gott wolle oder nicht, oder (2) was Jesus gemeint habe und was nicht Jesus, sondern nur die Autoren der Evangelien und Briefe gesagt oder gemeint hätten, als sei Jesus z.B. nach der Auferstehung nach Galiläa oder aber nach Jerusalem „gegangen“.

Um mich hier aber nicht in ein derart real diskutiertes Thema einzumischen, für das mir Ausbildung und Kompetenz fehlt, will ich als Beispiel einen weniger kontrovers diskutierten, also einen nur möglichen Streitpunkt anführen, der zugleich aber die beiden unterschiedlichen Aspekte dieser Auseinandersetzung, die beide verstanden werden sollten, hervorhebt: Ist bzw. war damals, als die Schriften des Neuen Testamentes verfasst wurden, mit dem neuen Jerusalem bzw. mit dem neuen Israel der orthographische Ort des heutigen Jerusalems im heutigen Israel gemeint bzw. das damalige israelische Gebiet gemeint, oder ist bzw. war damit das glaubende Herz eines jeden Christen und Gläubigen gemeint, das nur von Gott selbst erkannt werden kann? (wie es auch Mohammed sagt)

Bibelchristen nehmen die Tatsache der Existenz des Neuen Testamentes als ein Geschenk Gottes, was es sicher auch ist, - es ist sicher kein Stein sondern für viele Millionen ein täglich Brot – , wie ein Kind regelmäßig die Hand der Mutter oder des Vaters sucht, um das Gefühl der Zugehörigkeit zu spüren,

Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir,

Denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für,

Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll mein Glaube ruhn,

mir geht’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort zu tun.

(Im 18. Jahrhundert schrieben Christian Gregor und Graf von Zinzendorf dies schöne Kirchenlied)

wobei das Kind in seinem Grundvertrauen nicht hinterfragt, was dabei abläuft an emotionalen und soziologischen Prozessen; dies gilt auch für das Verhältnis der Moslems zum Koran und gilt wohl auch für alle Religiösität aller Religionen. Analytisch gesehen geschieht dieses kindschaftliche Verhältnis zum eigenen Vater oder zur eigenen Mutter in gleicher Weise wie das menschliche Verhältnis zur jeweils „eigenen“ Sprache mit der selbstverständlichen Präsupposition der Alleingültigkeit, ganz besonders in den monotheistischen Religionen „Es gibt keinen anderen Gott als mein Gott“.

Die Philosophie, die Religionswissenschaften und im christlichen Bereich dann die Theologie mit der modernen Exegese und Textkritik sieht sich mit dem Verstand bestimmten Fragen gegenüber, die sich allein schon aus der Existenz und den Argumenten anderer Sprachen, anderer Religionen, anderer „Mütter“ und „Väter“ usw. ganz von selbst ergeben.

Ich möchte dieses sehr vereinfacht darstellen.

Spätestens seit dem Beginn der Globalisierung im 20. Jahrhundert, d.h. seit dem öffentlichen Bewusstsein, dass wir Menschen als gleiche Spezies gemeinsam verantwortlich auf unserem kleinen Planeten in einem Boot sitzen, wäre es kindisch, ohne Argumente und Rechtfertigung diese Präsupposition der Alleingültigkeit mit Gewalt und ohne logische Argumente auch für alle anderen Menschen aller anderen Kulturkreise durchzusetzen. Denn alle anderen würden oder müssten sogar das gleiche tun und zwar aus dem gleichen Grund.

Dieser gesellschaftliche Prozess der Globalisierung begann natürlich nicht erst im vergangenen Jahrhundert, sondern lange vor unserer Zeitrechnung, als verschiedene Kulturen, Sprachen und Gottvorstellungen mit ihrer jeweiligen Alleingültigkeitsstruktur aufeinander stießen. Immer geschah und geschieht diese Auseinandersetzung teils als Angebot und Wahrnehmung neuer Information, die dann wechselseitig Teil der eigenen Begrifflichkeit wurde, teils begegnet das andere jedoch auch als Infragestellung und Gefährdung der Alleingültigkeit des eigenen Glaubens.

Dabei geschah immer und geschieht auch heute nicht anders unvermeidlich, dass zumindest Teilweise bei dieser Auseinandersetzung der jeweilig eigene Glauben die Unschuld und die Gültigkeit jenes heilen und ungestörten Vertrauen der Zugehörigkeit und Kindschaft zur eigenen Alleingültigkeit der Religion – eben nicht nur der Sprache – behaupten will und muß, und dabei dem anderen und fremden Alleingültigkeitsanspruch mit gedanklichem und strategischem Verhalten begegnet. Und das führte immer und führt auch heute erst mal dazu, dass sich jenes Eigene an Alleingültigkeit auf die eigene Erkenntnis von Gott vom Glauben auf die Erkenntnis und auf bestimmte Formulierungen und Strategien verlagert, was dann praktisch und strategisch zu einer Dogmatisierung und zum Alleingültigkeitsanspruch eben der jeweils eigenen eben menschlichen Vorstellung führt.

Man könnte dieses als Konfessionspatriotismus oder als Religionspatriotismus bezeichnen.

Die Literatur der heiligen Schriften zeigt uns, wie archaisch und unreflektiert die frühen Vorstellungen und Strategien strukturiert waren, so als könne das gleiche Verhalten der Gegenseite keineswegs verständlich und berechtigt sondern nur böse sein. Man kann selbst die Apokalypse des Johannes derart verstehen, als würden am Ende aller Tage alle Nichtchristen in einem gräulichen Massenmord blutig niedergemacht.

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Natürlich wissen und reflektieren wir heute, dass ein Christ im Abendland eben deswegen Christ ist und sein Christentum deswegen als einzig richtig und alleingültig vertritt und verteidigt, weil er dort geboren wurde, genauso wie ein Moslem eben Moslem ist, und den Islam deswegen als richtig und alleingültig vertritt und verteidigt, weil er im Iran, Irak oder Ägypten geboren wurde. Und mit der Einsicht, dass es nun in der Tat kindisch wäre und keineswegs gerecht und Gottes Wille sein kann, dem einzelnen Menschen die Verantwortung dafür aufzuladen, wo er geboren und erzogen wurde, stellt sich unvermeidlich diese Präsupposition der Alleingültigkeit des eigenen Glaubens infrage.

Als jüngster Weltreligion liegt denn auch diese Einsicht schon dem Koran zugrunde, - wenn auch recht zaghaft als bloße Tolerierung anderer Schriftreligionen.

Vor einer solchen emanzipierten Reflexion und meist gegen eine solche Einsicht durchgeht wohl jeder religiöse Mensch zunächst mal den Zustand der apodiktischen Dogmatisierung des Althergebrachten, der Tradition und Gewohnheit, wobei kaum bewusst wird, dass genau dadurch der Glaube durch Vorsatz, Verbissenheit und durch die rhetorische Rechtfertigung des eigenen Glaubens, das heißt aber, der eigenen Gültigkeit, abgelöst wird. Man spürt dabei noch nicht so sehr, jedenfalls nicht schmerzhaft, dass man damit bereits die unbefangene Unschuld eines Paradieses längst verlassen hat.

Zu dieser Vorstufe emanzipierter Erkenntnis gehört auch die allzu bekannte unschöne Erscheinung, dass derart Gleichgelagerte gemeinsam und oft auch mit Gewalt und anderen gesellschaftlichen Instrumenten die entsprechende Allgemeingültigkeit solcher Alleingültigkeit befehlen oder erzwingen wollen. Dies kann bis zur Proklamation eines – dennoch menschgemachten - Gottesstaates gehen.

Der erste Schritt über dieses bloße Verhalten hinaus muß aber die Einsicht sein, dass dabei das, womit man den Glauben verteidigt, bereits zu dem geworden ist, was man verteidigt, nämlich sich selbst und die allzumenschliche, die eigene Dogmatik, die unmenschliche Tyrannei, sei es an Frau und Kindern, sei es an der Bevölkerung, und dass damit nicht der wahre Glaube vermittelt wird.

 

Dieser eigentliche Schritt der Reflexion über das derart unkritische Verhältnis zur Bibel, zum Koran oder zu anderen Heiligen Schriften erfordert denn auch zunächst einmal Wahrhaftigkeit und Redlichkeit und auch ein politisches Bewusstsein und Achtung vor dem anderen Menschen, darüber hinaus aber auch eine bestimmte Fähigkeit und Kondition zum sorgfältigen analytischen Denken. Meist fand und findet dieser Reflexionsschritt deshalb zuerst auch im Rahmen und im Bereich der Forschung und Wissenschaft jeder Theologie statt. Dennoch bedeutet dies wohl immer auch das schmerzhafte bis verzweifelte Gefühl, ohnmächtig ins Bodenlose zu fallen und Gott verloren und verlassen zu haben.

Das Menschliche jeder Religion stellt sich wie eine unüberwindliche Mauer zwischen Gott und dem Menschen. Bei der Suche nach Gott prallt man am Menschlichen ab.

Als habe man Gott selbst verlassen, so steht man da in den Augen derer, die man in ihrem einfachen Glauben zurück lässt. Erinnert sei hier an Spinoza, wie er zusätzlich noch ausgestoßen wurde, an David Friedrich Strauß, der daraufhin auch alle seine Ämter verlor, und in den vergangenen Jahrhunderten so viele, die Verfolgung und Tod erleiden mussten.

 

Und wie gesagt, ich habe erleben müssen, wie in unserer Zeit Studenten und viele einst normale einst dogmatisch-bibeltreue Christen mit der Einsicht des Menschgemachten all dessen, was von ihnen vorher dogmatisch vertreten wurde, den Glauben aufgaben, den sonntäglichen Kirchgang, das Tisch- und Nachtgebet, in ähnlicher Weise, wie ein jeder Mensch heute den Glauben an den Weihnachtsmann und den Osterhasen als kindisch aufgibt. Und auch Selbstmord mußte ich erleben.

Obwohl man mit einigem Recht durchaus auch verschiedene Epochen der abendländischen Geschichte als solche Etappen der Erkenntnis interpretieren könnte, wodurch sich auch bestimmte sog. Massensymptome und neue Sekten- und Kirchengründungen erklären oder verstehen lassen, so kann dieser eigentliche Schritt nur als die tägliche Erkenntnis und als ein neues Verhältnis zu Gott, bzw. als die Notwendigkeit eines neuen Verhältnisses zu Gott letztlich immer nur in oder an einem Individuum stattfinden – aber gleicher weise auch die Not und Verzweiflung darüber, wenn man oder solange man in dem Bewusstsein lebt, nicht nur die Bibel und eine Gemeinschaft und Kirche, sondern damit auch Gott verlassen oder verloren zu haben.

Und gerade angesichts der neuen großen Gemeinschaft von Menschen, zu denen man jetzt gehört, die schon immer aufgeklärt das ganze Christentum für einen großen Humbug und für Volksverdummung und die Kirche für eine opportunistische, korrupte und geldgierige Krake gehalten haben, die ohne Gott dahinleben, und die „ehrlich vor sich selbst“ wissen und akzeptieren, dass mit dem Tod alles vorbei ist – und was sonst alles an weltanschaulicher Konsequenz dazugehört, angesichts dessen fühlt man sich nun von der Bibel und von der einstigen Gemeinschaft und von allen gläubigen Lehrern betrogen, - auch oder gerade von Pfarrern, Religionslehrern und Theologen wie Sören Kierkegaard, die „all dies“, nämlich die Unhaltbarkeit biblischer Aussagen längst wussten, auch wenn letzterer tröstend seinen Glauben verteidigt: »Selbst wenn die gleichzeitige Generation (Jesu) nichts anderes als diese Worte hinterlassen hätte: „Wir haben geglaubt, daß der Gott im Jahre soundso sich in der Gestalt eines geringen Knechts gezeigt hat, unter uns gelebt und gelehrt hat und darauf gestorben ist“, das wäre mehr als genug.«( PHILOSOPHISCHE BROCKEN, V § 2.) Denn auch das wäre Irrglaube oder gelogen. Denn weder Jesus selbst noch seine Jünger haben das Menschsein Jesu bezweifelt oder bestritten. Jesus hätte niemals gedacht oder behauptet „Ich bin Gott.“, wie es jedoch gerade in dem am meisten geliebten Johannesevangelium durchgehend behauptet wird, so als hätte Jesus sein Menschsein nur geschauspielt.

 

Verständlich ist es denn auch, wenn nach einer solchen radikalen Bauchlandung gerade eines Theologen, der einst mit tiefster Frömmigkeit und Wahrhaftigkeit ins Theologiestudium gegangen ist, wenn er die Bauchlandung denn überlebt, die Verzweiflung umschlägt in eine entsprechend wahrheitsbesessene Bibel- und Kirchenkritik, die sich dann auch durchgehend und fast mit Hass zuerst gegen das Johannesevangelium richtet, sei es, dass man es einfach als nicht authentisch und reine Dichtung oder Legende ablehnt, oder sei es, dass man es als Beweis anführt für die psychopathologische Veranlagung Jesu, dessen Verhalten und Lehre nur Produkt seiner Halluzinationen, seines Größenwahns und seiner Paranoia gewesen sei. (Siehe David Friedrich Strauß, Walter E. Bundy, Binet-Sanglé, Hirsch und viele andere.)

 

Ich habe noch keine ausführlichere biographische Beschreibung einer solchen Bauchlandung gelesen, als in dieser skizzierten Vereinfachung. Ich selbst kenne jedoch in der Situation, dass ich versucht war, die Bibel, das kostbarste Stück in meiner Wohnung, in die Ecke zu schmeißen: als Irrglaube, Legende oder Lüge.

Und es wäre keine Lüge, wenn ich weitererzählen würde, dass nun tausend Engel erschienen und mich freundlich wie einen leicht Erkrankten umsorgten, dass ich lernte, über einen Sumpf zu wandeln, wobei immer der hintere Fuß zu versinken anfing, wenn ich ihn beim Vorwärtsgehen ohnehin anheben musste, - nur dass ich nicht stehen bleiben durfte. Ich bekam damals das „RGG III“ geschenkt, „Religion in Geschichte und Gegenwart III“, das ich jedem als Begleitwerk zur Bibellektüre und Zeitung nur empfehlen kann, (es ist heute preisgünstig als CD erhältlich) in dem kaum übertreffbar mit höchster wissenschaftlicher Sorgfalt von den besten Köpfen der Zeit in sechs dicken Bänden der damals (bis 1965) neuste Stand theologischer, historischer, christologischer und philosophischer Forschung zu allen religionsbezogenen Begriffen samt allen noch offenen Fragen dargelegt sind. Und ich konnte erst dann auch klar erkennen, an welchen Hindernissen alle Forschung noch immer scheitert und ohne Antwort ist.

Und entsprechend ist es auch gerade das Menschliche des Johannesevangelium, das an so vielen Stellen deutlich macht, dass der jeweilige Schreiber, für den die Jesusberichte bereits zur Begrifflichkeit des Denkens gehörte, so wie ich eben von tausend Engeln sprach, dass der Evangelist von den Vieren ganz sicher die tiefsten eigenen Glaubenserfahrungen mit Gottes Gegenwart hatte, was trotz späterer Bearbeitung, durch alle seine Worte hindurchschimmert und einem damit genau diese menschliche Glaubenserfahrung glaubhaft macht und kerygmatische Offenheit und einem vor allen Dingen Mündigkeit für den eigenen Glauben an und gegenüber Gott vermitteln kann.

Offensichtlich stemmt sich damit der Verfasser fast brachial und fast penetrant gegen das Aufkommen einer anderen Begrifflichkeit und Deutung durch die Gnostiker und Neuplatoniker, die oft mit christlichen Worten, Bildern und Jesusgeschichten das Nichtmenschliche der menschlichen Seele als verirrten göttlichen Funken und geradezu das Teuflische, Unwerte und Hässliche des Menschen als etwas Nichtgöttliches und Missratenes behaupteten.

Und Johannes tut damit praktisch und tatsächlich das Gegenteil von dem, was sein Evangelium in heutiger aufgeklärter Auffassung zu tun scheint, wenn man nur vordergründig auf die Geschichtlichkeit oder auf die naturalistische bzw. gegenständliche Abbildung seiner Darstellung also der Begriffe achtet. Er macht die Menschlichkeit des Göttlichen und damit das Göttliche, Kompetente und wertvolle Jesu und des Menschen deutlich und nachvollziehbar, wie es die Fußwaschung lehrt. Er zeichnet mit seinem Jesusbild den vollendeten Christen oder das vollendete Christsein. (Bibelstellen aus Johannes mein Kreuz auf sich)

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Der nun folgende Schluß soll deutlich machen, daß dies Menschliche am Menschen, das Menschliche an der Bibel oder am Koran, das Menschliche an der Kirche, das Menschliche an den Konventionen, an der sinnlichen Wahrnehmung, - eben keinesfalls nur als das Negative gesehen werden muß.

Ich habe Weihnachten 2003 als Protestant in einem katholischen Vespergottesdienst am Abendmahl teilnehmen dürfen, und zwar mit Brot und Wein! Und ich wurde von vielen Leuten am Ende vor der Kirchentür sehr freundlich gefragt, woher ich käme. Es war ein glückliches Gefühl der Gemeinschaft.

Bei der der typischen USA-Paraden in Minnesota, auf der sich alle Schulen, Organisationen, Vereine usw. mit prachtvollen Uniformen mit viel Tanz und Musik vorstellten, ging ganz am Ende ein etwa 16jähriges Mädchen mit einem T-shirt, und sie rief den Leuten zu:"Ich liebe Jesus." und man antwortete "Ich ebenso!". Ein glückliches Mädchen.

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Zu den Angst- oder Sperrbereichen moderner Theologie gehört, daß sie neben den tausend wertvollen Aspekten und Beiträgen genau diese Funktion des Begriffs für unser Denken und das unserer Väter, die ja keine Idioten waren, nicht verstehen wollen oder können.

Mir fielen damals „zufällig“, beides in Taschenbuchausgabe, die „Einführung in die Erkenntnistheorie“ von Gerold Prauss und einige Schriften des islamischen Theologen und Philosophen Ibn Rushd, (1126 – 1198) in die Hände, wobei mir Prauss in seinem Kompetenzanspruch – an Menschenkenntnis auf 3000 Jahre Philosophie aufbauend – wie die Fortsetzung der Paulusbriefe erschien und wobei mir Ibn Rushd, genannt Averröes, eher wie ein Arzt für meinen – aber schon tausend Jahre bekannten - privattheologischen Schnupfen auf mich wirkte. Averröes versucht – wenn auch unangenehm elitär für den geschulten Theologen, den einfachen Glauben mit einem eingeforderten reflektierten Glauben zu versöhnen. Wie dagegen der Schreiber des 1000 Jahre älteren Johannesevangeliums versucht, dem einfachen Menschen seiner Zeit, ein reflektierteres Verhältnis zur Glaubensgewissheit einzuüben, und zwar deutlich gegen die spekulative Begrifflichkeit der damals sich verbreitenden und als „höhere“ dogmatisierte und den Menschen wieder entmündigende lernbare „Weisheit“ und „Einsicht“ der gnostischen Irrlehre und Bewegung gerichtet, die den Glauben als etwas Nichtmenschliches und die den Menschen als etwas Nichtgöttliches bis Gottfeindliches darstellte.

 

Was hat es nun aber für eine Bewandtnis mit der Begrifflichkeit für die menschliche Erkenntnis, für das menschliche Bewusstsein und unseren Glauben, wie ich sie einfordere?

Dies ist in der Tat nicht nur etwas kompliziert, sondern kann auch nicht einfach gelernt werden, wie z.b. den pythagoreischen Lehrsatz, man muß dieses als eigenen Reflexionsschritt selbst denken oder tun. Man muß einen gewohnten Trampelpfad verlassen. Es ist ein Reflexionsschritt über Descartes und Kant hinaus, was Gerold Prauss als die eigentliche noch zu vollziehende Aufklärung einfordert und auch zumutet.

Der Mathematiker Gottlob Frege (1848 in Wismar gest. 26. 7. 1925 in Bad Kleinen) hat dazu mit seiner Unterscheidung einmal von „Sinn und Bedeutung“ einer Aussage und zum anderen von „Begriff und Bezeichnung (Namen)“ wohl die entscheidende Vorarbeit geleistet.

Wie es der Verfasser des Johannesevangelium fast penetrant einzuüben versucht, muß man lernen, durch den Fordergrund einer Aussage als Erkenntnis, z.B. der sprachlichen Aussage, auf die reine eigentliche Bedeutung zu blicken. Wenn Gerold Prauss dann als Wirklichkeitskriterium das Urteil „tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch“ voraussetzt, gehört dazu im normalen Alltag immer auch die sprachliche Bezeichnung eines Begriffs, was in der normalen unreflektierten Alltagssprache mit der Bedeutung gleichgesetzt wird, die natürlich nichts empirisch Gegenständliches ist, sondern nur gedacht werden kann, sonst müsste z.B. bei der Feststellung „Dies ist ein Tisch.“ so etwas wie (nach Plato) ein idealer Tisch im Gehirn oder zwischen Menschen, die sich darüber unterhalten, herum- und hin-und her fliegen. (das gäbe blaue Flecken)

Ich habe indirekt die Folge solcher üblichen Gleichsetzung von Begriff und Begriffsbezeichnung in diesem Forum „Glaube und Philosophie“ mit schönen (wie ich meine), wenn auch sehr vereinfachenden Worten, bereits ausgeführt:

Worte für sich allein besagen noch nichts, wenn man nicht weiß, was damit gemeint ist, - weswegen der gute Kierkegaard drumherum noch einige Bücher schreiben mußte.

Was eine feste Form im gesellschaftlichen Miteinander positiv bedeutet, hat Kierkegaard leider weniger untersucht. Tatsache ist, daß z.B. die feste Form des Wortes "Tisch" als Bezeichnung des Begriffs „ein Tisch“ in der deutschen Sprache als Bezeichnung für ein bestimmtes Möbelstück die Voraussetzung dafür ist, daß man innerhalb der deutschsprechenden Gegend versteht, was gemeint ist, wenn jemand dies Wort benutzt. Und wenn ein zweijähriges Kind für dieses Möbelstück die Bezeichnung "Stuhl" benutzen möchte, wird dies Kind aus gutem Grund von der Umwelt unter Druck gesetzt, praktisch indoktriniert, korrigiert bis es nachgibt und sich der allgemeinen Konvention angepaßt hat. Dies arme Kind würde, wenn es für alle Bedeutungen eigene Worte benutzen würde, nirgendwo verstanden werden und z.B. in der Schule Schwierigkeiten bekommen und nie studieren dürfen.

Dennoch sollten wir uns bewußt sein, Achtung!, das ist jetzt wichtig!!!! daß die Form des Wortes "Tisch" als Bezeichnung für den Begriff einer bestimmte Art Möbel nur deswegen richtig ist, weil alle dies für richtig halten, eine Konvention, sagt man. Ohne solche Konvention wäre Sprache nicht möglich.

Aber ohne Zweifel ist das Richtigkeitskriterium für diese Form als Bezeichnung des Begriffs "Tisch", das einer Hammelherde, eines Trampelpfades: Alle machen es, weil alle es machen oder benutzen; und die Kinder werden mehr oder weniger gezwungen, mitzumachen.

Nach diesem recht zweifelhaften Richtigkeitsprinzip der Hammelherde und des Trampelpfades funktionieren nicht nur alle Sprachen, ein unverzichtbares Geschenk, nicht nur die zigtausend Konventionen und Werte, von denen heute viel die Rede ist, sondern nach diesem Prinzip einer natürlichen menschlichen Veranlagung urteilen wir leider auch zu oft, wenn es um Fragen der Religion und des Glaubens geht. Und dies führt unreflektiert und deswegen dann unbewusst zu einer Haltung, die einen Verstoß gegen Konventionen bereits als Verstoß gegen die Religion und den Glauben einstuft.

Aber man muß einen Trampelpfad als Wahrheitskriterium eben auch verlassen können, um sehen zu können, um was es sich z.b. bei diesem Richtigkeitskriterium handelt.

Es handelt sich dabei keinesfalls um Wahrheit! Übereinstimmung mit und Zustimmung von Menschen bzw. Konvention kann nicht das höchste Wahrheitskriterium sein.

Diese Einsicht vertreten und fordern übrigens alle großen Philosophen.

Und wir finden dies an vielen Stellen im NT. Eph 6,6, Kol. 3,22

Würden z.b. alle Menschen die Summe von 2+2 als fünf ansehen, würde der Unsinn dadurch nicht wahr. Alle vernünftigen Leute würden sich dann mit der Zeit bei dem Wort „Fünf“ „= 4“ denken. Würden alle Menschen glauben, dass sich die Sonne um die Erde dreht, wäre solcher Glaube eben Unsinn, - trotz konventioneller Sorgfalt.

 

Das Dilemma der heutigen Theologie im Verhältnis zu den empirischen Wissenschaften im Vergleich mit dem der kerygmatischen zur gnostischen Theologie wäre nur derart verstanden natürlich sehr vereinfacht. Wissenschaftlich gesehen besteht der Mensch aus ein paar Eimern Wasser und ein paar Kilo Chemikalien, die nach dem Prinzip seiner Genstruktur molekular zueinander angeordnet sind.

Aber jeder vernünftige Mensch weiß natürlich, dass ein menschlicher Gedanke, also das Eigentliche des Menschen, nicht aus Wasser und anderen Molekülen besteht, und dass es sich auch bei der empirischen Auffassung vom Menschen nicht anders um Gedanken und nicht um richtige Menschen handelt.

Und hier liegt die Parallelität heutigen Glaubens zum kerygmatischen im Verhältnis zur damaligen Gnostik, dass man also den Menschen einerseits nur als molekulare und tierische und eigentlich unwerte sterbliche Hülle, als eine zufällig entstandene Zusammensetzung aus ein paar Eimern Wasser und ein paar Kilo Chemikalien versteht.

Gerade wenn wir von Wasser und Chemikalien oder Moleküle sprechen, handelt es sich nicht um richtiges Wasser und Moleküle, wie wir es in der sog. Dingverfallenheit“ (Prauss) unserer wissenschaftlichen Aufklärung annehmen, sondern um Erkenntnis der Außenwelt, wobei wir gerade so etwas wie menschliches Denken und erst recht, wenn wir von Geist und Seele sprechen, dieses völlig zu unrecht grundsätzlich vom Leib und empirischem Körper unterscheiden, dem wir freie Entscheidungsmöglichkeit und Verantwortung zumuten.

Hier gilt es, den verführerischen empiristischen Trampelpfad zu verlassen, eben auch für die Theologie, ohne dass man damit den Glauben und die Kirche verrät oder verläßt.

 

 

Man sieht mit solcher Einsicht zuerst die Fehler der anderen und den Verständnisweg der anderen; Konvention Kopftuch, Elephant usw.

Im Rausche der Angst, der Rache, des Hasses, der Sexualität, der Habgier lenkt und formt unser Verstand alle Werte um im Sinne der Begierden.

 

 

 

Deismus

 

(vom lat. deus, Gott). Der Terminus (bis ins 18.Jh. austauschbar mit  Theismus) taucht zuerst bei Viret (Genf 1564) auf, der mit Abscheu von Leuten redet, die sich Déiste nennen, um hervorzuheben, daß sie im Unterschied zu Atheisten ( Atheismus) an Gott glauben, obwohl sie von Christus und seiner Lehre nichts halten. Es gibt einige Schriftsteller, die sich explizit zum D. bekennen (z.B. Blount und Tindal), aber wegen des negativen Beiklanges, den D. durch seine orth. Gegner erhielt, vermeiden viele D. als Selbstbezeichnung. Später wird D. immer mehr zu einer philos. Position, die die Existenz eines Schöpfergottes ( Gotteslehre), der sich allerdings weiterer Eingriffe in  Natur und Geschichte enthalte, vertritt (vgl. Uhrmacherbild). Dennoch reicht diese Charakterisierung nicht aus, um die wichtigsten Ansichten verschiedener Schriftsteller zu beschreiben, die vor allem im 17. und 18.Jh. unter dem Eindruck des Aufbruchs im naturwiss. und philos. Denken, inmitten heftiger religiöser Kontroversen, nach rationalen Grundlagen des Glaubens suchten. Ihren Höhepunkt hatte die Bewegung in England am Ende des 17. und in der ersten Hälfte des 18.Jh.s (Ch. Blount, A. Collins, Th. Woolston und M. Tindal, und bes. in den Polemiken um John Tolands Christianity not Mysterious, 1696); von dort reichte ihr Einfluß nach Frankreich (Voltaire), Deutschland (Reimarus) und die Vereinigten Staaten (Thomas Paine). Durch die radikale Kritik David Humes und Kants ( Kantianismus) ihrer wichtigsten Voraussetzungen (die natürliche  Religion und die Möglichkeiten der theoretischen  Vernunft) beraubt, geht sie schließlich im 19.Jh. ihrem Ende zu.

    Es hat sich als fast unmöglich erwiesen, eine Definition des D. zu geben, die für alle seine Vertreter zutrifft. Edward, Lord Herben of Cherbury, der als der Vater des engl. D. betrachtet wird, meinte in De Veritate (1624) fünf Maßstäbe gefunden zu haben, um Wahres und Falsches in der Religion zu unterscheiden. Zu diesen Grundwahrheiten, die von allen »normalen« Menschen geteilt würden, zählt er: 1. Das Dasein eines höchsten Gottes, 2. die Pflicht zur Verehrung Gottes, 3. die moralische  Tugend als wichtigster Teil der religiösen Praxis, 4. die Möglichkeit, begangene  Sünde durch Reue zu sühnen, 5. Belohnung und  Strafe in einem künftigen Leben. Diese Zusammenfassung kann jedoch nicht als ein gemeinsames Credo für alle Deisten dienen. Was die meisten von ihnen verbindet, ist das Vertrauen in die Vernunft als zureichendes Instrument zur Lösung religiöser Fragen. Gegenüber den hist. Erscheinungen der Religion haben die Deisten sich sehr kritisch verhalten: sie richteten scharfe Angriffe gegen allen  Aberglauben und nicht von der Vernunft überprüfbare  Offenbarung, gegen kirchl.  Autorität und  Priestertum, gegen Intoleranz ( Toleranz) und religiöse Verfolgung. Positiv versuchten sie eine natürliche Religion zu konstruieren, die von allem Aberglauben gereinigt und für alle vernünftig denkenden Menschen einsichtig ist. Diese diente dazu, das Christentum zu überprüfen und zur ursprünglichen Religion Christi zurückzuführen, oder aber es ganz und gar zu ersetzen. Entscheidend war dabei die Annahme einer autonomen, von Offenbarung unabhängigen Moral ( Ethik), die allen Menschen gemein ist und die zum Instrument einer zuweilen (z.B. bei Voltaire) vehementen Bibelkritik wird.

 

 Lit.: Stephen, L.: A History of English Thought in the 18th Century, 2 vols., London 1876 (Paperback New York 1963) - Scholz, H.: Zur ältesten Begriffsgeschichte v. D. u. Pantheismus, PrJ 142, Berlin 1910, S. 318ff - Troeltsch, E.: Der D., GS IV, Tübingen 1925, S. 429-487 - Lechler, G.V.: Geschichte d. engl. D. Mit einem Vorwort u. bibliographischen Hinweisen v. G. Gawlik, Hildesheim 1965 (Reprographischer Nachdr. d. Ausg. Stuttgart/Tübingen 1841) - Gay, P.: Deism. An Anthology, Princeton/N.J. 1968 - Gawlick, G.: Der D. als Grundzug d. Religionsphilosophie d. Aufklärung, in: Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), Göttingen 1973 - Reventlow, H. Graf: Bibelautorität u. Geist d. Moderne, Göttingen 1980 - Sullivan, R.E.: John Toland and the Deist Controversy, Cambridge/Mass. 1982.

 

 Ruurd Veldhuis

 

[Kirchenlexikon: Deismus, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 98: Evangelisches Kirchenlexikon, S. 2032 (vgl. EKL Bd. 1/2, S. 795 ff.)]