III. Über die Bedeutung der Auferstehung Christi
als Gegenstand des Glaubens an ihn in der
Lebenspraxis gläubiger Christen
(aus Ulrich Wilckens „Hoffnung gegen den Tod“
S.56-100, Hänssler,
1997.
ISBN 3-7751-2735-6 )
Es gibt heute einen breiten Trend religiösen Suchens im Bereich sogenannter Esoterik. Unter diesem Sammelnamen werden viele verschiedene Richtungen bzw. Suchvorgänge zusammengefaßt. Doch gibt es übereinstimmende Grundmotive. Dazu gehören einerseits eine pauschale, hochemotionale traditions- und autoritätskriti-
sehe Reserve gegen kirchlich geprägtes Christentum und gegen jederart dogmatische Verbindlichkeit biblischkirchlicher Glaubenslehre sowie andererseits eine starke Neigung, die Bedeutung alles Religiösen auf den >je-mei-nigen< Binnenraum des einzelnen Menschen zu konzentrieren. Das Buch von Lüdemann paßt genau in diesen Trend. Mit seiner radikalen historischen Kritik des neute-stamentlichen Osterzeugnisses will er die Tür öffnen für eine neue Form liberaler Christlichkeit. Es geht darum, im je eigenen Herzen mit Gott eins zu sein, so wie Jesus es war (S. 221); und solche verinnerlichte Glaubensweise könne das Wissen in sich ausbilden, daß die hier und jetzt erfahrene Gottes-Innigkeit auch über den Tod hinaus Bestand habe, so wie Jesus es »noch in der Nacht des Todes« gewußt habe (S. 227).
Der Gott, von dem in diesen und ähnlichen verschwommenen Sätzen des Schlußteils bei Lüdemann die Rede ist, ist allerdings grundverschieden von dem Gott, dessen Herrschaft und Reich Jesus verkündigt und an den die Urchristenheit geglaubt hat: der Gott, der in Schöpfung und Geschichte »spricht, und es geschieht« (Ps 33,9 vgl. Jes 55,10 f.); der Gott, der Jesus, den Gekreuzigten, aus dem Tode auferweckt hat. Und »der Mensch Jesus«, von dem Lüdemann meint, er sei »die einzige objektive Macht, die den immerwährenden Grund der Erlebnisse (!) eines Christen darstellt« (S. 219), ist nicht der Jesus, den von Petrus bis Paulus die urchristlichen Zeugen gesehen haben und verkündigen: der Auferstandene, in dessen Geschichte einschließlich seiner Auferwek-kung sich Gott als der erwiesen hat, dessen endzeitliches Reich Jesus als »nahe herbeigekommen« verkündigt hat. In diesem Herrlichkeits-Licht der Auferstehung hat die
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Urchristenheit die ganze Geschichte Jesu gesehen. Wer immer an Jesus glaubte, glaubte an diesen >Herrn<, der als Träger dieses Gottesnamens mit Gott eins ist, weil Gott ihn in seiner Auferweckung zu sich erhoben hat - nicht weil er sich als Mensch bis in den Tod hinein mit Gott eins erlebt und solches innere Erleben seinen Jüngern mitgeteilt hätte.
Doch eben dieser verinnerlichte Gott dürfte für Menschen der esoterischen Strömung unserer Gegenwart durchaus sympathisch sein. Und ein >historischer< (das heißt: in kritischer Exegese rekonstruierter!) Jesus, von allen Ketten und Gefängnismauern kirchlich- bevormundendem Dogmatik befreit,"mag als großes Idealbild ewigkeitsträchtiger Gottesgewißheit im innersten Herzen sogar attraktiv sein können für heutige Leute, die religiöse Menschen sein oder werden möchten, ganz aus sich selbst heraus und in ihrem eigenen Herzen und Verstand. Aus ihrem Aspekt heraus schlägt als entscheidende Frage an kirchliches Christentum, das im Glauben der Urchristenheit die verbindliche Norm alles christlichen Glaubens weiß und vertritt, zurück: Was in aller Welt soll denn dieser antike, jüdisch-urchristliche Komplex Auferstehung Christi< für meinen schlichten Glauben und mein Eeben und das Zusammenleben heutiger Christen in heutiger Welt eigentlich >leisten<? Warum sollte es für meinen Glauben und für mein christliches Leben heute notwendig sein, sich auf das zu gründen, was die Christen der urchristlichen Vergangenheit als die Auferstehung Christi erfahren zu haben behaupten? Warum sollten wir uns der unseligen Mühe unterziehen müssen, jene uns heute doch fremde Vorstellungs- und Erfahrungswelt der ältesten Christen verständlich und zugänglich zu ma-
chen? Warum sollte es nicht genügen, uns mit dem zu begnügen, was wir an eigenen religiösen Erlebnissen und Praxisweisen haben oder erlernen können und in den biblischen Texten, wenn es gut geht, irgendwie wiederfinden können?
Die Antwort führt uns zum Ausgangspunkt der Ausführungen zurück. Solange es allein unsere je eigenen religiösen Gefühle in uns selbst sind, die uns die Gewißheit geben sollen, daß der Gott, den wir fühlen, wirklich Gott ist und nicht ein ideales Spiegelbild unserer selbst, solange sind wir, mit dem Apostel zu sprechen, »die elendesten von allen Menschen« (1. Kor 15,19). Denn das würde ja bedeuten: Letztlich wäre es ich selbst, der in mir Gott zum Leben zu bringen und am Leben zu erhalten hätte, sogar über das Ende meines Lebens hinaus. Ich wäre, biblisch ausgedrückt, auch eigentlich mein eigener Erretter, wenn es denn überhaupt so etwas wie Errettung geben sollte; und sollte es so etwas im Ernste nicht geben, dann müßte ich mir selbst gut zureden, müßte mir irgendwie selbst den Mut erschwingen, meinem Leben, rettungslos wie es denn im Grunde wohl ist, doch irgendwie einen positiven Sinn zu geben - auch inmitten so vielen Unsinns, dem ich, dieser einzelne Mensch, doch kaum etwas Wirksames entgegensetzen kann, und auch angesichts des mir unausweichlich bevorstehenden Todes, von dem ich, je wacher ich lebe, um so deutlicher und vielfältiger erfafiren und wissen kann, daß und wie er bereits tief in mein gegenwärtiges Leben und in unser Zusammenleben hineinwirkt: »Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen« (EG 518). Wenn Gott im Grunde und in Wahrheit nur ein symbolischer Ausdruck dafür ist, was ich aus mir machen kann bzw. machen möchte; und
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wenn Jesus nichts anderes für mich ist und sein kann als ein ideales Vorbild, wie man mit solchem Gott leben und sterben kann - dann, denke ich, wäre es redlicher und diente der Klarheit für mich und andere sehr viel mehr, wenn ich auf die Rede von Gott und auf einen Rückbezug zum historischen Jesus< ganz verzichten würde!
Gott ist nur Gott und kann im Ernste nur Gott genannt werden, wenn er wirklich mein Gegenüber ist, von mir verschieden und eben so für mich da, mein Erretter und mein Helfer, und so auch in mir da, als meines Lebens Leben. Ist er aber in diesem Sinne Gott und mein Glaube wirklich Glaube an ihn, Vertrauen zu ihm, Liebe zu ihm, dann kann nur er selbst sich mir als Gott erweisen. Mein Glaube beruht dann nicht auf meinen eigenen religiösen Fähigkeiten und Findigkeiten, sondern er ist - im strengen Wortsinn - >außerhalb meiner selbst< (extra me). Und wenn ich mich seiner Wahrheit vergewissern will, habe ich Gott so nachzufragen, wie er (von sich aus) ist und wie er sich erweist und erwiesen hat.
Dann gewinnen allerdings die Zeugnisse seines Handelns, auch wenn diese nicht in meinem eigenen Erleben, sondern in dem anderer Christen vor mir begründet sind, fundamentale Bedeutung für meinen Glauben. Dann werde' ich das, was als Erlebnisse bestimmter Menschen am Anfang der Geschichte des Christentums bezeugt ist, nicht bloß als ihr eigenes inneres Erleben, sondern als Widerfahrnisse göttlichen Handelns zu akzeptieren haben - und auch akzeptieren können und wollen. Dann ist es in den überlieferten >Erscheinungen< des Auferstandenen der lebendige Jesus selbst, der seinen Jüngern begegnet und sogar seinem Feinde Paulus entgegengetreten ist. Und die von Lüdemann so beargwöhnte Rede von >objektiven
Visionen< gewinnt so einen gewichtigen Sinn. Dann kann auch das leere Grab Jesu als Faktum vor meinem historisch-kritischen Blick stehen bleiben und muß nicht mit exegetischen und historischen Argumenten, die an sich unbillig und unwahrscheinlich sind, wegdisputiert werden. Es bleibt stehen als die irdisch-sichtbare >Rand<-Wirklichkeit eines Geschehens, das so ganz und gar die Wirkung endzeitlich-schöpferischen Handelns Gottes ist, daß es selbst von Menschen weder gesehen noch bezeugt, sondern nur durch göttliche Offenbarung verkündigt werden kann. Dann ist schließlich, und darin konzentriert sich dies alles, die bezeugte und verkündigte Auferweckung des gekreuzigten Christus die äußerste und letzte >Verdichtung< göttlichen Heilshandelns, mit dem lebendiger Glaube an den Gott Israels von Abraham an immer umgegangen ist und immer wieder neu umzugehen gelernt hat; die äußerste und letzte Radikalisierung des schöpferischen Handelns Gottes, durch das und in dem alles, was ist, seine Wirklichkeit hat - des Gottes, wie ihn Juden wie Christen bekennen: »...der das Nichtseiende ins Sein ruft und Tote zum Leben erweckt.«
Daß man mit diesem Glauben an Gott, der sich in seinem Handeln selbst erweist, weil er Gott ist und sein will als Gott für uns, daß man mit diesem Glauben leben kann, in tiefem, grenzenlosem, konkretem Vertrauen in die Allmacht seiner Liebe; daß man im Glauben an Jesus, den von Gott auferweckten Gekreuzigten, ein Leben führen kann, das auch bis in die letzten Tiefen seiner Innerlichkeit hinein gerettet und heil geworden ist, weil es Christus, der Retter und Heiland ist, an dessen Auferweckungsleben ich im Glauben teilhabe; und daß man, so »in Christus« lebend, überall im eigenen Alltagsleben, bis in alltägliche
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Vorgänge, Kräfte des Geistes erfahren kann, durch den Gott Christus von den Toten auferweckt hat, vergebend, erneuernd, ermutigend, tröstend; und daß dieser Geist mit seinen schöpferischen Auferweckungskräften alle gläubigen Christen zu einer großen, allumfassenden Gemeinschaft zusammenschließt und zusammenhält, einer Gemeinschaft, die tiefgründiger und verläßlicher ist als jede Gemeinschaft, die aus menschlicher Kommunikation und Kooperation erwachsen kann - das ist das eigentliche Geheimnis und staunenswerte Wunder, um dessen Wirklichkeit es geht, wenn man aus dem Glauben an den lebt und ihn täglich einübt, der im Johannesevangelium sagt: »Ich lebe - und ihr sollt auch leben« (Joh 14,19).
Die Auferstehung der Christen aufgrund der Auferstehung Jesu Christi
Jahrhunderte hindurch haben Christen darauf vertraut, daß ihr Leben nicht im Tode endet, obwohl es unweigerlich und unaufhaltsam auf den Tod zueilt. Sie vertrauen darauf, daß Gott, der Schöpfer alles Lebens, auch die Macht hat, die Toten ins Leben zu rufen. »Gepriesen bist du, Gott, der du den Toten Leben schaffst!« lautet bereits die 2. Benediktion des jüdischen Tagesgebets der 18 Bitten (vgl. so auch Rom 4,17!). In der Auferweckung Jesu von den Toten erkennen Christen den Erweis dieser lebenschaffenden Kraft Gottes. Im Glauben an ihn vertrauen sie darauf, daß er auch sie selbst aus dem Tod erretten und in die ganz neue Wirklichkeit vollkommenen, ewigen Lebens hineinrufen wird, wie er es in der Auferwek-kung Jesu getan hat. Die geschehene Auferweckung Jesu ist der Realgrund dieser Hoffnung, durch die ihr ganzes alltägliches Leben einen Horizont gewinnt über das Ende im Tod hinaus. Christen leben anders als »die Übrigen, die keine Hoffnung haben«, kann Paulus sagen. Denn im Glauben an ihren auferstandenen Herrn sind sie befreit von einer »Traurigkeit«, die dort zur Grund-Stimmung alles Lebens wird, wo seine schließliche Vernichtung als sein Ziel bevorsteht (l. Thess 4,13).
Solche Traurigkeit greift gegenwärtig in der Atmosphäre unserer gegenwärtigen Generation um sich. Das zeigt sich z. B. in der Sprache, in der Todesanzeigen formuliert werden. Die Zahl derer, in denen ein biblisches Wort voransteht, in dem sich christliche Auferstehungshoffnung kundgibt, nimmt deutlich ab gegenüber der Zahl derer, in denen sich eine Wehmut persönlichen Ab-
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schiednehmens oder eine Zusage bleibenden Gedenkens ausspricht. Vor allem aber zeigt sich an den verschiedensten Symptomen öffentlicher und privater Verhaltensgewohnheiten eine zunehmende Tabuisierung des Sterbens in unserer gegenwärtigen Lebenswelt, mit der eine eigentümliche Repräsentation von >Tristesse< als zur Schau gestellten Lebensgefühls Hand in Hand geht. Schwindet die Tradition christlicher Glaubensgewißheit im Blick auf den eigenen Tod in den Herzen von immer mehr Menschen? Ein Anzeichen dafür ist, daß das Interesse an Wiederverkörperungslehren fernöstlicher Religionen stark zunimmt. Je unsicherer die Auferstehungshoffnung mit ihrem biblischen Begründungszusammenhang wird, um so mehr suchen die Menschen nach Ersatzangeboten. Denn die Frage: »Was wird aus mir, wenn ich sterben muß?« ist zu elementar, als daß sie sich im Ganzen so leicht verdrängen ließe. Bei den meisten treiben Reste christlicher Tradition zu einer Verschiebung der Fragestellung: »Was kommt nach dem Tod?« In die Leere des von biblisch geordneter Frömmigkeitstradition entblößten religiösen Bewußtseins strömen dann leicht fremdartige Vorstellungen als um so interessanter ein, als der einzelne Mensch selbst in die Lage versetzt erscheint, von sich aus auswählen zu können, was für ihn passend und akzeptabel sei.
Um so wichtiger wird es, daß Christen sich der biblischen Begründungszusammenhänge christlicher Auferstehungshoffnung neu bewußt werden, sich genau kundig machen und in vernünftiger Erwägung ihren Sinn zu erkennen suchen, mit dem diese die Konkurrenz anderer religiöser oder ersatzreligiöser Antwortmodelle sehr wohl aufzunehmen vermag.
I. Die Auferstehung Jesu als Grundlage:
Verständnisprobleme schon unter den ersten
Christen
Das erste, was hier wahrzunehmen ist, ist dies: Nicht freie Spekulationen sind es, die die verschiedenen Theologen des Urchristentums in ihren Köpfen erfunden und zusammengewoben haben. Alle bauen sie vielmehr auf demselben einen Grund: »Gott hat Jesus von den Toten auferweckt.« Dieser Satz zieht sich, nur wenig variiert, durch alle Schriften des Neuen Testaments hindurch (vgl. z. B. Rom 4,24; 10,9; 1. Kor 15,4.12 ff.; 2. Kor 1,9; Gal 1,1; 1. Thess 1,10; Apg 2,24; 3,15; 2. Tim 2,8). Zieht man die gleichsinnige Aussage hinzu, daß Gott Jesus »zu seiner Rechten erhöht« hat (vgl. z. B. Phil 2,9; Joh 3,. 14; 12,32; Apg 2,33; 5,31), so wird deutlich: Dies ist das Grundbekenntnis; darin stimmen alle überein. Die Hoffnung auf die eigene Auferweckung fügt sich ursprünglich ganz einfach daran an: »Gott hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auf erwecken durch seine Macht« (1. Kor 6,14 vgl. 2. Kor 4,14). Oder in der Sprache Jesu im Johannesevangelium: »Ich lebe - und (so) werdet ihr leben« (Joh 14,19). Der Gedanke ist: Aus dem, was Gott an Jesus getan hat, folgt das, was er an uns tun wird. Das einzigartige Wunder des Selbsterweises Gottes an dem gekreuzigten Jesus ist das Geschehen, das die Auferweckung der Toten zum ewigen Leben eröffnet hat und zur Folge haben wird.
So selbstverständlich dies klingt, so wenig selbstverständlich freilich war es für viele der ersten Christen keineswegs, vor allem nicht für die Nichtjuden unter ihnen. Das zeigt eine Szene, die Lukas in seiner Apostelge-
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schichte erzählt. Vor einem großen Kreis von Vertretern griechischer Philosophen auf dem damals weltberühmten Meinungsmarkt in Athen, dem Areopag, hält Paulus eine Predigt. Er knüpft an die Inschrift eines Altars an, die er dort gerade gefunden hat: »Dem unbekannten Gott.« Eben dies, führt er aus, sei der Gott, den er jetzt und hier verkündige: der eine Gott für alle Menschen (Apg 17,22 ff.). Die Vertreter der Bildungselite hören zunächst interessiert zu. Sie sind daran gewöhnt, daß hier nahezu täglich ein neuer Redner auftritt, der für eine neue Gottheit oder für eine neue Weltanschauung wirbt. Ein solcher Pluralismus ist in Athen beliebt. Wie Paulus nun aber am Schluß seiner Predigt, als Höhepunkt seiner Rede, verkündigt, daß dieser »unbekannte Gott« über die ganze Welt Gericht halten werde und zum Richter einen Mann eingesetzt habe, den er von den Toten zum Leben auferweckt habe, und daß dies der Erweis seiner Macht sei (17,31), da bricht unter den Zuhörern ein Gelächter aus: Über einen solchen Gott kann man als gebildeter Mensch nur spotten! In ähnlicher Weise bekommt noch im 3. Jahrhundert der christliche Philosoph Origenes von seinem heidnischen Kollegen Celsus nur Spott und Hohn zu hören. Aber nicht nur für die Bildungselite der hellenistischen Welt war »Auferstehung von Toten« ein lächerlicher Unsinn; sondern auch für die Nichtjuden unter den Christen selbst war diese Mitte des Evangeliums schwer zu verstehen. Wohl wußte man von berühmten Menschen zu erzählen, die auf mysteriöse Weise in die oberen Bereiche des Himmels gelangt seien. Solcherart mythische Erzählungen lagen den Menschen damals ungleich näher; sie ließen ja auch vielerlei verschiedene Möglichkeiten der Deutung offen. In solcherart Vorstellungen
mochten denn auch nicht wenige Christen für sich selbst ausgemalt haben, was als Auferweckung und Erhöhung Jesu in ihrer Gemeinde verkündigt und im Gottesdienst besungen wurde. Aber wieso sollte daraus folgen, daß solche Himmelsreisen unbedingt auch alle Christen nach ihrem Tode zu gewärtigen haben?
Die Logik, nach der aus dem im Glauben bejahten Geschehen der Auferweckung Jesu die gewisse Hoffnung der eigenen Auferstehung folgt, wurzelt in der besonderen Eigenart des Gottes Israels, dessen Berufungssegen von Abraham auf Isaak und Jakob übergeht und dessen Erwählungsmacht sich in der Endzeit an allen Gerechten seines Volkes auswirken wird. So hat Jesus den Sadduzäern (den Angehörigen der konservativen Priesteraristokratie), die eine Hoffnung auf künftige Aufer-weckung nicht anerkannten, als Juden, als die sie sich doch sehr wohl zum Gott Israels bekannten, die Erweiterung eben dieses Glaubens in die Zukunft der Endzeit nahegelegt (Mk 12,18-27): Der Gott der Erwählung der Erzväter ist »nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden!« (Mk 12,27).
Nichtjuden ist bereits dieses Gottesbild von Haus aus fremd. Sie waren gewohnt, den einen Gott als die Ursache von allem, was ist, zu denken. Damit ließ sich für die, die Christen geworden waren, zwar sehr wohl der Schöpfungsglaube vereinbaren. Auch der Glaube an eine gütige Vorsehung war für sie verständlich. Auch die Vorstellung, daß der Geist des Menschen aus Gottes Geist stamme und daß so im Akt des Denkens oder in mystischen Erfahrungen der Geist des Menschen sich mit dem Geiste Gottes irgendwie vereinen könne. Und als solcherart Vereinigung von Geist mit Geist ließ sich allenfalls vor-
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stellen, was in der Sprache der Christengemeinde mit Auferstehung der Toten gemeint sein könne. Aber daß im Ernst Menschen, die gestorben und begraben worden sind, als solche lebendig werden, nicht als Rückkehr in ihr irdisches Leben, sondern in ganz neuer Weise im künftigen Reich Gottes, - das konnten doch etliche dieser Heidenchristen nicht mitdenken und mitsprechen. In der Gemeinde des Paulus in Korinth meldeten sich von daher Stimmen zu Wort, die mit dem plakativen Satz:« Aufer-weckung der Toten - das gibt es nicht!« (1. Kor 15,12) gegen die Auferstehungshoffnung der Leute um Paulus und Petrus zu opponieren begannen.
II. Theologie als Verstehenshilfe: Antworten des Paulus
Wie schwierig es auch für einen so klugen und denkfähigen Judenchristen wie Paulus war, diese Opposition in Korinth durch Argumente zu überzeugen, dafür ist das 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes ein eindrückliches Beispiel. In mehreren verschiedenen Schritten geht Paulus vor.
1. »Wenn Christus nicht auferstanden wäre« (l. Kor 15,12-22)
Zuerst zeigt er schroff auf, was die Parole der Gegner eigentlich bedeutet und welche Konsequenzen sie für sie selbst hätte (1. Kor 15,12-22). Wenn es nämlich Auferstehung der Toten überhaupt nicht gibt, dann ist es auch mit
der Auferweckung Christi nichts. Sowohl die Verkündigung des Evangeliums, dessen Mitte sie ist (V 3-5), ist dann leeres Gerede wie auch der Glaube, der sich auf sie gründet, eine Seifenblase, die zerplatzt, wenn man sie nur leicht berührt. Denn auf den Gott, an den die Christen in Korinth zum Glauben gekommen sind, können sie sich keineswegs so fest verlassen, wie sie es doch tun -im Blick auf den Sinn ihres Lebens auch angesichts des bevorstehenden Todes - , wenn er in Wirklichkeit gar nicht getan hat, was Paulus und die anderen Apostel in ihrer Predigt von ihm behaupten. Mit der Macht Gottes über den Tod ist es dann in Wirklichkeit nichts, wenn es nicht stimmt, daß er den am Kreuz Gestorbenen auferweckt hat.
Man kann dann auch nicht statt dessen allerlei andere Dinge von Gott sagen, die dem Wirklichkeitssinn >kritischer< Menschen weniger hart widersprechen und dem religiösen Sehnen sogar angenehmer klingen. Ein solcher Gott wäre nicht Gott im Sinne dessen, was man in Israel seit Abrahams Begegnung mit ihm sagt und fest glaubt: daß er nämlich tun kann, was er zusagt (Ps 33,9; Jes 55,10f.); wie er bereits im Uranfang als der Schöpfer »das Nichtseiende ins Sein gerufen« hat (Gen 1,3 vgl. Rom 4,17). Entweder ein so radikal-anspruchsvoller Gottesglaube oder gar keiner! Ein Gott, dem man nicht vollauf zutrauen mag, daß er mich aus dem Tode zu erretten vermag, kann auch Christus nicht auferweckt haben. Wer dies glaubt, darf jenes nicht für ausgeschlossen halten.
Aber die Konsequenzen sind noch einschneidender: Ist nämlich Christus tatsächlich nicht auferstanden, dann gilt auch die Vergebung meiner Sünden nichts. Das Evangelium verkündigt ja die Auferstehung Christi nicht als
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isoliertes Wunder allein an ihm, sondern es ist der am Kreuz »für unsere Sünden« Gestorbene, den Gott aus diesem Tode auferweckt hat (15,3 f.). Christus hat als Gottes Sohn sein Leben hingegeben, damit das meinige von der Zerstörung und Vernichtung/m wird, die ich mir als Folge der Loslösung von Gott und der Verkehrung des Richtungssinnes meines Lebens zu einem fundamentalen Egoismus selbst zugezogen habe. Diese Befreiung ist nur darin Wirklichkeit geworden, daß Gott seinen Sohn vom Tode auferweckt hat. Weil in Christi Selbsthingabe für mich (vgl. Gal 2,20) Gott selbst seinen Sohn zu meiner Befreiung hingegeben hat (Rom 8,32) und weil in Christi Liebestat für uns (Rom 8,35) Gott selbst uns seine Liebe erwiesen hat (Rom 5,8), darum ist Gottes Auferwek-kungstat an dem toten Christus der Sieg seiner rettenden Liebe (Rom 8,37-39). Ist aber diese Tat Gottes nicht wirklich geschehen, so kann auch vom Sieg seiner Liebe zu uns nicht im Ernste gesprochen werden: Wir sind dann noch »in unseren Sünden«, das heißt, die Macht des Bösen über unser Leben ist dann nicht gebrochen. Wenn wir in diesem unserem irdischen Leben darauf vertraut haben, daß wir durch Christus von aller Knechtschaft frei geworden sind, und wenn wir darum unsere ganze Hoffnung darauf gesetzt haben, daß unser durch Christus befreites Leben auch nicht im Tode zunichte werden wird, so wären wir die elendesten von allen Menschen, wenn sich herausstellen würde, daß der Grund brüchig ist, auf den wir das Haus unseres Lebens gebaut haben.
Man muß also konsequent sein: Nur wenn Christus, der Gekreuzigte, wirklich durch Gottes einzigartige Machttat vom Tode auferweckt worden ist, darf und kann ich darauf hoffen, daß Gott mein verwirktes Leben
aus der Vernichtung im Tode erretten wird. Ich kann das letztere nicht bestreiten, aber an der Auferstehung Christi, wie immer uminterpretiert, als Grund meiner Freiheit festhalten. Solche Gedankenspielereien retten mein Leben nicht! Träume, mit denen ich mich über alle Schattenseiten meines Lebens hinwegsetzen zu können meine, verändern mein Elend nicht wirklich! Es hat keinen Sinn, aus dem christlichen Glauben nach meinen Kriterien und Wünschen auszuwählen, was »mir entspricht«. Christlicher Glaube beginnt mit dem Ja zu dem, was Gott getan hat: »Christus is t auferstanden aus den Toten« (V 20); und Gott hat Christus nicht isoliert für sich allein auferweckt, sondern für uns, für die er am Kreuz gestorben ist. Wir sollen darum an Christi Auferstehung teilhaben - er ist der Erste von denen, die aus dem ewigen Todesschlaf zu ewigem Leben »aufgeweckt« werden (V. 20).
Und das gilt, weil hier Gott für die ganze Menschheit gehandelt hat. Alle Menschen nämlich haben an Adams Sünde teil, der sich selbst an die Stelle Gottes setzen wollte (Gen 3,5). Alle haben darum auch an dem teil, was daraus folgt: dem Zunichtewerden im Tode. Denn die Trennung von Gott, der Quelle des Lebens (Ps 36,10), kann unmöglich dem Leben dienen. Der Mensch betrügt sich vielmehr durch die Trennung von Gott um sein eigenes Leben! Aber Gott will die gott-los gewordenen Menschen aus dieser Verlorenheit ihres Lebens heraus retten! Alle Menschen sollen am Leben des auferstandenen Christus teilhaben, der nach Gottes Heilswillen für alle gestorben ist. Christus erscheint so als Gegenbild zu Adam (15,21 f.). Er ist der neue Mensch der neuen Schöpfung Gottes, nachdem der am Anfang für das Leben im Paradies geschaffene erste Mensch seinen Ausschluß aus diesem Garten des
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Lebens erwirkt hat. Und wie Adam der Erste all derer geworden ist, die ihm auf dem von ihm eingeschlagenen Weg folgen, der mit der Sünde beginnt und im Tode endet, so ist Christus der Erste, der den Weg aus dem Tod ins Leben für alle Kinder Adams eröffnet hat.
Paulus führt so seinen ersten Argumentationsgang auf eine These zu, die in der äußersten Konzentration, in der er diesen Gedanken hier formuliert, für die Korinther damals wahrscheinlich auf Anhieb ebenso schwierig zu verstehen war wie für uns heute. Er hat ihn später in seinem Brief an die Römer ausgeführt (Rom 5,12-21). Soviel allerdings ist auch im Korintherbrief bereits deutlich: Es geht - anders, als die Opponenten in Korinth es wohl selbst gemeint und bedacht haben - bei ihrer Parole um Alles oder Nichts, um letztes Heil oder letztes Unheil. Darum das Gegenüber von Adam und Christus.
2. Die
Auferstehung Christi - Der Anfang des Endsieges Gottes (l.
Kor 15, 23-28)
Die Erwähnung von Christus als dem »Ersten der Entschlafenen« führt Paulus zu einem zweiten Argumentationsgang. Der ist aber nur dem verständlich, der sich in der urchristlichen Neufassung jüdisch->apokalyptischer< Vorstellungen über den Ablauf der Ereignisse auskennt. Der entscheidende Gedanke aller Apokalyptik ist: Gott ist der Herr der Weltgeschichte. Er wird sie zu ihrem Ende führen und für die, die ihm in ihrem irdischen Leben treu geblieben sind, für die Gerechten seines erwählten Volkes, eine neue Weltzeit anbrechen lassen, in der sie ewig als sein Volk in seinem Reich leben werden. Zu diesem
heilvollen Leben in Gottes Nähe wird Gott sie alle auferwecken.
Die christliche Apokalyptik sagt: Mit der Auferwek-kung Christi hat Gott dieses für die Zukunft der Endzeit erwartete Geschehen bereits anbrechen lassen. Christus ist es, der in die neue Lebenswelt Gottes als Erster eingetreten ist; und wir, die Christen, werden in seinem Gefolge mit ihm Eingang finden, wie es die jüdischen Apoka-lyptiker für die Gerechten erwarteten. Dann wird Christus der Sieger sein, der alle gottwidrigen Mächte des Bösen endgültig besiegen und Gott zu Füßen legen wird. Die letzte dieser gottwidrigen Mächte wird der Tod sein (vgl. Offb 21,3-8!). Und dann wird Christus mit der ganzen Gemeinde derer, die er, der Auferstandene, hinter sich her in das Reich Gottes hineingeführt hat, sich Gott unterstellen, »damit Gott alles in allen« ist, das heißt der eine Gott des Lebens, der allen, die zu Christus gehören, am vollkommenen Leben Anteil geben wird.
Ein kolossales
Gemälde tut sich hier auf, das im Urchristentum vor allem der Verfasser der
Johannesapokalypse in einem
ganzen Buch ausgemalt hat und das durch alle
Jahrhunderte hindurch viele Christen fasziniert und zu großen Kunstwerken
inspiriert hat. Paulus will hier
seinen Opponenten in Korinth verdeutlichen, daß die Auferweckung Christi ihre Bedeutung hat nicht nur nach rückwärts im Blick auf Adam, sondern zugleich
auch nach vorwärts: Die Geschichte der Rettung und Endvollendung der ganzen Schöpfung hat mit
Christus begonnen; und bei der »Auferweckung der Toten«, die die Gegner bestreiten, handelt es sich um die in
Wirklichkeit einzige Chance für uns
Menschen, der totalen Vernichtung
unserer Person im Tode für immer zu entgehen!
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3. Leibliche
Auferstehung? (1. Kor 15,35-49)
Nun kommen aber die Griechen mit ihrer spöttischen Gegenfrage: »Mit was für einem Leibe aber werden die vom Tode Auferweckten dann wohl in Gottes Reich einziehen?« Dahinter steckt eine damals verbreitete Abwertung alles Leiblichen. Ist doch die Seele die alleinige Lebensgestalt meines Ich; und sie wird vom Leibe wie in einem Gefängnis überall eingeengt und behindert. Ein Einsichtiger, ein Philosoph, sollte darum seinem Tod eigentlich als der endlichen Befreiung der Seele aus diesem elenden Gefängnis im Leibe entgegensehen! Wie schrecklich daher, sich vorstellen zu sollen, diese Trennung von Leib und Seele sollte irgendwann später, in der Zukunft der Endzeit, durch eine Auferweckung aus dem Tode irgendwie rückgängig gemacht und die Seele erneut in den Käfig eines Leibes gesperrt werden!
Heute dagegen wird allenthalben die Leiblichkeit des Menschen als ihm wesentlich erlebt und die Verwo-benheit alles Seelischen mit dem Leiblichen als »Ganz-heitlichkeit« des Menschen gepriesen. Gleichwohl finden zugleich allerlei Vorstellungen von Seelenwanderungen im Jenseits bei vielen Menschen ein vielfältiges und geradezu fasziniertes Interesse. An diesem Widerspruch zeigt sich: Die unbändige sinnlich-genießende Freude an der eigenen Leiblichkeit steht bei diesen Zeitgenossen in einem ganz unausgeglichenen Verhältnis zu einer tief-verborgenen Angst des Menschen um sich selbst. Im Blick auf den Tod wird dieser Widerspruch erregend. Die Sinnlichkeit spricht zu mir: »Alles Leben geht einmal zu Ende. Genieße das Deinige in vollen Zügen und koste es aus,
wo und wie immer du es kannst, - und wenn dann das Ende kommt, schicke dich darein und lerne von den Tieren, wie natürlich es ist zu sterben, nachdem man gelebt hat!« Aber dazu ist mein Ich zu anspruchsvoll. Es ist nicht bereit zu sterben. Es wehrt sich gegen sein Ende. Und je fester mit der Ganzheitlichkeit von Leib und Seele auch der Tod als ganzheitliches Ende bevorsteht, als unwiederbringliches Aus-und-Vorbei, um so heftiger wird die Angst des Menschen um sich selbst. Sie gebiert dann leicht Phantasien, das Ich sei doch nicht so ganzheitlich in seinen Leib eingebunden und könne sich, wenn der Tod kommt, vom sterbenden und verwesenden Leibe lösen und wie ein Vogel in die Lüfte rein >geistiger< Gefilde davonfliegen. So weit von dem entfernt, was jene Gegner xdes Paulus gedacht und empfunden haben, ist unsere moderne Bewußtseinslage also gar nicht! Mit ihrer Parole »Auferstehung der Toten gibt es nicht« wollten sie ja keineswegs auf den Slogan hinaus: »Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!« (15,32), sondern sich Wege zur Rettung der Seele offen halten, ohne sich auf die Bindung des Ich an seinen Leib festlegen zu lassen, die in der Vorstellung einer leiblichen Auferstehung vorgegeben war. »Essen und Trinken«, mit allen Sinnen das Leben genießen: ja! Aber nach dem Tode mit dem Leib zusammen in der Grube verwesen: nein! Mein Ich will nicht zunichte werden, ich will leben, wie auch immer!
Paulus könnte nun natürlich antworten: Ich glaube das eben: Es gibt eine leibliche Auferstehung der Toten -Gott w/rd mich zu einem neuen leiblichen Leben in seiner Ewigkeit auferwecken; und diesen meinen Glauben lasse ich mir von niemandem ausreden - basta! Dann würden aber seine Gegner erwidern: »Das ist deine persönliche
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Überzeugung, wir achten sie; aber mit ihr kannst du natürlich unsere Skepsis auch nicht umstimmen. Soll also doch jeder von uns nach seiner Fagon seligwerden, du so, wir anders!«
In der Tat argumentiert Paulus hier aus der tiefen Überzeugung seines Glaubens, wie alle großen Theologen nach ihm. Doch das schließt nicht aus, daß er gedankliche Wege sucht, um den Glauben denkwürdig werden zu lassen für Menschen, die meinen, wegen des Anscheins von Wahrheitswidrigkeit nicht glauben zu können. Ich finde es faszinierend, beim Lesen eines solchen Textes noch heute miterleben zu können, wie hier einer der allerersten Theologen nach neuen Überzeugungswegen für seine Gesprächspartner sucht, um Barrieren wegzuräumen, die sie an elementaren Glaubenseinsichten hindern.
Er beginnt in V 35-41 seinen neuen Gedankengang mit Vergleichen mit entsprechenden Vorgängen in der Natur. Muß ein Samenkorn nicht selbst verwesen, also »sterben«, um Frucht zu bringen? Und sind es nicht ganz neue Triebe - also andere »Leiber« als der des Samenkorns selbst -, die so entstehen? »Was du säst, ist nicht der Leib, der entstehen soll, sondern ein nacktes Korn, sei es vom Weizen oder irgendeiner der anderen Fruchtarten: Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er es in seinem Willen vorgesehen hat, und zwar jedem Samen seinen je eigenen Leib« (15,37 f.). Damals entsprach dies gängigen Erklärungsmustern nach dem Motto: »Stirb und werde!« Nur Philosophen, die sich an Aristoteles' »Entelechie«-Lehre orientierten, hätten dem widersprochen. (Aristoteles verstand den Samen als ein »Prinzip«, das aus sich selbst ein Wesen schafft, in dessen Gestalt es dann er-
kennbar bleibt.) Paulus hebt auf zweierlei ab: Erstens darauf, daß bereits in der gesamten Lebenswelt der Schöpfung nichts Neues entsteht, das nicht zuvor sterben muß. Daran wird erkennbar, daß Gott nicht bloß am Anfang die Welt erschaffen hat, die sich dann immerfort aus sich selbst weiterbewegt, sondern daß Gott mit seiner Schöpferkraft, in der er am Anfang »das Nicht-Seiende ins Sein gerufen hat« (Rom 4,17), ständig zugegen ist und allem, was ist, immerfort selbst sein Leben und seine Gestalt gibt. Zweitens zielt er darauf ab, daß Gott die Vielfalt liebt und es darum zu seinem Schöpferwirken gehört, unendlich viele voneinander verschiedene Kreaturen entstehen zu lassen. Keine gleicht der anderen. Das ist bei den Menschen so wie bei den Tieren und Pflanzen, bei irdischen und himmlischen Geschöpfen - jeder Stern am Himmel hat seine eigene Gestalt, seinen eigenen »Leib«!
Das sind gewiß großartige Gedankenansätze, denen nachzudenken sich auch heute lohnt (so wenig uns der Vergleich mit dem Samenkorn als solcher noch zu überzeugen vermag). Individualität wurzelt entscheidend in Gottes Willen, in dem unendlichen Reichtum seines Schöpferwirkens. Alles Dasein enthält so ein entscheidendes Moment von >Kontingenz<, ohne das es mit sich selbst nicht identisch sein kann. Es gibt in der Schöpfung keinerlei Uniformen. Aber nichts ist auch aus sich allein sinnvoll, nichts aus sich selbst von ewiger Dauer. Überall und in allem ist es Gott, der alles Sein durch seine ihm eigene Schöpferkraft bestehen läßt, der alles Leben gibt, alle Geschicke bestimmt und lenkt - >creatio continua<, wie dies die spätere Theologie bezeichnet hat.
Doch ist damit die Frage der Opponenten beantwortet? Die wollten ja doch nicht wissen, wo die Vielfalt der
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bestehenden »Leiber« herkommt - sie wollten erklärt bekommen, wieso es eine leibhaftige Auferstehung der Toten geben kann! Paulus merkt das. Mitten in seinem Gedankenstrom läßt er darum auf einmal das Wort »Auferstehung« auftauchen (15,42 ff.) und zwar so, daß es mit dem »Säen« ein Paar bildet. »Gesät wird in Vergänglichkeit - auferweckt in Unvergänglichkeit. Gesät wird in Unehre (das Leibliche gilt diesen Korinthern ja als verachtenswert) - auferweckt in Ehre (nämlich in der Ehre Gottes selbst, seiner lichtvollen »Herrlichkeit«). Gesät wird in Schwachheit (alles Menschliche ist von Schwachheit gezeichnet) - auferweckt in Kraft (nämlich in Gottes Schöpferkraft).« Und nun setzt Paulus ein Paar hinzu, worin seine Antwort steckt, die er im folgenden ausführt: »Gesät wird ein Leib mit einer Seele- auferweckt ein Leib mit Gottes Geist« (15,44).
Damit knüpft er an den biblischen Schöpfungsbericht an. Adam, der erste Mensch, war ein Klumpen Lehmerde, den Gottes Hand zur Gestalt eines Menschen formte. Ein lebendiger Mensch jedoch ist Adam allererst dadurch geworden, daß Gott dieser Lehmgestalt seinen eigenen Lebensodem einhauchte (Gen 2,7). »Und so wurde der Mensch zu einer lebendigen Seele«, heißt es in der griechischen Übersetzung; während zuvor der Atem Gottes, durch den die aus Erde gebildete Gestalt ein lebendiger Mensch geworden ist, »Geisthauch des Lebens« genannt wird. In diesen zwei Schöpfungsakten sieht Paulus (nach Art der Schriftauslegung des von griechischer Philosophie beeinflußten hellenistischen Judentums seiner Zeit) zwei verschiedene »Menschen« angedeutet: Der eine ist Adam, der andere Christus. Adam ist aus Erde und wird wieder zu Erde werden (Gen 3,19). Das Leben
seiner Seele ist vergänglich und endet im Tode. So sind alle Adamskinder. Christus dagegen ist das Ebenbild Gottes (Gen 1,27 vgl. 2. Kor 4,4). Auf ihn als den Auferstandenen trifft allererst wirklich zu, daß die schöpferische, lebenschaffende Kraft des Geistes Gottes sein ganzes Dasein durch und durch bestimmt; sein Leib ist nicht irdisch-vergänglich, sondern himmlisch-geistlich. Und so wiederum werden alle sein, die wie er aus dem Tode durch Gottes Geist zum vollkommenen Leben auferweckt werden.
In der Tat also: »Fleisch und Blut können Gottes Reich nicht erben« (15,50). Eine Auferstehung von Toten, die in irgendeiner Weise als Verlängerung menschlichen Lebens über den Tod hinaus zu denken wäre, ist unmöglich. Von sich aus überwindet kein Mensch die Todesgrenze, auch nicht aus den Kräften seiner Seele. Eine Seele, die aus sich selbst heraus unsterblich wäre, kennt Paulus nicht. Im Gegenteil, er nennt unseren sterblichen Leib einen »seelischen Leib«, sieht also die Seele des Menschen untrennbar mit dem Leibe verbunden. Auferstehung aus dem Tode gibt es nur durch Gottes Auferwek-kungshandeln an den Toten. Sie werden »verwandelt« werden in das Leben der Auferstehung, so als bekleidete Gott sie mit einem ganz neuen, lichthellen Gewand (15,51-53). Der Tod hat alle Macht über sie verloren, sein Ende wird im Himmel besungen wie mit einem Spottlied: »Hinabgeschlungen ist der Tod in den Sieg (Gottes): Wo ist nun dein Sieg, Tod? Und wo, Tod, dein Stachel?« (15,54 f.).
Auch dieser dritte Argumentationsgang hängt ganz daran, daß Christi Auferweckung durch Gottes Machttat geschehen, daß Gottes Sieg über die Macht des Todes end-
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gültige Wirklichkeit ist. Daß und wie die Auferstehung unseren Leib betreffen wird, ist also nur von der Auferstehung Christi her zu verstehen. Nun war Christus aber ein Mensch wie wir. Wie immer er als der lebendige Gottessohn aus der Auferweckungstat Gottes als einem Akt der Neuschöpfung hervorgegangen ist, - Paulus stellt ihn als Menschen dem Menschen Adam gegenüber. Hier wird kein Mythus erzählt von einem als Mensch verkleideten Gott, der dem Tode ein Schnippchen geschlagen habe und, unsterblichen Wesens, vom Tode nicht belangbar an ihm vorbei in den Himmel aufgestiegen wäre. So haben es später manche Gnostiker erzählt, weil sie in diesem mythischen Bilde aussagen konnten, daß die edlen, »Er-kenntnis«-begabten Menschen wie Christus eine Geist-Seele besäßen, der der Tod nichts anhaben könne. Nur die weniger wertvollen Menschen seien an ihren sterblichen Leib gefesselt und müßten mit ihm im Tode zugrunde gehen. Ein Leben nach dem Tode gibt es nach gnosti-schem Verständnis also nur für eine Elite. (Ob nicht manche moderne Esoteriker ähnlich denken?)
Demgegenüber denkt Paulus hier ganz als Jude. Für ihn gehört der Leib wesenhaft zum Menschen: Gott hat ihm in der Schöpfung die Gestalt gegeben, die ihm als Menschen eigen ist. Aber das Leben des leibhaftigen Menschen ist noch einmal eine ganz besondere Gabe Gottes. Darum ist nach der Bibel jedes Menschenleben heilig und unantastbar (»Du sollst nicht töten«!). Daß der Mensch sterben muß, ist die Folge seiner Sünde (vgl. Gen 2,16 f. mit 3,17-19). Paulus formuliert griffig: »Der Tod ist der Sold, den die Sünde (dem Sünder) auszahlt« (Rom 6,23). Wenn nun Gott einen Menschen vom Tode auferweckt, so rettet er damit das Leben, das er ihm in der
Schöpfung geschenkt hat; und das heißt zugleich, Gott macht den Tod als das, was der Mensch sich durch seine Sünde als Verderben seines Lebens zugezogen hat, durch seine Macht zunichte. Auferweckung ist Rettung und Heilung dessen, was die Sünde zerstört hat. Denkt man nun von der Wirklichkeit eines von der Sünde tief geschädigten und vom Tod zerstörten Menschenlebens her, so kann es eine Auferstehung nicht geben. Denkt man aber von der Schöpfung Gottes her, durch die das Leben Gottes Gabe ist, die den Menschen als »Ebenbild Gottes« auszeichnet, dann ist Auferstehung nichts anderes als die Rettung eben dieses Lebens durch Gott, den Herrn des Lebens, und zwar durch die Kraft eben desselben lebenschaffenden Geistes, mit dem Gott in der Schöpfung dem Menschen das Leben »eingehaucht« hat. Schöpfung und Neuschöpfung bilden so einen Zusammenhang. Christus ist der neue Adam. Da aber nach dem ursprünglichen guten Willen des Schöpfers Leib und Seele zusammengehören, kann auch die Auferstehung nicht die »lebendige Seele« isoliert für sich betreffen, sondern den ganzen Menschen muß sie betreffen, Leib und Seele. Zwar verwandelt Gott beides, den vergänglichen Leib zu einem von seinem Geist erfüllten, durchwirkten Leib, die Seele zu einem ganz von Gottes Geist bestimmten Leben. Aber darin, daß diese Verwandlung auch - und zwar entscheidend -den Leib betrifft, zeigt sich, daß es Gott mit der Errettung des Menschen als seines Geschöpfes wirklich und vollauf ernst meint.
»Mit was für einem Leibe werden die Auferstandenen denn nun daherkommen?« - das ist natürlich eine ganz unsinnige und törichte Frage! Aber die Antwort darf nicht auf derselben Ebene gegeben werden, - dann kann
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sie nur lauten, wie die Gegner in Korinth es ja auch meinen: »Eine solche Auferstehung gibt es nicht.« Wenn Gott ernstgenommen wird, der Jesus auferweckt hat, um uns an seinem Auferstehungsleben teilzugeben; und wenn Gottes Schöpfung ernstgenommen wird und Gottes Heilswille, den Menschen als sein Geschöpf aus Sünde und Tod zu retten, dann drückt sich in dem Wort Auferstehung eine letzte und ganz und gar lebensentscheidende Wahrheit aus. Sie lautet ganz einfach: So elementar wie du Gott brauchst, um wirklich zu leben, so elementar geht es diesem Gott darum, dein Leben vor dir selbst, seinem Zerstörer, zu retten - mit Leib und Seele.
Zu einem christlichen Begräbnis gehört darum die alte Formel unbedingt hinzu: »Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube. Wir befehlen unsere Schwester/unseren Bruder in Gottes Hand. Jesus Christus wird sie/ihn auferwecken am Jüngsten Tage. Er sei ihr/ihm gnädig im Gericht und helfe ihr/ihm aus zu seinem ewigen Reich.« Und darauf folgt der Jubelruf aus 1. Kor 15,54 f.: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.«
III. »Was kommt nach dem Tode?«
Aus der Sicht vieler heutiger Menschen
schließt sich hier noch eine andere Gegenfrage an: Wo so viel von dem gesprochen wird, was
in der Endzeit den Toten in der Auferstehung widerfahren wird, also in einer doch
sehr fernen, von unserer Gegenwart entrückten Zeit, - was ge
schieht aber
mit unseren Nächsten, den Eltern, den Ehepartnern, den Kindern, den Freunden, die uns jetzt durch den Tod genommen worden sind, in der - doch
offenbar langen - Zwischenzeit bis zu jenem »Jüngsten Tage«? In der Abschiedsfeier in der Kirche hat der
Pfarrer über ihrem Sarg den Segen
von ps 123 gesprochen: »Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von jetzt
an bis in Ewigkeit.« Wenn es so lange
dauert, bis jener »Eingang« in das
Reich des Lichtes in der Auferstehung der Toten geschehen wird, - wo sind dann unsere Toten bis dahin? Gewiß kann
man darauf antworten: An der Todesgrenze
kommt unsere irdische Zeit an ihr Ende. Was »danach« folgt, läßt sich mit unseren Zeitmaßen schlechterdings nicht fassen. Es gibt »dort«, wo die
Toten sind, weder Orte, die näher
oder ferner liegen, noch Zeitspannen, die länger oder kürzer dauern. »Tausend
Jahre sind vor Dir wie der Tag, der
gestern vergangen ist«, hören wir im
90. Psalm, der bei Beerdigungsfeiern oft gebetet wird. Wer seine Lieben Gottes Behütung anvertraut,
entläßt sie in Gottes Ewigkeit.
Doch eine solche Antwort mag dem Verstande einleuchten, - das Herz befriedigt sie nicht. Sind doch auch Jesu Jünger hart irritiert worden, als er ihnen ankündigte: »Nur noch kurze Zeit bin ich bei euch. Ihr werdet mich suchen... und wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen« (Joh 13,33); und darüber hat die Abschiedstrauer ihr Herz ganz ausgefüllt (Joh 16,6). Der Mensch, der auf Erden zurückbleibt, mißt nun einmal mit den Maßen von Ort und Zeit! Und wenn denn akzeptiert werden muß, daß mit diesen Maßen Gottes Ewigkeit nicht zu bemessen ist, so bleibt doch jedenfalls das Denken und Empfinden derer, die ohne ihre Verstorbenen auf dieser Erde weiter-
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leben müssen, an die irdischen Maße gebunden. Wenn aber der Schöpfer uns so geschaffen hat, daß unser Ich mit einem irdisch-sterblichen Leib fest verbunden ist; und wenn Gott diese Verbundenheit so ernstnimmt, daß er die künftige Teilhabe an seinem Heil mit der Auferwek-kung beginnen lassen wird, in der er den Toten einen neuen »geistlichen« Leib geben wird, - was tut dann der so >leibfreundliche< Gott, um uns, seine Leib-gebundenen irdischen Menschen, die Distanz zu unseren Toten (und so auch der Toten zu uns!) nicht so abstoßend-unermeßlich werden zu lassen?
Die letzte Frage ist richtig gestellt: In der Tat ist allein Gott der, der die Lebenden wie die Toten in seiner Liebe umfaßt. An ihn allein kann man sich wenden, wenn es darum geht, wie ein irdischer Hinterbliebener mit der Distanz zu seinen Toten umgehen kann. Und in der Tat hat Gott seine Menschenfreundlichkeit darin erwiesen, daß er seinen Sohn Mensch werden ließ: Jesus war ein leibhaftiger Mensch von Fleisch und Blut wie jeder andere Mensch. Zumal sein Ende hat er in aller leiblichen Realität erlitten, mit Angstschweiß, Blut und Tränen und grausamsten Schmerzen des Leibes und der Seele. Und Seine Auferweckung geschah unmittelbar nach seinem Tod - »am dritten Tage« irdischen Zeitmaßes (1. Kor 15,4). So wird auch die Antwort auf die letzte Frage von diesem Geschehen der Auferweckung Jesu auszugehen haben.
1. Das »Sein bei Christus« nach dem Tode
Zunächst will beachtet sein, daß es im Neuen Testament nicht allein die Hoffnung auf die Totenauferstehung »am
Jüngsten Tage« gibt, sondern auch Zeugnisse, nach denen die Teilhabe der Toten am Auferstehungsleben Christi unmittelbar nach dem Sterben zu erwarten ist. Am bekanntesten ist sicherlich die Zusage Jesu an den einen der beiden Mitgekreuzigten: »Amen, ich sage dir: Heute wirst du mit mir zusammen im Paradiese sein« (Lk 23,43). Hier ist natürlich nicht an eine Zurückversetzung in den Gottesgarten am Anfang der Schöpfung (Gen 2,8 ff.) zu denken, sondern an die Neue Schöpfung des Reiches Gottes, in dem die zum Leben Auferweckten ewig mit dem auferstandenen Christus Zusammensein werden (vgl. 1. Thess 4,17; 5,10; 1. Kor 15,23). Dies wird hier also in die Gegenwart vorgezogen: »Heute«. Wichtig ist aber: Jesus sieht hier seiner Auferweckung unmittelbar nach seinem Tod entgegen und sagt diesem Verbrecher zu, dabei »mit ihm« zu sein, also an Jesu Auferstehung selbst teilzuhaben! Genauso kann auch Paulus später im Blick auf seinen möglichen Tod im römischen Gefängnis sagen: »Ich begehre danach, zu sterben und mit Christus zusammen zu sein« (Phil 1,23). Wenige Jahre zuvor hat derselbe Apostel an die Korinther jene Ausführungen über die Auferweckung der Toten in der Zukunft der Endzeit geschrieben. Wie läßt sich erklären, daß er für sich selbst einen alsbaldigen Übergang zur Vereinigung mit dem auferstandenen Christus erwartet? Daß er als Apostel und Märtyrer einen Sonderweg zum Herrn zu gewärtigen hätte, ist ausgeschlossen. Gewiß spricht er an der Stelle im Philipperbrief von seinem apostolischen Wirken und von der Notwendigkeit für die Gemeinde in Philippi, daß Gott ihm noch eine Zeit des Weiterwirkens unter den Seinen dort schenkt. Aber von der anderen Möglichkeit, zu sterben und mit Christus zusammenzusein, ist so selbstverständ-
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lieh die Rede, daß dies genauso für jeden anderen Christen zu gelten scheint, - zumal wo er zuvor in 1,20 die Hoffnung so grundsätzlich formuliert: »In nichts werde ich zuschanden werden, sondern in aller Zuversicht, wie jederzeit so auch jetzt, wird Christus in meinem Leibe verherrlicht werden, sei es im Leben, sei es im Tode.« Das Gleiche kann Paulus im Römerbrief von allen Christen sagen (Rom 14,7-9): »Keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. Denn wenn wir leben, leben wir für den Herrn; und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wenn wir also leben und wenn wir sterben, gehören wir dem Herrn. Dazu nämlich ist Christus gestorben und zum Leben gekommen: daß er der Herr ist von Toten wie von Lebenden.« Das sind Sätze von so großer Ruhe und Klarheit, daß sie kaum einer zusätzlichen Erklärung bedürfen. Daß Christen nicht sich selbst gehören, sagt Paulus auch den Korinthern (1. Kor 6,1 a) und begründet das dort damit, daß sie alle den Geist Gottes empfangen haben, der in ihnen wirkt (vgl. 1. Thess 4,8). Der Geist ist Gottes Gabe, die sie in der Taufe empfangen haben (vgl. Apg 2,4. 33. 38; 1. Kor 6,11; Gal 3,2-5; 4,6; Tit 3,5). Es ist die Kraft Gottes, durch die er in seinem Schöpfungshandeln Leben schafft (2. Kor 3,6; Joh 6,63) und durch die er Christus von den Toten auferweckt hat (Rom 8,11; l Petr 3,18). Indem dieser Geist in ihnen ist und wirkt, gehören sie ganz und gar dem auferstandenen Christus. Ihre Leiber sind »Glieder Christi« (l. Kor 6,14 f.), ihm innig verbunden, weil sie »ein Geist« mit ihm sind (1. Kor 6,17). Von daher kann Paulus das gegenwärtige Lebensverhältnis mit Christus und das aus der Totenauferstehung hervorgehende künftige Lebensverhältnis zu ihm so unmittelbar zusammensetzen, wie er
es an der eben angeführten Stelle aus dem Römerbrief formuliert.
So kann Paulus das, was er in 1. Kor 15 über die endzeitliche Auferstehung als Verwandlung in einen »geistlichen Leib« ausgeführt hat, im 2. Korintherbrief mit teilweise anderen Bildern so wiederholen, daß sie als ein Geschehen unmittelbar nach dem Tode erscheint, als Vereinigung mit dem auferstandenen Christus in seinem »himmlischen« Lebensbereich (2. Kor 5,1-8). Er vergleicht hier unseren irdischen Leib mit einem Haus, das im Tode abgerissen wird. Doch, so heimatlos geworden, empfangen wir »im Himmel« ein Haus, das nicht mit Menschenhand gemacht, sondern von Gott geschaffen ist und darum ewig bleibt (V 1). Danach sehnen wir uns in unserem irdischen Leben, weil wir aufgrund unserer Verbundenheit mit Christus wissen, daß unsere Heimat bei ihm, dem Auferstandenen, ist. Er ist wie ein Licht-strahlendes Gewand, mit dem wir nach unserem Tode im Himmel neu bekleidet werden. Doch weil wir schon jetzt in unserem irdisch-leiblichen Leben durch die Gabe des Geistes bereits an Christi Auferstehungsleben Anteil haben, werden wir nach unserem Tode nicht »nackt« sein; denn diese geistliche Wirklichkeit persönlicher Verbundenheit mit Christus bleibt durch den Tod hindurch und erfährt in unserer Auferstehung ihre Erfüllung und Vollendung. Der Geist, den wir jetzt von Gott empfangen haben, ist ja eine »Vorausgabe«, durch die wir an der geistlichen Lebensfülle des Auferstandenen bereits vor dem Tode »im voraus« teilhaben. Im Wirken des Geistes jetzt und hier erfahren wir bereits ständig auf vielfältige Weise, wohin wir gehören und was uns also nach dem Tode erwartet. Das gibt Christen eine Grundzuversicht und -freude:
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Zwar sind sie unter dem Aspekt irdischer Erfahrung in ihrem sterblichen Leibe noch fern von ihrem Herrn. Sie glauben an ihn, doch sie schauen ihn noch nicht (vgl. Joh 20,29: »Selig sind die, die ohne zu sehen, glauben!«). Im Glauben aber freuen sie sich darauf, nach ihrem Tode, der sie von ihrem sterblichen Leibe löst, bei dem Herrn ihr ewiges Zuhause zu finden (vgl. oben Phil 1,23!). Darum setzen sie ihre Ehre darein, sowohl jetzt im Leibe, wie dann von ihm gelöst, in allem Leben und Tun dem Herrn zu gefallen (2. Kor 5,9 - vgl. oben Rom 14,8 f.).
Das, was für das Leben entscheidend wichtig ist, was dem eigenen Dasein seinen eigentlichen Sinn und sein letztes Ziel gibt, ist für Christen, an Christus, dem Auferstandenen, teilzuhaben. »Christus ist mein Leben«, so kann Paulus diese christliche Grundeinstellung und Grunderfahrung wie in einer Überschrift zusammenfassen, griffig formuliert, aber in dieser Kompaktheit voll zutreffend. Von daher ist es zu verstehen, daß zwischen den endzeitlich-zukünftigen Aussagen über die Auferstehung >am Jüngsten Tage< und den Aussagen über die Vereinigung mit dem Auferstandenen unmittelbar nach dem Tode der Sache nach kein Gegensatz besteht: nicht nur deswegen, weil »das, was nach unserem Tode kommt«, nicht mit unseren Raum- und Zeitkategorien zu messen ist, sondern entscheidend deswegen, weil es bei der Auferstehung der Toten um Teilhabe am Leben des auferstandenen Christus geht, der der Herr über unser Leben und Geschick ist bereits im christlichen Leben aus der Taufe jetzt und hier wie dann auch in unserer Existenz nach dem Tode. Christus allein ist die Kontinuität zwischen unserem Leben vor und nach dem Tode.
Das klingt nur für den als abstrakte Chiffre und er-
scheint nebelhaft und darum unbefriedigend als Antwort auf die bedrängende Frage: »Was wird aus mir, wenn ich gestorben bin?«, für den die Verbindung mit Christus nicht die zentrale Wirklichkeit seines eigenen Lebens ist. Für den Christen dagegen ist die Liebe zu seinem Herrn sozusagen das Herz seines Lebens. Nichts Wichtigeres gibt es für ihn selbst, als mit Christus persönlich verbunden zu sein und an Christi Auferstehungsleben teilzuhaben. Was immer in der täglichen Glaubenspraxis von Christus zu erfahren ist: im hörenden Meditieren der Worte und Taten Jesu in den Evangelien und der Zeugnisse vom Zusammenleben in seinem Namen in den Briefen des Neuen Testaments; in Bitte, Fürbitte, Dank und Lobpreis; und zentral in der gemeinsamen Feier des Mahles Christi, in dem er, der Lebendige, selbst leibhaftig gegenwärtig wird und sich mit denen zutiefst verbindet, für die er gestorben und auferstanden ist, -: All dies weist in der Erfahrung selbst über diese hinaus auf die transzendente Lebens-Wirklichkeit des Auferstandenen in seiner vollendeten Gemeinschaft und Einheit mit Gott, an der in ganz anderer Klarheit und Dichtigkeit, in ganz neuem Einswerden mit den geistlichen Kräften der göttlichen Liebe, vollkommen teilzuhaben allen, die seinen Namen tragen, für die >Zeit< nach ihrem Tode, für die Ewigkeit, bestimmt ist. Diese Zukunft ist zwar durch den bevorstehenden Tod gegenüber aller irdisch-gegenwärtigen Erfahrungswirklichkeit transzendent. Aber sie ist doch zugleich aufgrund der Wirklichkeit der Auferwek-kung Jesu von den Toten in allen Weisen, in denen der Auferstandene seinen Gläubigen auf Erden >vorgreifend< gegenwärtig wird und sie mit sich verbindet, in aller Vorläufigkeit doch konkret erfahrbar.
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2. Werden wir unsere Toten wiedersehen?
Von hier aus findet eine Frage überraschend deutlich eine Antwort, die sich bei jedem Abschied von einem lieben Verstorbenen hervordrängt, aber allzuoft alsbald verdrängt wird: »Werden wir einander wiedersehen?« Wer so fragt, weiß natürlich, daß es ein >Wieder-Sehen< im Sinne irgendeiner Wiederaufnahme irdisch-menschlicher Kommunikation angesichts der Todesrealität nicht geben kann. Das braucht ein Seelsorger nicht eigens zu bekräftigen! Das Wiedersehen kann nur eine Metapher sein, die in unzutreffender Weise etwas Zutreffendes ausdrücken will, das als solches den Horizont unserer Sprache und all unseres Begreifens übersteigt. Gibt es ein Wiedersehen in diesem Sinn?
Das wird heute von vielen Seelsorgern - wie behutsam auch immer - oft verneint und von vielen Theologen bestritten unter Hinweis darauf, daß es erstens dem Christen verwehrt sei, über die Todesgrenze hinaus irgend etwas Konkretes über das Geschick eines Menschen erfahren zu wollen. Die Toten seien nun einmal den Lebenden in jeder Hinsicht entzogen, und das einzige, womit wir uns trösten können und sollen, sei das Vertrauen, daß die Toten bei Gott »gut aufgehoben« seien. Zweitens aber dürfe die Grenze zwischen Glauben und Schauen in keinerlei Weise >durchlässig< werden. Sie markiere ja doch die Grenze zwischen dieser Welt insgesamt und der ganz neuen Welt des Reiches Gottes in der Zukunft der Endzeit.
Nun ist aber eben diese Grenze von Christus überschritten und in seiner Auferstehung als Barriere durchbrochen worden Und wenn wir im Glauben an dem auf-
erstandenen Christus teilhaben, so gilt das insofern auch für uns, wenn es denn wirklich dieser auferstandene Christus ist, der sich mit uns verbindet, und wenn es die Wirklichkeit seines Auferstehungslebens ist, dessen to-tenauferweckende, lebenschaffende Kraft wir im Wirken des Geistes in uns und unter uns erfahren. »Sind wir in Christus, so sind wir Neue Schöpfung«, kann Paulus formulieren (2. Kor 5,17).
Diese Formel »in Christus« findet sich sehr häufig in den Briefen des Apostels. Sie drückt in äußerster Verdichtung aus, daß Christen durch ihre Verbindung mit dem auferstandenen Christus in geistlicher Wirklichkeit an seinem Auferstehungsleben teilhaben, obwohl sie in ihrer irdischen Existenz in eine Realität eingebunden sind, die jener Wirklichkeit in jeder Hinsicht widerspricht. Dieser Widerstreit wird im Neuen Testament durch Gegensatzpaare wie Fleisch und Geist, Tod und Leben, Schwachheit und Kraft ausgedrückt. In Christus ist dieser Widerstreit aufgehoben: Als im Geist ganz und gar mit Gott eins, wurde er Fleisch (Joh 1,14 vgl. 1. Tim 3,16). Er ist »gestorben und auferstanden« (1. Thess 4,14) und hat so den Tod entmachtet (1. Kor 15, 54-57 vgl. Offb 1,18!). »Er ist gekreuzigt, aber er lebt aus der Kraft Gottes« (2. Kor 13,4). So umfaßt er zwei einander entgegengesetzte, sich ausschließende Wirklichkeiten, hebt ihren Gegensatz in sich selbst auf und tut dies für uns: damit wir in ihm an seinem Sieg teilhaben. Zwar vollzieht sich diese Teilhabe so, daß unsere gegenwärtige Existenz von diesem Widerstreit bis in die Tiefe hinein betroffen ist: »Als Sterbende - und siehe, wir leben! Als (im Leiden) Gezüchtigte - und nicht zu Tode gebracht; als betrübt - und allezeit in Freude; als arm - doch viele reich machend; als Leute, die nichts ha-
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ben - und alles besitzen« (2. Kor 6,9 f.). Bei Paulus finden sich mehrere ähnliche Passagen (vgl. 1. Kor 4,10-13; 2. Kor 4,7-12).
Der Grund in der Verbindung mit Christus als dem auferstandenen Gekreuzigten kommt am eindrücklichsten in dem Triumphlied Rom 8,35-39 zum Ausdruck: »Wer will uns trennen von der Liebe Christi: Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder nackte Armut oder Gefahr oder Schwert? Wie es in der Schrift heißt: Deinetwegen werden wir zu Tode gebracht den ganzen Tag; wie Schlachtschafe werden wir behandelt. Aber in dem allen tragen wir einen überragenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt: Nicht Tod und nicht Leben, nicht Engel und nicht Herrschaften, nicht Gegenwärtiges und nicht Zukünftiges, nicht Gewalten, weder in der Höhe noch in der Tiefe, und keinerlei andere Kreatur vermag uns zu trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.«
Wenn dem so ist, dann sind in Christus auch die Lebenden und die Toten nicht voneinander getrennt! Dann gilt die oben angeführte Aussage in Rom 14,7-9 auch in dem Sinne, daß dort, wo die einen wie die anderen mit Christus verbunden sind, dem Herrn über sie alle, sie durch ihn auch miteinander verbunden sind. Was Paulus den Christen in Thessaloniki, die gerade die ersten Todesfälle in ihrer Gemeinde erlebt hatten, zum Trost schreibt: daß Christus die Toten zusammen mit den Lebenden als einen großen Zug hinter sich her in das Leben der kommenden Welt hineinführen werde (1. Thess 4,15-18), das gilt auch ohne die Naherwartung der unmittelbar bevorstehenden Endereignisse, in der Paulus damals seinen
Brief geschrieben hat. In Christus gibt es eine Gemeinschaft zwischen Lebenden und Toten, die der Tod nicht zerbrechen kann, weil seine Macht, sie voneinander zu trennen, in der Auferstehung Christi zunichte geworden ist. Wie immer in unserer irdischen Existenz jeder Todesfall die Hinterbliebenen von den Verstorbenen trennt, so betrifft diese Trennung die Verbindung der einen wie der anderen mit Christus nicht. Und das läßt sich sehr konkret ausführen: In jedem Gebet, in dem die Lebenden sich Christus zuwenden, können sie ihre Toten bei ihm wissen und sind ihnen so nah, wie sie Christus nahe sind. In diesem Sinn ist Fürbitte für die Toten keineswegs ausgeschlossen (wie man fälschlich oft sagen hört), im Gegenteil: In ständiger Fürbitte halten wir allezeit Verbindung mit ihnen, vermittelt durch Christus.
Nur: Eine direkte Kommunikation mit Toten, an dieser Verbindung mit Christus vorbei, ist allerdings ausgeschlossen. Aber was heißt hier »direkt«? Ist die Verbindung unter uns Lebenden denn direkt, weil wir einander sehen und fühlen und miteinander reden können? Wird nicht in vielen solcherart direkten >Kontakten< die eigentlich gesuchte Gemeinschaft entbehrt oder verfehlt? Und gehört es nicht, aus der Tiefe gesehen, zum Wesen jeder Begegnung zwischen irdischen Menschen, daß sie auch Momente des Getrenntbleibens enthält, die zwar oft überspielt, aber nicht wirklich überwunden werden können? Die Dichtung hat zu allen Zeiten davon gesungen, wie Liebe und Tod ein Paar sind. Es gehört zu den großartigen Erfahrungen eines Zusammenlebens im Glauben an Christus, daß er uns so tief und ganz, so wesenhaft und verläßlich miteinander zu verbinden weiß, wie es Menschen von sich aus nie erreichen können. Wahre Ge-
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meinschaft, in der die einen mit den anderen vollkommen verbunden sind, ohne miteinander zu verschmelzen und ohne ihre je persönliche Identität zu verlieren, gibt es nur »in Christus«, das heißt nur dort, wo diese Gemeinschaft durch die Teilhabe aller einzelnen am Auferstehungsleben Christi gestiftet und durch die sie gemeinsam umfassende Liebe Christi belebt und behütet wird. Darum gilt auch für die Praxis jeglicher christlicher Gemeinschaft: Sie wird gepflegt in gemeinsamem Gebet, bewahrt durch treue Fürbitte füreinander, und vor allem ständig erneuert und belebt in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes, durch das Wunder der Gegenwart Christi in seinem Wort und in seinem Mahl (vgl. 1. Kor 10,16 f.!).
Warum sollte dies nicht auch für das Verhältnis zwischen Lebenden und Toten »in Christus« gelten? Die Gemeinschaft in ihm und durch ihn, die die Lebenden zutiefst miteinander verbindet, ist ja doch das einzige Band zwischen ihnen, das der Tod nicht zerschneiden kann! So konkret diese Gemeinschaft zu Lebzeiten ist, so konkret bleibt sie zwischen Lebenden und Toten, - so wahr und wirklich Christus auferstanden ist und als solcher ebenso Lebende und Lebende wie auch Lebende und Tote mit sich verbindet und verbunden hält und so miteinander verbindet und verbunden hält.
IV Christliches Leben und christliche Hoffnung -aufgrund der Auferstehung Jesu Christi
Kritische Reserven gegenüber der Auferstehungshoffnung melden sich heute auch von ganz anderer Seite zu
Wort: Wer sich allzu sehr dafür interessiert, »was nach dem Tode kommt«, dispensiere sich damit vom Tun des Rechten in seinem Leben vor dem Tode. Auferstehungshoffnung als Alibi für soziales Engagement hier und jetzt? Dieser Vorwurf war in den Jahren nach 1968 in aller Munde. Er klingt logisch, ist aber, zumal in solcher Pau-schalität, weithin ungerecht. In der Geschichte des Christentums ist starke Jenseitssehnsucht zumeist mit beachtlicher Diesseits-Aktivität verbunden gewesen, Sorge um das ewige Heil mit diakonischer Sorge für das Wohl des hilfsbedürftigen Nächsten, asketische Lebensweise mit hoher seelsorgerlicher Sensibilität.
Das hat seinen Grund darin, daß in der Bibel die Liebe zu Gott »von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit der ganzen Kraft« (Dtn 6,5) die Liebe zum Nächsten (Lev 19,18) überhaupt nicht einschränkt oder abwertet. >Gerechtigkeit< gegenüber Gott schließt wesenhafte Gerechtigkeit ein. Die Zehn Gebote sind mit ihren beiden Tafeln eine Einheit. Jesus hat diesen Grundansatz des Alten Testaments dadurch radikalisiert, daß er die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten in einem Doppelgebot unmittelbar verbunden hat (Mk 12,28-34 sowie Lk 10,25-28 mit der Ausführung in 10,29-37). So sehr er das ganze Gottesverhältnis auf das nahende endzeitliche »Reich Gottes« konzentriert, so sehr bedeutet das eine Verschärfung der Gebote der Zweiten Dekalog-Tafel für das irdische Leben seiner Jünger (Mt 5,17-48).
Entsprechendes gilt für das nachösterliche Urchristentum. Der Glaube an Jesus Christus, der sich ganz auf Gottes Gerechtigkeit richtet und in Hoffnung auf sie wartet, ist zugleich »Glaube, der durch Liebe wirksam wird« (Gal 5,5 f.). Und die glutvolle Naherwartung des endzeit-
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liehen Kommens Christi und der Auferstehung der Toten im frühesten Brief des Apostels Paulus (1. Thess 4,13-18) findet sich in unmittelbarem Zusammenhang mit einer eindringlichen Mahnung zur »Heiligung« in der christlichen Lebensführung, deren Mitte die »Bruderliebe« ist (1. Thess 4,1-12).
Der Sinn dieses Zusammenhangs erhellt sich aus dem Wesen der Taufe, mit der das Christsein beginnt und durch die es zeitlebens bestimmt bleibt. »Im Namen Jesu Christi« wird sie vollzogen, das heißt, Christus selbst, der auferstandene Gekreuzigte, ist in der Taufhandlung gegenwärtig-wirksam. Und »auf den Namen Jesu Christi« wird der Täufling getauft, das heißt, er wird Christus übereignet und gehört ihm als dem Herrn über sein ganzes Leben. Die Taufhandlung symbolisiert dies: Indem der Täufling in das Wasser hineingetaucht und herausgehoben wird (vgl. Apg 8,36 6), erfährt er die Vergebung der Sünden, die Christus in seinem Kreuzestod für ihn erwirkt hat, und die Heiligung seines Lebens, die der Geist Gottes als die Kraft der Auferweckung Christi in ihm bewirkt (1. Kor 6,11). Mit dem Bekenntnis »Herr ist Jesus« (Rom 10,9 f.) beginnt das christliche Leben des Getauften. Er hat das Evangelium, die Heilsverkündigung von Tod und Auferstehung Christi (1. Kor 15,3-5), im Glauben angenommen; und so hat er an dem Heil endzeitlich-vollkommenen Lebens »in Christus« teil.
Paulus besteht darauf, daß es ganz und gar die Rettungskraft der Gnade Gottes ist, die den Menschen aus der Macht der Sünde befreit und ihn »gerecht gemacht« hat, und allein der Glaube an Christus, der dieses Heil als Geschenk Gottes empfängt. Das legt er in Rom 1-5 ausführlich dar. Daraufhin sieht er sich jedoch einem hefti-
gen Einspruch aus dem Kreis seiner Leser in Rom konfrontiert: Wenn du so radikal und umfassend das ganze Christsein allein auf die Gnade Gottes stellst, dann läuft das doch nur darauf hinaus, daß Christen nichts anderes zu tun bleibt, als selbst permanent »in der Sünde zu bleiben, damit die Gnade um so größer zum Zuge komme« (Rom 6,1). Das ist genau die Frage, mit der wir es auch heute zu tun haben! Paulus läßt sich die Frage stellen, um sie sogleich entrüstet zurückzuweisen. Von der Herrschaft der Sünde sind Christen wirklich frä geworden (Rom 6,2). Weil die Leser in Rom es aus ihrer eigenen Erfahrung wissen, daß genau dies die Heilswirklichkeit ist, die ihnen in der Taufe zuteil geworden ist, führt Paulus seine Antwort aus, indem er ihnen klarmacht, was diese Wirklichkeit der Taufe für ihr tägliches Leben bedeutet. Sie haben Anteil bekommen an Christi Tod für sie, am Tod »für unsere Sünden« (1. Kor 15,4). Aber es gilt auch im Blick auf seine Auferstehung (vgl. 1. Kor 15,4). Auch an ihr haben Christen seit ihrer Taufe teil, und das erweist sich daran, daß sie nun in der »neuen« Wirklichkeit seines Auferstehungslebens ihr irdisches Leben leben (6,4). Diese Verbindung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus bleibt bis in die Zukunft ewigen Lebens hinein, wenn sie selbst gestorben sein und von den Toten auferweckt werden: Ihre Auferweckung wird in der gleichen Weise Teilhabe an Christi Auferweckung sein (6,5), wie ihr christliches Leben jetzt und hier bereits am Auferstehungsleben Christi teilhat: Ihr »alter Mensch«, das heißt, ihr sündiges Wesen als Kinder Adams (5,12 ff.), ist ein für alle Mal mit Christus zusammen mitgekreuzigt worden, mit der Folge, daß sie von da an nicht mehr der Sünde als ihre Sklaven dienen müssen (6,5). Wer aber am
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Tode Christi teilhat, hat auch an seiner Auferstehung teil und darf im Glauben darauf vertrauen, daß das Aufer-weckungshandeln Gottes, durch das Christus zum Leben gekommen ist, auch sie selbst betreffen wird (6,8). So endgültig der Tod seine Macht über den auferstandenen Christus verloren hat (6,9), weil er in seinem Tod die Wirklichkeit der Sünde über alle Adamskinder restlos auf sich genommen hat (6,10), genauso sollen Christen auch sich selbst sehen: »als tot für die Sünde« - das heißt: die Sünde hat nun keinen Anspruch mehr auf sie, denn der ist mit Christi Tod schon abgegolten, über den Tod hinaus reicht die Unheilskraft der Sünde nicht. Allein Gott hat Anspruch auf sie, er, der Christus aus dem Tode, den er für sie gestorben ist, auferweckt hat, so daß sie »in Christus Jesus« ganz durch Gottes Macht und zum Dienst für Gott leben (6,11).
Wenn das gilt, jetzt für ihr irdisches Leben als Getaufte wie damit zugleich für ihr zukünftiges Leben als mit Christus Auferweckte, dann müssen sich Christen auch dabei behaften lassen, daß sie der Sünde keinerlei Gelegenheit mehr geben, ihre Herrschaft über ihr Leben zurückzugewinnen, sondern daß sie mit ihrem ganzen Leben Gott dienen (6,12 ff.). Das ist eine klare Alternative, die in der Lebensführung eines Christen ständig akut wird. Sie sind frei von der Macht der Sünde über sie. Aber die Sünde umgibt sie und lauert gleichsam darauf, sich wieder Zugang zu ihren früheren Sklaven zu verschaffen. Die Freiheit von der Sünde will also in der Lebensführung eines Christen bewährt werden. Weil sie Gott gehören und sich auf die Kraft seiner Gnade über ihr Leben verlassen können, sollen sie diese Zugehörigkeit zu Gott (als Gottes Kinder: vgl. Rom 8,14 ff.) im Gehorsam gegen
Gottes Gerechtigkeit lebenslang einüben. Je eindeutiger sie sich darauf einlassen zu sein, was sie sind, zu werden, was sie geworden sind, um so klarer tritt hervor, daß es sich im Grunde um garkeine Alternativehandelt zwischen dem Dienst für die Sünde oder für Gott. Die Entscheidung ist gefallen, an der neuen Wirklichkeit des Auferstehungslebens Christi haben sie teil. Sie dürfen nur nicht von sich aus diese Entscheidung rückgängig machen, wie es die provokante Frage aus Rom (6,1) meint.
So wird an diesem wichtigen Abschnitt in Rom 6 deutlich, wie der Aspekt endzeitlicher Heilswirklichkeit mit dem Aspekt christlicher Lebensführung wesenhaft zusammenhängt. Die Teilhabe am Auferstehungsleben Christi ist es, die das Lebensengagement der Christen begründet. Die vom Jetzt der irdischen Gegenwart über den Tod hinaus in alle >Zukunft< der Ewigkeit hineinreichende Verbindung mit dem auferstandenen Christus motiviert, verpflichtet und befähigt Christen zu einem Handeln, in dem sie sich in dieser Zugehörigkeit zu Christus und »in Christus« zu Gott in ihrem irdisch-leiblichen Leben zu bewähren haben.
Andererseits sollte dabei im Blick auf unsere moderne Lebenswelt auch dies wohl erwogen werden: Dort, wo in der Lebenseinstellung vieler Menschen heute eine Öffnung zu einem transzendenten Horizont im Ernst keine Bedeutung hat, wo im Tode ein absolutes Nichts hereindroht, die totale Vernichtung des Ich, da konzentriert sich alles, was für mich wirklich lebenswichtig ist, ganz auf das, was ich in meinem Handeln zustande bringe, sei es für mich selbst, sei es zum Wohl für andere. Jeder Mangel, jeder Fehler, jedes Unglück müssen so in dem Maße als >katastrophal< gewertet und erlebt werden,
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in dem es nicht gelingt, solche >Querschläge< durch eigenes Handeln oder durch hilfreiches Handeln anderer >aufzuarbeiten<. Und was für das Handeln gilt, gilt in gleicher Weise für das, was ich von meinem Leben habe: Was ich hier in diesem irdischen Leben nicht bekomme, was hier als Sinn und Erfolg und Genuß und >Glück< ausbleibt oder was auch nur schmerzlich hinter dem zurückbleibt, was ich >eigentlich< von meinem Leben erwarte, das schlägt voll in seiner Negativität auf den >Wert< meines Lebens durch. Es wird wie ein Schon-Hereinwirken des Todes mitten in mein Leben erfahren und gewertet. Als Reaktion in der Grundstimmung kann sich dann entweder eine resignative Tristesse oder aber ein trotzigkämpferisches >Dennoch< in mir durchsetzen. Das Erste wird heute leicht in einer Art öffentlichem Mitgefühl akzeptiert, ja es kann sogar zur Mode werden. Das Zweite wird bewundert, um so mehr als man selbst solche Kraft nicht meint aufbringen zu können; und so bilden sich in der modernen Märchenwelt entsprechende Heldenidole, übergroße und überstarke Kerle, die sich durch eine Welt von bösen, hochgefährlichen Feinden mit lachendem Jungen- oder Mädchengesicht trotzig-tapfer durchkämpfen und in jeder Szene mit der >Victory<-Geste auftreten.
Nachdenklichen Zeitgenossen ergeben sich daraus ernsthafte Fragen, ob es nicht doch zum Wesen des Menschseins gehöre, über das in allem Handeln leistbare »Werk« und auch über alles irdisch erfahrbare »Glück« hinaus von etwas zu leben, was nicht >machbar< ist und auch nicht in der Weise menschlichen Erlebens oder Füh-lens erfahrbar ist; ja, ob nicht die »Ganzheit« menschlicher Existenz überhaupt nur über das Ich hinaus Verwirk-
lichung/mden kann? In der Sprache reformatorischer Theologie ausgedrückt: Das Heil findet der Mensch wesenhaft außerhalb seiner selbst (»extra se«), niemals und keineswegs als Ergebnis seines eigenen Wirkens (»non ex opere suo«). Gemeint ist: Mein Heil empfange ich als Gabe Gottes in der Teilhabe am Leben Christi, des für mich am Kreuz Gestorbenen und durch Gottes Schöpferkraft Auferweckten. Gerade auch dies hängt nicht etwa von der Kraft meines Glaubens ab und läßt sich auch in keinerlei Weise religionspsychologisch erklären (als >Lei-stung< des religiösen Gefühls in mir, in dem ich mich über die irdischen Grenzen meines Selbst hinausschwinge, oder in einem inneren Prozeß der Aufgabe allen Selbst-Sein-Wollens bis zum Eins-Werden mit einem Nichts, das für mich Alles wäre). Christlicher Glaube ist nichts anderes als das ganze und unbedingte Vertrauen auf den Heilswillen Gottes und die Heilswirklichkeit der Auferstehung Christi - ein Vertrauen, zu dem sich der Christ nicht selbst aufschwingt, sondern das an sich selbst Gabe Gottes ist, zu dem sich ein Christ bewegen, ermutigen und durch alle dem Glauben widerstreitenden Erfahrungen hindurchtragen läßt aufgrund der in ihm wirksamen Gegenwart des Geistes Gottes.
Die Offenheit über uns selbst hinaus zu Gott im Glauben an ihn, die Öffnung des eigenen Herzens für die Kräfte der Liebe Gottes in brennender Liebe zu Christus und die Offenheit des eigenen Lebenshorizontes über die Todesgrenze hinaus in der Hoffnung auf unsere Auferstehung durch die Auferweckungs- und Neuschöpfungs-kraft des Geistes Gottes ist nach christlicher Lehre und nach vielfältiger geistlicher Erfahrungstradition durch alle Jahrhunderte christlichen Lebens hindurch die Wei
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se, wie das Menschsein des Menschen allein seine Erfüllung finden kann.
So läßt sich sagen: Das Miteinander
und Ineinander gegenwärtiger Teilhabe an Christus im Glauben an ihn und in der Liebe zu
ihm und zukünftiger Teilhabe an Christi Auferstehung in der eigenen
Auferstehung nach dem Tode, auf die wir hoffen und nach der wir uns als der Vollendung unseres
Lebens sehnen, ist der Grund dafür, daß wir uns zum christlichen Leben jetzt und
hier, solange es währt, zum Tun der Liebe zum Nächsten im täglichen Gehorsam gegen
die Liebe Christi in letzter Dringlichkeit herausgerufen und verpflichtet
wissen, - ohne daß sich in solchem Handeln als solchem der Sinn unseres Lebens erfüllt.
In allem Handeln werden Christen immer auch schuldig. Alles christliche Handeln
bleibt zurück
hinter dem Maß der Liebe Christi. Aus der Teilhabe am Auferstehungsleben
Christi erwächst uns immer wieder schuldig Werdenden immer neu die Vergebung, die Christus uns in
seinem Tod am Kreuz erwirkt hat. Die Bereitschaft, eigene Schuld und eigene
Fehler aufrichtig einzugestehen, statt Schuld und Fehler immer nur bei anderen zu suchen,
gehört elementar zu den Erkennungszeichen christlicher >Lebenskultur<.
Und das Wissen um die Begrenztheit menschlicher Hilfsfähigkeit schließt bei Christen die
Bereitschaft ein, sowohl die Defizite im eigenen Handeln für andere erkennbar
werden zu lassen, wie auch Defizite im Handeln anderer nicht als Grund zu mißbrauchen,
sie zu verurteilen; ja, es weckt die Einsicht, daß Kompromißfähigkeit eine Tugend
ist, die gerade Christen hochzuschätzen und zu lernen haben, weil sie wissen, daß nichts
Irdisches vollkommen ist, daß aber die Unvollkommenheit alles Irdischen nicht ein
Grund sei
ner Verachtung
oder gar Anklage sein soll, weil vollkommen nur das Himmlische ist und wir irdisch
Unvollkommenen
daran Anteil haben und teilhaben werden in der Auferstehung von den Toten.
Die christliche Auferstehungshoffnung relativiert also in der Tat alles Diesseitige - aber nicht im Sinne einer Resignation, sondern in einem durchaus positiven Sinn: Sie wehrt einer Überschätzung und Überforderung, die das Irdische daran hindert zu sein, was es ist: begrenztes Gutes. Wer von der vollkommenen Liebe angerührt wird: der Liebe Christi und der Liebe zu ihm, der wird irdische Liebe nicht permanent überfordern, bis er sie wegen ihrer Unvollkommenheit gar zu hassen beginnt. Aber gerade so wird er sie in ihrer Unvollkommenheit hochschätzen und genießen, - weil er sie von der vollkommenen Liebe Christi, die er im Glauben erfährt, zu unterscheiden weiß. Und wer im Glauben von der wirklichen Seligkeit weiß, die in der Teilhabe an Gottes Reich in Christus besteht, der wird weder von der eigenen >Karriere< Letztes und Vollkommenes erwarten und sich selbst und die Verhältnisse überfordern, noch auch politisch eine Welt vollkommenen Friedens und Glückes zu schaffen suchen. Denn die Auferstehung, auf die er hofft, wird jegliches Karriereglück in den Schatten stellen; und das Leben im Reich Gottes wird auch noch so herrliche irdische Reiche an Herrlichkeit unendlich übertreffen, wie in Gottes Reich auch alle noch so elende Armut und Ungerechtigkeit ganz und gar aufgehoben und in den Reichtum de-rer, die Gottes Angesicht schauen, und in den Rechtsfrieden der Heilsgemeinde aus allen Völkern aller Zeiten verwandelt werden wird. »Gott alles in allen« (1. Kor 15,28) -das wird mehr sein als alles, womit wir hier auf Erden be-
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schäftigt sind, und als alle, mit denen wir hier umgehen. Aber diese letzte Aussicht macht das >Vorletzte< keineswegs wertlos. Sie gibt ihm einen Wert, der irdischem Leben in seiner Begrenztheit durchaus angemessen sein kann. Indem sie ihm die Vollkommenheit offenhält, die ihm durch die Güte des Heilswillens Gottes bevorsteht, weckt sie inmitten des irdischen Alltags eine Freude, die eine irdische Gottesdienstgemeinde bereits jetzt und hier mit den Engeln besingen darf.
Gemeinschaft der Christen durch die Kraft der Auferstehung Jesu Christi
Meditation über Philipper 2,1-13 Phil 2,1-13
»Ist nun Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, die gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. (Tut) nichts aus Streitsucht, nichts um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Ein jeder sehe nicht auf das Eigene, sondern auch auf das des anderen, jeder von euch! Dies sei euer Sinnen und Trachten unter euch, was es auch in Christus Jesus ist:
(I) In Gottes Gestalt war Er
und hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entleerte sich selbst, nahm Knecht-Gestalt an, wurde den Menschen gleich, anzusehen wie ein Mensch. Er erniedrigte sich selbst, wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz.
(II) Darum hat Gott Ihn hoch erhoben und Ihm den Namen verliehen,
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der über alle Namen ist;
daß im Namen Jesu
sich beuge jedes Knie,
im Himmel und auf Erden und unter der Erde,
und jede Zunge bekenne:
Herr ist Jesus Christus -
zur Ehre Gottes, des Vaters.
Daher, meine Lieben, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur als ich bei euch war, sondern vielmehr auch jetzt in meiner Abwesenheit: Mit Furcht und Zittern verwirklicht euer eigenes Heil, denn Gott ist es, der in euch wirkt das Wollen wie das Verwirklichen, zu seinem Wohlgefallen.«